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nnier | 11. Januar 2009 | Topic Illiterarisches
Heute morgen habe ich wieder keinen Bissen herunterbekommen. Auf meinem Stuhl zwischen Mama und Papa am Tisch saß ich, stumm, die Teetasse halb ausgetrunken, denn den bekomme ich immerhin runter, den Tee, mit zwei Löffeln Zucker. Ich schwieg wie immer, spürte wie jeden Tag den Vorwurf, die Verzweiflung, ich hatte sie ja nachts wieder reden hören, als ich zum dritten Mal zur Toilette geschlichen war, ich muss ja ständig zur Toilette, doch es kommt nie richtig raus, daher kommen auch meine Bauchschmerzen. Ihr undeutliches Gemurmel war aus dem Schlafzimmer gedrungen, ich habe schon lange nicht mehr gelauscht und weiß doch ganz genau, was sie gesprochen haben. Ich kenne die Traurigkeit meiner Mutter, ich kenne Papas unterdrückte Wut. Ob sie nicht zu streng mit mir seien. Dass ich immer so traurig aussähe. Dass ich ein Junge sei und viel zu sehr verwöhnt würde. Dass die anderen Jungen schließlich auch zurechtkämen. Dass ich eben besonders sensibel sei. Ob man mit mir noch mal zum Arzt gehen solle. Dass mir einfach mal eine Woche Feldarbeit an der frischen Luft fehle. Ich habe das alles tausendmal gehört.
Ich schlich mich zurück in mein Bett, es war schon weit nach Mitternacht und meine Füße waren entsetzlich kalt. Zitternd legte ich mich unter meine Decke und versuchte einzuschlafen. Aber ich kenne das schon, es hat dann einfach keinen Sinn, ich denke und denke über den vergangenen Tag nach und dann denke ich über den kommenden Tag nach und wie anstrengend der wieder sein wird. Und wenn ich lange genug nachgedacht habe, hole ich mir meinen Atlas und lerne die Regierungsbezirke auswendig, einmal alphabetisch und einmal geographisch geordnet, das beruhigt mich, oder ich wiederhole die Grammatikaufgaben. Manchmal rechne ich auch im Kopf die Aufgaben aus dem Buch nach. Ich habe immer alles richtig. Aber irgendwas zwingt mich dazu, alles wieder und wieder durchzurechnen und nachzuprüfen. Ich will nichts falsch machen. Wenn ich mal was falsch mache, lachen die anderen mich aus. Wenn ich mal was falsch mache, sieht mich die Lehrerin auf eine Weise an, die ich nicht ertrage. Ich kenne sie. Sie verachtet mich und will mich vor allen bloßstellen. Dabei tut sie immer ganz freundlich, deshalb mögen die anderen sie auch so gerne, diese Dumpfbacken, sie passen gut zusammen, sie verachtet mich und will mich vor allen demütigen. Sie nimmt mich öfter dran als jeden anderen, nur damit ich einmal vor allen versage. Die anderen melden sich erst recht nicht, damit sie mich drannehmen muss und ich versage. Das alles weiß ich und sie weiß, dass ich es weiß, und die anderen wissen es auch.
Wenn ich am Frühstückstisch sitze und mir ist schlecht und meine Eltern tun so, als wäre nichts, und meine Mutter gibt sich solche Mühe, fröhlich zu klingen, wenn sie mir ein Butterhörnchen anbietet, ach, du willst nicht, na ja, dann packe ich es dir ein, vielleicht bekommst du ja in der Schule Appetit, dann weiß sie, dass ich das Butterhörnchen schon auf dem Schulweg in den Mülleimer neben Compani werfe, und ich weiß, dass sie es weiß, und ich nehme den Umweg und gehe auf der anderen Straßenseite, damit ich nicht am Bauplatz vorbeigehen muss, denn der ist gefährlich und für Kinder verboten. Ich habe aber einmal gesehen, wie welche von den anderen dort waren, sie haben dort Fußball gespielt, ohne sich an die Regeln zu halten, und sie haben sich sogar in das Autowrack gesetzt, vor dem mich meine Mutter so gewarnt hat. Der dicke war auch dabei, der frisst seine Butterhörnchen, der würde nichts wegschmeißen, der frisst schon beim Frühstück nur so ungesundes Zeug und hat immer Butter im Gesicht und Krümel auf dem Pullover und riecht, wenn er laut schnaufend ausatmet, so süßlich nach Marmelade, dass einem schlecht wird. Dann der eine, der von seinem Vater total verwöhnt wird, aber nur auf materieller Ebene, da gibt es keinerlei Bildung, Klavierunterricht zum Beispiel oder mal einen Theaterbesuch, und Bücher hat der nur, damit die Regale nicht so leer sind. Wenn er seinen Ramsch dann mit in die Schule bringt, rennen die anderen hin und bestaunen seine Feuerwehrautos und Indianerkostüme und Roulettespiele und all den geistlosen Müll, den er da anbringt. Und er merkt gar nicht, dass sie überhaupt nicht an ihm interessiert sind, sondern nur an seinen Sachen, die sie dann auch haben wollen und am Ende immer kaputtmachen. Es ist total offensichtlich, wie er versucht, sich Freunde zu kaufen!
Besonders schlimm ist so ein Schlägertyp. Er ist natürlich der unumstrittene Anführer im Dumpfbackenrudel, denn so funktioniert es bei denen: Nur wer laut rumschreit und rücksichtslos schlägt, hat was zu melden. Ich weiß, dass sie Angst vor ihm haben, aber jeder will sein Freund sein, jeder lacht über seine blöden Witze und klopft ihm auf die Schultern - nur aus Angst und damit er lieber einen anderen schlägt. Der Polizistensohn z.B., und der, der so stolz darauf ist, wie schnell er rennt - klar, wenn man sonst nichts kann! - oder dieser eine, der eigentlich selbst immer schlechte Laune hat und sie dann regelmäßig an anderen auslässt. Oder der, der längst auf der Sonderschule sein müsste, der ist an unserer Schule schlicht überfordert. Nicht, dass die anderen besonders intelligent wären, aber der, der schlägt alles. Wenn er schon immer freiwillig in die Ecke geht, kaum dass er drangenommen wurde - und alle lachen immer wieder darüber! Mir wäre das peinlich.
Einen gibt's, den fand ich eigentlich am Anfang ganz nett. Da hat er mich sogar mal besucht. Mich hat er aber nie zu sich eingeladen. Und ich habe bald gemerkt, dass er genau so ein Opportunist ist wie die anderen. Sie schlagen mich, wenn keiner hinguckt, sie sind boshaft, primitiv und hinterhältig, und ich muss sie auch heute wieder ertragen: Otto, Georg, Franz, Roland, Max, Joachim, Chlodwig. Und Nick.
Ich schlich mich zurück in mein Bett, es war schon weit nach Mitternacht und meine Füße waren entsetzlich kalt. Zitternd legte ich mich unter meine Decke und versuchte einzuschlafen. Aber ich kenne das schon, es hat dann einfach keinen Sinn, ich denke und denke über den vergangenen Tag nach und dann denke ich über den kommenden Tag nach und wie anstrengend der wieder sein wird. Und wenn ich lange genug nachgedacht habe, hole ich mir meinen Atlas und lerne die Regierungsbezirke auswendig, einmal alphabetisch und einmal geographisch geordnet, das beruhigt mich, oder ich wiederhole die Grammatikaufgaben. Manchmal rechne ich auch im Kopf die Aufgaben aus dem Buch nach. Ich habe immer alles richtig. Aber irgendwas zwingt mich dazu, alles wieder und wieder durchzurechnen und nachzuprüfen. Ich will nichts falsch machen. Wenn ich mal was falsch mache, lachen die anderen mich aus. Wenn ich mal was falsch mache, sieht mich die Lehrerin auf eine Weise an, die ich nicht ertrage. Ich kenne sie. Sie verachtet mich und will mich vor allen bloßstellen. Dabei tut sie immer ganz freundlich, deshalb mögen die anderen sie auch so gerne, diese Dumpfbacken, sie passen gut zusammen, sie verachtet mich und will mich vor allen demütigen. Sie nimmt mich öfter dran als jeden anderen, nur damit ich einmal vor allen versage. Die anderen melden sich erst recht nicht, damit sie mich drannehmen muss und ich versage. Das alles weiß ich und sie weiß, dass ich es weiß, und die anderen wissen es auch.
Wenn ich am Frühstückstisch sitze und mir ist schlecht und meine Eltern tun so, als wäre nichts, und meine Mutter gibt sich solche Mühe, fröhlich zu klingen, wenn sie mir ein Butterhörnchen anbietet, ach, du willst nicht, na ja, dann packe ich es dir ein, vielleicht bekommst du ja in der Schule Appetit, dann weiß sie, dass ich das Butterhörnchen schon auf dem Schulweg in den Mülleimer neben Compani werfe, und ich weiß, dass sie es weiß, und ich nehme den Umweg und gehe auf der anderen Straßenseite, damit ich nicht am Bauplatz vorbeigehen muss, denn der ist gefährlich und für Kinder verboten. Ich habe aber einmal gesehen, wie welche von den anderen dort waren, sie haben dort Fußball gespielt, ohne sich an die Regeln zu halten, und sie haben sich sogar in das Autowrack gesetzt, vor dem mich meine Mutter so gewarnt hat. Der dicke war auch dabei, der frisst seine Butterhörnchen, der würde nichts wegschmeißen, der frisst schon beim Frühstück nur so ungesundes Zeug und hat immer Butter im Gesicht und Krümel auf dem Pullover und riecht, wenn er laut schnaufend ausatmet, so süßlich nach Marmelade, dass einem schlecht wird. Dann der eine, der von seinem Vater total verwöhnt wird, aber nur auf materieller Ebene, da gibt es keinerlei Bildung, Klavierunterricht zum Beispiel oder mal einen Theaterbesuch, und Bücher hat der nur, damit die Regale nicht so leer sind. Wenn er seinen Ramsch dann mit in die Schule bringt, rennen die anderen hin und bestaunen seine Feuerwehrautos und Indianerkostüme und Roulettespiele und all den geistlosen Müll, den er da anbringt. Und er merkt gar nicht, dass sie überhaupt nicht an ihm interessiert sind, sondern nur an seinen Sachen, die sie dann auch haben wollen und am Ende immer kaputtmachen. Es ist total offensichtlich, wie er versucht, sich Freunde zu kaufen!
Besonders schlimm ist so ein Schlägertyp. Er ist natürlich der unumstrittene Anführer im Dumpfbackenrudel, denn so funktioniert es bei denen: Nur wer laut rumschreit und rücksichtslos schlägt, hat was zu melden. Ich weiß, dass sie Angst vor ihm haben, aber jeder will sein Freund sein, jeder lacht über seine blöden Witze und klopft ihm auf die Schultern - nur aus Angst und damit er lieber einen anderen schlägt. Der Polizistensohn z.B., und der, der so stolz darauf ist, wie schnell er rennt - klar, wenn man sonst nichts kann! - oder dieser eine, der eigentlich selbst immer schlechte Laune hat und sie dann regelmäßig an anderen auslässt. Oder der, der längst auf der Sonderschule sein müsste, der ist an unserer Schule schlicht überfordert. Nicht, dass die anderen besonders intelligent wären, aber der, der schlägt alles. Wenn er schon immer freiwillig in die Ecke geht, kaum dass er drangenommen wurde - und alle lachen immer wieder darüber! Mir wäre das peinlich.
Einen gibt's, den fand ich eigentlich am Anfang ganz nett. Da hat er mich sogar mal besucht. Mich hat er aber nie zu sich eingeladen. Und ich habe bald gemerkt, dass er genau so ein Opportunist ist wie die anderen. Sie schlagen mich, wenn keiner hinguckt, sie sind boshaft, primitiv und hinterhältig, und ich muss sie auch heute wieder ertragen: Otto, Georg, Franz, Roland, Max, Joachim, Chlodwig. Und Nick.
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Ich suche seit Tagen meinen Schlüsselbund. Der DSL-Zugang stottert wieder ganz schlimm herum. Nicht mal dieses ungesicherte Funknetz aus der Nachbarschaft funktioniert. Krank sind sie auch alle. Und meine Kollegin: Wasserschaden.
2009 halt.
2009 halt.
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Lassen Sie sich nicht täuschenIch gönne ja speziell dem armen Peter Behrens jede Rentenaufbesserung - fast. Wie ich heute im Wartezimmer beim Verteilen eigener und Einsammeln fremder Bazillenstämme feststellen musste, hat mein Mitgefühl mit "Karl Knapp", einem der besten weißen Reggae-Schlagzeuger (wie seine Freundinnen sagen), seine Grenzen. Denn was sprang mir beim Blick in eine Zeitschrift entgegen:
obwohl es zunächst so aussieht
als ginge es um Ihre Unterhaltung
geht es doch letztlich darum
dass Sie Ihre Sympathien
und Ihr Geld
dem TRIO geben
ab dafür*

TRIO, mein geliebtes Trio, macht Werbung für das zweifelhafte Produkt eines ebensolchen Stromkonzerns?
Zuviel Nerv, zuviel Nerv--
Gib mir Energie
Zuviel Nerv, zuviel Nerv
Oh Woman rescue meeeeeeeeee.*
*Beide Texte von der ersten Trio-LP ("Achtung Achtung" und "Energie")
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Ich hab dich leider nicht verstandenIch hab' den irgendwann aus den Augen verloren, spätestens in den ganz frühen 90ern, und das ist vermutlich auch gut so. Er hat mich nicht mehr interessiert. Er setzte sich für Deutschquoten im Radio ein, machte mal beim Grand Prix mit, so Zeug, aber musikalisch und textlich war's irgendwann einfach vorbei für mich.
Aber sag das bitte nicht noch mal!
Es wäre nun einfach, alles, was einem vielleicht auch selber peinlich ist, gleich mit in den Orkus zu spülen, aber hier in meinem Beichtstuhl und ganz unter uns bekenne ich: Ich fand den mal ziemlich gut.
Und zwar schon bevor er mit Dein ist mein ganzes Herz 1985 vorübergehend richtig populär wurde. Da gab's 1981 ein Album mit einem komischen Bild vorne drauf, ein Lied heißt Für nichts und wieder nichts und klingt doch schon mal gar nicht schlecht:
Ich hing am KreuzeEs folgte das Album Eine Form von Gewalt (1982) mit so einigen guten Stücken, nehmen wir mal Das Ultimatum:
Im tiefsten Schnee
Mein Vater fragte:
Tut es sehr weh?
Oh, halb so schlimm, Pa, sagte ich,
Nur wenn ich lache, sticht's
Für nichts und wieder nichts und wieder nichts
So sehn wir ihn am fünften Tag:Ein Text, der mich damals wirklich beeindruckt hat.
Das Fernsehn ist kaputt.
Ein trübes Frühstück ohne Frühprogramm.
Er stellt sich vor den Spiegel, bleibt
Dort lange Stunden stehen
Und merkt dann, daß er kaum noch sprechen kann.
Er greift zum Buch, es fällt ihm hin,
Er greift es sich erneut,
Zum Lesen sind die Augen viel zu wund.
Ein schwarzer Vogel fliegt vors Fenster-
Glas mit voller Wucht,
Er schaut hinaus ins rote Abendrund.
Auf dieser Platte findet sich dann auch das schon oben zitierte Nachts um halb drei, ich hör's immer noch gerne:
Nachts um halb dreiOder nehmen wir mal von 1984 das Album Ausnahmezustand, auf dem man erstmals etwas kommerziellere Töne hört; Lola von den Kinks wird gecovert, der Text ist auch ganz lustig, und die Musik bekommt insgesamt einen etwas höheren Stellenwert - bei immer noch sehr guten Texten wie z.B. dem absurden Liebe im Akkord:
Wenn jede Frau in deiner Nähe Annette heisst
Und auch meistens so ist
Nachts um halb drei
Wenn der WC-Poet im Vollrausch auf die Brille scheisst
Und in die Spülung pisst
Guten Tag Herr DoktorDann Meine Wünsche, aus der Sicht einer alten Frau gesungen, die von der Beerdigung ihres Mannes nach Hause kommt und dort ein Päckchen vom Erotica-Versand vorfindet. Und das auch sehr gelungene Glaubt keinem Sänger:
Ich habe ein Problem
Drüben auf dem Röntgenschirm
Können Sie es sehn
[...]
Letzte Woche ist's passiert
Ich konnte bloß nicht früher
Tief in meinem After
Steckt ein Schraubenzieher
Sie zeigen sich vorDa fiel das 1985er Hit-Album dann doch deutlich ab. Die Texte sagten mir von da an immer weniger, oft waren's Balladen (Mit Leib und Seele, Ich brauch dich jetzt oder Albernheiten wie Finden Sie Mabel), und mit der Musik schien er mir inzwischen krampfhaft in Richtung Hitparaden zu schielen und lieferte doch nur Hausmannskost. Ich verlor wie gesagt mein Interesse.
In sensibelsten Posen
Sie verscherbeln an euch
Eure eignen Neurosen
[...]
Glaubt keinem Sänger
Ist meine erste und letzte Parole
Glaubt keinem Sänger
Schlachtet die Idole
In Erinnerung sind mir noch die insgesamt vier Konzerte, deren Lautstärke immer, ob in Osterode, Göttingen oder Bremen, weit oberhalb der Schmerzgrenze lag und die leider allesamt ziemlich langweilig waren (dabei hatte ich so tolle Geschichten von den frühen Konzerten gehört) - sowie ein sog. "Literarisches Programm" vor kleiner Kulisse, etwa 1994, das eine recht gelungene Mischung aus einer Art "Unplugged"-Konzert und Lesung bot.
Sagen wir ich sei- Wenn meine Kinder das später ihren Therapeuten erzählen, ogottogott, aber ich hab' das blöde Lied manchmal wirklich einfach so vor mich hingesungen, weil's so eine beschwingte Melodie hat, und dieses "Letzte Woche ist's passiert / Ich konnte bloß nicht früher", das ist doch unschlagbar!
Beim Duschen ausgerutscht
Ausgesprochen unglücklich
Da ist er reingeflutscht
- Erzähl weiter. Das rettet jetzt auch nichts mehr.
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Eins sage ich hier mal klar und deutlich. Und das hat nichts mit Husten und Kopfschmerzen und verspanntem Nacken und schlechtem Schlaf und diesem widerlichen, verschwitzten Gefühl zu tun. Das würde ich ganz genau so sagen, wenn ich bessere Laune hätte.
Vorgestern war's noch ein Suppenhuhn, und das zarte Fleisch löste sich ganz leicht von den Knochen, nachdem es zwei oder drei Stunden in der Brühe geköchelt hatte. Ich hab' so was vorher noch nie gemacht, aber es war nicht weiter schlimm, das Vieh aus dem Topf zu nehmen, es etwas abkühlen zu lassen, die schwabbelige Haut abzuziehen und dann das gute Fleisch abzuzupfen. Ich hätte alles auf einmal essen können! Dann habe ich aber doch nur die Knochen abgenagt, sogar den Hals, bei dem jeder Wirbel zu spüren war, und vorher das schöne, schiere Fleisch von jeder kleinen Glibberstelle, den Übergängen zu Sehnen usw. fein säuberlich befreit. Die Stücke dann zurück in die Suppe und - mjam! Wobei ich fürs nächste Huhn folgende Änderung plane: Die mitgekochten Möhren- und Selleriestücke durch ein feines Sieb passieren, da sie ihren Geschmack doch weitestgehend abgegeben haben und außerdem stundenlang ausgekocht nicht mehr unbedingt aufregend schmecken. Mit dem Lauch muss ich noch mal sehen; mir schmeckt er ja, aber die Fasern stören so manches Familienmitglied. Evtl. auch durchsieben? Oder erst spät reintun, damit er noch knackig ist (dadurch aber wiederum wenig von seinem Geschmack an die Brühe abgeben kann)? Hm.
Heute dagegen: Keine Kraft mehr für so Faxen! Stopfen wir die hungrigen Mäuler also mal mit Tiefkühlpizza. Das geht so und nicht anders: Die tiefgekühlte Pizza im Kühlschrank auftauen lassen. Jawoll! Statt mit der Auftaustufe des Mikrowellengeräts noch Energie in Tiefgekühltes hineinzustecken, sparen wir Kühlschrankstrom. Ja, natürlich! Und ob das was bringt! Sei doch mal still. Die Dinger kommen dann natürlich ohne Vorheizen in den Backofen. Doch! Wozu soll der denn bitteschön erst ewig leer heizen? Hm? Der einzige Grund fürs Vorheizen bei solcher Fertigkost ist doch der, dass die Apparate eben sehr unterschiedlich lange brauchen, bis sie ihre 180° erreicht haben. Genau! Sonst verklagt am Ende noch jemand den Hersteller des Konvenienzessens, wenn sein Happi innen noch kalt oder außen schon verbrannt ist; klar, dann lieber genau nach Anleitung erst blödsinnig vorheizen und dann genau 16 Minuten backen - oder wie? Man guckt sich das Zeug doch wohl an, oder etwa nicht? So, und man kann natürlich - still! - man kann doch, wenn man bei der Pizza so eine leichte, helle Bräunung erkennt, den Ofen ruhig schon ausschalten, der wird nämlich nicht schlagartig kalt, nein, der bleibt noch eine Weile heiß! Ist doch eigentlich logisch. Oder schaltet man etwa die Herdplatte erst dann aus, wenn man den Topf herunternimmt? (Wie, Sie machen das so? Na, ist ja Ihre Sache! Geht mich ja nichts an! Ich meine ja nur! Der eine so, der andere so! Jeder wie er mag! Ich will mich da gar nicht drüberstellen! Einige meiner besten Freunde sind Energieverschwender! Öchö! Öchö! Dieser Husten ist aber auch wirklich. Nein, es geht schon. Mir? Gut, danke!)
Vorgestern war's noch ein Suppenhuhn, und das zarte Fleisch löste sich ganz leicht von den Knochen, nachdem es zwei oder drei Stunden in der Brühe geköchelt hatte. Ich hab' so was vorher noch nie gemacht, aber es war nicht weiter schlimm, das Vieh aus dem Topf zu nehmen, es etwas abkühlen zu lassen, die schwabbelige Haut abzuziehen und dann das gute Fleisch abzuzupfen. Ich hätte alles auf einmal essen können! Dann habe ich aber doch nur die Knochen abgenagt, sogar den Hals, bei dem jeder Wirbel zu spüren war, und vorher das schöne, schiere Fleisch von jeder kleinen Glibberstelle, den Übergängen zu Sehnen usw. fein säuberlich befreit. Die Stücke dann zurück in die Suppe und - mjam! Wobei ich fürs nächste Huhn folgende Änderung plane: Die mitgekochten Möhren- und Selleriestücke durch ein feines Sieb passieren, da sie ihren Geschmack doch weitestgehend abgegeben haben und außerdem stundenlang ausgekocht nicht mehr unbedingt aufregend schmecken. Mit dem Lauch muss ich noch mal sehen; mir schmeckt er ja, aber die Fasern stören so manches Familienmitglied. Evtl. auch durchsieben? Oder erst spät reintun, damit er noch knackig ist (dadurch aber wiederum wenig von seinem Geschmack an die Brühe abgeben kann)? Hm.
Heute dagegen: Keine Kraft mehr für so Faxen! Stopfen wir die hungrigen Mäuler also mal mit Tiefkühlpizza. Das geht so und nicht anders: Die tiefgekühlte Pizza im Kühlschrank auftauen lassen. Jawoll! Statt mit der Auftaustufe des Mikrowellengeräts noch Energie in Tiefgekühltes hineinzustecken, sparen wir Kühlschrankstrom. Ja, natürlich! Und ob das was bringt! Sei doch mal still. Die Dinger kommen dann natürlich ohne Vorheizen in den Backofen. Doch! Wozu soll der denn bitteschön erst ewig leer heizen? Hm? Der einzige Grund fürs Vorheizen bei solcher Fertigkost ist doch der, dass die Apparate eben sehr unterschiedlich lange brauchen, bis sie ihre 180° erreicht haben. Genau! Sonst verklagt am Ende noch jemand den Hersteller des Konvenienzessens, wenn sein Happi innen noch kalt oder außen schon verbrannt ist; klar, dann lieber genau nach Anleitung erst blödsinnig vorheizen und dann genau 16 Minuten backen - oder wie? Man guckt sich das Zeug doch wohl an, oder etwa nicht? So, und man kann natürlich - still! - man kann doch, wenn man bei der Pizza so eine leichte, helle Bräunung erkennt, den Ofen ruhig schon ausschalten, der wird nämlich nicht schlagartig kalt, nein, der bleibt noch eine Weile heiß! Ist doch eigentlich logisch. Oder schaltet man etwa die Herdplatte erst dann aus, wenn man den Topf herunternimmt? (Wie, Sie machen das so? Na, ist ja Ihre Sache! Geht mich ja nichts an! Ich meine ja nur! Der eine so, der andere so! Jeder wie er mag! Ich will mich da gar nicht drüberstellen! Einige meiner besten Freunde sind Energieverschwender! Öchö! Öchö! Dieser Husten ist aber auch wirklich. Nein, es geht schon. Mir? Gut, danke!)
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Beim Reinigen meiner virtuellen Schreibtischplatte ("Desktop") fiel mir eine Datei namens "schlimme_songs.txt" in die Hände. Darin stehen zehn Titel und Interpreten aus den 80er Jahren.
Schemenhaft erinnere ich mich, dass für eines der regelmäßigen Kneipentreffen mit meinem Freund M., bei denen die Musik der 80er niemals undiskutiert bleibt und übrigens der Formation Talk Talk stets Lob gezollt wird, folgender alleiniger Tagesordnungspunkt vorgesehen war: Die zehn schlechtesten Songs der 80er.
Was mancher für eine simple Frage halten mag, die er deshalb auch spontan und
Nehmen wir mal Modern Talking: Klar waren das die 80er und natürlich ist es akustisch, ästhetisch und moralisch nicht zu vertreten, dass es so etwas jemals gegeben hat - aber will man das noch groß thematisieren, auf ein totes Schwein einprügeln? Die bloße Erwähnung wäre zuviel der Ehre für den mit Dreck schmeißenden, im Dreck wühlenden, vom Dreck lebenden Dieter Bohlen.
Oder die Münchener Freiheit ("Solang man Träume noch leben kann"), die einen mit diesem Lied bis in die Alpträume hinein peinigen kann und nebenbei wesentliche Melodieteile bei Cyndi Lauper ("All through the night") geklaut hat - so jemanden ignoriere ich doch nicht mal. Alphaville ("Forever young")? Samantha Fox ("Touch me") - nein, die lassen wir alle raus, so mein damaliger Gedankengang, es muss schon eine gewisse Relevanz von Künstler oder Stück vorliegen, um in die Top-10-Liste zu gelangen. Und meine knapp vorgetragenen Begründungen zwischen den einzelnen Plazierungen und Bieren weiß ich auch noch ungefähr. Sie lauteten:
10) Roxette: The look (Stellvertretend für eine der überflüssigen skandinavischen Plastikproduktionen, nerviger Gesang, schlimmer Refrain, Schweinegitarre, aber penetrant in den Charts mit immer wieder diesem Stück unter mindestens fünf verschiedenen Namen.)
9) George Michael: I want your sex (Entsetzlich kalkuliertes Stück, musikalisch und auch textlich unerträglich, will mutig-tabubrecherisch erscheinen und bedient doch nur die blödesten Klischees, schlimmste Stelle: Die Bass-Stimme, die "one on one" singt.)
8) Bowie & Jagger: Dancing in the streets (Wie konnte ein respektabler Künstler wie Bowie nur so einen Schmonzens mitmachen? Auf-Nummer-Sicher-Stück, belanglos und bei allem Geschrei des aufgedrehten Jagger langweilig wie nur was.)
7) Whitney Houston: I wanna dance with somebody (Die Ohren fliegen einem weg, Hochleistungs- und Hochglanzpop, ich fühle mich angeschrien; dass man fünf Oktaven zur Verfügung hat, heißt noch lange nicht, dass man sie auch einsetzen muss.)
6) Erasure: Oh L'amour (Erasure an sich ist schlimm, armselig, blutleer, am furchtbarsten aber ist dieses langweilige Stück, dessen Leblosigkeit danach höchstens noch von Jack Whites "F.C. Bayern - Forever Number One" erreicht wurde.)
5) Starship: Nothing´s gonna stop us now (Das sind die Töne aus den Presets der 80er-Synthesizer, billigste Produktion gepaart mit schlechtem Gesang und hohlem Pathos für nichts und wieder nichts.)
4) Bob Marley : Could you be loved (Ich bin sowieso kein Freund von Reggae, aber das geht eindeutig zu weit, bei allem Respekt. Die Stimme. Und dieses nervige Geräusch, das "Ooka ooka", das macht mich wahnsinnig.)
3) Europe: The final countdown (Diese Keyboard-Fanfare ist ja mit das Schlimmste, was je aus einem Synthesizer rausgeholt wurde. Und das Hardrock-Gesinge von der Stange - brrr.)
2) Terence Trent D'Arby: Wishing well (Ich kann mit Worten sowieso nicht ausdrücken, wie ich diese Stimme hasse. Und diese Art Musik.)
1) Jennifer Rush: The power of love (Man hält es schlicht nicht für möglich, dass diese weibliche Knödelstimme mit all ihrem Pathos jemals etwas anderes als Entsetzen, Abscheu, irres Lachen oder unmittelbares Erbrechen ausgelöst haben kann. Historisch interessant, aber einfach unfassbar.)
Ist doch so!
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(Fortsetzung)
Neulich wollte ich mal nachdenken, das mache ich manchmal und suche dafür das nächstliegende Mittelgebirge auf. Das zerfallende Herzberg hinter mir lassend steuerte ich also St. Andreasberg an, da es laut meiner Erinnerung außenrum Schnee und dunklen Tannenwald, innendrin schmucke, auf spießige Weise gediegene Touristencafés gibt. Man passiert auf dem Weg dorthin die engen Dörfchen, man gruselt sich vor den dunklen Schieferhäusern, man freut sich, wenn man schließlich die kleinste niedersächsische Stadt erreicht. Hier oben, etwa 700 m über NN, muss doch die Welt noch in Ordnung sein! Und vielleicht kommt man ja auf Gedanken?
Ein erster Rundgang offenbart: Neblige Kälte ist in ausreichender Menge verfügbar, gefrorene Substanz findet sich unter den Füßen - genau das richtige Ambiente, um sich erst mal in einem Biergarten zu stärken. Auf der Piste fährt jemand Ski. Das ist ja toll, wie viel Platz der hat!
Nach einigen Gläsern Schierker Feuerstein beginnt man, sich richtig wohlzufühlen und über ein anderes, ein besseres Leben nachzudenken. Will man auf ewig Flachländer bleiben? Nein, der Anfang ist gemacht, nun gilt es, sich eine neue Zukunft aufzubauen. Warum nicht hier oben? Natürlich muss man sich an seine Umgebung anpassen; würde man bspw. einen Skiverleih eröffnen, so müsste sich dieser stilistisch halbwegs in die historisch gewachsene Umgebung einpassen.
Aber vielleicht muss es ja kein Skiverleih sein. Denn was entdecken wir da auf unserem Rundgang - das sieht doch vielversprechend aus!
"Zu verkaufen", ich kann meine Erregung nur mühsam kontrollieren. Gut, etwas außerhalb gelegen, klar, da kommt nicht groß jemand vorbei, O.K., da muss man ein bisschen was dran machen - aber mit etwas Übergangsgeld und einem Kredit ... ? Schauen wir mal rein: Das gibt's doch nicht! Das ist ja komplett ausgestattet! Da müsste man ja nicht mal die Baumscheibensinnsprüche neu beschaffen: Alles da!
Bevor ich den Blankokaufvertrag in den Briefkasten schmeiße, kommt mir ein kühner Gedanke: Wenn es nun anderswo noch mehr ... ? Am Ende gar mitten im Ort? Schauen wir lieber noch mal nach, kaufen können wir immer noch. Oha! Dieses Objekt für den handwerklich begabten Käufer bietet ja noch ganz andere Perspektiven:

Die Türen gehören im Harz wahrscheinlich so. Trotzdem zögere ich noch. Denn nun stellt sich die Frage: So schön St. Andreasberg ist - wer sagt, dass es nicht anderswo noch schöner ist? Zum Beispiel in diesen namenlosen, dunklen, geduckten Orten, die man auf dem Hinweg achtlos durchfahren hat? Halten wir doch mal die Augen auf! Und tatsächlich:
Dass ich daran vorhin achtlos vorbeigefahren bin, kann ich nun nicht mehr verstehen. Das hat doch nun wirklich Perspektive! Man könnte ein Café darin eröffnen, einen Kindergarten, eine Sauna evtl. oder vielleicht einen gut besuchten und angesagten Club ("Disko")? Aber vielleicht liegt das Glück noch näher: Hier z.B. müsste man nur mal ein wenig aufräumen. Ich sehe die Touristen direkt vor mir!

Oder hier: Einmal durchfeudeln, Kaffee kochen, da geht was, ich sag's euch! Und das Schild ("Ferienwohnung ab 10.- Euro") ist auch noch gut. Einmal drüberwischen und den Preis anpassen (nach unten), denn wenn man so hoch rangeht, ist es ja auch kein Wunder, dass die Gäste ausbleiben.

Beschwingt fahre ich zurück, stelle Finanzierungspläne auf, layoute im Geiste die Speisekarte (Comic Sans MS / "Bier 1,60", "Korn 1,20", "Jägerschnitzel mit Pommes 4,50" / Grafiker fragen wg. Rübezahl), rechne aus, dass ich bei angenommen 300 Besuchern am Tag, die je fünf Herrengedecke verzehren, wohl doch noch an die zehn Jahre arbeiten muss, bis ich genug Geld an die Seite geschafft habe, um von den Zinsen zu leben, aber man muss auch mal hart zu sich sein - doch da! Was war das da eben? Dieses einsame, kilometerweit von aller Ziviliation gelegene Schmuckstück? Wir bremsen, wir setzen zurück, wir reiben uns die Augen: Das schlägt ja nun alles.
Ich habe gefunden, was ich immer gesucht habe. Sie werden von mir evtl. weniger hören in nächster Zeit. Ich eröffne im Harz ein Hotel.
[Wird garantiert nicht fortgesetzt.]
Neulich wollte ich mal nachdenken, das mache ich manchmal und suche dafür das nächstliegende Mittelgebirge auf. Das zerfallende Herzberg hinter mir lassend steuerte ich also St. Andreasberg an, da es laut meiner Erinnerung außenrum Schnee und dunklen Tannenwald, innendrin schmucke, auf spießige Weise gediegene Touristencafés gibt. Man passiert auf dem Weg dorthin die engen Dörfchen, man gruselt sich vor den dunklen Schieferhäusern, man freut sich, wenn man schließlich die kleinste niedersächsische Stadt erreicht. Hier oben, etwa 700 m über NN, muss doch die Welt noch in Ordnung sein! Und vielleicht kommt man ja auf Gedanken?
Ein erster Rundgang offenbart: Neblige Kälte ist in ausreichender Menge verfügbar, gefrorene Substanz findet sich unter den Füßen - genau das richtige Ambiente, um sich erst mal in einem Biergarten zu stärken. Auf der Piste fährt jemand Ski. Das ist ja toll, wie viel Platz der hat!
Nach einigen Gläsern Schierker Feuerstein beginnt man, sich richtig wohlzufühlen und über ein anderes, ein besseres Leben nachzudenken. Will man auf ewig Flachländer bleiben? Nein, der Anfang ist gemacht, nun gilt es, sich eine neue Zukunft aufzubauen. Warum nicht hier oben? Natürlich muss man sich an seine Umgebung anpassen; würde man bspw. einen Skiverleih eröffnen, so müsste sich dieser stilistisch halbwegs in die historisch gewachsene Umgebung einpassen.
Aber vielleicht muss es ja kein Skiverleih sein. Denn was entdecken wir da auf unserem Rundgang - das sieht doch vielversprechend aus!
"Zu verkaufen", ich kann meine Erregung nur mühsam kontrollieren. Gut, etwas außerhalb gelegen, klar, da kommt nicht groß jemand vorbei, O.K., da muss man ein bisschen was dran machen - aber mit etwas Übergangsgeld und einem Kredit ... ? Schauen wir mal rein: Das gibt's doch nicht! Das ist ja komplett ausgestattet! Da müsste man ja nicht mal die Baumscheibensinnsprüche neu beschaffen: Alles da!
Bevor ich den Blankokaufvertrag in den Briefkasten schmeiße, kommt mir ein kühner Gedanke: Wenn es nun anderswo noch mehr ... ? Am Ende gar mitten im Ort? Schauen wir lieber noch mal nach, kaufen können wir immer noch. Oha! Dieses Objekt für den handwerklich begabten Käufer bietet ja noch ganz andere Perspektiven:

Die Türen gehören im Harz wahrscheinlich so. Trotzdem zögere ich noch. Denn nun stellt sich die Frage: So schön St. Andreasberg ist - wer sagt, dass es nicht anderswo noch schöner ist? Zum Beispiel in diesen namenlosen, dunklen, geduckten Orten, die man auf dem Hinweg achtlos durchfahren hat? Halten wir doch mal die Augen auf! Und tatsächlich:
Dass ich daran vorhin achtlos vorbeigefahren bin, kann ich nun nicht mehr verstehen. Das hat doch nun wirklich Perspektive! Man könnte ein Café darin eröffnen, einen Kindergarten, eine Sauna evtl. oder vielleicht einen gut besuchten und angesagten Club ("Disko")? Aber vielleicht liegt das Glück noch näher: Hier z.B. müsste man nur mal ein wenig aufräumen. Ich sehe die Touristen direkt vor mir!

Oder hier: Einmal durchfeudeln, Kaffee kochen, da geht was, ich sag's euch! Und das Schild ("Ferienwohnung ab 10.- Euro") ist auch noch gut. Einmal drüberwischen und den Preis anpassen (nach unten), denn wenn man so hoch rangeht, ist es ja auch kein Wunder, dass die Gäste ausbleiben.

Beschwingt fahre ich zurück, stelle Finanzierungspläne auf, layoute im Geiste die Speisekarte (Comic Sans MS / "Bier 1,60", "Korn 1,20", "Jägerschnitzel mit Pommes 4,50" / Grafiker fragen wg. Rübezahl), rechne aus, dass ich bei angenommen 300 Besuchern am Tag, die je fünf Herrengedecke verzehren, wohl doch noch an die zehn Jahre arbeiten muss, bis ich genug Geld an die Seite geschafft habe, um von den Zinsen zu leben, aber man muss auch mal hart zu sich sein - doch da! Was war das da eben? Dieses einsame, kilometerweit von aller Ziviliation gelegene Schmuckstück? Wir bremsen, wir setzen zurück, wir reiben uns die Augen: Das schlägt ja nun alles.
Ich habe gefunden, was ich immer gesucht habe. Sie werden von mir evtl. weniger hören in nächster Zeit. Ich eröffne im Harz ein Hotel.
[Wird garantiert nicht fortgesetzt.]
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Von: ColonMed700 [12/30/08 03:11:40]
Weihnachten und neues Jahren helfen Ihnen zu sparen
Von: Ines Stark [12/30/08 18:16:46]
Weihnachten und neues Jahren helfen Ihnen zu sparen
Von: Ines Stark [12/30/08 18:16:46]
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