Mumien, Analphabeten, Diebe.
Du hast's gut, du hast dein Leben noch vor dir.
71@71:#59&58
nnier | 07. Oktober 2013 | Topic Musiq
Oooo-eee-ooooh!

1982, das erste Album nach Johns Ermordung, das erste mit Legende George Martin als Produzent. Der große Hit darauf heißt Ebony and Ivory und ist überhaupt nicht mein Fall, war es schon damals nicht, zuviel Reißbrett und Konsens auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner: Haaach, die Tasten auf meinem Klavier können harmonisch Seit an Seite leben, warum bloß tun wir das nicht, schnief. Ich kann Stevie Wonders Stimme in diesem Stück nichts abgewinnen, mag den slicken Sound nicht, finde die Melodie schwach, na gut, diese Version hier ist noch ganz OK, aber warum wird so etwas ein Hit und nicht die guten Lieder? Schon auf der 1989er Tour klang das Lied so schlecht gealtert wie kein anderes.

Überhaupt wurde das Album damals ein wenig zu sehr gelobt. Das ist zum Teil ganz anständige Popmusik, kein Meisterwerk und kein Fehlschlag, glatt produziert und angereichert mit dummerweise gleich zwei Stevie-Wonder-Kollaborationen sowie einem Duett mit Carl Perkins. Der hat eine ähnliche Stimme wie Dr. McCoy von Star Trek und müht sich zusammen mit Paul durch ein mattes Pseudo-Country-Stückchen ("Once I had a little Spanish Guitar ..."), das man schon während des Hörens wieder vergisst.

Paul hat im Studio einen Witz erzählt, heißt es in den Büchern, und Carl hat gelacht. Er lacht in das nächste Stück hinein, und da wird es gegen Ende der Platte plötzlich doch noch interessant: Was für ein seltsamer Übergang, Oooooh, the one you wanted to be is now the one you see, ooooh. Und dann? Würde man die ganze Pastiche am liebsten vom Platz fegen, das ist Disco nach der Disco, das macht Spaß, das ist selbstbewusster Pop und da gehört auch die Spanische Gitarre hin: What's the point of changing / When I'm happy as I am!

Bloß dass danach noch Ebony and Ivory kommt.

Platz 59+58: Be What You See (Link) / Dress me Up As A Robber (1982)

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reuter, Montag, 7. Oktober 2013, 15:16
Das ganze Album ist schrecklich.
Außerdem schummeln Sie jetzt, wenn Sie hier zwei zählen, das gilt nicht. ;-)

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nnier, Montag, 7. Oktober 2013, 15:50
So schlimm!? Das Lustige ist, dass ich manchmal sogar die Sachen mag, die mir nicht gefallen. Eben z.B. habe ich mir das ganze Album noch mal angehört und mich dabei ertappt, wie ich bei What's That You're Doing das Geschirr gleich viel schneller abgetrocknet habe, einem Lied, das ich eigentlich für völlig überflüssig halte.

Mir scheint das rückblickend vor allem ein Album zu sein, das McCartneys Status zurechtrücken sollte: Nach den schwach rezipierten letzten Wings-Alben und dem kontroversen Heimstudiowerk McCartney II war es eigentlich erst dieses Album, das ihn als Solokünstler wieder ins Spiel brachte. Und gerade in dem Kontext, dass John nach seinem Tod durchweg zum alleinigen kreativen Kopf der Beatles gemacht wurde, kommt mir das Werk vor wie eines, das mit allen Mitteln auf Erfolg getrimmt werden sollte: Der alte Beatlesproduzent, die aktuellen Top-Studiomusiker, und wie gesagt für meinen Geschmack auch ein paar gelungene Kompositionen. Leider wirkt das ganze Unternehmen dadurch auch etwas angestrengt: Guckt mal, ich bin noch da und kann zeitgenössische Hits abliefern.

Was ist es denn, das Ihnen so gar nicht gefält?

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reuter, Montag, 7. Oktober 2013, 17:24
Mit Gewalt auf Mainstream gequetscht, klebrige Soße, weit und breit kein gewisses Extra. Nicht mal Ringos Schlagzeug reißt es raus in - wie heißt der Song noch gleich?

Gerade keine Zeit für Qualifizierteres, später mehr. ;-)

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nnier, Montag, 7. Oktober 2013, 21:42
Lassen Sie sich Zeit - ich bin weg!

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reuter, Montag, 7. Oktober 2013, 23:45
Gut, ok, verstehe. Ich hab jetzt aber quasi eine Flasche Wein gebraucht, um herauszufinden, was ich eigentlich meine. Hab's natürlich doch nicht hingekriegt, muss es aber loswerden.

Qualifiziert wird meine Stellungnahme jetzt allerdings auch nicht. Kann da gar nicht so sachlich rangehen wie Sie, sondern assoziiere halt eher wild in der Gegend herum. Frau eben. Ich hab das Album selber gar nicht, weil ich es immer zutiefst abgelehnt habe, und musste mir deshalb die einzelnen Songs erst mal zusammengoogeln und youtuben. Ich hab's nicht bis zum Ende geschafft. Schrecklich. Das mit der klebrigen Soße nehm ich zwar zurück, dieser Eindruck war die übrig gebliebene Gesamterinnerung, aber wohl wegen Ebony And Ivory, mein persönliches Mc-Cartney-Tief aller Zeiten, da hätte ich ihm fast die Freundschaft gekündigt, sozusagen.

Da scheinen wir noch in etwa einer Meinung zu sein, obwohl, ich kann es wirklich sehr sehr sehr nicht leiden. Na gut, abgesehen davon: Mainstream. Langeweile. Schrecklicher Marschmusikrefrain in Tug Of War, ein bisschen Hoffnung am Anfang von Take It Away, aber dann bald dieselbe Langeweile trotz Ringo, Somebody Who Cares: GÄHN. What's that you're doing, oh, es groovt ein bisschen, ein "Doppelt-so-schnell-Geschirr-Abtrocknen"-Song, aber mehr wegen Stevie Wonder. Und so geht es weiter. Die Jeijen bei Here Today, und wie sehr hätte ich mir gewünscht, er hätte etwas angemessen Wunderschönes zu Johns Tod hingekriegt. Gut, Ballroom Dancing, ein bisschen Kirmesmusik, hat vielleicht ein paar winzige Momente. Aber dann kommt doch nichts mehr.

Sie haben mit allem Recht, gute Studiomusiker, Album auf Erfolg getrimmt, die Situation nach Johns Tod, wahrscheinlich auch ein paar gelungene Kompositionen, kann sein, keine Ahnung, aber: keine Seele. Synthetisch. Also für mich jetzt. Aber wie gesagt: völlig antianalytische weibliche Assoziation, who knows. Schönen Urlaub.

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nnier, Dienstag, 15. Oktober 2013, 20:50
Wild in der Gegend herumassoziieren? Flasche Wein trinken? Gar nicht richtig wissen, was Sie meinen? Es aber trotzdem hinschreiben? Typisch weiblich!

Sie beschreiben übrigens ziemlich genau, was ich hier tue. Aber ich koche ja auch Marmelade.

Danke ich für Ihre ausführliche Meinungskundgabe, ich lese mit Interesse und frage mich unter anderem, wer das Ebenholz-und-Elfenbein-Geschlunze denn dann eigentlich mag: Schon auf der 89er Tournee, als man sich ja überhaupt erst wieder einkriegen musste, dass der Mann jetzt wirklich da oben steht und singt, war dieses Lied eigentlich der Moment, in dem man wieder zu sich kam und dachte, ach, ja, stimmt, das gab's auch. Das restliche Album steht in meiner Gunst zwar nicht so niedrig wie in Ihrer - die verfrühten und übertriebenen Lobpreisungen haben ihm aber definitiv nicht gutgetan. Mal abwarten, ob es in dieser kleinen Reihe noch mal auftauchen wird.

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reuter, Sonntag, 20. Oktober 2013, 10:24
Hoffentlich nicht! Also das mit Hier-Auftauchen. Aber gut, ich reiß mich schon zusammen, ist schließlich Ihre Show hier. ;-)

Übrigens hab ich mich noch nicht an Newherangetraut. Der Titelsong kommt zwar aus derzeit aus jedem Radio, weiß noch nicht so genau, was ich davon halten soll. Aber ich befürchte, dass ich das Album enttäuschend finde. Wenn ich schon die groß angelegte Werbekampagne sehe: "Eine Legende erfindet sich neu", und das in lilafarbenen 10-Meter-Plakaten. Hat er das wirklich nötig?

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nnier, Sonntag, 20. Oktober 2013, 18:38
Ich hab's damit auch nicht eilig. Ebenso meide ich Schnellrezensionen nach dem ersten Hören. Irgendwann kommt der richtige Zeitpunkt, und ich lasse mir auch gerne noch etwas zum Entdecken übrig. So habe ich z.B. immer noch nicht das vorangegangene Album mit den Coverversionen gehört, auch wenn ich die begleitende Single wirklich gerne mochte.

Interessant ist aber der Prozess, sich so ein Album anzueignen, erst klingt es fremd und wird irgendwann vertrauter, bis man es unmerklich in den Werkskorpus integriert.

Die Plakate habe ich nicht gesehen, aber durchaus mitbekommen, dass die Trommel ein wenig gerührt wird. Alles in allem mutet seine PR aber rührend amateurhaft an, seit Jahren und schon immer, das ist wirklich kein Vergleich mit den Megastars seit Madonna und Michael Jackson, von den heutigen Twitterprofis ganz zu schweigen. "Erfindet sich neu", ach Gottchen, ja, und irgendwas mit Beatles.

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