Mumien, Analphabeten, Diebe.
Du hast's gut, du hast dein Leben noch vor dir.
Hungerproblem gelöst
nnier | 10. September 2009 | Topic Gelesn
Wie die Billig-Supermarktketten A*** und N**** mitteilen, werden unter anderem Käse, Joghurt und Champagner günstiger.
Das Volk hungert? Dann soll es doch Kaviar fressen!

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damenwahl, Donnerstag, 10. September 2009, 15:04
Ich habe im vergangenen Jahr viele Supermärkte in vielen Ländern gesehen und wirklich nirgendwo waren die Produkte so günstig wie in Deutschland. Anfangs gewöhnungsbedürftig, aber mittlerweile würde ich sagen: der Preiskampf zu Hause ist nicht normal. Und nicht gut. Für niemanden, nicht einmal für die Verbraucher.
Joghurt, hier, übrigens: 6,50 für ein Viererpack D*n*ne.

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nnier, Donnerstag, 10. September 2009, 15:24
Bei mir persönlich verursacht ja auch das Auftreten von "Discounter" und "Champagner" im selben Satz noch eine kognitive Dissonanz.

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mark793, Freitag, 11. September 2009, 09:50
@damenwahl: Erhlich gesagt vermag ich nicht zu erkennen, welchen Vorteil es für den Verbraucher hätte, wenn das Preisniveau im Lebensmitteleinzelhandel um 30 oder 60 Prozent höher läge. Zu glauben, das Zeug wäre dann toller und nahrhafter, nur weils teurer ist, scheint mir ein wenig naiv. Man muss es leider sagen: Danone-Joghurts sind ernährungstechnisch größtenteils Schlacke, egal, ob Sie 1,99 oder 6,50 € dafür hinblättern.

So gesehen finde ich es grundsätzlich ok, dass man die Option hat, sehr günstig einzukaufen. Gerade als Selbstständiger mit zum Teil erheblich schwankenden Einnahmen und monetären Durststrecken war ich zwischenzeitlich wirklich dankbar dafür, dass man notfalls auch mal eine Weile low-budget-mäßig über die Runden kommen kann ohne sich Mangelerscheinungen einzuhandeln. Es ist doch so: Wer lustig ist und das nötige Kleingeld über hat, kann ja in den gehobenen Sortimenten der Kaufhäuser oder im Bioladen wesentlich mehr Geld hinblättern und sich ein gutes Gewissen erkaufen. Ich als bekennender Einkaufs-Eklektizist praktiziere das gepflegte sowohl-als-auch: Supermarkt oder Discounter für Sachen, wo's nicht so drauf ankommt, Zucker, Mehl und so; Obst und Gemüse vom Wochenmarkt oder Bioladen, und Fleisch auch entweder Bioladen oder Metzger. Aber irgendwie beruhigt es mich, dass es notfalls auch günstiger ginge.

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damenwahl, Freitag, 11. September 2009, 10:15
Die Frage ist doch: kann man Lebensmittel tatsächlich so günstig produzieren, wie sie in Deutschland verkauft werden? Ich bin mir da nicht sicher und glaube, daß manche Preise erst durch eine Vielzahl von Subventionen aus diversen Quellen möglich werden - und damit das Gefühl des Verbrauchers für den Wert der Lebensmittel verzerren. Entsprechend schlampig und verschwenderisch geht man dann auch damit um - und das wiederum ist doch eigentlich Sünde. Ich kaufe selbst manche Produkte beim Discounter und andere in schöneren Supermärkten und will das gar nicht verurteilen - frage mich aber angesichts meiner jüngsten Erfahrungen andernorts, ob die Konsumentenerziehung in Deutschland langfristig in die richtige Richtung geht.

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monnemer, Freitag, 11. September 2009, 10:26
Aber gerade als Selbstständiger sollten Sie doch etwas sensibler sein, was den Aspekt der Kostendeckung auf Erzeugerseite angeht (siehe Milchbauern), Herr Mark;-)

Edit: zu gründender Verein: "Sensible Selbstständige"

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nnier, Freitag, 11. September 2009, 10:33
(An dem Kürzel arbeiten wir dann noch.)

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mark793, Freitag, 11. September 2009, 11:12
@damenwahl: Die Frage ist doch: kann man Lebensmittel tatsächlich so günstig produzieren, wie sie in Deutschland verkauft werden?

Das kann man sicher nicht pauschal für die Breite des Sortiments behaupten, da gibt es sicher Unterdeckung in manchen Produktsparten. Es bleibt aber weiterhin die Gegenfrage, ob die in anderen Ländern verkauften Sachen wirklich so viel wertiger sind, nur weil sie teurer verkauft werden. Und desweiteren, ob die Primärerzeuger dort so viel mehr von dem höheren Preisniveau haben als die hiesigen, und da würde ich mal ganz pauschal sagen: eher nicht.

Ehrlich gesagt finde ich auch die Vorstellung zweifelhaft bis abwegig, dass tieferes Bewusstsein für die Nahrungsmittel und deren unterschiedliche Qualitäten mit dem generellen Anziehen der Preisschraube zu bewerkstelligen wäre. Heute kostet Benzin viermal so viel wie noch vor einem halben Jahrhundert (behaupte ich jetzt mal ungeprüft ganz keck), aber das Bewusstsein für die Qualität (oder die begrenzten Ressourcen) ist nicht in dem Maße mitgestiegen. Man fährt halt weniger, wenn man sichs nicht mehr leisten kann, aber das wars dann auch schon. Und ich wüßte nicht, warum das bei Nahrungsmitteln so viel anders laufen sollte. Wer bessere Qualität als Fertigfraß nicht zu schätzen weiß, wird dafür auch kein Bewusstsein entwickeln, wenn der Fraß das Dreifache kostet.

Und wenn ich (was leider vorkommt) meine Einkaufs- und Essensplanung nicht so koordiniert kriege mit den Essenswünschen meiner Lieben mit der Folge, dass ich nun mal leider ab und zu verdorbene Lebensmittel wegwerfen muss, bedaure ich es natürlich mehr, wenn ich das sauteure Zeug aus dem Bioladen in die Tonne kloppen muss, da danke ich mir dann manchmal, zum Wegschmeißen hättste auch das Billiggemüse vom Türken kaufen können. ;-))

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damenwahl, Freitag, 11. September 2009, 12:00
Pauschal geht sowieso nicht. Mir geht es auch nicht um relative Preise im Vergleich (Bio besser als Discount), den Zweck der Ernährung erfüllen sie alle. Aber Subventionen verzerren das Gefühl für Werte und das widerstrebt meiner volkswirtschaftlichen Indoktrinierung. Ich habe ja selbst in Wien noch gejammert, weil alles so viel teurer war. Der Joghurt 50 Cent statt 35 kostete. Aber wenn ich jetzt drüber nachdenke würde ich ganz unabhängig von allen anderen Faktoren sagen: was an Input hineingegangen ist, plus die Margen der Erzeuger und Händler, ist ein angemessener Preis. Diesen mittels Subventionen und Preiskampf zu unterbieten, kann auf Dauer nicht richtig sein.

Preise als Mittel zur Verbrauchererziehung sind natürlich von fragwürdigem Nutzen. Aber wie sonst soll es gehen? Wenn im Supermarkt ein großes Weißbrot weniger kostet als ein Kleines, und ich daher das Große kaufe und zur Hälfte wegwerfe - das ist doch nicht richtig? Sie und ich, wir sind vermutlich beide klug genug, uns das erklären zu können, aber es gibt andere Konsumenten, die dadurch zu einem völlig falschen Weltbild kommen.

Im übrigen funktioniert das mit den Preisen schon manchmal: stellt man auf Veranstaltungen Getränke umsonst hin, haben Sie am Ende ganz sicher 150 halb volle Flaschen. Lassen Sie die Leute bezahlen, kauft jeder nur, was er braucht. Markt funktioniert, manchmal zumindest. Markt aber in geradezu widersinniger Weise auszuhebeln, kann nicht richtig sein. Finde ich.

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mark793, Freitag, 11. September 2009, 12:26
Markt funktioniert, klar, bei so simplen Prämissen wie mit Ihrem Getränkebeispiel sogar problemlos, nur lassen sich diese simplen Gesetzmäßigkeiten nicht ohne weiteres auf komplexere Märkte übertragen. Zwischen dem Rohstoff- oder Grundnahrungsmittel-Lieferanten, dem Lebensmittelhersteller und dem Endverbraucher agiert ja noch der Lebensmittel-Einzelhandel. Und darauf, wie Aldi, Lidl und Konsorten mit ihren Lieferanten umspringen, habe ich als Endkunde nur denkbar geringen Einfluss. Ich denke mal, dass Subventionen im eigentlichen Sinne gar nicht so sehr den Wettbewerb verzerren und damit das Endverbraucherpreisniveau beeinflussen wie man gemeinhin denkt. An der wesentlich entscheidenderen Schraube drehen die LEH-Ketten mit ihren jeweiligen internen Mischkalkuationen, die wenn man so will auf Quersubventionierung bestimmter billig, oft sogar unter Einstandpreis abgegebener Waren hinauslaufen. Und zwar mit dem Kalkül, dass diese Lockvogelangebote die Leute in den Laden holen, die dann aber auch ein paar Sachen mitnehmen mit wesentlich größerer Handelsspanne, also Wasch- und Putzmittel. DA sehe ich die gravierenderen Preisverzerrungen, die in der Masse schwerer wiegen als die Frage, ob hiesige Milchkühe aus Brüssel irgendwelche idiotischen Zuschüsse kriegen.

Wer also Wettbewerb und Markt bejaht, muss halt auch die Tatsache zur Kenntnis nehmen, dass wir hierzulande einen harten Wettbewerb zwischen den LEH-Ketten haben, der preislich nun mal nicht zuletzt auf dem Rücken der Hersteller und Lieferanten von Nahrungsmitteln ausgetragen wird.

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nnier, Freitag, 11. September 2009, 17:52
Dass so ein Preiskampf den Verbraucher freut, ist ja erst mal klar. Und natürlich werden Lebensmittel nicht einfach so davon besser, dass sie teurer verkauft werden. Was mich allerdings schon irritieren kann, sind gewisse Proportionen und Verhältnisse bzw. Missverhältnisse, und ich meine mich damit wenigstens teilweise selber: Wenn man den Kaffee im Café, die Handygebühren, die Zigaretten oder die Kosten fürs Auto, die fürs TV-Gerät oder den Besuch bei McD, den Rasenmäher und was auch immer in Relation setzt zu dem, was man fürs Essen auszugeben bereit ist.

Niemand erwartet, dass arme Leute sich freuen, wenn die Lebensmittelpreise steigen. Interessant finde ich aber schon, dass in D auch von denjenigen, die es sich locker leisten könnten, ausgerechnet beim Essen so häufig gespart wird. Liegt das daran, dass man es so schlecht vorzeigen kann? Sieht ja keiner, dass ich Matsch mit Pampe esse, aber mein neues Handy, das sieht jeder? Bestimmt hat das Thema sehr viele Facetten; aber etwas unheimlich ist mir die Gewöhnung an Fleisch für 3,99 / kg und Milch für -,48 / l auf die Dauer so oder so. Nicht nur, weil's beim nächsten Lebensmittelskandal wieder heißen wird: Was sollen wir denn machen, die Verbraucher wollen das so.

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mark793, Freitag, 11. September 2009, 18:22
Ich denke nicht, dass es nur daran liegt, dass man mit den Essenseinkäufen die Nachbarn nicht beeindrucken kann. Wobei das mit Sicherheit auch nicht zu unterschätzen ist.

Aber zum Teil sehe und schmecke ich schlechterdings keinen Unterschied zwischen der 39-Cent-Gurke vom Gemüsetürken und dem 1,69-Teil vom Biomarkt, selbst meine hyperkritische Frau musste in diversen Blindtests zugeben, dass sie den Unterschied auch oft nicht schmeckt und dass es in erster Linie eine Kopfsache ist. Man kann sich halt einbilden, das Bio-Grünzeug wäre schadstoffärmer. Und nachdem meine Frau als Hauptverdienerin sagt, daran wird nicht gespart, halte ich mich halt dran, auch wenn ich weiß, für mich täts nicht unbedingt not.

Wo ich z.T. Riesenunterschiede sehe, ist beim Fleisch. Das vom Bioladen ist den Mehrpreis gegenüber dem Aas vom real wert, allerdings vermag ich zwischen dem Hackfleisch vom Biomarkt und dem Biohack vom Aldi auch keine großen Unterschiede auszumachen. Und leider hat der Bioladen halt oft auch nicht das grad da, worauf man Lust hat, dann hol ichs halt beim Metzger.

Letztlich muss ich eben doch meinem Vater beipflichten, der stets die Maxime vertrat: "Ungesund ist vor allem eines: das schlechte Gewissen." ;-)

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nnier, Freitag, 11. September 2009, 20:15
Ja, es ist bei Gurken manchmal so und bei Haferflocken und vielen anderen Dingen. Ich laufe nun auch nicht rum und rufe den Menschen zu: "Kauft teure Sachen!" - aber man muss ja gar nicht zu den wirklich ekligen Dingen kommen, sondern es reicht ja so etwas, um die Frage aufzuwerfen, ob der Konsument nun wirklich so clever ist. Mein Eindruck ist jedenfalls, dass viele Lebensmittelhersteller ihre Kundschaft zutiefst verachten.

(Nebenbei - finden Sie es nicht auch befremdlich, wenn die zwei Discounter dem obigen Zitat zufolge ausgerechnet mitteilen, dass bei ihnen der Champagner billiger wird?)

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mark793, Freitag, 11. September 2009, 20:50
@nebenbei: Da wird sich derjenige, der dieses Zitat zusammengetackert hat, womöglich auch was gedacht haben dabei. Würde mich wundern, wenn das in den Originalmitteilungen ähnlich prominent drinstand.

Ich denke, wir sind uns da auch weitgehend einig, was die Gesamtthematik angeht. Es war mir halt wichtig, klarzustellen, dass es eben nicht damit getan ist, das ganze Zeug nur teurer zu verkaufen, und schon entwickelt der Konsument auf einmal ein Gespür für Werthaltigkeit. Es ist ja auch nicht als gottgegeben zu betrachten, dass der Handel, sähe er sich in der Lage, auf breiter Front höhere Preise für Grundnahrungsmittel durchzusetzen, den Erzeugern auch ihren entsprechenden Anteil weiterreichen würde.

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vert, Samstag, 12. September 2009, 14:43
abgesehen von den direkten marktmechanismen bleiben die meisten realkosten dann doch außen vor. der mehrwert liegt eben gelegentlich nicht in der besser-schmecker-gurke.

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