Mumien, Analphabeten, Diebe.
Du hast's gut, du hast dein Leben noch vor dir.
Sonntag, 12. Februar 2017
71@71:#12
nnier | 12. Februar 2017 | Topic Musiq
In dem Jahr hat er einen richtigen Zwischenspurt hingelegt und neben seinem populärsten Album Band on the Run den Titelsong zum aktuellen Bond-Film abgeliefert. Wie es heißt, habe man das Lied den Filmproduzenten vorgespielt, die dann sagten: Gutes Demo, und wer wird singen?

Klar, davor hat Shirley Bassey so etwas gemacht oder Tom Jones, da klingt Paul vergleichsweise zahm. Die erste Zusammenarbeit mit George Martin nach dem Ende der Beatles, und das Orchester ist verdammt gut arrangiert. Nee, sagte Paul, entweder ich singe das selber oder ihr sucht euch etwas anderes.

Das ist der erste Bond mit Roger Moore, wesentlich selbstironischer und moderner als die alten Connery-Filme, und auch die Musik klingt gegenwärtiger als Goldfinger oder Thunderball. Selbstironie allerdings sucht man in dem Song vergeblich, Paul hat ja meist alles ernst genommen, gerade bei solchen Auftragsarbeiten.

Musikalisch ist das professionell und recht glatt, aber vielleicht muss man den Song statt dessen ballistisch betrachten. Der gehört nämlich immer noch zu den Standards auf seinen Konzerten. Und seit 1989, als ich völlig verwundert in den Pogo vor der Bühne gerisssen wurde, hat er jedes Mal aufgerüstet: Damals knallte es zweimal auf der Bühne, inzwischen wird ein ganzes Feuerwerk abgefackelt und pustet einem die Ohren dermaßen durch, dass ich manchmal denke, das kommt vielleicht davon.

Selbstironie? Nein, nirgends. Das ist Bombast, den man mögen muss. Nichts für jeden Tag, aber wenn, dann knallt es richtig.

Platz 12: Live and Let Die (1973)

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Sonntag, 4. Dezember 2016
71@71:#13
nnier | 04. Dezember 2016 | Topic Musiq


Als Kind freute ich mich, wenn im Radio der Song City of New Orleans von Arlo Guthrie lief, und obwohl ich den Text nicht verstand, vermittelten Rhythmus und Instrumentierung mir genau das Eisenbahngefühl, von dem das Lied handelt.

An das amerikanische Stück muss ich immer denken, wenn ich diese unbekannte Perle höre: Eine Co-Komposition von Paul McCartney und Denny Laine, der hier ausnahmsweise den Leadgesang übernimmt. Und nicht schlecht!

Zwar geht es um einen Trucker, aber die akustische Gitarre setzt mich direkt aufs stählerne Gleis, und dann folkt das Lied so schön und fröhlich darauf los, dass ich schon vollkommen zufrieden bin. Wenn sich aber im Refrain Pauls (und Lindas?) großartiger Backroundgesang in die Höhe schraubt, zieht er meine Freude mit nach oben: Wie schön, dass Paul mal in die zweite Reihe tritt und dort genau die Akzente setzt, die aus einem guten ein sehr gutes Stück machen.

Mit der zeitgenössischen Musik von damals hatte das alles nichts zu tun, dennoch: Für mich eines der besten und zugleich völlig vergessenen Lieder der Wings.

Platz 13: Deliver Your Children (1978)

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Freitag, 25. November 2016
71@71:#14
nnier | 25. November 2016 | Topic Musiq


Das ist typisch für den McCartney der frühen 70er, das klingt wie ein Popsong und trotzdem aus der Zeit gefallen. Wieder so ein irreführendes Albumcover, es wusste ja eh nie jemand, wer oder was genau die Wings gerade waren, und hier sieht man also acht Menschen unter dem Titel "Band on the Run", da denkt man doch: Ah, so sehen die aus! Sehen sie aber nicht, bzw. nur zum Teil, denn aufgenommen haben das Album nur drei davon: Paul, Linda und Denny Laine. In Nigeria unter seltsamen Umständen, die dem Werk guttaten, denn sie führten zu einer Konzentration aufs Wesentliche. Weil Drummer und Leadgitarrist kurz vor der Abreise abgesprungen sind, setzt sich Paul mal wieder ans Schlagzeug, und Leistungsschaugitarrensoli sucht man zum Glück vergeblich.

Mir gefällt der Refrain gar nicht besonders, der Gesang im Hauptteil ist insgesamt nicht mein Fall. Ich mag ganz andere Dinge an diesem Stück, vor allem den unendlich langen Einstieg, der einen dreimal auf die falsche Spur führt: 1) Stuck inside these for walls, 2) If I ever get out of here, 3) die Fanfare, die noch mal abstoppt, bis endlich nach fast zweieinhalb Minuten 4) der eigentliche Song losgeht. In dem wieder fantastisch Bass gespielt wird.

Eine Pflichtnummer auf den Konzerten, die ich dann eher hinnehme, ich meine: "Band on the run / Band on the run", da gibt es Besseres. Trotzdem ein gutes Lied.

Platz 14: Band on the Run (1973)

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Montag, 5. September 2016
71@71:#15
nnier | 05. September 2016 | Topic Musiq


Oh, denke ich, so weit oben hast du das einsortiert, denke ich, bist du dir sicher. Dann höre ich es mir an und weiß gleich wieder, warum - Sie erinnern sich natürlich auch.

Und wo wir gerade dabei sind: Auch dieses Lied findet sich momentan nicht so leicht. Der ambitionierte Amateur da oben hat sich aber recht nahe ans Original gehalten.

Platz 15: Riding To Vanity Fair (2005)*

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Samstag, 3. September 2016
71@71:#16
nnier | 03. September 2016 | Topic Musiq
Langsam wird es ärgerlich: Ich kann schon wieder den Song nicht verlinken, und Sie sollen sich ihn doch anhören können! Aber die GEMA.

Kennt ja wieder keiner, das Lied, dabei ist das eine schöne Spätblüte. Stellen wir uns doch mal vor, wir werden bald 60, haben vor einer Weile die Ehefrau beerdigt und ausgiebig getrauert. Was machen wir dann? Genau: Ab in die Garage und drauflosrocken.

Beim Text hätte man ein wenig variieren, aus dem Jam ein paar Minuten herauseditieren können, dann wäre das eine richtig runde Sache geworden. Statt dessen wie frisch aus dem Proberaum: Ein toller Einstieg, ein wunderbares Zwischenspiel, bei dem ich der immer an die Doors und ihre elektrische Orgel denken muss, dann erst verzettelt man sich ein wenig.

Und was für ein großartiger Rocksänger er ist: Raaaaaanse the raindrops from your head! So kann man 60 werden, oder 74.

Platz 16: Rinse The Raindrops (2001)*

--
*Da die Suche aktuell nichts bringt, hier der Link zu einem Schnipsel.

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Sonntag, 21. August 2016
71@71:#17
nnier | 21. August 2016 | Topic Musiq
Well I know how hard it is for young girls these days
In the face of everything to stay on the right track




Mister Marks can you find for me / Someone strong and sweet fitting on my knee
, das ist wieder so ein seltsamer Hybrid: Synthesizer-Experimente plus Lagerfeuergitarre, der Sequencer wiederholt endlos sein nervöses Motiv, dazu klopft ganz manuell Pauls simples Schlagzeug. Irgendwie unbeholfen, da wussten Jean Michel Jarre und Alan Parsons schon ganz andere elektronische Landschaften zu erzeugen - bloß dass die eben auch sehr clean klingen. Hier dagegen sprudeln die Ideen mehr als die Schaltungen, und selten habe ich so viel Spaß an McCartneys Lyrics: She can be a neurosurgeon / If she's doing nothing urgent, das war von Anfang an ein Spalter, jedoch immer schon ein Fan-Favorit. Und urplötzlich doch noch im Liveprogramm, ich hab's zuerst letztes Jahr gehört und war hocherfreut. Nicht nötig, dieses Stückchen im nachhinein mit irgendeiner Kraftwerk-Symbolik aufzuladen, bloß weil die Tour eines Tages auch durch Düsseldorf führt, da müssen hinter der Bühne gar keine grünen Schreibmaschinen an die Leinwand gelasert werden: Das ist ein originelles Heimstudioliedchen in its own right, und den Elektropop hat er nicht erfunden, wozu auch.

Platz 17: Temporary Secretary (1980)*

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*Momentan hat jemand die Originalversion wohl aus dem Internet gefegt, deshalb hier der Link zu einem Schnipsel.

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Donnerstag, 4. August 2016
71@71:#18
nnier | 04. August 2016 | Topic Musiq
When you're crying like a poor little child
And you're feeling like you never could be reconciled


Wieder so ein Lichtchen unter dem Scheffel: Gut versteckt auf dem sowieso irgendwie untergegangenen 97er Album Flaming Pie findet sich diese R&B-Nummer, wenn man nur danach sucht. Für mich kaum zu glauben, dass ein solcher Song keine Beachtung findet: Souverän und relaxt geht es da zu, man fühlt sich sofort zu Hause. Das Stück lebt vor allem von dem dreckigen Gitarrenriff (jeweils beginnend unter: "If you want me, tell me now ..."), und wäre die Produktion nicht so dünn und flach, könnte es ein richtiger Reißer sein. Man stelle sich nur mal James Brown damit vor!

Manchmal, ganz selten, mag man den Eindruck bekommen haben, dass McCartney wie als Fingerübung auch noch jede Stilrichtung abdecken wollte: Seht, das kann ich auch! Meist aber, und auch bei diesem Lied, halte ich es mit einem freundlichen Kommentator, der McCartney kürzlich als "jemand[en], der Stile und Ideen so wie ein Schwamm aufsaugt" bezeichnet hat. Das ist kein plattes Imitieren, das ist etwas Echtes und Eigenes, auch wenn man die Einflüsse deutlich spürt. Und so klingen nicht mal die Lyrics nach Klischee: Everybody's got a handful of fear / But tomorrow it may only be a souvenir / Of the way it was 'til it went away. Großartig.



Platz 18: Souvenir (1997)

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Sonntag, 31. Juli 2016
71@71:#19
nnier | 31. Juli 2016 | Topic Musiq
It's just a silly phase I'm going through
(10cc, I'm Not in Love)

Wo waren wir stehengeblieben - ach ja! Wenn man mal überlegt, mit wem McCartney nach den Beatles musikalisch wirklich zusammengearbeitet hat, denkt man wahrscheinlich zuerst an den Wings-Gitarristen Denny Laine. Das war in den 70ern, und womöglich fällt einem noch ein, dass in den späteren 80ern Elvis Costello völlig verfrüht als "neuer Lennon" ausgerufen wurde, weil er einige brauchbare Songs mit Paul geschrieben hatte.

Was unser Kandidat aber nicht weiß: Es gab dazwischen den Herrn Stewart, Eric, der auf vier McCartney-Alben der frühen bis mittleren 80er Jahre an der Gitarre und teilweise eben auch als Songwriting-Partner in Erscheinung getreten ist. Und damit verbleibt der Hauptpreis auch diese Woche im Jackpot, nicht traurig sein, danke fürs Mitmachen und Sie bekommen eine dufte Bürotasse von Radio MAD.

Was aber will uns dieser Random Fact sagen? Nicht so voreilig da hinten, denn: Wie ja jeder weiß, war Eric Stewart einer der Köpfe der Band 10cc und somit ganz heißer Scheiß in den 70ern. Wer hat damals nicht seinen bekifften Liebeskummmer mit diesem Schmachtfetzen genährt! Es gibt Geschichten darüber, dass die Plattenbosse sich damals vor Begeisterung über den neuartigen Sound fast entleibt hätten, damals wurde ja noch richtig Geld gezahlt, und man der Band einen fantastischen Plattenvertrag aufnötigte, praktisch Blankoscheck.

Erinnern Sie sich an weitere Hits von 10cc? Ich auch nicht, also keine Ahnung, ob die Plattenfirma da ein gutes Geschäft gemacht hat. Aber was mich schon immer gewundert hat, waren eben diese vielstimmigen Chöre, die es bei McCartney in einer Phase seit den frühen 80ern gegeben hat. Nehmen wir das heutige Stückchen, 1982 als Single erschienen und damals durchaus im Radio gespielt: Da gibt es Mitschnitte von frühen Proben, bei denen man sich die Ohren zuhalten möchte und denkt, herrje, das wird doch nichts (nichts für ungut, Linda).

Und doch ist kurz darauf ein knackiges Stück Pop daraus geworden, sicher: Mehr Handwerk als Kunst, aber hier sieht man mal, was eine gute Produktion und ein wenig Mühe beim Arrangieren ausmachen können. Der Einstieg mit dem Bass, das galoppierende Schlagzeug beim Refrain, die knackigen Bläser und eben die vielspurigen Hintergrundchöre gegen Ende sind keineswegs Zierrat, sondern heben das harmlose Liedchen für mich qualitativ auf eine ganz andere Ebene.



Eric Stewart soll enttäuscht gewesen sein, als nicht er, sondern Hugh Padgham das (sagenhaft unbeliebte und später von McCartney geflissentlich ignorierte) Album Press to Play produzieren durfte, für das er mehrere Titel co-komponiert hat, und so ging man danach wieder auseinander. Mindestens soundmäßig hat Mr. Stewart aber deutliche Spuren hinterlassen.

Platz 19: Take It Away (1982)

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Donnerstag, 14. Juli 2016
Olymp
nnier | 14. Juli 2016 | Topic Musiq
Neulich, auf dem Konzert, wurde mir noch mal klar, dass er jetzt deutlich über 70 Jahre alt ist. Was für ein feiner, bescheiden gebliebener Mann, dachte ich, und wie unglaublich lange das alles her ist: Hamburg. Kaiserkeller. Star Club. Er hat mit den ganz Großen zusammengespielt: John Lennon. George Harrison. Ringo Starr. Und macht überhaupt kein Aufhebens davon.



Als Bassist ist er wirklich nicht schlecht, und viele wissen ja gar nicht, wie oft er auch in den 70er Jahren noch mit John, George und Ringo zusammengespielt hat - eigentlich sogar mehr als zu seiner Zeit mit den Beatles.

Ich stand an der Bühne und glaubte zu spüren, wie er sich freute: Eleanor Rigby. Here, There and Everywhere. Was für schöne Lieder das sind! Die Leute schauten und waren glücklich. Er schaute zurück und sah glücklich aus.

Ich war ihm näher als je zuvor und hätte endlich fragen können, wie es sich eigentlich anfühlt, an einem so unbegreiflichen Album wie Revolver mitgewirkt zu haben. Ach was, buchstäblich anfassen hätte ich ihn können, aber so einer bin ich ja nicht und genoss also den Abend im Olympiastadion zu München still und mit geschlossenen Augen, d.h. wenn ich nicht gerade laut jubelte oder die Freudentränen wegwischte.

Ob ich diesmal nicht doch nach einem Autogramm frage, überlegte ich, und das ist doch nicht zu glauben, dass du mit so jemandem am gleichen Ort bist. Und wenn ich schon nicht nach Lennon oder Harrison fragen mag, dachte ich, denn das kommt ihm bestimmt zu den Ohren raus, dann vielleicht nach Behrens oder Krawinkel, die verdanken ihm ja ebenfalls eine Menge, und auch das weiß längst nicht jeder. Dann ließ ich ihn lieber in Ruhe.

Das Konzert schien ihm echte Freude zu bereiten, doch gegen Ende begann es ihn anzustrengen, das war unverkennbar, und mir selbst fällt es auch nicht mehr so leicht, stundenlang zu stehen: Kein Wunder, dass er sich zwischendurch auch mal hinsetzte. Zum Finale aber war er wieder voll da, alle waren glücklich, und es mag komisch klingen, denn er hat in seinem Leben bestimmt schon genug Autogramme gegeben - trotzdem hatte ich das Gefühl, dass er sich über meine Frage gefreut hat.



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Mittwoch, 1. Juni 2016
Zäpfel in Dü
nnier | 01. Juni 2016 | Topic Musiq
Zäpfel Kern hatte, wie wir wissen, ein paar nette, sehr niedliche Ohren erhalten, und er war immer etwas eitel auf seine kleinen Öhrchen gewesen. Und nun, entsetzlich, erblickte er an deren Stelle zwei ungeheure haarige Ungetüme, von denen er nichts anderes sagen konnte, als daß es zwei ausgewachsene Eselsohren waren.
(Otto Julius Bierbaum, Zäpfel Kern)
Wie ja jeder weiß, erzählte der Schriftsteller Otto Julius Bierbaum zu Beginn des 20. Jahrhunderts mal eben die Abenteuer Pinocchios nach, änderte ein paar Namen und gab seinem Buch den Titel Zäpfel Kern. Als mir mein Freund A. eine Pinocchio-Hörspielcassette zum Geburtstag schenken wollte, dann aber Zäpfel Kern auf dem Tisch lag, war ich zunächst enttäuscht, denn ich hatte die Figuren und Stimmen aus der bekannten Zeichentrickserie erwartet. Später begann ich das Hörspiel dennoch zu mögen, in dem der alte Tischler statt Gepetto eben Väterchen Zorntiegel hieß, und besonders beeindruckt hat mich das Kapitel "Bei Dr. Schlaumeier im Spiel-Immer-Land": Da geht es um Kinder, denen ein sorgloses Leben in einer Art ewigem Freizeitpark versprochen wird, und um den hohen Preis, den sie eines Tages dafür zahlen müssen, indem sie sich zu Eseln verwandeln und als solche für Dr. Schlaumeier arbeiten müssen oder von ihm verkauft werden.

Mich hat der Wind vor einigen Tagen nach Westen geweht, erst wunderte ich mich noch über die hohen Berge und tiefen Täler, Ennepetal, Neviges, Velbert, Wuppertal, das ist ein ewiges Auf und Ab und mit Rollator bestimmt noch anstrengender, und irgendwann fand ich mich in Düsseldorf wieder, einer Stadt, zu der ich jetzt immerhin sagen kann: Nu ja, und dann zeigte ein Pfeil zum Spiel-Immer-Land.

Mit ein paar anderen Kindern durfte ich schon vorher rein, als die Kapelle ein Stündchen probte. Vor Freude weinte ich auf meine Zuckerwatte, denn statt "Test-Test-1-2-3" wurden ganze Songs gespielt, und der Mann auf der Bühne war lieb zu uns und hatte sichtlich Freude an seinem Tun. Als er uns verabschiedete und viel Spaß für die Show am Abend wünschte, ging es noch mal raus ins Helle. Durch den Schleier sah ich den glücklichen Japaner, der neben mir gestanden und einen inneren Kulturkampf ausgefochten hatte: Man ist ja eher der zurückhaltende Typ und von außen betrachtet kein Kind mehr, aber, Herrgott, das kann doch gar nicht wahr sein, Konnichiwa Sayonara!

Einige Stunden träumte ich auf meinem Sitz vor mich hin, begleitet von angenehmer Musik, ein DJ kam drin vor und elektronisch verfremdete Versionen meiner musikalischen DNA. Dann erscholl ein Akkord, der mich 50 Jahre jünger machte, gleich konnte ich wieder stehen, und das kann doch gar nicht wahr sein, Domo Arigato!

Es gab ordentlich was auf die Ohren, und irgendwann begann ich mich zu fragen, ob das vielleicht wirklich nicht ganz wahr ist. Hinterher konnte man lesen, dass es Probleme mit dem Klang in der Arena gegeben habe. Vielleicht war es das. Vielleicht auch etwas anderes. Ich denke dabei nicht an Playback, der Mann singt wirklich, das habe ich aus der Nähe gesehen. Aber irgendwas klang fremd für mich, als ob da technisch getrickst und nachgeholfen würde, nicht schlimm und roboterhaft, aber auch nicht mehr pur und unverfälscht.



Und wen würde das wundern, mit fast 74, bei dem Dreistundenprogramm an der Gitarre, am Bass, am Klavier, und alle wollen das hören, alle wollen rein in das Spiel-Immer-Land und glücklich sein, und das waren sie, das waren wir, nur beim Rausgehen musste ich mir prüfend an die Ohren fassen.

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