Mumien, Analphabeten, Diebe.
Du hast's gut, du hast dein Leben noch vor dir.
Wintermusik
nnier | 27. November 2008 | Topic Musiq
Weiß der Himmel, woran es liegt, ich habe einfach eine Abneigung gegen solche Stimmen. Ich mag z.B. diesen Creole-Reggae-Sound nicht und alles, was mich daran erinnert. Auch Rap-artiger Sprechgesang ist nicht mein Fall. Und da geht es genau so los mit dem "Rapper und Toningenieur Natty" -
There's no more trains going that way
There's no more trains coming this way
You better make your way home, son
There's something going down in London
- vorsorglich rollen sich die Keratinplatten auf der Oberseite der Zehenspitzen schon mal auf, aber: halt!

Es ist ja schon eine Weile her, dass ich über das meiner Ansicht nach sehr schöne Stück My Soul von Paul McCartney und Nitin Sawhney berichtet habe. Und da ich es nun mal als, na ja, Hörprobe in akzeptabler Qualität vorliegen hatte und auf Sawhneys CD London Undersound auch keine weiteren Kooperationen mit McCartney zu finden sind, hatte ich es nicht besonders eilig, den Silberling zu erstehen. Erst seit einer Woche besitze ich ihn, und nachdem in den ersten Tagen besagtes Lied in Heavy Rotation aus den Boxen meiner alten Stereoanlage schallte, habe ich es inzwischen geschafft, auch den Rest der Scheibe einige Male zu hören.

Nitin Sawhney hat in Interviews und im CD-Beileger davon gesprochen, dass sich in der Stadt nach den Anschlägen auf die Londoner U-Bahn "etwas verändert" habe, dem er mit dieser CD nachspüren wolle. Und auch wenn ich oft meine Schwierigkeiten mit allzu bedeutungsschwangeren Themen bzw. thematischen Ansprüchen habe, kann ich dies gerade beim Einstiegssong gut nachfühlen, der sich zu einem Ohrwurm entwickelt hat:
On these streets where I played
And these trains that I take, I saw fire
But now I've seen the city change in
Oh so many ways, since the days of fire
Since the days of fire
Sawhney hat bei fast jedem Stück mit anderen Musikern und Sängern zusammengearbeitet. Einige Stücke erinnern mich an selige TripHop-Zeiten (Massive Attack: Protection, Portishead: Dummy), einmal klingt's orientalisch, dann wieder nach Flamenco - ohne dadurch zu nerven! - und alles zusammen ergibt glücklicherweise eben kein willkürliches Potpourri, sondern ein sinnvolles Ganzes, auch wenn der Begriff "Konzeptalbum" ein wenig überstrapaziert wäre (die zwischendurch immer wieder eingespielten U-Bahn-Geräusche schaffen da ganz unangestrengt eine lockere Verbindung, die auch völlig ausreicht).
So I step out the station, Brazilian name all over TV
Realization - I was on the next train - could 've been me
Then it all went slow motion, everything slow motion
First the flash of light then the rise of emotion
And I'm still in slow motion, I'm still in slow motion
Schon jetzt kann ich sagen, dass dieses Werk meinen Winter 08/09 begleiten wird. Und ich empfehle es glatt weiter.

(Der zitierte Song Days of Fire lässt sich in diesem Audioplayer komplett anhören, kurze Hörproben aller Songs findet man bei den üblichen Verdächtigen.)

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