Mumien, Analphabeten, Diebe.
Du hast's gut, du hast dein Leben noch vor dir.
Dienstag, 14. Oktober 2014
Bei den Filmhochschülern
nnier | 14. Oktober 2014 | Topic Fernseh
Echt, ich bin aus der Szene raus. Wann war ich das letzte Mal im Kino: Vor einem Jahr oder zweien, in irgendsoeinem blöden Star Trek - purer Fluff, in dem rein nichts mehr von dem zu spüren war, was ich früher daran mochte. Aber in 3D!

Ich habe Schwierigkeiten, mich zu diesem Hausfrauenkult zu bekennen: Star Trek, das hat was Bräsiges an sich, und doch habe ich neulich mal wieder ein paar Folgen der alten Serie angesehen. Einfach toll, und nicht nur ironisch toll wie Raumpatrouille, ha ha, schau mal, das Bügeleisen, sondern es sind ein paar großartige Charaktere in manchmal gar nicht so blöden Geschichten.

Etwas war doch seltsam und hat mich für einen Moment aus der Fassung gebracht: Jemand war offenbar der Ansicht, dass man in diesen bald 50 Jahre alten Serienfolgen die ursprünglichen Tricksequenzen durch aktuellen Computertrick ersetzen müsste. Was für ein Schwachsinn - und welch grauenhafter Stilbruch, wenn plötzlich hochdetailliert gerenderte Raumschiffe an ebensolchen Planeten vorbeifliegen! Wenn das wenigstens offensiv kenntlich gemacht wäre: "Obacht, aufgepimpte Popcornversion für flache Geister" - aber nichts da, das wird stillschweigend Kanon, das läuft so im TV. Vielleicht werden bald auch viel realistischere Torten in die alten Dick-und-Doof-Folgen gerendert, und der weiße Cowboy reitet dann nicht mehr durch wackelnde Kulissen, sondern durch so richtig supi realistische Computerwelten. Dieser Star-Trek-Kinofilm jedenfalls: Bunte Uniformen und Action und immer noch spektakulärere CGI-Welten! Anspielungen und Zitate zuhauf! Und dabei dermaßen peinliche und unreife Charaktere in einer schnell vergessenen Geschichte, dass der originale Captain Kirk in den kurzen und billigen 60er-Jahre-Episoden dagegen wirkt wie von Dostojewski gescriptet.

Ich bin raus aus der Szene, ich kann mir diesen Quatsch nicht angucken, und dann tue ich es doch wieder, als hätte ich es nicht gerade erst gesagt: Tatort mit Tukur, ha ha, und das kann doch nicht euer Ernst sein, der ist als Schulleiter und als Stasimajor und nun also auch als Schnüffler immer gleich, es sind immer dieselben Manierismen, und man würde ja so gerne schmunzeln können über diese Spiel-mir-das-Lied-vom-Tod-Szene gleich am Anfang, bis hin zu dem Gequietsche im Hintergrund, habt ihr ein Pferd für mich, wir haben wohl eins zu wenig, falsch, ihr habt zwei zuviel, und peng! Peng! Peng!, bloß dass das so gewollt rüberkommt, hier, wir sind Filmstudenten im dritten Semester, machen wir mal was mit Anspielungen, wem fällt noch was ein: Schneller Zoom! Gefärbte Standbilder! Oder, was soll's, machen wir nicht nur Spaghettiwestern, nemen wir auch noch diese Totenkopfkäfer mit rein, und was mit Shakespeare - ist doch egal wozu, dann freuen sich die Leute!

Ich bin eingeschlafen, ich weiß auch nicht, warum man so ein Filmchen ins Tatort-Format quetschen muss, das ging ja schon bei Stöver und Brocki los mit ihrem blöden Gesinge und nervt in Münster seit Jahren: Eitles Getue vor und hinter der Kamera, und das völlig ohne Grund. Provinzler, die gerne Hollywood wären.

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Freitag, 3. Oktober 2014
Ray-Ray
nnier | 03. Oktober 2014 | Topic Fernseh
Das hörte sich nach so einem Pulp-Fiction-Setup an: Ein "Fixer", der Prominenten und Reichen weiterhilft, wenn sie mal wieder neben einer totgekoksten Nutte aufwachen. Ich hab' mir das mal angesehen und nach der ersten Folge gedacht, hmm, da wird das Baukästlein ausgebreitet, rund um den schweigsam-zynischen Problemlöser - und wie passend, dass es nicht nur den Sportstar mit der Koksnutte gibt, sondern auch den Actionschauspieler, dessen Schwulsein vor der Öffentlichkeit verborgen bleiben soll: Reichlich unbefriedigend, wie dann die beiden Puzzleteile mit dem Holzhammer zusammengeprügelt werden. Als Pilotfolge war das wenig überzeugend.

Frivole Leichenbeseitigungen und Erpressergeschichten in allen Variationen kann man sich hinlänglich vorstellen, und somit wäre die Serie für mich uninteressant gewesen, wäre nicht rechtzeititig der übergeordnete und tatsächlich spannende Handlungsstrang hervorgetreten, in dem Jon Voight als Vater der titelgebenden Hauptfigur Ray Donovan allen die Schau stiehlt. Man liest ja ab und zu, dass Angelina Jolie einen Vater hat, den sie ablehnt und der ein übler Raktionär sein soll. Mag sein; aber dieser tapsige Veteran, in dem unvermittelt eine ganz alte Gefährlichkeit aufblitzen kann, schlurft dermaßen beiläufig und doch präsent durchs Bild, dass es eine Freude ist. (Leider verkommt er nach dem ersten großen Handlungsbogen mit der zweiten Staffel zum Maskottchen).

All die emotional gestörten Menschen auf einem Haufen können einem gelegentlich auf die Nerven gehen: Missbrauchte Wracks, schweigsame Helden, kaputte Frauen, das ist ein zynisches Geficke und Gesaufe, und natürlich kann Kontrollfreak Ray ganze Gangsterbanden in den Griff bekommen, nicht aber seine eigene Familie: Auch das ein leidlich bekanntes Motiv, wiederum recht holzschnittartig aufgebaut, dann aber durchaus charmant beleuchtet und weitergeführt. Kommunikationsstörungen jedenfalls allüberall, obwohl permanent ins Smartphone gequatscht wird: Da sieht man mal wieder, wohin das führt.

Strukturell ist das alles äußerst brutal, und manchmal wird auch schlimm geprügelt und geschossen: Wirklich froh bin ich trotzdem darüber, dass man auf blöde Mätzchen und billige Scherze verzichtet hat. Da wird niemand um des Effektes willen oder für einen billigen Lacher erschossen, das ist alles reichlich dunkel grundiert, und obwohl es Tote und Verletzte gibt, ist die über allem schwebende Gewalt eindeutig eine psychische.

Lustig, wenn ich jetzt lese, dass die Serie im ZDF laufen soll: Es kann ja sein, dass so was inzwischen normal ist (ich sehe viel zu wenig fern, um das beurteilen zu können), aber da geht es nicht nur verbal ständig darum, wer wen "fickt" und wem einen "bläst", sondern auch die dargestellten Akte sind für meine Begriffe ungewohnt explizit.

Ich bin am Ende der zweiten Staffel angelangt und freue mich, dass es eine dritte geben soll, denn dem großen Schweiger Ray ist es am Ende doch entglitten: Wie kommt er da bloß wieder raus? Ein echtes Arschloch, der Mann, da kann man sich richtig identifizieren.

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Montag, 21. Oktober 2013
Nachschlag mit Linden
nnier | 21. Oktober 2013 | Topic Fernseh
All die tollen Serien, und nie glotze ich, bekomme alles nur sekundär mit: Die neue Staffel von Serie X ist sogar noch toller und so weiter, aber ich kann mich einfach nicht aufraffen. Mein letzter Anflug liegt schon so weit zurück wie Life on Mars, doch auch die habe ich nicht bis zum Ende verfolgt. Aus irgendeinem Grund wurde ich dann vor einigen Monaten eingeladen, eine Folge der Serie The Killing mit anzuschauen, das sei ein Remake der Serie Kommissarin Lund, was sich für mich so anhört wie eine Mischung aus dem typischen ZDF-Schwedenkrimi und irgendwas von Rosamunde Pilcher oder Inga Lindström. Gemütlicher Schlunz, dachte ich, warum nicht, und hatte mich komplett getäuscht.

Who killed Rosie Larsen, das weckt Erinnerungen, und auch wenn alles vollkommen frei von surrealistischen Übersteigerungen und übersinnlichen Erscheinungen vonstatten geht, lag für mich von Anbeginn eine gewisse Twin-Peaks-Haftigkeit über der Geschichte. Natürlich ist es hier wie dort völlig egal, wer sich am Ende als Täter entpuppt, sind es auch in The Killing die Geheimnisse der einzelnen Figuren, die die Geschichte vorantreiben und überraschende Wendungen nehmen lassen. Die eigentliche Auflösung des Falls ist, wie soll es anders sein, auch wenig überzeugend, doch zum Glück ist das ganz egal.

Lange habe ich nicht mehr so gerne zwei Menschen bei der Arbeit zugesehen wie der bleichen Kommissarin Sarah Linden (Mireille Enos), unter deren hyperkontrollierter Oberfläche der Wahnsinn puckert, und ihrem Kollegen Holder (Joel Kinnaman). Der schlurft und trant mit Hängerhose durch die Gegend, ist aber in Wahrheit (psst!) ein ganz Cleverer. Wobei ich allerdings warnen möchte vor der emotionalen Belastung, die so eine Geschichte mit sich bringt, denn ein nicht unerheblicher Erzählstrang behandelt das Weiterleben der Familie des ermordeten Mädchens und war für mich teilweise schwer auszuhalten.

Mehr mag ich gar nicht verraten, außer dass ich die Serie mit deutschen Untertiteln ansehen musste. Die nölige und fast durchweg affektverminderte Konversation der beiden bereitet mir zwar großes Hörvergnügen, da wird genuschelt und geslangt, dass es eine Freude ist, die ich mir durch eine deutsche Synchronisation nicht hätte nehmen lassen wollen: Bloß dass ich dann doch zu viel nicht verstehe. Zwar wären es die toll gefilmten Bilder auch wert, einfach nur zuzuschauen: Aber manche Andeutung und manche entscheidende Information wäre mir zwischen dem Möhrengekaue einfach durchgerutscht.

Bleibt noch die hypnotische Musik in der sowieso ganz toll gemachten Titelsequenz zu erwähnen, und dass natürlich die Serie ständig von der Schließung bedroht war, man kennt das ja bei den guten Sachen. Immerhin haben sie ihre zwei Staffeln mit der Hauptgeschichte unter Dach und Fach, und nach dem üblichen Hin und Her wurde tatsächlich eine dritte und diesmal aber definitiv letzte produziert, in der man sich wohl auch stärker von der skandinavischen Vorlage (die ich nicht kenne) löst. Und auch wenn sich nach den ersten Folgen schon sagen lässt, dass die emotionale Tiefe des ersten großen Handlungsbogens nicht erreicht wird, ist das nach wie vor feine Fernsehkost.

Hat mich gefreut, Dectectives.

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Dienstag, 15. Januar 2013
Damals so wichtig
nnier | 15. Januar 2013 | Topic Fernseh
Der Mann im Whirlpool hatte traurige Augen. Seufzend schabte er sich eine Handvoll Hackfleisch vom Oberarm. Das war schön warm, das Hackfleisch, es schmiegte sich widerstandslos um Beine, Gesäß, Bauch und Brustkorb, körperwarm bis unter die Achseln. So hatte er es am liebsten: Pures, lauwarmes Gehacktes, halb und halb, mit einem Dutzend eingeweichter Brötchen und fünfzig Eiern grob vermengt. Früher hatte er das oft selber erledigt, mit seiner Badehose war er in den Whirlpool gesprungen und hatte die Mischung gestampft, es war ein altes Rezept seiner Mutter. Damals hatte er auch noch mit Salz und Pfeffer gewürzt, ein Säckchen hiervon, ein Döschen davon, hatte einzwei Armvoll Petersilie gehackt und hineingestreut, bis er eines Tages merkte, dass all die Gewürze nur den Verwesungsgeruch übertönten. Dabei ging es genau um diesen.

Schmatzend schob er sich eine Handvoll in den Mund. Hunger hatte er keinen, er wollte bloß den Geschmack, kaute langsam auf dem Zeug herum und speichelte es ein, ließ es im geschlossenen Mund durch die Zähne quellen, von innen nach außen, so dass sich kleine Fetzen zwischen den Zähnen verfingen, die man später noch lange mit der Zunge ertasten und schmecken konnte. Automatisch hielt er die geschlossene Hand vor den Mund, atmete hechelnd aus und ein: Genau so musste es riechen. Schon erinnerte er sich an diese grauenhaften Tage, wenn er Dienst hatte, wenn er frisch sein musste, wenn er nach Pfefferminz riechen musste. Einmal, auf der Sommerinsel, hatte es kein Hackfleisch in seiner Suite gegeben. Er hatte geheult, geschrien und getobt, es half nichts, da war nichts, der Assistent hatte dann ranziges Öl aus einer Frittenbude besorgt, damit hatte er verzweifelt gegurgelt. So etwas wollte er nie wieder erleben.

Spotz!, machte es neben ihm. Ein Kopf schob sich aus der Hackfleischmasse, die Augen geschlossen, um den Mund ein genießerisches Lächeln, es folgte ein tiefes "Aaaah!", die Augen öffneten sich, der Mann klatschte in die Hände und strahlte: "Bruderherz! Ist das nicht geil! Ist das nicht immer wieder geil!", nahm eine Ladung von dem Zeug in den Mund und ließ es langsam wieder herauslaufen. Sein Strahlen erstarb, als er die traurigen Augen gegenüber bemerkte. "Nun sei doch nicht so. Die kriegen sich auch wieder ein.", sprach er launig, doch wieder erklang nur ein Seufzen.

Er riss sich zusammen. Jetzt hatte sein Bruder den Moralischen. Da musste man feinfühlig sein. Sein glänzendes Gesicht bemühte sich um einen ernsteren Ausdruck. "Die wollen das doch so. Du kannst doch nichts dafür. Die haben zuviel Geld. Die wissen gar nicht, wohin damit. Es ist doch nur recht und billig, wenn du, also: wenn wir da zugreifen." Prüfend sah er sein Gegenüber an. Wie der sich hängenlassen konnte. Er musste nachlegen!

"Du bist das Lagerfeuer der Nation. Um dich sammelt sich das Volk. Du bist das Licht, die Sonne, der Mond, du bist Ozean und Gebirge. Für solche wie dich gelten keine Regeln. Du bist ein Übermensch. Dich kann man mit Geld nicht bezahlen. Aber versuchen sollen Sie's, oder? Oder?" Ein schwaches Lächeln im Gesicht des anderen zeigte ihm, dass er auf dem richtigen Weg war: Dranbleiben! "Komm, wir singen zusammen: Heu machma, Heu machma, Heu machma heut! Heu machma, Heu machma, Heu machma morng! Heu machma, Heu machma, Heu machma alleweil. He he, sigst des, so gefällst du mir schon besser! Und jetzt einen Löffel für die Post. Und einen für McDonald's. Und einen für Audi. Und einen für Mercedes. Und einen für Tchibo. Und einen für Haribo. Und einen für Kulmbacher. Und einen für Solarworld. Gell, das schmeckt!"

Der andere blickte ihn noch eine Weile an. "Ich war weder Vertragspartner der erwähnten Verträge, noch war ich an den Verhandlungen oder Abschlüssen beteiligt. Mir persönlich ist daher in diesem Zusammenhang auch keinerlei Fehlverhalten vorzuwerfen."

Ein Moment verging. Irgendwo bellte ein Hund. Dann reckte er das Kinn nach vorne, spuckte ein paar Hackfleischreste aus, sprang auf, straffte den Oberkörper und zeigte sein strahlendstes Lächeln.

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Montag, 14. Mai 2012
Der Seewolf strickt
nnier | 14. Mai 2012 | Topic Fernseh
Ist das mein Leben? Habe ich denn nie Theater gespielt und Filme gedreht? *
Ich erschrecke manchmal darüber, wie sehr sich einzelne Szenen aus Fernsehfilmen eingeprägt haben. Ein einziges Mal nur habe ich den Seewolf gesehen, ich ging noch zur Grundschule, und trotzdem erinnere ich mich intensiv an einzelne Sätze: "Hab' ich dich, Wolf Larsen!", "Und dann sah ich, dass er blind war. Stockblind", "Der Bremser lässt Eisen tanzen!", "Nicht einer hat mir ein Messer gegeben!"

Jahrelang habe ich das schon vor. Gestern war es endlich so weit, ich schob die DVD in das Abspielgerät und schaute den ersten der vier Teile in Gegenwart zweier mir bekannter Jugendlicher an.

Schon häufig ist mir aufgefallen, dass viele internationale Schauspieler und Zeichentrickfiguren mit leichtem, aber unüberhörbarem bairischen Zungenschlag sprechen. Das muss etwas mit den Bavaria-Synchronstudios zu tun haben. Nicht, dass Pinocchio plötzlich "Ja, mei!", gesagt hätte. Aber man hört doch recht deutlich, gerade bei den Nebenfiguren, dass hier jemand nur versucht, hochdeutsch zu sprechen. Genauer gesagt: Er denkt, dass er hochdeutsch spricht, aber Kleinigkeiten wie ein immer stimmloses "S" oder ein zu stark geschlossenes "O" in einem Wort wie "Woche" und so weiter verraten die süddeutsche Herkunft. Besonders lustig war dies bei der Zeichentrickserie Nils Holgersson, wenn z.B. ein skandinavischer Blondschopf das Wort "durch" so aussprach wie Ludwig Hirsch. Und auch einige Robbenjäger auf der Ghost und erstaunlich viele Slumkids aus San Francisco klangen gestern wie Münchener, die in Hamburg nicht auffallen wollen.

Synchronisiert wurde übrigens auch Hauptdarsteller Raimund Harmstorf, der Seewolf. Es handelt sich ja (wie bei den "großen Vierteilern" üblich) um eine internationale Koproduktion, so dass die Dialoge der anderssprachigen Darsteller in der deutschen Fassung selbstverständlich von Synchronsprechern übernommen wurden. Harmstorf, der seine Rolle mit gerade mal 31 Jahren wirklich beeindruckend spielt, hatte laut Wikipedia eine "zu junge" Stimme und wurde deshalb ebenfalls komplett synchronisiert. Man erkennt sofort die Stimme von Scotty, K.E. Ludwig, samt seiner kleinen Marotten (z.B. sagt er "aufdn" statt "auf den"). Wie muss sich das anfühlen, eine Hauptrolle zu spielen, ohne dass die eigene Stimme je zu hören ist?
Denn der Seewolf durfte kein Parkinson haben. Der musste mit einer Hand eine rohe Kartoffel zerdrücken können. **
Jeder kennt die Kartoffelszene. Wahrscheinlich macht es keinen Spaß, wenn eine Schauspielkarriere oder ein ganzes Leben auf einen solchen Moment eingedampft wird. Ich meine, mich an irgendeine Talkshow zu erinnern, in der Harmstorf zu Gast war, deutlich älter und recht steif und unbeholfen, vermutlich durfte er kurz über irgendeinen der drittklassigen Filme sprechen, in denen er später noch auftrat, und dann kam wieder diese Geschichte. Wie muss das sein, wenn man permanent so ein Image bedienen muss? Wenn man längst krank ist, nicht mehr gut laufen kann und immer noch der bärenstarke Kartoffelquetscher sein muss?

"Er sei ein häuslicher Typ gewesen, der gerne strickte", heißt es (ausgerechnet) im Focus, zehn Jahre nach dem Selbstmord des Schauspielers:
"Seewolf Raimund Harmstorf in der Psychiatrie", titelte die "Bild"-Zeitung am 2. Mai 1998. Der 57-Jährige sei mit aufgeschnittenen Pulsadern auf der Straße von der Polizei aufgegriffen und anschließend in eine geschlossene Anstalt eingeliefert worden. [...] Am Vormittag stand ein Reporter der "Bunten" vor dem Haus im Allgäu und brachte Kopien des Zeitungsartikels mit [...] "Das muss ein schlechter Scherz sein", habe er zuerst gesagt, dann: "Das ist mein Todesurteil." *
Was mich überrascht hat: Vieles an dieser ersten Folge könnte aus heutiger Sicht langatmig wirken, vieles ist umständlich und überdeutlich erklärt, so wie in der oben verlinkten Kartoffelszene, wenn es aus dem Off extra noch mal heißt: "Jetzt begriff ich, wie es mir ergangen wäre, wenn er mit aller Kraft zugepackt hätte."
Auf einer anderen Seite [der "Bild"-Zeitung], ebenfalls kopiert, kam dann ein kurzer Abriss seines Lebens, zusammengeschrumpft auf Unfälle und persönliche Niederlagen. [...] "Mit aufgeschnittenem Handgelenk aufgegriffen", stand da und noch ein paar Sachen, die einfach gelogen waren. **
Ich war mir wieder mal nicht sicher, ist es verklärte Erinnerung, ist das alles vielleicht nur albern und peinlich - und wie wirkt es auf zwei junge Menschen mit ganz anderen Sehgewohnheiten? Das hat mich am meisten gefreut, dass sie es spannend fanden und unbedingt weitergucken wollen, dass sie sich kaputtlachen über eine minutenlange Szene, in der ein Junge versucht, seine Schularbeiten zu machen, aber mit seinen Gedanken abschweift, etwas anderes beginnt, sich dann wieder zur Ordnung ruft und von neuem beginnt, nicht zwei- oder dreimal, sondern acht- oder zehnmal, so viel Zeit hatte man damals.
Seine Leiche wurde auf dem Dachboden gefunden. Die Polizei teilte nüchtern mit: "Es liegen Erkenntnisse dahingehend vor, dass ein Mitauslöser für den Selbstmord in der Medienberichterstattung des vergangenen Samstags zu sehen ist." *
Bislang ist noch keiner der Sätze vorgekommen, die mir so im Gedächtnis geblieben sind. Drei Folgen kann ich mir noch anschauen. Ich freue mich schon darauf.

--
* (Quelle)
** (Quelle)

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Dienstag, 22. November 2011
Mobisodes
nnier | 22. November 2011 | Topic Fernseh
Bild hatte über den Selbstmord einer Frau derart hämisch berichtet (Aus Angst vor Frühjahrsputz: Hausfrau erschlug sich mit Hammer), dass ihr Mann sich wenige Tage später ebenfalls das Leben nahm. [Q]

Ich kann da auch kein Mitleid empfinden. Jeder, der bei solchen Sendungen mitmacht hat auf irgendeine Weise einen am Bembel. [Q #5]

Tut mir leid, aber solange es Leute gibt die sich dafür hergeben sollten die einem nicht leid tun. [Q #10]

Ich wollte das nicht. Ich musste das tun. [...] Oh mein Gott ... Was soll ich nur tun? Ich muss ja da bleiben, wo ich lebe. Was mache ich jetzt bloß? [Q]

Aber wenn die Gäste das so wollen? [Q]
Erinnert sich noch jemand an Killt von Staeck und Wallraff? Darauf stand ein Satz, der sich mir als Kind eingeprägt hat: "Wer etwas Ehrgefühl im Leib hat, sollte dieses Lügenblatt nicht kaufen."

Einmal wäre ich den Medienverbrechern beinahe selbst zu nahe gekommen: Als das Internet noch jung und ich naiv genug war, meine Vita und mein frisches Uni-Zeugnis einfach so hineinzuhängen, klingelte eines Tages das Telefon. Eine TV-Firma rief an, es war zu Beginn der ersten Container-Staffel, Sladdi und Jürgen waren gerade noch keine "Stars", aber der konkurrierende Sender wollte dem Format dringend etwas entgegensetzen, denn darin waren sich alle einig: Reality wird das Ding!

Schon saß ich in der Medienhauptstadt und ließ mich sozusagen für einen Job casten, eine junge Dame und ein cooler Produzent saßen da, die mich nach meiner Bereitschaft fragten, in die Karibik zu fliegen und meine Nase als Experte ins TV zu halten. Meine Rückfragen, die sich u.a. darauf bezogen, wie stabil die Kandidaten seelisch eigentlich seien und ob man auf Krisensituationen irgendwie vorbereitet sei, wurden achselzuckend abgetan, man warf sich vielsagende Blicke zu und es war dann auch schnell klar, dass wir nicht zueinanderfinden würden, wofür ich heute noch zutiefst dankbar bin.

Man kann derzeit nachlesen, was man für die Preisgabe sämtlicher Persönlichkeitsrechte auf dem freien Markt bekommt. Es sind 700.- EUR. Dafür räumt man Mobbern und Schlägertypen das zeitlich unbeschränkte Recht auf Demütigung, seelische Grausamkeit und Wirklichkeitsverbiegung ein, stellt sich unentgeltlich für Nacharbeiten und Pressetermine zur Verfügung und wird natürlich auch global durch den Kakao, nein: durch die tiefste Scheiße gezogen und verhöhnt. Klar: Das muss man doch wissen, was das für Konsequenzen hat! Wer sowas mitmacht, ist doch selber schuld! Der Sender reagiert routinemäßig völlig verwundert, seiner Sprecherin soll bitte der Mund verfaulen, und wer etwas Ehrgefühl im Leib hat, sollte denen nie wieder auch nur irgendwas abkaufen, sondern ganz entschieden an ihrer gesellschaftlichen Ächtung mitarbeiten.

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Montag, 16. Mai 2011
Wadde Hadde Dual da?
nnier | 16. Mai 2011 | Topic Fernseh
Dieses Buch ist eins von den besten Büchern die je geschrieben wurden, geschrieben sind und geschrieben werden sein.
Falls sie noch nichts von ihm gehört haben liegt es
daran, dass es seiner Zeit weit voraus ist.
Wenn sie weiterhin ihrem Ego frönen wollen und
Angst vor der Liebe haben, dann lassen sie die
Finger davon und lesen weiter Kinderbücher die ihrem
Stand gerecht werden.
Ja, komisch - aber als die dann alle damit angekommen sind, dass der Eurovision Song Contest stattfindet, bekam ich plötzlich Lust, mir diese Sendung, genauer gesagt: ihren Kern, ihre Essenz, nämlich die Punktvergabe, nach all den Jahren wieder einmal anzuschauen. Ich werde Sie nun nicht mit meinen persönlichen Reminiszenzen an Dschörmäny Duse Poäng behelligen, ich habe da zu wenig Kerkelinghaftes in mir, zudem musste ich gestern überhaupt erst einmal das letztjährige Siegerstückchen Satellite im Internet heraussuchen - aha, so klingen also Siegertitel im neuen Jahrtausend, nun, da gefiel mir das neue Stück besser, trotz dieser Spermien, die da im Hintergrund herumtanzen, trotz des merkwürdigen Englischs, aber das Lied an sich hat immerhin was, würde ich sagen - ist aber auch schon wieder egal, und ich schaltete dieses kleine TV-Gerät ein und sah mir die im Vergleich zu früher enorm beschleunigte Punktevergabe an, dazwischen Anke Engelke, Judith Rakers und die Dualseele von Petra Raab. Es handelt sich dabei um ein batteriebetriebenes, flaches Ding in schwarzem Gehäuse mit augenzerstörendem Miniaturbildschirm, für das ich als Kind vermutlich meine Seele verkauft hätte - ein eigener, kleiner Fernseher, den man sogar mitnehmen kann! -, und den ich vor meinen eigenen Kindern verborgen halte, seit er mir vor etwa einem Jahr aus Gründen, die Sie nicht interessieren werden, geschenkt wurde. Wenn man am späten Samstagabend auf die Idee kommt, sich die Punktevergabe des ESC anzuschauen, kann man ein solches Gerät jedenfalls ganz einfach unter dem Handtuchstapel hervorziehen und mit schnell ermüdenden Augen dem Geplapper lauschen, Anke Engelke steht da im Zentrum und lässt sich die Punkte übermitteln, Judith Rakers ist irgendwo an der Peripherie unterwegs und wiederholt manchmal - wie früher! Wie früher! - bestimmte Ländernamen und Punktzahlen auf Französisch, und irgendwofür ist auch Dualseele Raab dabei, den ich bisher für einen ziemlich humorlosen Menschen gehalten habe, aber ich habe mich mal wieder geirrt.

Während die Praktikanten bei Spiegel Online nämlich den Liveticker befüllen dürfen ("[22.04 Uhr] Kollegin M., redaktionsinterner Modenazi, findet das Kleid der Schweizerin nicht so gut. tdo"), man das Geholper also immerhin mit Zeitdruck und diesem Krach da in der Halle erklären kann, staunt man am nächsten Tag schon ein wenig über die Rumpeleien eines sogenannten Grand-Prix-Experten ("Nur mit der einstigen Schülerin aus Hannover wird diese Show endgültig von Traditionsbeständen entsorgt."; "... dass Deutschland dies mit Lena gelingen würde, war krass unwahrscheinlich. Worauf es ankam, war, den einst als Grand Prix Eurovision verhämten Schlager- und Chansonabend zu entrümpeln ..."; "Lena [...] war reichlich als Opposition zur Schlagerkultur des Ralph Siegel aufgebaut worden."; "Zur Glaubwürdigkeit trug nicht gering bei, dass [...]"; "Sie hat einen ziemlich prima Job gemacht.")

Richtig interessant wird's dann aber erst im Forum zum Artikel, in das man einen kurzen Blick wirft, dort platzt man nämlich mitten in eine philosophische Diskussion, lauschen wir doch mal kurz:
Weder ein Herr Raab noch eine Lena bringen dieser Welt
irgendetwas, wenn sie diese wieder verlassen haben,
außer, dass sie weitaus mehr Ressourcen für ihr Überleben
hier in Anspruch genommen haben als der große Rest.
Dafür lassen sie sich anständig feiern. Haben sie es
ja kurz geschafft, die Menschen von ihren Problemen
abzulenken, die sie ohne diese Ablenkung gar nicht hätten. [Q]
Oha! Mitten im Thema Elend vs. Entertainment ist man da! Was die Schreiberin denn ihrerseits gegen das Elend der Welt getan habe, wird sie nun gefragt, und die Antwort lautet:
Mal davon abgesehen, dass ich kostenlos 6700 Beiträge
verfasst habe, einen aufklärenden youtube-Kanal
unterhalte, Bücher geschrieben
habe, welche die Menschen über sich selbst aufklären, so
dass durch deren Informationsgehalt an den ich selbst nur
gekommen bin, indem ich durch tagtägliche schmerzhafte
Reinigungen und Selbstanalysen in den letzten 11 Jahren die
Illusionen der Materie niederreißen konnte, die Menschen
somit wieder schneller zu sich selbst zurückfinden können
und das ganze Leid auf diesem Planeten schneller ein Ende
hat, eigentlich sonst nichts. [Q]
Und so weiter ("Wenn sie einmal vor ihren Schöpfer treten, wird der so einige Hühner mit ihnen zu rupfen haben"), aber das klingt ja doch interessant, was für Bücher mögen das denn sein, fragt man sich, und (Achtung: Links führen zu Kommerzplattform) bei Titeln wie Der gehörnte Weg, Viva la Matriarchat und Durch die Habgier ein paar Weniger kann man durchaus neugierig werden. Sehen wir uns zunächst Die wahrhafte Ehe an, Klappentext: "Der Verstand ist der Abfall des Geistes, sowie die Emotionen der Abfall der Seele sind. Das Ego verkörpert beides, weil es eine schmerzhafte verminderte Kopie des Originals ist.", das klingt doch nicht uninteressant, was sagen denn die Rezensenten - eine gewisse Petra Raab z.B. ist ganz angetan:
Dieses Buch ist eins von den besten Büchern die je geschrieben wurden, geschrieben sind und geschrieben werden sein.
Falls sie noch nichts von ihm gehört haben liegt es
daran, dass es seiner Zeit weit voraus ist.
Wenn sie weiterhin ihrem Ego frönen wollen und
Angst vor der Liebe haben, dann lassen sie die
Finger davon und lesen weiter Kinderbücher die ihrem
Stand gerecht werden.
Hui! Und wie sieht es mit Die 44 Masken des Egos aus? Rezensentin Petra Raab schreibt begeistert:
Dieses Buch ist eins von den besten Büchern die je geschrieben wurden, geschrieben sind und geschrieben werden sein.
Falls sie noch nichts von ihm gehört haben liegt es
daran, dass es seiner Zeit weit voraus ist.
Wenn sie weiterhin ihrem Ego frönen wollen und
Angst vor der Liebe haben, dann lassen sie die
Finger davon und lesen weiter Kinderbücher die ihrem
Stand gerecht werden.
Oder nehmen wir Die traurige Prinzessin, diesen Titel der Autorin Petra Raab feiert Rezensentin Petra Raab wie folgt:
Dieses Buch ist eins von den besten Büchern die je geschrieben wurden, geschrieben sind und geschrieben werden sein.
Falls sie noch nichts von ihm gehört haben liegt es
daran, dass es seiner Zeit weit voraus ist.
Wenn sie weiterhin ihrem Ego frönen wollen und
Angst vor der Liebe haben, dann lassen sie die
Finger davon und lesen weiter Kinderbücher die ihrem
Stand gerecht werden.
Und wenn man weiterstöbert und schließlich auf das hier stößt:
Da ich selbst meiner Dualseele begegnet bin, welche sich im Moderator
"Stefan Raab" verkörpert, weiß ich, dass Catherine
wirklich über das Zusammentreffen mit ihrer Dualseele berichtet.
- dann muss man zugeben, dass man Stefan Raab und seiner Firma Brainpool einen so subtilen Scherz tatsächlich nicht zugetraut hätte.

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Freitag, 6. Mai 2011
Fliesentische from Outer Space
nnier | 06. Mai 2011 | Topic Fernseh
Wenn die Außerirdischen wieder meine Gedanken beeinflussen mit ihren geheimen Strahlen, dann ändern die nicht nur dauernd meine Blog-Einträge, obwohl nur ich, eine einzelne Person!, Zugriff auf meine Seiten im w.w.w. habe, merkt euch das, mich wird man kaum je zu Gesicht bekommen!, sondern sie singen und plappern mir außerdem dauernd dazwischen, wenn diese Lieder gespielt werden, die nur ich hören kann. Das hat mit geheimen Radiofrequenzwellen zu tun, ich empfange nicht wie andere Leute ganz normal mit der Amalgamfüllung, sondern bei mir senden die direkt auf Frequenz Alpha ins Hirn, jedenfalls - nehmen wir z.B. das mir verhasste Lied von "Unheilig", das geht normalerweise ungefähr so:
Es fällt mir schwer
Ohne Dich zu leben
Jeden Tag zu jeder Zeit
Einfach alles zu geben
Es ist schon schlimm genug, dass man sich so etwas gegen seinen Willen anhören muss, aber wenn die dann auch noch dauernd so dazwischenfunken:
Es fällt mir schwer (Total schwer fällt mir das! Du machst dir keine Vorstellung! Mann, fällt mir das schwer! Do!)
Ohne Dich zu leben (Ohne dich! Nicht mit dir, sondern ohne dich! Kompletto niente!)
Jeden Tag zu jeder Zeit (Und zwar je-den Tag! Andauernd, immer, ständig, permanent!)
Einfach alles zu geben (Todo! Kompletto! Aber sowas von!)
Mit ihren hektischen, schrillen Stimmen, dieses nervöse Gekreische von denen!, furchtbar, und da soll man normal bleiben. Oder:
Hänschen Klein (Mhm, schon klar. Hänschen. Mhm, klar. Natüüürlich! Hänschen! Hätte ich jetzt auch gesagt!)
Ging allein (Allein! Ganz allein, nee, klar, klar ging er ganz allein!)
In die weite Welt hinein (Das glaube ich dir jetzt auch. Natürlich! In die weite Welt! Nee, wirklich, ich glaube dir das ohne Einschränkungen. Sicher! In die weite Welt!)
Stock und Hut (Natüüürlich. Stock. Mhm, und Hut. Nee, klar. Ich sag ja gar nichts.)
Steht ihm gut (Voll gut steht ihm das! Wirklich! Sehe ich ganz genau so!)
Er ist wohlgemut (Du, das hätte ich jetzt auch gesagt. Wohlgemut. Mhm, passt auch.)
Sie wissen ja, wie sowas ist. Und als ich mir neulich nach der interessanten Ankündigung eine Sendung im TV anschaute, waren die Außerirdischen schon wieder da. Weil nämlich, das war so: In dieser Sendung lief eine schöne, schlanke Reporterin zwischen nicht so schönen und nicht so schlanken Menschen herum, zum Kontrast wahrscheinlich. Diese Menschen waren vorher schon mal im Fernsehen in sogenannten "Reality"-Formaten aufgetreten und hatten dort Dinge gesagt und getan, die sie per Drehbuch verordnet bekommen hatten. Alles sollte total echt aussehen da in diesen RTL-Sendungen, mit wackliger Handkamera und echten Fliesentischen, dicke Hartz-IV-Mutter brüllt dickes Hartz-IV-Kind an und umgekehrt, und die schöne und schlanke Reporterin läuft dazwischen rum und sagt: Aber das war dann ja gar nicht die echte Wirklichkeit, so wie hier bei uns, nicht wahr, so wie hier jetzt bei unserer Reporter-Reportage, hier ist ja alles echt, sondern Sie haben doch da in der RTL-Sendung nur das gesagt und getan, was man Ihnen gesagt hat, das Sie sagen und tun sollen, nicht wahr, und die dicke Mutter und die dicke Tochter haben sich angesehen und zu der schönen und schlanken Reporterin von der Reporter-Reportage gesagt, ja, genau, genau wie Sie sagen!

Und dann kamen wieder die Außerirdischen, die haben dann von der Seite reingerufen: "Aber ihr seid doch selber nur gescriptet, ihr Nasen, das glaubt doch kein Mensch, dass die schöne und schlanke Reporterin jetzt mal eben mit der Eisenbahn nach Berlin fährt und dort an einem Plattenbau die richtige Klingel findet und dann mit dem vollgepissten Fahrstuhl nach oben fährt und dann die richtige Wohnungstür findet und dann zu der dicken Mutter und zu der dicken Tochter sagt: 'Hallo, ihr seid doch mal bei RTL aufgetreten, und da sah das so aus, als würdet ihr euch dauernd an die Gurgel gehen, ist das in echt denn auch so oder haben die euch das nur gesagt, dass ihr das sagen sollt?', und dass die dann antworten: 'Nein, in echt ist das gar nicht so, wir wollten nur mal ins Fernsehen, und dann haben wir das gesagt, was die uns gesagt haben, das wir sagen sollen', das glaubt ihr doch nicht, dass die das nicht vorher alles ganz genau abgesprochen haben, was die Mutter und die Tochter zu der schönen und schlanken Reporterin von der Reporter-Reportage sagen sollen, wenn die da so an der Tür klingelt! Und wenn die mit der Eisenbahn nach Berlin fährt und sagt aus dem Off: 'Jetzt fahre ich mal mit der Eisenbahn nach Berlin!', dann haben die der bestimmt vorher gesagt, du bist jetzt eine schöne und schlanke Reporterin, die sagt, dass sie mit der Eisenbahn nach Berlin fährt! Scheißegal, dass du zu Hause selber einen Fliesentisch stehen hast! Das ist doch viel zu langweilig für die Zuschauer! Und die Reporterin wollte nur mal ins Fernsehen und hat einfach gesagt, was sie ihr gesagt haben, das sie sagen soll! Und die Frau von der Casting-Agentur, die gesagt hat, dass Deutschland komplett durchgecastet ist, die haben sie doch garantiert beim Casting gefunden und gesagt: Du bist jetzt eine Frau von einer Casting-Agentur, die sagt, dass Deutschland komplett durchgecastet ist, klar, denn du willst doch unbedingt ins Fernsehen, und die Realität ist viel zu langweilig, die Zuschauer wollen sowas sehen!", und die Außerirdischen haben noch viel mehr da dauernd reingerufen, und dann habe ich das dem Mann von RTL erzählt und der hat gesagt, schreiben Sie das mal schön auf und schicken Sie es an die Casting-Agentur, aber ich glaube, der hat einfach nur das gesagt, was sie ihm gesagt haben, das er sagen soll, in echt hat der zu Hause nämlich auch so einen Fliesentisch stehen, so wie ich, aber das stimmt in echt gar nicht, die haben nur gesagt, dass ich das so schreiben soll.

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Donnerstag, 28. April 2011
Mad Mad
nnier | 28. April 2011 | Topic Fernseh


Nein, ich kenne diese TV-Serie nicht. Ähnlich wie Herr kid habe ich schlicht keine Zeit für solche Dinge und habe deshalb in mehrstündiger Kleinarbeit ein Selbstbildnis vor Kleiderschrank erstellt. (Im Prinzip sehe ich ja noch so aus wie auf meinem Führerscheinbild, auch wenn mancher, z.B. der Spiegel beim Friseur, anderer Ansicht ist.)

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Donnerstag, 13. Januar 2011
Der "Wohltäter" (Zwinker-Zwinker!)
nnier | 13. Januar 2011 | Topic Fernseh
- "Danke" für die Atomkraftwerke! (Zwinker-Zwinker!)
- Wussten wir gar nicht, dass ihr die gut findet.
- "Danke" für all den giftigen Müll! (Zwinker-Zwinker!)
- Könnt ihr gerne noch mehr von haben.

Ich mag es, wenn z.B. Fil seine Pirouetten dreht und auf der Bühne den Politkabarettisten parodiert, mit Liedermacherstimme und diesen überreichlich eingesetzten verbalen und nonverbalen Anführungstrichen samt einverständnis­heischendem Augengezwinker. Umgekehrt habe ich mich früh zu langweilen begonnen, wenn einen beim Scheibenwischer wieder mal jemand unbedingt darüber belehren wollte, dass die FDP sich nur um die Reichen kümmert oder homosexuelle Kommunisten es in der katholischen Kirche nicht ganz leicht haben.

Darüber musste ich gestern abend mal wieder nachdenken, denn die massive Vorabberichterstattung (z.B. hier und hier) über eine TV-Reportage zum Thema AWD, Maschmeyer und Freunderlwirtschaft hatte mein Interesse geweckt. Leider wurde ich enttäuscht.

Schon nach wenigen Minuten wird eine möglicherweise fehlberatene AWD-Kundin gezeigt, man zoomt heran, ihre tränenerstickte Stimme bricht, und der Reporter legt ihr den Namen Maschmeyer in den Mund. Das können die bei RTL 2 offen gesagt besser. Dann geht's zur Verbraucherzentrale, wo die Expertin alles Wissenswerte sagt, aber der Reporter muss es noch mal durchbuchstabieren: Und wie ist das mit dem Maschmeyer? Er setzt sich daraufhin in die "AWD-Arena" und liest mit erschütterter Stimme Werbesprüche des AWD von der Bande ab, die ja, Achtung!, womöglich mit der Realität kollidieren, schüttelt über diese ganz neue Erkenntnis den Kopf, aber vielleicht hat ein Zuschauer es trotzdem noch nicht verstanden, deshalb wird auch noch gezeigt, wie er mit erschütterter Miene durch die Straßen läuft und murmelt: "Welch ein Zynismus!"

Es hätte einen schon interessiert, ein paar mehr Hintergründe geliefert zu bekommen, wo kommt der denn her, dieser Maschmeyer, was treibt ihn an, wie haben denn seine AWD-Vertriebler gearbeitet, was genau kann man denen denn nachweisen, warum warnten denn die Verbraucherzentralen jahrelang vor diesem Laden?

Dass man ansatzlos kotzen will, wenn man von dieser Rürup-Riester-Connection erfährt, dass die ganze Clique aus Hannover eine menschliche und ästhetische Zumutung ist, ist ja klar, man muss sie sich mit ihrem Haifischgrinsen nur ansehen, diese ekelhafte Bande von Raffern, die sich für clever halten und untalentierte Schauspielerinnen heiraten oder so eine Blonde mit Tätowierung, "Aus den Beziehungen ist Freundschaft geworden", bestätigt dann auch der verklemmte Herr mit dieser unterdrückten, von ganz unten herausgequetschten Stimme, der seinen Urlaub in der Villa des Omabescheißers brav selbst bezahlt, während der zigarrerauchende Exkanzler nur noch haifischgrinst, von sich selbst und seinem Aufstieg berauscht, und der schlimmste Moment war der, als zwischen seinen Kumpeln für eine Sekunde auch noch Kumpel Klaus Meine ins Bild kommt, der wohl auch gemeint sein muss, wenn Maschmeyer erzählt: "Es ist logisch, wenn man in einer Stadt lebt, dass man sich trifft und kennenlernt. Aus solchen Beziehungen können Freundschaften entstehen zu Politikern, Managern, Musikern und Wissenschaftlern."

Das sind die Bilder, die man immer wieder zeigen muss, diese unverfrorene Kumpanei, die Publikumsverhöhnung, wenn man bei Ein Herz für Kinder als großer Gönner auftritt, diese nicht mal mehr notdürftig getarnten gegenseitigen Gefälligkeiten zwischen Wirtschaft, Medien und Politik. Ich brauche dazu niemanden, der mir mit dem Holzhammer beibringen will, dass das alles furchtbar zynisch ist. Und dass die geprellten Leute heulen, ist eh klar.

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