Mumien, Analphabeten, Diebe.
Du hast's gut, du hast dein Leben noch vor dir.
Montag, 8. Februar 2016
71@71:#25
nnier | 08. Februar 2016 | Topic Musiq
Piss off, eyy! Ich weiß, ihr könnt es alle kaum erwarten, deshalb geht das hier auch Schlag auf Schlag, und schon betreten wir die Top 25 dieser beliebten kleinen Serie.



Paul würde das so nie ausdrücken, der würde einfach "Piece of cake" über ein paar verstimmte Gitarrenakkorde singen, mit ebensolcher Stimme, und über seine vielen Stimmen denkt ja sowieso niemand hinreichend nach. Und was für ein abwechslungsreicher Song das hier schon wieder ist! Nicht nur durch seine Stimme, die nach Belieben im Falsett säuseln (That was your first mistake), aggressiv shouten (Too many hungry people losing weight), beinahe vergeistigt (Ooohoo-ooh, nach den ersten paar Sekunden) oder komplett weggetreten (Piece of cake) klingen kann.

Man hört so ein Lied und denkt, na ja, das läuft so geradeaus, dabei sind eine Menge kleine Rafinessen darin verborgen, das beginnt mit dem kleinen Kuchenstückvorspiel und geht weiter mit den zahlreichen Breaks, einem grandiosen E-Gitarrensolo und einem ziemlich wilden Finale.

Der Song stammt im übrigen von der einzigen Platte des berühmten Musikerduos Paul & Linda McCartney, und das ist wirklich schade, dass die nur diese eine Scheibe veröffentlicht haben, denn sie ist einer meiner liebsten.

Und was die japanischen Jungs da oben mit ihrer großen Pause anstellen, finde ich sehr löblich. Üben, Boys, dann gibt's auch ein Stück Kuchen!

Platz 25: Too Many People (1971)

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Sonntag, 7. Februar 2016
Nebenbei geschluckt
nnier | 07. Februar 2016 | Topic Gulp
- Mein Kollege hat jede Menge Hunde. Mit denen fährt er immer zur Hundeschule nach Hamburg. Der macht jetzt nebenbei einen Weinhandel für so Bio-Weine. Soll ich mal was mitbringen?

- OK.



Wenn ich mich zwischendurch frage, ob ich mir vielleicht auch ein paar Hunde anschaffen sollte und mit denen täglich rausgehen, zum Tierarzt, in die Hundeschule und zu Wettbewerben fahren, dann lautet die Antwort: Nein. Und ich werde auch niemals nebenbei einen Weinhandel betreiben, ich komme ja kaum dazu, mal einen Schluck zu trinken.

Dieser hier also aus Portugal von den Ufern des Flusses Duoro, aus eingeborenen Sorten gerührt, und er bringt ordentlich Fass mit, du hältst kaum die Nase übers Glas, schon steckt da ein Stück Holz drin. Zum Essen schmeckte der Wein gut, da kamen Frucht und Säure zupass. Solo aber überzeugt er mich nicht komplett: Ja, da sind Tannine, und die, so viel kann ich inzwischen sagen, gehören für mich auf jeden Fall dazu. Jedoch die Säure ist mir zu stark im Vordergrund, ich mag vorne im Mund gar nicht so viel schmecken, ich will, dass es mir den Rachen weitet. Frucht wiederum ist auch ganz nett, aber ich brauche das mehr vergeistigt, nicht so konkret, und das soll sich richtig schwer anfühlen, dieses hier ist noch viel zu frisch und zu nahe an der Beere.

Erklärst du das kurz deinem Weinhändlerkollegen, der wird das schon verstehen. Wie bitte? Der setzt sich dann doch lieber zum Tierarzt?



Quinta do Romeu von 2011, 13,5 %, vom Nebenbei-Weinhandel, ca. 11.- EUR. Ich sach mal: Ganz nett, aber da geht noch was, Portugal.

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Donnerstag, 4. Februar 2016
Hansefuck
nnier | 04. Februar 2016 | Topic In echt
Am meisten hasse ich meine Mitmenschen, wenn sie Sport machen. Die Sportlehrertypen, die Trillerpfeifen, die peinliche Situation in der Umkleidekabine, all das habe ich in reichlich unangenehmer Erinnerung, und gleiches gilt fürs Schwimmengehen: Da brauche ich den Chlor bloß zu riechen, schon laufen die unangenehmsten Filme ab.

Ich hätte es also wissen können, als der Arbeitgeber warb: Geht zu Hansefuck!, da wird monatlich etwas vom Gehalt abgezogen (und wir bezahlen noch was dazu!) Dann könnt ihr in dieses und jenes Fitness-Studio gehen, und aber auch ins Schwimmbad.

Vor sehr vielen Jahren dachte ich schon einmal: Gehst du halt auch mal ins Fitness-Studio, zu Eisenhower oder wie das heißt, und man kann hinterher in die Sauna. Meldete mich für ein Jahr an, zahlte monatlich, ging zweimal hin, schaute kurz in die Sauna (von außen), erschauerte innerlich und blieb für immer weg.

Schwimmen aber, oder sagen wir: Im Wasser sein, das hat mir mit den Kindern manchmal Spaß gemacht, und da ich keiner bin, der halbe Tage im Schwimmbad verbringt, sondern jemand, der nach einer Dreiviertelstunde sagt: Ist dann auch gut für heute, kam ich in den letzten Jahren gar nicht mehr auf die Idee, mal hinzugehen. Fünf Euro für einmal Reinhüpfen mag ich nicht zahlen, und dass ich "eigentlich" auch länger bleiben könnte, interessiert mich wenig, das ist exakt wie auf dem Brocken: Da wandern deine kleinen Kinder tapfer mit dir hoch, und oben willst du ein Bahnticket kaufen, um wieder herunterzufahren. Du zuckst dann bei dem Preis zusammen und sagst, ähm, wir wollen ja nur die eine Station, und die sagen dir: Wir verkaufen hier nur Netzkarten, die gelten für die ganze Harzer Schmalspurbahn, da können Sie bis nach X und nach Y mit fahren, und du sagst, bloß wenn ich jetzt nur die eine Station da wieder runter will mit meinen Kindern, und die sagen: Wie gesagt.

Wie gesagt, und da kam bei mir die anthropologische Konstante der Flatrate-Mentalität ins Spiel: Wenn du nicht fünf Euro für einmal Reinhüpfen bezahlen musst, sondern monatlich automatisch ein Betrag von deinem Gehalt abgezogen wird (und sie bezahlen was dazu!), dann kannst du da reinhüpfen und gleich wieder gehen, und das motiviert dich vielleicht, und es gibt noch diese Fitness-Studios, man sollte ja auch was für seinen Rücken tun.

Jeden Monat haben sie einen Betrag von meinem Gehalt abgezogen (und etwas dazubezahlt!), und ich sag mal, ich hätte richtig rauchen können davon. Als das Jahr fast herum war, fragte ich die Kollegen: Wie geht denn das bei Hansefuck, wo kriegt man eigentlich diese Karte her. Ganz einfach, sagten die, du gehst zu einem angeschlossenen Fitness-Studio, zahlst noch so eine Gebühr, dann geben die dir die Karte, mit der kommst du dann überall rein.

Es dauerte dann nur noch ein paar Wochen, da sagte ich eines abends: Also nicht dass ich jetzt Sport machen würde, aber ich kann ja mal die Karte abholen, dann habe ich die immerhin schon mal. Gut!, ermunterte man mich, ist doch gut!, Und dann kannst du ja vielleicht schon mal gucken, vielleicht guckst du dir das ja schon mal an.

Ich bin dann hingefahren, habe noch so eine Gebühr bezahlt (davon hätte ich richtig rauchen können), und ob ich gleich eine Einführung in das Studio haben wolle oder einen Termin dafür: Nein, nein, beeilte ich mich, ich melde mich dann, ich rufe dann an, ich wollte heute nur schon mal meine Karte holen.

Na, hat alles geklappt, wurde ich gefragt, hast du die Karte, wurde ich gefragt, und wie ist es da so.

Ich muss gleich kotzen, sagte ich, zum Kotzen ist es da, alleine schon wenn man da hinfährt, die Autos und die Menschen, und die Sporttaschen, und wie die da hingehen, und wie die da rauskommen, und wie die da sind, und wie dieser Tresen ist, und wie die Frau da ist, und wie im Hintergrund die Geräte sind, und die komischen Fahrräder, und die Schließfächer, etwas Abstoßenderes kann man sich gar nicht vorstellen, und ich würde nicht mal für Geld da hingehen, ich musste ganz schnell wieder wegfahren, ein Graus, dann konnte ich nicht weiterreden und ekelte mich vor den Menschen.

Ich muss nun bald entscheiden, ob ich den Vertrag um ein Jahr verlängere, vielleicht motiviert einen das ja, einfach mal ins Schwimmbad zu gehen, und man soll ja was für den Rücken tun, immerhin habe ich jetzt schon mal die Karte und die ziehen einem das automatisch vom Gehalt ab (und bezahlen noch etwas dazu!)

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Dienstag, 26. Januar 2016
Bildverlust
nnier | 26. Januar 2016 | Topic Art
Als Kind wusste ich gar nicht, was wir in Deutschland für ein Glück hatten: Gewöhnliche Comic-Hefte wie Micky Maus wurden hier ganz selbstverständlich auf gutem Papier im aufwendigen Kupfertiefdruckverfahren hergestellt. Das macht einen ganz erheblichen Unterschied zu dem grobgerasterten und farbverschobenen Erscheinungsbild der US-Comics auf ihrem schlichten Zeitungspapier, und obwohl ich die Amerikaner oft um ihre reiche Comic-Kultur beneidet habe, bin ich damals, was Farbbrillanz und Konturschärfe angeht, ordentlich verwöhnt worden.

Es sind ganz frühkindliche, intensive Eindrücke, an die ich mich da erinnere, die klaren Linien, die schönen Grundfarben, dazu die lustigen Figuren mit ihren Kindchenschemagesichtern: Diese Hefte waren ein Schatz, und ich las sie immer wieder. Fix und Foxi konnten bieder und nervig sein, aber noch heute erinnere ich mich an das wunderschön kolorierte Schlussbild einer Geschichte, die an Weihnachten spielte: Alle Fuxholzener stehen in einer abendlich sonnenbeschienenen Schneelandschaft und singen "Stihille Nacht", während am Bildrand eine kleine Maus genervt die Ohren zuhält und so etwas sagt wie "Von wegen stille Nacht", was ich mit sechs oder sieben Jahren wirklich witzig fand.

Was man Ligne Claire nennt, war hingegen nie mein Fall: Von Tim und Struppi bekam ich zuverlässig Kopfschmerzen, da hilft mir der comicgeschichtliche Stellenwert dieser Reihe rein gar nichts, und auch Superhelden und Abenteuerzeug las ich nur, wenn wirklich nichts anderes in Reichweite war. Aber sonst hatte ich sie alle, Asterix, Lucky Luke, Kauka, vor allem aber Disney: Micky Maus, Mickyvision, Donald Duck Sonderheft, Donald Duck Taschenbuch, Lustiges Taschenbuch, das konnte nicht genug sein und artete manchmal richtig in Stress aus.

Eines Tages stand ich im Kiosk, und wieder war es ein bunter, visueller Eindruck, der so stark war, dass ich etwas anderes als geplant kaufte: Das da war mein erstes MAD-Heft, und ich finde den Gag immer noch gut, außer dass ich geschworen hätte, aus der Rakete wäre noch eine kleine Sprechblase gekommen: "Würg!"

Das deutsche MAD hatte damals enorm gute Titelbilder, führte mich aber insofern vom Weg ab, als es im Inneren aus schnöden Graustufen bestand. Und so ist es kein Wunder, dass ich schließlich bei den schwarz-weißen Underground-Comics von (vor allem) Robert Crumb landete, die mich jahrelang beschäftigten und begeisterten: Das waren plötzlich ganz andere Inhalte, Sex, Neurosen, Autobiographisches, meisterhaft gezeichnet von einem, der, das spürte man, seine Kindheit in alten Comic-Heften verbracht und die guten Sachen intensiv studiert hatte.

Irgendwann war ich auch damit durch. Und es folgte nichts nach. Natürlich gibt es gute "Graphic Novels", gelegentlich lese ich auch mal eine, aber dass mich etwas ganz direkt und unmittelbar anspricht, so dass ich es unbedingt haben und lesen will, ist mir seither nicht mehr passiert.

Bis ich neulich auf einer Quatschseite einen Link zu Joan Cornellà fand: Nanu, was ist denn das!? Gibt's das auch als Buch? (Ja, und ich muss das unbedingt haben.)

Das sind absurde, surrealistische, grausame und saukomische Comics, die ihr euch am besten alle der Reihe nach anguckt: Ich finde die richtig gut, diese klaren Linien und schönen Grundfarben!

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Mittwoch, 20. Januar 2016
71@71:#26
nnier | 20. Januar 2016 | Topic Musiq
Weeeeeelll come into this house / Stop all that yackety yack!

Wenn etablierte Künstler in der Spätphase ihrer Karriere versuchen, back to the roots zu gehen, ist das schnell peinlich. Oder langweilig. Meist beides.

Denen fällt nichts mehr ein, die sind durch, die suchen sich eine Ladung Standards zusammen und surfen auf dem Nostalgietrip. Versuchen vergeblich, eine gute alte Zeit heraufzubeschwören, klingen hohl und abgeschmackt.

McCartney hat das einmal getan, 1987 mit dem sogenannten "Russischen Album", welches eines der wenigen von ihm ist, die ich tatsächlich nie höre. Leblos und langweilig, einzig vielleicht erklärbar als panisch-regressive Korrekturbewegung nach dem Misserfolg von Press To Play: Keiner mag die elektronisch-kühle Produktion mit diesen 80er-Sounds? Dann nehmen wir schnell ein Rock'n'Roll-Album auf und klingen wie die Altherrenband beim Frühschoppen.

Ebenso stark gähnen muss ich bei manchem Lied, das er allzu offensichtlich im Stil der 50er oder frühen 60er schreiben wollte: Sachen wie Get Out of My Way von 1993 vergisst man gleich wieder, und das ist auch gut so.

Dann kommt er 1999 mit einem Rock'n'Roll-Album an, beendet sein Trauerjahr, lädt ein paar alte Säcke ein, nimmt eine Ladung Stücke aus den 50ern auf und komponiert nebenbei Songs, die sich exakt einfügen: Knackfrisch klingt das, unprätentiös und energisch, All Shook Up von Elvis Presley wie mit einer Ladung Pepperoni im Arsch, manches wie im Pub aufgenommen und anderes wie im Bierkeller, immer aber zügig voran und auf den Punkt. Gefällt mir sehr.

Ein Lied herauszuheben ist nicht ganz leicht, Honey Hush ist es geworden, vielleicht auch deshalb, weil ich es einmal unter besonderen Bedingungen live erleben konnte. Und wenn ich daran nur denke, wird mir so warm ums Herz, wie ihr es euch nicht vorstellen könnt.

Komischerweise findet man nur ein paar Liveversionen im Internet, die sind nicht schlecht, aber die Power der Studioaufnahme erreichen sie nicht ganz. Von dieser kann ich also leider nur einen Schnipsel verlinken:

Platz 26: Honey Hush (1999)

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