Mumien, Analphabeten, Diebe.
Du hast's gut, du hast dein Leben noch vor dir.
Samstag, 17. September 2016
Semper Fiiiiiiiii
nnier | 17. September 2016 | Topic Brainphuq
Filmidee: Da ist dieser abgewrackte Typ, der plötzlich immer dieses Geräusch hört, und zuerst wird er ganz herkömmlich in die Handlung eingeführt, mit seiner nervigen Scheißarbeit, mit den täglichen Demütigungen, ganz normal, wie er dann zu Hause auf dem Sofa liegt und sagt: Lasst mich in Ruhe, ich will nichts hören, mir klingelt der Kopf. Und wie er höchstens dann mal ein entspanntes Gesicht macht, wenn es richtig still ist, im Urlaub z.B., in den Bergen, oder wenn er sich ein Kissen über den Kopf legt.

Dann setzt plötzlich dieses Geräusch ein, und da gibt es ein technisches Problem, denn es ist ein sehr hohes Geräusch in einer Frequenz, die die meisten Erwachsenen gar nicht hören. Es kommt von links und soll ab dem Moment pausenlos über Dolby Surround eingespielt werden, so dass der Zuschauer es genau so penetrant hört und irgendwann das Gefühl bekommt, das sei in seinem eigenen Kopf. Da gibt es diesen Film mit Sylvester Stallone, Copland oder wie der heißt, und plötzlich kann er nichts mehr hören, und man sitzt im Kino und hört auch nichts mehr, minutenlang, ein wirklich beeindruckender Effekt. Und jetzt müsste man ermitteln, in welcher Frequenz die meisten Zuschauer so ein Pfeifen gerade noch hören können, so dass man es dann für den Rest des Films schön penetrant auf die Tonspur mischen kann.

Dann sieht man in kleinen Episoden, wie er immer weniger klarkommt, dauernd lässt er sein Handy liegen, oder er will mal zwei Tage ans Meer in eine Hütte, fährt los, kommt nach einer Weile zurück, holt sein Handy, lässt dafür seinen Rucksack liegen, muss also ständig wieder zurück, und im Hintergrund immer so: Fiiiiiiiii. Und wie er morgens in der Hütte aufwacht, merkt er, er hat schön Klamotten gepackt, bloß halt keine Unterhosen und T-Shirts. Oder einmal will er in seine alte Heimat fahren, Südniedersachsen, hat er schon hundertmal gemacht, kennt er auswendig, und dann fährt er so und fährt, und plötzlich ein Ortsschild: "Hamburg", dann sieht man ihn in Großaufnahme und seine Unterlippe beginnt zu zittern, man sieht die feuchte Stirn, dann geht er einen Kaffee trinken und ruft jemanden an und sagt, ha ha, du glaubst nicht, was mir passiert ist. Und wenn er am Meer ist, und wenn er in der Hütte ist, und wenn er sich ein Kissen auf den Kopf legt, macht es umso deutlicher Fiiiiiiiii, das geht dann bis in den Abspann so, und auch, wenn die Credits durchgelaufen sind, wird die Leinwand schwarz, aber das Geräusch bleibt, bis der letzte Zuschauer raus ist.

Das alles mehr so Richtung romantische Komödie, mal Til fragen, was er von dem Arbeitstitel hält: Tinnitussi, und als Gag wird im Foyer noch der Soundtrack auf CD angeboten, darauf ist dann nichts als dieses hohe Geräusch.

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Montag, 5. September 2016
71@71:#15
nnier | 05. September 2016 | Topic Musiq


Oh, denke ich, so weit oben hast du das einsortiert, denke ich, bist du dir sicher. Dann höre ich es mir an und weiß gleich wieder, warum - Sie erinnern sich natürlich auch.

Und wo wir gerade dabei sind: Auch dieses Lied findet sich momentan nicht so leicht. Der ambitionierte Amateur da oben hat sich aber recht nahe ans Original gehalten.

Platz 15: Riding To Vanity Fair (2005)*

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Samstag, 3. September 2016
71@71:#16
nnier | 03. September 2016 | Topic Musiq
Langsam wird es ärgerlich: Ich kann schon wieder den Song nicht verlinken, und Sie sollen sich ihn doch anhören können! Aber die GEMA.

Kennt ja wieder keiner, das Lied, dabei ist das eine schöne Spätblüte. Stellen wir uns doch mal vor, wir werden bald 60, haben vor einer Weile die Ehefrau beerdigt und ausgiebig getrauert. Was machen wir dann? Genau: Ab in die Garage und drauflosrocken.

Beim Text hätte man ein wenig variieren, aus dem Jam ein paar Minuten herauseditieren können, dann wäre das eine richtig runde Sache geworden. Statt dessen wie frisch aus dem Proberaum: Ein toller Einstieg, ein wunderbares Zwischenspiel, bei dem ich der immer an die Doors und ihre elektrische Orgel denken muss, dann erst verzettelt man sich ein wenig.

Und was für ein großartiger Rocksänger er ist: Raaaaaanse the raindrops from your head! So kann man 60 werden, oder 74.

Platz 16: Rinse The Raindrops (2001)*

--
*Da die Suche aktuell nichts bringt, hier der Link zu einem Schnipsel.

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Sonntag, 21. August 2016
71@71:#17
nnier | 21. August 2016 | Topic Musiq
Well I know how hard it is for young girls these days
In the face of everything to stay on the right track




Mister Marks can you find for me / Someone strong and sweet fitting on my knee
, das ist wieder so ein seltsamer Hybrid: Synthesizer-Experimente plus Lagerfeuergitarre, der Sequencer wiederholt endlos sein nervöses Motiv, dazu klopft ganz manuell Pauls simples Schlagzeug. Irgendwie unbeholfen, da wussten Jean Michel Jarre und Alan Parsons schon ganz andere elektronische Landschaften zu erzeugen - bloß dass die eben auch sehr clean klingen. Hier dagegen sprudeln die Ideen mehr als die Schaltungen, und selten habe ich so viel Spaß an McCartneys Lyrics: She can be a neurosurgeon / If she's doing nothing urgent, das war von Anfang an ein Spalter, jedoch immer schon ein Fan-Favorit. Und urplötzlich doch noch im Liveprogramm, ich hab's zuerst letztes Jahr gehört und war hocherfreut. Nicht nötig, dieses Stückchen im nachhinein mit irgendeiner Kraftwerk-Symbolik aufzuladen, bloß weil die Tour eines Tages auch durch Düsseldorf führt, da müssen hinter der Bühne gar keine grünen Schreibmaschinen an die Leinwand gelasert werden: Das ist ein originelles Heimstudioliedchen in its own right, und den Elektropop hat er nicht erfunden, wozu auch.

Platz 17: Temporary Secretary (1980)*

--
*Momentan hat jemand die Originalversion wohl aus dem Internet gefegt, deshalb hier der Link zu einem Schnipsel.

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Dienstag, 16. August 2016
Fiiiiiiiii
nnier | 16. August 2016 | Topic In echt
Das muss mit der Retrowelle zu tun haben, inzwischen fährt ja jedes dritte Auto mit "H"-Kennzeichen und die jungen Männer sehen aus wie früher auf den durchgekreuzten Terroristenplakaten in der Post. Und ich muss sagen, dass mir die analoge Technik von damals überaus sympathisch ist, was hier niemanden überraschen wird: Aber je penetranter sich jeder Kleinwagen schon beim Einsteigen beklagt, dass er keine Bluetoothverbindung zu meinem Telefon aufbauen kann, umso größer wird meine Sehnsucht nach einem Lada mit vier Gängen und vier Rädern. Und einer Kurbel.

Immer wird alles weggeschmissen, die Schmalfilme, die Videocassetten, die Projektoren, die Abspielgeräte, da nehme ich mich selber nicht aus: Rausch- und knacksfrei, farbtreu und gestochen scharf passt eine ganze Videothek auf die Festplatte, und meine Schallplattensammlung überstieg das Fassungsvermögen meiner Hosentasche natürlich um ein Vielfaches.

Was die Menschen sich alles ausgedacht haben, bin ich trotzdem oft gerührt, diese ausgefuchsten Mechanismen beim Filmtransport, das Schrägspurverfahren, die Hinterbandkontrolle. Und was für ein Wahnsinn, wie schnell und zielsicher so ein Elektronenstrahl über die Mattscheibe flimmert, und überträgt dabei punktgenau Farb- und Helligkeitsinformationen, 50 mal pro Sekunde in 625 analog codierten Zeilen, wobei das nur die halbe Wahrheit ist, da abwechselnd die geraden und die ungeraden Zeilen neu aufgebaut werden: Tatsächlich also 25 mal pro Sekunde ein neues Vollbild, durch diesen Trick aber erheblich weniger Flimmern, und auch darauf muss erst einmal jemand kommen.

50 * 625 = 31250
31250 / 2 = 15625

15625 mal pro Sekunde muss der Zeilentransformator handeln, das versetzt ihn natürlich in eine gewisse Eigenschwingung und die ganzen Kondensatoren gleich dazu, die nach seiner Pfeife tanzen müssen. Wobei, Stichwort Pfeife, Sie erinnern sich gewiss an dieses hohe Fernsehgeräusch damals: Das waren die 15625 Hertz, und das menschliche Gehör kann im Jugendalter Frequenzen etwa zwischen 20 und 20000 Hertz wahrnehmen, habe ich mal im Biologieunterricht gehört. Gehört habe ich dann auch als Erwachsener dieses vertraute Geräusch, wenngleich das Hörvermögen mit zunehmendem Lebensalter von oben her abnimmt: Hört ihr das nicht, fragte ich meine Altersgenossen, dieses Fernsehgeräusch, die 15625 Hertz, sie schauten ratlos, und irgendwann hatten sie dann auch recht, denn die analogen Röhrenfernseher verschwanden rapide und wurden durch seelenlose, flache HD-Monitore ersetzt.

Bis jetzt diese Retrowelle eingesetzt hat, das ist Ihnen bestimmt auch aufgefallen, dieses Fiiiiiiii überall, zwei Wochen lang geht das schon so und ich freue mich, dass die alte Technik wiederentdeckt und wertgeschätzt wird. So sehr, dass die Leute ihre Geräte anscheinend gar nicht mehr ausschalten, nachts nicht und am See draußen nicht.

Kann natürlich auch sein, dass die Auslaufrille von Sgt. Pepper gerade in den Charts ist.

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