Mumien, Analphabeten, Diebe.
Du hast's gut, du hast dein Leben noch vor dir.
Würde der Armut
nnier | 24. November 2008 | Topic Gelesn
Im Leben des Menschen sind das Scheitern und der Misserfolg angelegt. Ich habe mein Bestes gegeben, aber es hat nicht gereicht.
(Erwin Huber)

Ich kann mich Herrn Jakubetz nur anschließen: Es ist ein schönes Stück Journalismus, das, was man im Magazin der Süddeutschen über den Huber Erwin und seinen "ziemlich heftigen Fall von ganz oben zurück in den Stimmkreis Dingolfing" lesen kann. Und dabei wollte ich die Süddeutsche gerade endgültig abschreiben.

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jean stubenzweig, Montag, 24. November 2008, 11:53
Ich lese die Süddeutsche nur noch sporadisch. Sie gehörte für mich immer zu den besseren. Aber das hat wohl (auch) mit der politischen Ausrichtung zu tun. Zwar habe ich mich wohl gerade deshalb immer wieder über sie aufgeregt, aber das gehört wohl zum «Engagement». Daß ich nach rund fünfunddreißig Jahren das Abonnement gekündigt habe, hat damit zu tun, daß ich einen radikalen Schnitt gemacht und alle festen Zeitungsbezüge aufgegeben habe. Auch wenn es der Tatsache geschuldet ist, daß ich ständig unterwegs bin – ich leide nicht unbedingt darunter, sie nicht täglich vorliegen zu haben.

Daran ändert vor allem dieser Text über den Huber Erwin nichts. Zumal ich schon Griffigeres gelesen habe in der der SZ als dieses Stückchen gedruckter Sanftmut. Wo sind wir mit unserem Anspruch gelandet, wenn wir nach solchen Texten «eigentlich wieder rundum zufrieden mit dem Journalismus» als solchem sind? Nun gut, es ist das SZ-Magazin. Da geht's ohnehin betulicher zu. Keine Zwischentöne, nichts zwischen Zeilen, es menschelt eigentlich nur: der arme Kerl. Ein paar Passagen geändert, und es hätte auch im Bayernkurier stehen können. Oder im Dingolfinger Anzeiger. Als Nachruf.

Aber der Huber Erwin lebt ja noch. Und ein bißchen mehr als Hartz IV hat er auch. Trotz der vielen Miesen, die er fabriziert hat. Ach.

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nnier, Montag, 24. November 2008, 12:23
Gedruckter Sanftmut / Menscheln? So, wie Sie's (Richtung Bayernkurier) zuspitzen, sehe ich es nicht. Da erinnere ich mich eher an die wochenlange fernsehweite Staatstrauer nach dem Ableben des FJS, die ich so höchstens noch mal bei "Lady Di" mitbekommen habe. Ich finde den Ansatz, sich jemandem sozusagen "als Mensch" zu nähern, dann sinnvoll, wenn es nicht (wie bei zuletzt beim in den Nachrufen höchstens noch diffus "schillernden", "umstrittenen", "polarisierenden" Haider) darum geht, einer politischen Berichterstattung und Bewertung auszuweichen bzw. diese durch jenes zu ersetzen. In einem SZ-Magazin-Artikel etwas darüber zu lesen, wie es so jemandem gehen mag, wie er es für sich ordnet und interpretiert, finde ich schon interessant. Bei Frau Ypsilanti würde mich in einem halben Jahr auch interessieren, wie sie die Ereignisse mit etwas Abstand sieht.

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jean stubenzweig, Montag, 24. November 2008, 12:29
Ich habe ja nicht gemeint, daß man solches nicht schreiben solle. Unbedingt, da bin ich Ihrer Meinung. Aber «eigentlich wieder rundum zufrieden mit dem Journalismus» ist mir als Prädikat dann doch ein wenig arg weit oben angesiedelt.

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nnier, Montag, 24. November 2008, 12:40
Da war wohl der Wunsch der Vater des Gedankens, bis zur nächsten inhaltlichen Ausdünnung, bis zur nächsten Umdrehung der Abwärtsspirale, wie sie gerade bei der SZ wieder ansteht.

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jean stubenzweig, Montag, 24. November 2008, 13:58
Hätte es Chat Atkins (Klaus Jarchow) nicht geschrieben, es hätte von mir kommen können: «Kommt es nur mir so vor, als ob Finanzkrise und nachfolgende Anzeigenkrise einigen jetzt als Sündenböcke auch sehr gelegen kommen, um von Führungs- und Managementkrisen gar nicht mehr reden zu müssen? Die Zeitungskrise war doch schon vor 'Anno Lehman Brothers' am Schmurgeln – oder etwa nicht?» Ich möchte das erweitern: Nachdem DDR ins Reich geholt worden war und entsprechende Summen benötigt wurden, um das alles aufzubauen, hatte mit einem Mal der Staat und damit wir nicht nur kein Geld mehr, sondern alle erdenklichen Unternehmen stimmten ein in diesen Klagechor. Auch im Verlagsbereich hieß es dann: «Wir müssen sparen!» An allen möglichen Stellen wurde gestrichen und gestrichen. Man machte sich diese Situation zunutze und kappte, wo es nur ging.

Sicher treffen wir hier auf eine andere Situation. Knüwer schreibt: «Die aktuelle Krise in Sachen Zeitungen und klassische Medien überhaupt ist keine Konjunktur-, sondern eine Systemkrise, die durch die Konjunktur drastisch verschärft wird.» So sieht's aus. Aber nicht vergessen werde möge bitteschön, daß die Süddeutsche Zeitung nach dem Verkauf an die schwäbischen Hypersparer ohnehin intern auf schwierige Zeiten zusteuerte. Und nun ist die Gelegenheit günstig, das am derzeitigen Marktgeschehen aufzuhängen. So sehe ich das. Es ist widerlich. Und ich bin einmal mehr froh darüber, zu den Alten zu gehören.

Daß all das keinen besseren Journalismus fabriziert, darüber dürfen wir ja ruhig still schweigen ...

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nnier, Montag, 24. November 2008, 16:32
Im "JakBlog" des Herrn Jakubetz (das ich frisch für mich entdeckt habe) steht u.a. folgendes:
Kaum vorstellbar ist auch, wie man in Zeiten, in denen digitale Inhalte nicht nur frei, sondern auch häufig kostenlos sind, mit der Abwärtsspirale aus weniger Personal, weniger Seiten, weniger Qualität die Menschen dazu bewegen will, eben doch Geld auszugeben. Man habe das Gefühl, in den Abopreisen sei noch Luft nach oben, [...] hat ein ziemlich bedeutender deutscher Verleger jetzt mal gesagt. Mag sein - aber müsste man nicht gerade für die Klientel, die bereit ist, noch mehr Geld für Medien auszugeben, ein ganz besonders hochwertiges Angebot machen? Sparen, kürzen, eindampfen auf der einen; Preise erhöhen auf der anderen Seite, das wird nicht zusammengehen.
Ich selbst lese noch regelmäßig die Zeit - andere Abos habe ich nicht, eine zweite Wochenzeitung wie etwa die FAS (die ich der FAZ deutlich vorziehe), geschweige denn eine Tageszeitung, würde mich schon überfordern - und mir gleichzeitig zu wenig bringen, um zum Thema Qualität zurückzufinden.

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