Mumien, Analphabeten, Diebe.
Du hast's gut, du hast dein Leben noch vor dir.
Donnerstag, 12. April 2018
10 Jahre auf Sand
nnier | 12. April 2018 | Topic Margaretha
Ohne Plan, mit großer Verspätung: Vor 10 Jahren eröffnete diese kleine Spelunke hier, da war das große Thema Blogs längst abgehakt.

Ich landete damals rein zufällig bei blogger.de und bin froh darüber; aber etwas macht mir zwischendurch Sorgen, und das ist die Frage, wie es mit dieser Plattform auf Dauer wohl weitergeht: Die Software wird nach meiner Kenntnis seit vielen Jahren nicht mehr weiterentwickelt und der Betrieb sozusagen ehrenamtlich aufrechterhalten (dafür großen Dank) - aber auch das wird nicht ewig so bleiben können.

Es gab mal einen großen Datencrash, bei dem alle hochgeladenen Bilder verloren schienen, das war ein echter Warnschuss. Da sagt man sich: Ich sollte das alles irgendwie sichern. So wie man sich sagt: Ich sollte was wegen meiner Rente machen. Dann verdrängt man den Gedanken, weil, wie denn?

In den letzten Tagen habe ich mich durch die alten Beiträge geklickt und musste manchmal stutzen: Häh? Worauf beziehst du dich denn hier? Dann fiel mir auf, dass an der betreffenden Stelle ein eingebundenes Video gewesen wäre. Nur dass der Einbettungscode, den ich damals verwendete, inzwischen obsolet geworden ist, so dass schlicht nichts mehr zu sehen war. Also versuchte ich mich in Restaurationsarbeiten: Die versteckte ID des Videos rauskopieren, den neuen Einbettungscode verwenden. Aber auch das gelang nicht immer, viele Videos waren inzwischen gelöscht oder ganze Anbieter verschwunden (es gab tatsächlich mal andere als youtube). Ein paar eigene Filmchen, bei Ipernity hochgelanden, sind wohl verloren.

Ohne Plan drauflos, zu spät dran: Natürlich ist das symbolisch für mein Leben. Gehen auf unsicherem Grund, festhalten kann man nichts - und am Ende geht es vor allem um die Beatles.

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Sonntag, 18. März 2018
71@71:#05
nnier | 18. März 2018 | Topic Musiq


Es werden im Internet auch wichtige Diskussionen geführt, z.B. darüber, wie das ideale McCartneykonzert aussähe. Außenseitervorschläge wie "Ohne Yesterday" oder "Nur Solotitel" finden dabei durchaus meine Sympathie, bei einer Sache allerdings hört der Spaß auf: "Ein anders Lied als Jet an zweiter Stelle".

Wie bitte? Eher fließen Flüsse bergauf. Es gibt nämlich ganz objektiv keinen besseren zweiten Song, das habe ich seit 1989 ohne staatliche Förderung intensiv erforscht. Das Ergebnis: Man wartet stundenlang, bis so ein Konzert beginnt, die Halle füllt sich langsam und irgendwann bricht ein dramatischer Jubel aus. Dann vibriert man innerlich und kneift sich und lässt das irdische Leid hinter sich. Hinterher heißt es dann, das erste Lied sei dieses und jenes gewesen - kann sein, bloß dass die immer erst die Bildschärfe einregeln müssen, ich kann da nie etwas erkennen.

Perfekter Powerpop. Was für eine Fanfare, was für ein Bass. "And Jet / I thought the major was a lady suffragette / Ah mater / Want Jet to always love me / Ah mater / Much later", dieses Lied hat vollkommen wahnsinnige Lyrics, und auch dafür liebe ich es. Purer Sound. Be bop a lula.

Live ist es das Lied, das mich ins Rückenmark trifft. Das zweite Lied im Konzert, der Moment, in dem ich zu begreifen beginne. Und das soll sich bitte nie ändern.

Platz 5: Jet (1973)

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Sonntag, 4. März 2018
71@71:#06
nnier | 04. März 2018 | Topic Musiq


Rockestra ist dann doch ein eher peinlicher Name; und was die versammelte Garde aus halben und ganzen Superstars (Pete Townsend, John Paul Jones, Gary Brooker, Dave Gilmour und so weiter) schließlich mit McCartney und den Wings zusammengeklöppelt hat, wäre als Titelmelodie für eine Detektivserie sicherlich durchgegangen, rechtfertigt den massiven Einsatz aber nicht.

Wo sie schon mal da waren, haben sie auch beim heute vorgestellten Lied mitgespielt: Auch das ist nichts, was die Wings nicht alleine hinbekommen hätten - aber das ganze Drumherum mal weggedacht, mag ich das Stück. Klar waren sie Ende der 70er alle Boring old farts, da explodiert der Punk vor ihren Nasen und sie formieren in ihren weißen Glitteranzügen ein Rockestra. Merkwürdig established kommen sie alle rüber, auch Raufbolde wie The Who waren längst den Weg der Rockoper gegangen. (McCartney behauptet, er habe außer Townsend auch Keith Moon eingeladen, der dann aber kurz vorher gestorben sei; trotzdem hämmern da immer noch drei Schlagzeuger und man hört es nicht.)

Ich weiß nicht, wie das Lied im damaligen Kontext auf Zeitgenossen gewirkt hat: Gewollt "hart", um sich von ihrer üblichen Keyboardsoße abzugrenzen, so wie es mir bei den Wings oft auf die Nerven geht? Ihr letztes Album, 1979, eines der unbeliebtesten und uneinheitlichsten, eingestreut die beiden Rockestra-Stücke, und viele sagen: Die Wings waren durch.

Vielleicht war das so - ohne sie konnte Paul zunächst neue Heimstudioexperimente veröffentlichen und sich dann mit George Martin daran machen, als wirklicher Solokünstler noch mal ein paar ernsthafte Hits abzuliefern. Ich mag die Wings nicht besonders, zu ihrer Abschiedsscheibe aber sage ich: Hut ab, die haben eine vielversprechende Vergangenheit.

Platz 6: So Glad To See You Here (1979)

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Donnerstag, 22. Februar 2018
Ey da müsste doch
nnier | 22. Februar 2018 | Topic Musiq
Ich will gar nicht erst von Helene Fischer anfangen, der entkommt man seit Jahren nicht und neulich hat sie an gleich zwei Abenden die städtische Halle gefüllt. Gut, denke ich mir als Freund des Pluralismus, wenn die da alle hingehen, dann nerven sie wenigstens nicht woanders. Meine Friseurin ist echt nett und bei ihr läuft Bremen Eins, ein bräsiger Sender für Ewiggestrige wie mich mit den immergleichen Songs, meist aus den 70ern, das ist oft schlimmes Zeug wie Smokie oder Boney M., manchmal jedoch erfrischt ein Hit aus den 80ern und manchmal grüßt ein Lied von Udo Jürgens, und sooo kompliziert ist meine Frisur ja nicht, da stehe ich nach 20 Minuten schon wieder an der Kasse. Sie mag Helene, sagt sie mir, und dass da bald ein neuer privater Radiosender kommt, mehr so Schlager, aber von heute, klingt ganz interessant, sagt sie, und mir fällt auf, dass ich gar kein Lied von Helene Fischer kenne.

Natürlich bilde ich mir ein zu wisssen, wie so etwas klingt, das sieht man ja schon an den Fotos. Aber kaum sitze ich im Auto und suche den neuen Privatsender, erklingt Kirmesbumsmusik vom Schlimmsten. Ein echter Tiefschlag, mich überkommt ein furchtbares Unwohlsein, und es ist nicht sinnbildlich, sondern ganz körperlich gemeint: Mir bricht der Schweiß aus, es sträubt sich alles, mit so etwas könnte man mich in kürzester Zeit psychisch erledigen. Und nun kenne ich auch ein Lied von Helene Fischer. Aber davon will ich gar nicht erst anfangen.

Was an zeitgenössisch Deutschsprachigem aus dem Radio kommt, peinigt mich seit Jahren, dabei war das nicht immer so. "Ey, da müsste Musik sein", jault mich einer an und der nächste erzählt was von "Hinter Hamburg und Köln und Berlin", unglaublich verschmockter Mist, eine Zumutung, die mit großer Geste und komplett hohlem Pathos irgendwelche kleinen Fluchten abfeiert und große Gefühle vortäuscht: Man möchte dreinschlagen. Vor ein paar Jahren waren es lauter Gitarrenbands mit Frontfrau, die mich gequält haben, jetzt saften wieder mehr diese nachdenklichen Jünglinge aus dem Lautsprecher, Moment, ich suche es mal raus: "Hinter Hamburg, Berlin oder Köln / Hört der Regen auf Straßen zu füllen / Hör'n wir endlich mal wieder / Das Meer und die Wellen", ihr Freaks!, Dann mal los!, Ganz crazy mit dem Golf ans Meer, Montagfrüh dann wieder in der Agentur. Zombiemusik, elende, da lobe ich mir die Kneipenehrlichkeit von Tony Marshall (Schöne Maid): "Wir wollen ganz zufrieden sein / Und trinken Bier und Schnaps und Wein."

Wussten Sie eigentlich, dass der höchst geschmackvolle Song Der Spieler von Achim Reichel (mit dem Text von Jörg Fauser) gar nicht von 1983 ist, wie ich mein Leben lang dachte? Da wurde das Lied als Überbrückungssingle mehr aus Verlegenheit veröffentlicht, stammt aber tatsächlich von einem Album, das schon 1981 erschien! Ich nahm es 1983 aus dem Radio auf und verspüre seither ca. einmal jährlich für mehrere Tage intensives Verlangen nach diesem Stück. Und hören Sie es sich mal wieder an, das ist kein Gejammer, das ist cooler Gesang vor wunderbarer Understatementmusik, und eine Geschichte wird auch erzählt.

Das kann einen aber auch aufregen, denke ich dann so beim Fahren, kommt einem denn gar nichts aus den letzten zehn Jahren in den Sinn, das deutsch und gut war? Sie werden es nicht glauben: Haus am See fällt mir da ein, zu Beginn haben mich Stimme und Soziolekt genervt, inzwischen muss ich grinsen und bekomme gute Laune. Ein anderes Lied zeigte mir Töchterlein vor einigen Jahren: Wir bleiben wach bis die Wolken wieder lila sind, das war mal eine interessante Abwechslung mit zwar nervigen Feierlyrics, aber interessantem Sound und sattem Refrain. Und, ähm, dann noch dieses andere Lied, aber das war's dann auch, dann stehen da schon wieder Adel Tawil und Tim Bendzko und Max Giesinger, wie soll man da keine schlechte Laune kriegen!

Akustische Wunden werden einem geschlagen, man will verzweifeln, und Linderung kommt ganz unverhofft beim lustigen Liederabend mit Rocko. Der hat schon beim vorigen Mal ein paar Stücke gegeben, die er mit dem Orchestre Mirage aufgenommen hat, doch erst diesmal haben sie mich wirklich erreicht. Seither tröste ich mich jeden Abend mit dem folgenden Stück und denke sogar darüber nach, mal wieder eine CD zu kaufen. Lauschen Sie mal:



Schön, oder?

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Montag, 12. Februar 2018
71@71:#07
nnier | 12. Februar 2018 | Topic Musiq


Ist doch nett! Und gut zu wissen, wenn man selber nicht mehr so kann, übernehmen die jungen Frauen. Mal mit Gitarre, mal mit Heuschnupfen, die finden schon ihren Zugang zu einem Lied, das ich erst gar nicht in meine Liste aufnehmen wollte: Zu offensichtliche Wahl, und zwischendurch dachte ich, dass die übetriebene Lobpreisung dem Lied nicht guttut.



Hilft nichts, es ist ein schönes Stück Ballade, von dem viele sagen, es hätte auch auf eines der letzten Beatles-Alben gepasst. Der Ansicht bin ich nun gar nicht und mag es mir weder perfekt produziert auf Abbey Road vorstellen noch als Stückwerk auf Let It Be mit einem desinteressierten John am Bass und einem schlecht gelaunten George, dessen Gitarrensolo Paul dann doch nicht gut genug ist.

Später hat er das Lied auskomponiert und ein paar trillernde Verzierungen am Piano eingebaut, es hat inzwischen einen richtigen Anfang und ein ebenso professionelles Ende. Schön und gut - mir aber gefällt auch hier am besten die Heimstudioatmosphäre des Originals: Ungeschickt eingeblendet, klingt es zeitweilig nach einem gut eingespielten Ensemble mit respektablem Klavier und feinen Gitarrensoli - auch wenn man weiß, dass Paul hier wieder mal Spur nach Spur alleine aufnimmt; und auch seine verschiedenen Gesangsstimmen weiß er einzusetzen, inklusive erprobter "Oh! Darling"-Power.

Am Ende etwas Orgel drüber, und bevor es auseinanderfällt, wird genau so ruppig ausgeblendet wie es am Anfang hineinging: Solche Melodien kommen einfach aus ihm raus, und wenn alle anderen das Lied auch toll finden, kann ich's nicht ändern.

Platz 7: Maybe I'm Amazed (1970)

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