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Vielleicht liegt's an dem Papier, das ich heute abgebe, oder daran, dass ich heute wieder wohin fahre, und aber jedenfalls hätte mich das an einem anderen Tag vielleicht ärgern können. Ich war zu spät dran, ich hatte [hier Widernisse des frühmorgendlichen Alltags einfügen], ich fand keinen Parkplatz, ich kurvte herum. Schließlich, endlich erblickte ich einen - ob der wohl reichen würde? Ich rangierte vorsichtig und langsam rückwärts hinein, mit diesen eingezogenen Schultern, als ob das etwas nützen würde. Ein älterer Herr, offensichtlich Besitzer des Wagens vor der doch sehr engen Lücke, legte seine Sprühdose aus der Hand und winkte mich fuchtelnd vor und zurück. Ich fühlte mich in der Pflicht, ihm freundlich zuzulächeln, fühlte mich in der Pflicht, seinen richtungsweisenden Armbewegungen zu folgen, stand irgendwann halbwegs in der Lücke und stoppte den Motor.
Man muss vielleicht wissen, dass ich kein fanatischer Autofahrer bin, auch niemand, der anderen ein "Park wo du wohnst!" an die Scheibe klebt, mir sind rechte Winkel nicht so wichtig, und doch sehe ich es als meine moralische Pflicht an, einigermaßen anständig einzuparken, zumal in engen Wohnstraßen. Ein anderer hätte womöglich gesagt: "Passt doch locker!", hätte die Tür zugeschlagen und wäre seiner Wege gegangen. Und tatsächlich fuhren einige Autos problemlos durch die Straße an meinem Auto vorbei.
Dennoch, der seitliche Abstand zur Bordsteinkante überschritt meine kritische Grenze, das sah ich beim Aussteigen, als der alte Herr auf mich zutrat und sprach: "Kriegst du diese Scheiße hier auf, das ist vielleicht ein Scheiß!". Er hielt mir seine Sprühdose entgegen, von der ich den klemmenden Deckel problemlos lösen konnte, das ist ja immer wieder eine Situation, in der es drauf ankommt, in der man sich keine Blöße geben will.
Der Mann bedankte sich, ich aber antwortete: "Da muss ich wohl noch mal nachkorrigieren", zeigte auf den Wagen, dessen Reifen die Bordsteinkante eben nicht ganz berührten, "Aber nicht viel!", sprach er, ich stieg ein, betätigte den Anlasser, der Mann fuchtelte, ich kurbelte, die Lücke war wirklich arg eng, und wieder fühlte ich mich verpflichtet, den nonverbalen Anweisungen des Herrn folge zu leisten, wodurch ich auch nach mehreren Versuchen nicht besser dastand als zuvor.
Sein freundliches Gesicht näherte sich der Scheibe: "Ich fahre gleich weg da!", etwas in mir zweifelte, doch ich fühlte mich verpflichtet zu sagen: "Prima, dann warte ich kurz!" und setzte mich hinters Steuer.
Der Mann sprühte etwas aus seiner Dose auf die stark vereiste Heckscheibe. Er ging ums Auto herum und sprühte vorne. Er öffnete seinen Kofferraum mit dem Schlüssel, legte die Dose hinein, entnahm einen Eiskratzer, schloss den Kofferraumdeckel und widmete sich hingebungsvoll seiner Heckscheibe. Zwei Dinge gingen mir durch den Kopf: Wozu die Sprüherei, wenn man ohnehin kratzt? Und: Erstaunlich, wie gründlich doch manche Leute ihre Scheiben freikratzen. Kein Fitzelchen Eis mehr, nirgends, auch nicht am Rand! Gut, das dauert seine Zeit, aber: Re-spekt für diese Leistung!
Als nächstes kamen die vorderen und hinteren Scheiben der Fahrerseite dran. Auch hier: Akkurate Arbeit, kein Kristallchen mehr zu sehen, es war wirklich bewundernswert, und selbstverständlich stand einige Minuten später auch die Beifahrerseite ihrem Pendant in nichts nach.
Nun öffnete er die Fahrertür, setzte sich in sein Auto, startete den Motor, stieg wieder aus und kratzte die Fahrerseite der Frontscheibe penibel frei. Klar: Wenn man schon hinten und an den Seiten so gründlich arbeitet, ist es ja Ehrensache, dass nicht ausgerechnet vorne geschludert wird! Die Frontscheibe ist ja gewissermaßen die Queen of car windows, um hier mal einen Anglizismus einzuführen, und verdient entsprechende Behandlung.
Der Herr ging nun wieder nach hinten, öffnete die Kofferraumklappe, legte den Eiskratzer hinein, schloss den Kofferraum, ging zur Fahrertür, setzte sich hinein, schloss die Tür, und während ich noch dachte: Cooler Typ, alles freikratzen und dann eine Hälfte der Frontscheibe unbehandelt lassen, das hat Stil, das ist mal eine individuelle Note, stoppte er den Motor, stieg aus, schloss den Kofferraum auf, entnahm den Eiskratzer, ging nach vorn, befreite die Frontscheibe nun auch auf der Beifahrerseite von allem, was auch nur entfernte Ähnlichkeit mit einem gefrorenen Wassermolekül hatte, ging zum Kofferraum, schloss auf, legte den Kratzer hinein, ging zur Fahrertür, hob grüßend die Hand, setzte sich in seinen Wagen, und es vergingen nur noch wenige Minuten, bis er dann losfuhr.
Ich hatte ein gelöstes Lächeln auf dem Gesicht, und beinahe wäre ich ausgestiegen und weggegangen, ohne meine Parkposition zu korrigieren.
Man muss vielleicht wissen, dass ich kein fanatischer Autofahrer bin, auch niemand, der anderen ein "Park wo du wohnst!" an die Scheibe klebt, mir sind rechte Winkel nicht so wichtig, und doch sehe ich es als meine moralische Pflicht an, einigermaßen anständig einzuparken, zumal in engen Wohnstraßen. Ein anderer hätte womöglich gesagt: "Passt doch locker!", hätte die Tür zugeschlagen und wäre seiner Wege gegangen. Und tatsächlich fuhren einige Autos problemlos durch die Straße an meinem Auto vorbei.
Dennoch, der seitliche Abstand zur Bordsteinkante überschritt meine kritische Grenze, das sah ich beim Aussteigen, als der alte Herr auf mich zutrat und sprach: "Kriegst du diese Scheiße hier auf, das ist vielleicht ein Scheiß!". Er hielt mir seine Sprühdose entgegen, von der ich den klemmenden Deckel problemlos lösen konnte, das ist ja immer wieder eine Situation, in der es drauf ankommt, in der man sich keine Blöße geben will.
Der Mann bedankte sich, ich aber antwortete: "Da muss ich wohl noch mal nachkorrigieren", zeigte auf den Wagen, dessen Reifen die Bordsteinkante eben nicht ganz berührten, "Aber nicht viel!", sprach er, ich stieg ein, betätigte den Anlasser, der Mann fuchtelte, ich kurbelte, die Lücke war wirklich arg eng, und wieder fühlte ich mich verpflichtet, den nonverbalen Anweisungen des Herrn folge zu leisten, wodurch ich auch nach mehreren Versuchen nicht besser dastand als zuvor.
Sein freundliches Gesicht näherte sich der Scheibe: "Ich fahre gleich weg da!", etwas in mir zweifelte, doch ich fühlte mich verpflichtet zu sagen: "Prima, dann warte ich kurz!" und setzte mich hinters Steuer.
Der Mann sprühte etwas aus seiner Dose auf die stark vereiste Heckscheibe. Er ging ums Auto herum und sprühte vorne. Er öffnete seinen Kofferraum mit dem Schlüssel, legte die Dose hinein, entnahm einen Eiskratzer, schloss den Kofferraumdeckel und widmete sich hingebungsvoll seiner Heckscheibe. Zwei Dinge gingen mir durch den Kopf: Wozu die Sprüherei, wenn man ohnehin kratzt? Und: Erstaunlich, wie gründlich doch manche Leute ihre Scheiben freikratzen. Kein Fitzelchen Eis mehr, nirgends, auch nicht am Rand! Gut, das dauert seine Zeit, aber: Re-spekt für diese Leistung!
Als nächstes kamen die vorderen und hinteren Scheiben der Fahrerseite dran. Auch hier: Akkurate Arbeit, kein Kristallchen mehr zu sehen, es war wirklich bewundernswert, und selbstverständlich stand einige Minuten später auch die Beifahrerseite ihrem Pendant in nichts nach.
Nun öffnete er die Fahrertür, setzte sich in sein Auto, startete den Motor, stieg wieder aus und kratzte die Fahrerseite der Frontscheibe penibel frei. Klar: Wenn man schon hinten und an den Seiten so gründlich arbeitet, ist es ja Ehrensache, dass nicht ausgerechnet vorne geschludert wird! Die Frontscheibe ist ja gewissermaßen die Queen of car windows, um hier mal einen Anglizismus einzuführen, und verdient entsprechende Behandlung.
Der Herr ging nun wieder nach hinten, öffnete die Kofferraumklappe, legte den Eiskratzer hinein, schloss den Kofferraum, ging zur Fahrertür, setzte sich hinein, schloss die Tür, und während ich noch dachte: Cooler Typ, alles freikratzen und dann eine Hälfte der Frontscheibe unbehandelt lassen, das hat Stil, das ist mal eine individuelle Note, stoppte er den Motor, stieg aus, schloss den Kofferraum auf, entnahm den Eiskratzer, ging nach vorn, befreite die Frontscheibe nun auch auf der Beifahrerseite von allem, was auch nur entfernte Ähnlichkeit mit einem gefrorenen Wassermolekül hatte, ging zum Kofferraum, schloss auf, legte den Kratzer hinein, ging zur Fahrertür, hob grüßend die Hand, setzte sich in seinen Wagen, und es vergingen nur noch wenige Minuten, bis er dann losfuhr.
Ich hatte ein gelöstes Lächeln auf dem Gesicht, und beinahe wäre ich ausgestiegen und weggegangen, ohne meine Parkposition zu korrigieren.
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nnier | 15. Dezember 2009 | Topic Illiterarisches
und nenn es "Gedicht".
du rackerst dich ab fragst dich was bleibt
rollst täglich felsen den berg hinauf
spuren im sand nur
vomtidenhub morgigen hochwasser fortgesch weggewischt weggewascht
was ist eine sekunde wenn ewigkeit
nichts bleibt alles so vergänglich
aber wenn du einmal den rosenkohl anbrennen lässt!
du rackerst dich ab fragst dich was bleibt
rollst täglich felsen den berg hinauf
spuren im sand nur
vom
was ist eine sekunde wenn ewigkeit
nichts bleibt alles so vergänglich
aber wenn du einmal den rosenkohl anbrennen lässt!
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Was bisher geschah: Eine arme Stadt muss unbedingt ein paar hundert Millionen Euro loswerden. Man treibt zu diesem Zweck Gutachter auf, die große Zahlen auf Papier schreiben. Dann schüttet man Beton-, Glas- und Stahlmassen auf ein ehemaliges Werftgelände, stellt eine Rakete davor und wartet auf die vielen Millionen Weltraumfans, die nun jedes Jahr von weit her kommen und die ganze Stadt reich machen sollen. 8 Monate später werden die Tore geschlossen, da für 100 kalkulierte Besucher gerade mal einer kam, und der hat die billigste Eintrittskarte genommen, und der hat gar nicht im Hotel geschlafen, und der hat gar nicht sein ganzes Geld in die Stadt zum Einkaufen getragen. Der Bürgermeister findet die Schließung der Investitionsruine nicht weiter schlimm - die ganzen Subventionen seien nun zwar weg, aber man habe wenigstens was getan.
Infokasten: Nach Jahren des Leerstands legt irgendwann jemand etwas Geld hin, weniger als 1/10 der Baukosten, übernimmt den Klotz und macht ein Einkaufszentrum draus.
Es gibt Menschen, die dort nicht nur einkaufen, sondern ihre Freizeit verbringen. Was mir nicht recht begreiflich ist - aber so verschieden sind die Leut'. Wenn ich mich wider besseres Wissen hineinbegebe, weil dringend etwas umgetauscht werden muss und man doch bei der Gelegenheit noch mal hier und da schauen könne, fühle ich mich wie ein Kriegsreporter. Ab dem Moment, in dem ich die rotierende Eingangstür des gigantomanischen Bauwerks passiere, geschieht etwas mit mir, das ich selbst nicht ganz begreife. Es ist edel, es ist Marmor, es ist Glas, es ist sauber, und es ist die Hölle.
Es kommen einem pausenlos Menschen entgegen, die mindestens eine, oft aber zwei übergroße Plastiktaschen mit dem Logo des neuen Ankermieters schleppen. Und geschleppt wurde ich heute auch, in diesen Laden hinein, in dem es Schuhe für 6.- und Hosen für 9.- EUR gibt, alles in irrsinnigen Massen, auf einer irrsinnig großen Fläche, und obwohl das Geschäft nicht wie ein Discountmarkt aussieht, keine weißen Resopalregale auf fleckigem Fußboden stehen, sondern Chrom blitzt und Marmorfliesen glänzen, wirkt alles unfassbar billig.
Es ist nicht der Duft nach Acryl und anderem Plastiktextil, es sind auch nicht die angebotenen Kleidungsstücke, rein optisch könnten viele davon auch in Geschäften mit höherem Preisniveau herumliegen. Es herrscht eine Atmosphäre der grenzenlosen Gier, des Wahns, des obszönen Verramschens einerseits und des maßlosen Mitnehmens andererseits, und dass es in den Gängen aussieht, als hätten die Vandalen gehaust, verwundert dann auch nicht mehr. Zwei Paar Kinderhandschuhe für zusammen 1.- EUR, nimm doch mit, du, wenn die nichts sind, werden sie halt weggeworfen. Es wird gewühlt und gefleddert, dass einem ganz schwummerig im Kopf wird, man möchte fliehen, und dann sieht man die Handtücher, echt billig, und man schmeißt einfach zwölf Stück in die riesige Einkaufstasche, dazu zwölf Waschlappen, und, Mensch, hier, die Socken, die kosten ja fast nix, dann schmeißt man 15 Paar dazu, und man stellt sich in die Schlange, und man will eigentlich wegrennen, und es gibt 12 Kassen nebeneinander an einem langen Tresen, und aus einem Lautsprecher tönt es pausenlos mechanisch: "Bitte zu Kasse 4! Bitte zu Kasse 9! Bitte zu Kasse 2! Bitte zu Kasse 3! Bitte zu Kasse 8! Bitte zu Kasse 1! Bitte zu Kasse 11! Bitte zu Kasse 9! Bitte zu Kasse 3! Bitte zu Kasse 12! Bitte zu Kasse 6! Bitte zu Kasse 4!", und die Menschen hinterm Tresen hören das den ganzen Tag, die hören das jeden Tag, sie müssen stehen, und sie nehmen die riesige Einkaufstasche entgegen und schütten den Inhalt zu einem riesigen Haufen vor sich auf den Tresen, und sie scannen die unglaublichen Berge Stück für Stück ein, 2 EUR, 2 EUR, 2 EUR, 1 EUR, 1 EUR, 1 EUR, 1 EUR, 1 EUR, 1 EUR, 2 EUR, 2 EUR, 2 EUR, 1 EUR, 1 EUR, 1 EUR, 2 EUR, 1 EUR, 1 EUR, 2 EUR, 2 EUR, 3 EUR, 2 EUR, 2 EUR, 1 EUR, 3 EUR, 1 EUR, 2 EUR, 2 EUR, 1 EUR, 1 EUR, 1 EUR, 1 EUR, 1 EUR, 1 EUR, 1 EUR, 1 EUR, 1 EUR, 1 EUR, 2 EUR, 1 EUR, 3 EUR, 1 EUR, 3 EUR, 3 EUR, 1 EUR, 1 EUR, 1 EUR, 2 EUR, und sie stopfen die Massen in zwei riesige Plastiktüten, und man zahlt einen lachhaften Betrag, und pausenlos werden riesige Rollcontainer durch den Laden geschoben, und man steht in einem gigantischen Glasstahlmarmorbau, der über eine halbe Milliarde gekostet hat, mit Handtüchern für 2.- EUR, die jemand hergestellt und transportiert haben muss und an denen noch verdient wird, und es kann einfach nicht richtig sein.
Infokasten: Nach Jahren des Leerstands legt irgendwann jemand etwas Geld hin, weniger als 1/10 der Baukosten, übernimmt den Klotz und macht ein Einkaufszentrum draus.
Es gibt Menschen, die dort nicht nur einkaufen, sondern ihre Freizeit verbringen. Was mir nicht recht begreiflich ist - aber so verschieden sind die Leut'. Wenn ich mich wider besseres Wissen hineinbegebe, weil dringend etwas umgetauscht werden muss und man doch bei der Gelegenheit noch mal hier und da schauen könne, fühle ich mich wie ein Kriegsreporter. Ab dem Moment, in dem ich die rotierende Eingangstür des gigantomanischen Bauwerks passiere, geschieht etwas mit mir, das ich selbst nicht ganz begreife. Es ist edel, es ist Marmor, es ist Glas, es ist sauber, und es ist die Hölle.
Es kommen einem pausenlos Menschen entgegen, die mindestens eine, oft aber zwei übergroße Plastiktaschen mit dem Logo des neuen Ankermieters schleppen. Und geschleppt wurde ich heute auch, in diesen Laden hinein, in dem es Schuhe für 6.- und Hosen für 9.- EUR gibt, alles in irrsinnigen Massen, auf einer irrsinnig großen Fläche, und obwohl das Geschäft nicht wie ein Discountmarkt aussieht, keine weißen Resopalregale auf fleckigem Fußboden stehen, sondern Chrom blitzt und Marmorfliesen glänzen, wirkt alles unfassbar billig.
Es ist nicht der Duft nach Acryl und anderem Plastiktextil, es sind auch nicht die angebotenen Kleidungsstücke, rein optisch könnten viele davon auch in Geschäften mit höherem Preisniveau herumliegen. Es herrscht eine Atmosphäre der grenzenlosen Gier, des Wahns, des obszönen Verramschens einerseits und des maßlosen Mitnehmens andererseits, und dass es in den Gängen aussieht, als hätten die Vandalen gehaust, verwundert dann auch nicht mehr. Zwei Paar Kinderhandschuhe für zusammen 1.- EUR, nimm doch mit, du, wenn die nichts sind, werden sie halt weggeworfen. Es wird gewühlt und gefleddert, dass einem ganz schwummerig im Kopf wird, man möchte fliehen, und dann sieht man die Handtücher, echt billig, und man schmeißt einfach zwölf Stück in die riesige Einkaufstasche, dazu zwölf Waschlappen, und, Mensch, hier, die Socken, die kosten ja fast nix, dann schmeißt man 15 Paar dazu, und man stellt sich in die Schlange, und man will eigentlich wegrennen, und es gibt 12 Kassen nebeneinander an einem langen Tresen, und aus einem Lautsprecher tönt es pausenlos mechanisch: "Bitte zu Kasse 4! Bitte zu Kasse 9! Bitte zu Kasse 2! Bitte zu Kasse 3! Bitte zu Kasse 8! Bitte zu Kasse 1! Bitte zu Kasse 11! Bitte zu Kasse 9! Bitte zu Kasse 3! Bitte zu Kasse 12! Bitte zu Kasse 6! Bitte zu Kasse 4!", und die Menschen hinterm Tresen hören das den ganzen Tag, die hören das jeden Tag, sie müssen stehen, und sie nehmen die riesige Einkaufstasche entgegen und schütten den Inhalt zu einem riesigen Haufen vor sich auf den Tresen, und sie scannen die unglaublichen Berge Stück für Stück ein, 2 EUR, 2 EUR, 2 EUR, 1 EUR, 1 EUR, 1 EUR, 1 EUR, 1 EUR, 1 EUR, 2 EUR, 2 EUR, 2 EUR, 1 EUR, 1 EUR, 1 EUR, 2 EUR, 1 EUR, 1 EUR, 2 EUR, 2 EUR, 3 EUR, 2 EUR, 2 EUR, 1 EUR, 3 EUR, 1 EUR, 2 EUR, 2 EUR, 1 EUR, 1 EUR, 1 EUR, 1 EUR, 1 EUR, 1 EUR, 1 EUR, 1 EUR, 1 EUR, 1 EUR, 2 EUR, 1 EUR, 3 EUR, 1 EUR, 3 EUR, 3 EUR, 1 EUR, 1 EUR, 1 EUR, 2 EUR, und sie stopfen die Massen in zwei riesige Plastiktüten, und man zahlt einen lachhaften Betrag, und pausenlos werden riesige Rollcontainer durch den Laden geschoben, und man steht in einem gigantischen Glasstahlmarmorbau, der über eine halbe Milliarde gekostet hat, mit Handtüchern für 2.- EUR, die jemand hergestellt und transportiert haben muss und an denen noch verdient wird, und es kann einfach nicht richtig sein.
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Es war immer ein gewisses Risiko dabei, denn es konnte passieren, dass ältliche Damen einem plötzlich die Wange hinhielten und nachdrücklich den Austausch körperlicher Zärtlichkeiten einforderten: Du hast es versprochen, ich habe bezahlt, jetzt will ich auch erotisch auf meine Kosten kommen! Das war grausig, und die Furcht peinigte mich schon Tage vorher.
Eigentlich begann mit dem Martinstag die schöne Jahreszeit, in der man selbstvergessen Bilder mit weihnachtlichen Motiven malte, Laternen bastelte, Stofftiere und Puppen schon mal vorfeiern ließ und nebenbei massenhaft Süßes vertilgte. Denn der erste Einschlag des Bombardements aus Dominosteinen, Spekulatius, seltsamem Geleezeug sowie Schokoladenhohlkörperfiguren erfolgte an einem bestimmten Tag im November.
Das Problem an dem Lied war weniger der psychedelische Text, denn dass man unterm Tisch sitzt, wenn man gebratene Fische isst, kommt einem als Kind auch nicht merkwürdiger vor als vieles andere, das in weihnachtlichen Zusammenhängen vermittelt wird - sondern es war die allzu konkrete Aussage am Ende des Liedes, die als persönliches Versprechen auszulegen seitens fremder Omis sicherlich perfide ist, aber bring das mal rüber mit sieben Jahren. Warum konnte nicht auch die Nuss irgend so einen lautmalerischen Unfug hinter sich herziehen wie der Apfel und die Birne? Verzapfen und Verzwirnen, bitte, gerne, aber doch keinen Kuss!
Was konnte man tun? Schnell den Beutel zuhalten und "Ich mag keine Nüsse!" rufen, wenn sich eine faltige Hand mit ölhaltiger Schalenfrucht nähern wollte? Den letzten Vers vermurmeln? Die Finger hinter dem Rücken kreuzen? "Schuss" statt "Kuss" singen? All dies war ausprobiert, jedoch keine der Lösungen für allgemein brauchbar befunden worden.
Herr R. war es, der schließlich den Ausweg wies. Er hatte uns im Religionsunterricht die rührende Geschichte des St. Martin, der seinen Mantel mit dem Bettler teilt, aufs Lebhafteste vermittelt, und im anschließenden Musikunterricht lernten wir bei ihm das folgende, viel schönere Lied kennen:
St. Martin war in diesen Tagen ein echter Held, wir sangen das Lied manchmal sogar auf dem Schulweg und nahmen uns fest vor, beim Martinsingen die moralisch hochstehende Variante vorzutragen. Das werde die alten Menschen sicher besonders rühren, waren wir uns einig, und von uns selbst waren wir auch ganz gerührt, denn auch wir würden sicher unser Pferd anhalten und den Mantel mit einem Schwerthieb entzweihauen, und bevor der Bettler uns für diesen grenzenlosen Edelmut überhaupt danken könnte, wären wir schon wieder enteilt, und voller Ergriffenheit drückten wir auf den ersten Klingelknopf, eine alte Dame schaute freundlich aus der Tür, schnell kreuzten wir die Finger und sangen drauflos: "Maaaaatin ist ein guuuuteher Mann, schäääänkt uns Äääääpfel und Nöööössää."
Eigentlich begann mit dem Martinstag die schöne Jahreszeit, in der man selbstvergessen Bilder mit weihnachtlichen Motiven malte, Laternen bastelte, Stofftiere und Puppen schon mal vorfeiern ließ und nebenbei massenhaft Süßes vertilgte. Denn der erste Einschlag des Bombardements aus Dominosteinen, Spekulatius, seltsamem Geleezeug sowie Schokoladenhohlkörperfiguren erfolgte an einem bestimmten Tag im November.
Martin ist ein guteher MannDieses Lied leierte man (Teil 1 übrigens zur Melodie von "Alle Vögel sind schon da") herunter, hielt seinen Beutel hin, bekam hoffentlich etwas Brauchbares hineingegeben und rannte dann den anderen hinterher, eine Etage höher, durch die gebohnerten Treppenhäuser.
Schenkt uns Äpfel und Nüsse
Als wir unterm Tüschehe saßen
Und gebratne Füschehe aßen
Dachte ich in meinehem Sinn
Hier da wohnt ein Reicher drin
Geben Se mir n Apfel
Den kann ich gut verzapfen
Geben Se mir ne Bürne
Die kann ich gut verzwürne
Geben Se mir ne Nuss
Dann kriegen Se auch n Kuss
Das Problem an dem Lied war weniger der psychedelische Text, denn dass man unterm Tisch sitzt, wenn man gebratene Fische isst, kommt einem als Kind auch nicht merkwürdiger vor als vieles andere, das in weihnachtlichen Zusammenhängen vermittelt wird - sondern es war die allzu konkrete Aussage am Ende des Liedes, die als persönliches Versprechen auszulegen seitens fremder Omis sicherlich perfide ist, aber bring das mal rüber mit sieben Jahren. Warum konnte nicht auch die Nuss irgend so einen lautmalerischen Unfug hinter sich herziehen wie der Apfel und die Birne? Verzapfen und Verzwirnen, bitte, gerne, aber doch keinen Kuss!
Was konnte man tun? Schnell den Beutel zuhalten und "Ich mag keine Nüsse!" rufen, wenn sich eine faltige Hand mit ölhaltiger Schalenfrucht nähern wollte? Den letzten Vers vermurmeln? Die Finger hinter dem Rücken kreuzen? "Schuss" statt "Kuss" singen? All dies war ausprobiert, jedoch keine der Lösungen für allgemein brauchbar befunden worden.
Herr R. war es, der schließlich den Ausweg wies. Er hatte uns im Religionsunterricht die rührende Geschichte des St. Martin, der seinen Mantel mit dem Bettler teilt, aufs Lebhafteste vermittelt, und im anschließenden Musikunterricht lernten wir bei ihm das folgende, viel schönere Lied kennen:
Sankt Martin, Sahankt Martin,Nicht nur melodisch, auch textlich wirkte diese Umsetzung der Geschichte wesentlich edler und differenzierter, das sahen wir sofort ein, und Herr R. wies uns darauf hin, dass in dem gebräuchlicheren Lied ja auch nur die Rede davon sei, dass der Hl. Martin den Kindern Äpfel und Nüsse schenke, von seinem wahren Edelmut sei gar nicht die Rede, und wenn wir am Martinstag singen gingen, dann sollten wir doch dieses Lied vortragen, das werde auch die aufgesuchten Menschen sehr freuen, man werde sicher besonders gelobt werden und, wer weiß, vielleicht sogar eine besonders schöne Anerkennung erhalten.
Sahankt Martin ritt durch Schnee uhund Wind
Sein Ross das trug ihn fort geheschwind
Sankt Martin ritt mit leichtem Mut,
Sehein Mantel deckt ihn warm und gut.
Im Schnee saß, ihim Schnee saß,
Ihim Schnee, da saß ein alteher Mann,
Hatt Kleider nicht, hatt Lumpehen an.
O helft mir doch in meiner Not,
Sohonst ist der bittre Frost mein Tod.
Sankt Martin, Sahankt Martin,
Sahankt Martin zog die Zügehel an,
Sein Roß stand still beim armehen Mann.
Sankt Martin mit dem Schwerte teilt
Dehen warmen Mantel unverweilt.
Sankt Martin, Sahankt Martin,
Sahankt Martin gab den halbehen still
Der Bettler rasch ihm dankehen will
Sankt Martin aber ritt in Eil'
Hihinweg mit seinem Mantelteil.
St. Martin war in diesen Tagen ein echter Held, wir sangen das Lied manchmal sogar auf dem Schulweg und nahmen uns fest vor, beim Martinsingen die moralisch hochstehende Variante vorzutragen. Das werde die alten Menschen sicher besonders rühren, waren wir uns einig, und von uns selbst waren wir auch ganz gerührt, denn auch wir würden sicher unser Pferd anhalten und den Mantel mit einem Schwerthieb entzweihauen, und bevor der Bettler uns für diesen grenzenlosen Edelmut überhaupt danken könnte, wären wir schon wieder enteilt, und voller Ergriffenheit drückten wir auf den ersten Klingelknopf, eine alte Dame schaute freundlich aus der Tür, schnell kreuzten wir die Finger und sangen drauflos: "Maaaaatin ist ein guuuuteher Mann, schäääänkt uns Äääääpfel und Nöööössää."
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Melitta. Melitta. Melitta. Melitta. Melitta. Melitta. Melitta. Melitta. Melitta.
Dieses eine Mal - pff! Als ob du immer alles richtig machst, menno. "Nachrichtenmagazin", "Nachrichtenmagazin", ja, ja. Das nervt.

Dieses eine Mal - pff! Als ob du immer alles richtig machst, menno. "Nachrichtenmagazin", "Nachrichtenmagazin", ja, ja. Das nervt.
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Es muss mein Unterbewusstes sein, das mich heute so oft an diese Szene denken ließ:
Nicht gerade sympathisch, oder? Man steckt sich nicht unbedingt ein Kaugummi in den Mund und redet im beiläufigen Tonfall darüber, dass man sich heute im Studio irgendwelches Zeug angehört habe, ja, und klar, man habe die Nachricht heute früh irgendwann gehört, und, was solle man sagen, blöde Sache, also, bis dann.
Vielleicht tut man so etwas, wenn es einem herzlich egal ist. Vielleicht tut man so etwas, wenn es einem viel zu nahe geht. Ich weiß es nicht.
Es gibt da jedenfalls diese Szene, woher sie stammt, weiß ich nicht, es muss in einem Rundfunkstudio sein, in den frühen 80ern.
(Übrigens ist das wirklich ein schönes Lied von John.)
Und es gibt da diesen Auftritt von vor zwei Jahren.
Es ist heute genau 29 Jahre her. Das ist mir gerade eben aufgefallen.
Nicht gerade sympathisch, oder? Man steckt sich nicht unbedingt ein Kaugummi in den Mund und redet im beiläufigen Tonfall darüber, dass man sich heute im Studio irgendwelches Zeug angehört habe, ja, und klar, man habe die Nachricht heute früh irgendwann gehört, und, was solle man sagen, blöde Sache, also, bis dann.
Vielleicht tut man so etwas, wenn es einem herzlich egal ist. Vielleicht tut man so etwas, wenn es einem viel zu nahe geht. Ich weiß es nicht.
Es gibt da jedenfalls diese Szene, woher sie stammt, weiß ich nicht, es muss in einem Rundfunkstudio sein, in den frühen 80ern.
(Übrigens ist das wirklich ein schönes Lied von John.)
Und es gibt da diesen Auftritt von vor zwei Jahren.
Es ist heute genau 29 Jahre her. Das ist mir gerade eben aufgefallen.
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Ein Vogel flog mal sieben Jahre lang immer zum Misthaufen. Er hatte dazu eigentlich keine Lust. Trotzdem flog er Tag für Tag hin, denn er fragte sich: Ist es nicht so, dass alle Vögel täglich zu einem Misthaufen fliegen? Und musst du es dann nicht auch tun?
Nach sieben Jahren, im Winter, er konnte selbst nicht genau sagen, warum, da beschloss der Vogel eines Tages: Ich will nicht mehr zu dem Misthaufen fliegen. Und blieb weg.
Ein paar Vorräte brachten ihn über den Sommer, es war ein schöner Sommer, und wenn er an dem Misthaufen vorbeiflog, dann dachte er: Komisch, hier bist du jeden Tag hingeflogen und nun tust du es nicht mehr, und er fragte sich: Vermisst du denn gar nichts, und die Antwort war: Nein.
Jemand erzählte ihm dann, es war inzwischen Herbst, von einem viel besseren Misthaufen, kleiner war der und er roch nicht so übel, und die anderen Vögel da, die sollten alle ganz nett sein, und dann flog er wieder los, jeden Tag, wie früher, aber diesmal zu dem schöneren Misthaufen, und dann wurde es wieder Winter.
Nach sieben Jahren, im Winter, er konnte selbst nicht genau sagen, warum, da beschloss der Vogel eines Tages: Ich will nicht mehr zu dem Misthaufen fliegen. Und blieb weg.
Ein paar Vorräte brachten ihn über den Sommer, es war ein schöner Sommer, und wenn er an dem Misthaufen vorbeiflog, dann dachte er: Komisch, hier bist du jeden Tag hingeflogen und nun tust du es nicht mehr, und er fragte sich: Vermisst du denn gar nichts, und die Antwort war: Nein.
Jemand erzählte ihm dann, es war inzwischen Herbst, von einem viel besseren Misthaufen, kleiner war der und er roch nicht so übel, und die anderen Vögel da, die sollten alle ganz nett sein, und dann flog er wieder los, jeden Tag, wie früher, aber diesmal zu dem schöneren Misthaufen, und dann wurde es wieder Winter.
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