Mumien, Analphabeten, Diebe.
Du hast's gut, du hast dein Leben noch vor dir.
Sonntag, 1. August 2021
71@71:#02
nnier | 01. August 2021 | Topic Musiq


Abb. 1: Waren wir alle bein Infen gewesen, dann schön Mädelsabend.

Wer so etwas auf der B-Seite seiner ersten Single versteckt, muss sich natürlich über nichts wundern. Für mich sind die 70er mit den Wings tatsächlich die am wenigsten begeisternde Epoche aus McCartneys Schaffen. Jahrelang verstaubten die CDs im Regal, ich hatte sie mir für ruhigere Momente, etwa eine Pandemie, aufgespart, um noch mal systematisch alles anzuhören. Jemand brachte mich neulich auf die Idee, das jetzt mal zu tun. Und wie bestimmt schon mal gesagt - ich mag von McCartney sogar die Sachen, die ich nicht so mag.

Trotzdem ist da natürlich zu viel Nettes, Belangloses, auch Kitschiges, teilweise geradezu provozierend Selbstgenügsames (Silly Love Songs, Warm and Beautiful), das lässt sich retrospektiv alles gut anhören und einordnen, aber man versteht auch die damalige Ungeduld der Fans und Kritiker bis hin zur Verzweiflung (wenn auch nicht die Bösartigkeit). Muzak, ganz so weit musste John das nicht herholen.

Dann wieder blitzt sein Talent auf wie in diesem fantastischen Rocker. Vollkommen entspannt instrumentiert, ungewohnt bluesig, grandios gesungen (wie sein Gesang insgesamt nicht genug gewürdigt wird), ich kann gar nicht fassen, dass der so ein Nischendasein führt mit seinem antreibenden Bass, der cool slidenden Gitarre, den peitschenden Drums. Aber was weiß ich schon, vielleicht liegt's an Linda.

Platz 2: Oh Woman, Oh Why (1971)

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Freitag, 18. Juni 2021
Happy 79
nnier | 18. Juni 2021 | Topic Musiq
I would like you to dance (Birthday)
Take a cha-cha-cha-chance (Birthday)
I would like you to dance (Birthday)
Oh dance!
Dance!

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Montag, 26. April 2021
Massive Imagine
nnier | 26. April 2021 | Topic Musiq
Sie werden sich erinnern: Einmal nach dem Ende der guten Popmusik kam doch noch was, das war in den 90ern. Wunderschön mollgestimmt sang Tracey Thorn bei Everything But the Girl und Massive Attack. Auch wenn das vor computerkalt gesampelter Kulisse geschah, sprach es mich an, und so lauschte ich für einen Moment noch mal derselben Musik wie der Rest meiner Kohorte, kaufte Vorgänger- und Remixalbum und noch irgendwas von Portishead. Bald staubten die Sachen trotzdem ein, manchmal dachte ich noch dran, beließ sie aber in ihrer Zeitkapsel.

McCartney III Imagined hat mich beim ersten Durchhören angestrengt; man kennt ja all die Remix-Elemente - Echo-Effekte, Drumloops, Handclaps - und oft sind die Stücke zu lang und walzen ihre eine Idee aus, das kann man auch dem von mir kürzlich angepriesenen Beck-Stück nachsagen, mit dem das Album beginnt. Gleich im Anschluss Tiktokpop, in dem alle 20 Sekunden ein neuer Reiz gesetzt werden muss - nicht mein Fall. Noch zweidrei Lieder, die mich nicht vom Hocker reißen, dann aber wird es interessant: Das im Original womöglich doch etwas schlichte Seize the Day wird von einer gewissen Phoebe Bridgers aufs Angenehmste nach Moll gezogen und gewinnt eindeutig an Tiefe. Herrn EOB kenne ich auch nicht, er bringt mich aber zum Grinsen, wenn er einfach den Distortion-Regler hochreißt und das Lied ansonsten so belässt. Dann kommt jemand und legt schön verstimmte Piano-Akkorde und einen sommerleichten Beat unter das hinreißende When Winter Comes, und dieses geht daran keineswegs kaputt: Man kann ja überhaupt nicht fassen, dass er ein solches Juwel 25 Jahre liegenlassen hat, und für mein Empfinden werden die schöne Melodie und der anrührende Gesang von den hinzugefügten Spuren hervorgehoben statt begraben, auch wenn ich vorher überzeugt war, dass die schlichte Originalform (Gesang mit akustischer Gitarre) die einzig passende wäre.

Zentrum des originalen Albums ist ein Brocken namens Deep Deep Feeling. Wenn den zum Abschluss des neuen Albums jemand schreddert und die Häcksel in den Trichter einer Massive-Attack-Maschine einfüllt, kommt ein Zwölfminüter heraus:



[Jetzt noch was mit Dekonstruktion, Soundästhetik, Rauschen!, Lo-Fi-Elemente vs. hymnisches Pathos und der ganze Riemen]

[Und eine qualifizierte Beurteilung würde ich schon noch erwarten, "geiler Song" ist n büschen dünne]

["Mach ich morgen!?"]

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Donnerstag, 1. April 2021
Mal kurz was anderes zwischendurch
nnier | 01. April 2021 | Topic Musiq
Mitte der 80er war es im Prinzip vorbei mit der Popmusik, das ist ja klar. Wenn trotzdem noch mal etwas Gutes kam, hatte es immer einen Retrotouch, so auch beim Cool Kid der 90er, Beck, von dem man später irritierendes Scientology-Zeug mitbekam. Einige Jahre nach Erscheinen, ich segle ja gerne im Windschatten hinterher, stolperte ich also über das Lied, von dem sie alle gesprochen hatten, Loser, ich fand das Slackertum ja etwas Plakativ, aber dann klangen hinten schon ein paar indische Gi- oder Sitarrenklänge, nicht so schlecht, und nach dem Sprechgesang tatsächlich ein anständiger Refrain: Sooooy - uhun perdedor - I'm a loser, baybeee, so why don't you kill me. Sag ich doch, plakativ, und ich sag mal: 1966, -67, Sounds of Paint it Black von George Harrison, dann vor allem aber:

Na na na nananana, nananana, hey Jude
(repeat X number of times, fade)


- ist doch offensichtlich, bis zur Metrik, singen Sie doch mal parallel, Sooooy - uhun perdedor - nananana, sehen Sie! Und ich bin ja leicht zufriedenzustellen, kommt doch entspannt rüber, kann man doch hören, ist ja nichts Neues, ist doch trotzdem nett!

Kommt jetzt, kaum ein paar Monate nach Erscheinen des Originals, McCartney III noch mal als Cover- und Remixalbum heraus, heißt es: Alte Bekannte und neue Stars, gut, denkt man: Billy Joel wahrscheinlich und irgendwelche Kids von TikTok, das Marketing redet da garantiert mit - und, ja, die zweite Vermutung stimmt leider, aber die erste ist falsch, kein Joe Walsh und kein Brian Wilson, aber immerhin, einen Namen kenne ich doch: Beck.

Jetzt hatte ich erst kürzlich eine Debatte über das Für und Wider der Falsettstimme, und man einigte sich, dass diese auf den letzen McCartney-Alben nicht unbedingt immer nur zum Vorteil der Songs eingesetzt wurde, auch wenn das im fortgeschrittenen achten Lebensjahrzehnt seine stimmtechnischen Gründe haben mag.



Und dann passt plötzlich alles, da remixt der komische Scientologe einen Song, dass man sich wie in den 80ern fühlt, als man 10,95 DM für eine Maxisingle zu Montanus tragen durfte, um sich zu Hause den Remix auf der B-Seite anzuhören. Toll, auch klanglich wie damals, und besonders der Teil mit dem Falsett fängt mich ein. Just saying.

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Samstag, 12. Dezember 2020
71@71:#03
nnier | 12. Dezember 2020 | Topic Musiq
- Jetzt sind ja sozusagen noch drei Stücke offen auf Ihrer Liste

- "Sozusagen" ist gut

- Es sind also noch drei Stücke offen, und wir sind haben uns gefragt, ob Sie vielleicht so etwas wie ein vorläufiges Fazit

- Ach na ja, wenn es etwas gibt, das mir dadurch noch mal bewusst geworden ist, dann das mit den Heimstudiosachen. Also der hat ja schon früh ohne die anderen, und ich meine jetzt nicht Yesterday, da sind noch die Streicher, sondern auf dem Weißen Album so was wie Why Don't We Do It in the Road? - gut, da ist noch Ringo an den Drums, aber Paul hätte genausogut selber, hat er ja auch bei Back in the USSR, und es klingt bei Why Don't We Do It in the Road? für mich fast mehr nach ihm als nach Ringo. Es gibt ja diese reinen Solonummern wie Blackbird, John hat sowas auch z.B. bei Julia, aber diese Art meine ich nicht, wenn einer nur mit akustischer Gitarre oder meinetwegen noch Streichern, sondern ich meine Sachen wie Wild Honey Pie z.B., wo wir gerade beim Weißen Album sind. Das Lied hat mich als Kind übrigens echt genervt, aber nur mal als Beispiel, das ist sozusagen ein "Band"-Stück, das er aber alleine, Spur für Spur, und da kommt für mich der geniale Musiker durch, weil ich finde, dass die Sachen trotzdem so nach Band klingen. Obwohl er da gerade nicht ausgefeilt arrangiert und sicher keine seiner Weltklassemelodien rauswirft, er hat ja mit Bands und Produzenten wirklich Un-glaub-li-ches, bloß dass ich tatsächlich diese ganz einfachen, weil da auch der Spaß am Heimstudio und am Unperfekten. Und das ist für mich das Tolle am ersten Soloalbum und dann halt 1980 noch mal mit McCartney II. Zehn Jahre Abstand, manche haben damals gesagt: Er hat sich erschreckend wenig weiterentwickelt, da sage ich: Gott sei Dank! Inzwischen gab es ja Synthesizer, man muss bloß mal hören, was Alan Parsons und solche Leute da schon in den 70ern klanglich rausgeholt haben, dagegen sind die dünnen und verrauschten Sounds auf McCartney II natürlich lächerlich. Und ich sage: Zum Glück sind sie so dünn und verrauscht! Man stelle sich vor, das wäre so ein voller und cleaner Sound, ich habe ja nun überhaupt nichts gegen die frühen 80er, da hat jemand wie, sagen wir, Howard Jones alleine vor sich hingefrickelt und mit seinem DX7 Melodie, Fläche, fette Basslinie und wahrscheinlich auch noch synthetische Drums, hat er einen perfekten Klang, also das würde zu den Liedern auf McCartney II einfach nicht passen. Schon dieses normale Schlagzeug, einfach mit dem Mikrofon aufgenommen, und das hört man halt auch. Da fragt man sich schon, wie das heute klänge, es ist ja 50 Jahre her seit dem ersten Soloalbum und 40 seit McCartney II, eigentlich schade, dass es nur diese beiden geblieben sind, wäre ja eine schöne Serie gewesen, so alle 10 Jahre, aber darauf haben die Fans dann doch vergeblich gewartet. Bloß wie das dann klänge, heute, wo jeder mit seinem Telefon in einer Qualität, von der man damals nur träumen - und da frage ich mich schon, ob dieses Hingeworfene, Skizzenhafte, gerade nicht Perfekte, ob das für ihn überhaupt noch möglich - na ja, wir werden es nicht mehr erfahren, eine McCartney III sozusagen, he he, also interessant wäre es schon. So was wie Darkroom, Sie werden das nicht kennen: Erst legt er die einfache Melodie vor, spielt verhalltes Zeug mit dem dünnen Synthesizer, die Basslinie natürlich super, und wie er dann aber beim Gesang immer mehr Quatsch, im Falsett, come-a-come-along, co-co-co-co-co-co-co-co-co-co-co-come on, oh, come on!, als wäre er ganz für sich, alleine unter der Dusche. Oder bekifft. Das war doch Ihre Frage!?

Platz 3: Darkroom (1980)

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