Mumien, Analphabeten, Diebe.
Du hast's gut, du hast dein Leben noch vor dir.
Donnerstag, 4. September 2008
Ich feg' die erste Hälfte der ersten Platte
nnier | 04. September 2008 | Topic In echt
... ich verschnauf' ein Weilchen, ich feg' die zweite Hälfte der ersten Platte, ich verschnauf' ein Weilchen ...

So oder so ähnlich erklärt ein wunderbar verschlurfter, sich auf seinen Besen stützender römischer Soldat in einer Asterix-Geschichte seine Tätigkeit. Und hätte doch ein besseres Ergebnis erzielt als der Mensch, dem ich gestern während meines Industrieapfelkuchenessens zuhören und zusehen musste. Da ist ein großer Schulhof, auf dem - es wird Herbst! - etwas Laub herumliegt. Da ist ein Mann mit einer Höllenmaschine, der einen Mordslärm macht, den spielenden Kindern Blätter um die Ohren pustet, sie (die Blätter) nach nicht nachvollziehbaren Kriterien von hier nach da und dann nach dort bläst. Da ist der Wind, der dazwischenfährt und alles wieder verwirbelt. Da ist immer noch der Mann, der irgendwann einfach um die Ecke geht und seine Maschine anderswo röhren lässt. Und da sind die Kinder, die einen fragen, warum Menschen etwas so offensichtlich Sinnloses tun.

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Entwicklungshelfer
nnier | 04. September 2008 | Topic Gelesn
Was zum Gruseln: Ein Interview mit einem "Mafia-Experten".
Das Organisierte Verbrechen ist seit 1990 weltweit gewachsen und Bündnisse eingegangen, genauso wie Firmen es tun. Und einige Gruppen wie die sehr gefürchteten Tschetschenen erlauben sogar, ihren Namen zu benutzen, um Gegner einzuschüchtern. Sie sind quasi Franchise-Geber wie die Burger-Brater.

[...] man darf auch nicht vergessen, dass diese Banden damals den Aufbau des Kapitalismus überhaupt erst ermöglicht haben. [...] Die Kriminellen haben die Spielregeln festgelegt und dafür gesorgt, dass sie eingehalten wurden. So war es in Russland und auch in der Ukraine. Ohne diese Banden hätte sich der Kapitalismus in Osteuropa nicht so schnell entwickeln können.

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Mittwoch, 3. September 2008
Zanderstruck
nnier | 03. September 2008 | Topic Musiq
Ganz versteckt
Halb verdeckt
Irgendwo
Tief im Wald
Liegt mein Haus und mein Labor
Für dreidreißig gibt's da ein Stück Apfelkuchen und eine Tasse Tee, und man kann, weil man ja ohnehin eine halbe Stunde überbrücken muss, mal in Ruhe Tageszeitungen lesen, was ich ja (zumindest was gedruckte angeht) "zunehmend weniger" tue, und so blätterte ich heute nach längerer Zeit mal wieder in einer taz, die erstaunlicherweise über Frank Zander berichtete. Den man ja durchaus als leichtgewichtigen Blödler in Erinnerung behalten haben kann. Fred Sonnenschein. Da da da ich weiß bescheid du weißt bescheid. Hier kommt Kurt / ohne Helm und ohne Gurt. Ihr persönliches Geburtstagslied handgebrannt. Ja wenn wir alle Englein wären.

Aber so einfach ist die Sache nicht; denn immerhin hat er mit Der Ur-Ur-Enkel von Frankenstein* und Captain Starlight zwei für das Genre ziemlich originelle Lieder fabriziert. Die taz schreibt:
Frank Zander, 66, kann als "Blödelbarde" abgetan werden. Er kann aber auch als eine Art früher Helge Schneider, ja, als Alice Cooper des deutschen Schlagers angesehen werden.
Und vor allem wurde mal in dieser (sowieso unfassbar lustigen) Reportage über das fahrende Schlagervolk folgendes berichtet:
Und heute darf auch Frank Zander endlich ran. Sein Band wird gestartet: "Zanderstruck!" überfordert die nicht eben AC/DC-kundigen Fans zwar, aber der Opener und Zander-Smash-Hit "Hier kommt Kurt" ("Seit der Geburt heiß ich Kurt! Ohne Netz und ohne Gurt") rockt sie dann doch heftig fort. Später gibt sich Zander backstage entspannt: "Ey, 30 Leute, kein Wunder bei den Preisen. 30 Euro? Sollen sie doch bloß fünf oder zehn nehmen, dann ist der Laden halt randvoll mit Idioten, aber dafür ist er voll"; analysiert's und schickt seine Frau, eine Flasche Ketchup zu besorgen, da ihm die Gulaschsuppe, von der ich bereits seit einer Woche lebe, "zu lasch" ist. Ein frischer Schuß Ketchup macht die Suppe dann tatsächlich so frisch und würzig wie die Lieder von [...]
"Zanderstruck": Chapeau! Das ist ganz groß.


---
* Das Original aus den frühen 70ern habe ich nicht gefunden; aber eine neue Version - na ja, wer den taz-Artikel liest, weiß bescheid.

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Technischer Hinweis (2)
nnier | 03. September 2008
In der vergangenen Nacht wurde auf blogger.de ein Server-Update durchgeführt. Es ruckelt noch ein wenig, jedoch sollten nun wieder Neuanmeldungen möglich sein, so dass auch Herr W. sich nun registrieren, dann hier kommentieren und hernach endlich sein eigenes Blog aufmachen kann!

[Edit: Wie Herr Olbertz mitteilt, dauert's doch noch ein wenig!]

[Edit: Nun geht es wieder! Herr W., es kann losgehen!]

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Dienstag, 2. September 2008
Nullfünf
nnier | 02. September 2008 | Topic In echt
Vor einigen Jahren sprach ich mal mit einem sympathischen Herrn, der mir erklärte, dass Altona eben nicht von jeher, und in seinem Selbstverständnis auch jetzt noch nicht, ein Stadtteil von Hamburg, sondern erst von den Nazis eingemeindet worden sei, ihm sei daher wichtig, zu betonen, dass er aus Altona, nicht Hamburg, komme. Und im übrigen gehe er gerne ins Fußballstadion, allerdings nicht zu Bundesligaspielen, nein, auch keine Zweitligaspiele, nur Amateurfußball bereite ihm noch Freude. (Vermutlich war in dem Gespräch dann auch Altona 93 ein Thema).

Das war einer dieser Abende, an denen man sich aufraffen muss, da lädt die Freundin der Lebenspartnerin zum Geburtstag und man denkt sich, gut, gehe ich mit, hoffentlich wird das einigermaßen, und man kennt fast keinen, und man hält sich an der Bierflasche fest (mein Gott, ist diese Formulierung abgegriffen!) und man nickt freundlich und sagt "ach ja?", "nicht möglich!" und "he he". Und kurz bevor man den Abend resigniert drangeben will, ergibt sich dieser Anknüpfungspunkt, Amateurfußball, und man erwähnt die Saison 1980/81, in der man sich für das Spiel zu interessieren begann und an deren Ende der Heimatverein aus der Zweiten Liga Nord abgestiegen ist, was auch schon früh in der Saison feststand (da die Zweiten Ligen Nord und Süd zur neuen "eingleisigen Zweiten Bundesliga" zusammengelegt wurden und somit nur die jeweils ersten zehn Plätze zum Verbleib berechtigten), aber - eine Frage der Ehre - noch um einen Tabellenplatz kämpfte, der unter normalen Umständen zum Klassenerhalt berechtigt hätte und auch das nicht mehr geschafft hat, aber immerhin, man habe da ganz tolle Spiele, z.B. gegen Werder Bremen, gesehen. Und der Altonaer hört ganz interessiert zu und ruft: "Göttingen 05! Das ist ja auch einer der norddeutschen Traditionsvereine!", was einen dann doch freut, so dass man noch von dem 4:2 im Pokal gegen Eintracht Frankfurt erzählt.

In jenen Jahren spielte 05 im Jahnstadion, das für die paar Zuschauer reichlich überdimensioniert war und übrigens trotzdem (so glaube ich zumindest) keine Sitzplätze hatte. Als Schüler konnte man während der ersten Halbzeit ums Stadion herumschleichen und wurde dann zur zweiten Halbzeit mit etwas Glück von einem der Ordner umsonst hereingelassen. Und es gab noch diese richtigen Fußballfans, die wie Autoschieber aussahen, Vokuhila, Oberlippenbart, Kutte, "hartes" Getue.

Nach den Spielen konnte man sich dann in der Stadiongaststätte herumdrücken und hoffen, dass Spieler auftauchen würden. Das war stets aufregend, denn woran sollte man die erkennen? Einige Spieler sahen ja genau so aus wie die Fans, Bierbauch inklusive. Nicht nur einmal habe ich todesmutig jemanden um ein Autogramm gebeten (und es auch bekommen), der schon gleich so grinste und mit seinen Kumpeln wiehernd lachte, wenn ich dann wegging.

Andererseits habe ich so aber auch ein ganz großes Poster von Rot-Weiß Oberhausen mit zwei Autogrammen bekommen (vermutlich war mein Zimmer dann das einzige in Göttingen, in dem jahrelang ein Poster von Rot-Weiß Oberhausen hing).

Zehn Jahre später gab es übrigens das letzte Aufbäumen des Vereins (und auch ich besuchte in dieser Saison noch einmal viele Spiele): 1991 wurde der Aufstieg in die 2. Liga nur sehr knapp verpasst (die Aufstiegsrunde! Der unfassbare Auswärtssieg in Wolfsburg!), dann ging's bergab, Abstiege, Insolvenz, Streichung aus dem Vereinsregister. Das alles habe ich nur noch aus der Ferne mitbekommen. Und etwas Wehmut kann da schon mal aufkommen.

(Eine schön aufbereitete Chronik zum 1. SC Göttingen 05 findet man hier.)

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Montag, 1. September 2008
Man muss auch mal den Mut haben, gar nichts zu schreiben.
nnier | 01. September 2008 | Topic Brainphuq


Man kann es ja nicht erzwingen; vielleicht morgen oder die Tage. Aber, was mich heute wirklich erfreut hat, war das, vom knastpiependen Herrn Stubenzweig gefunden.

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Freitag, 29. August 2008
Robert Crumb
nnier | 29. August 2008 | Topic Art
"Ach, Fritz the Cat!", rufen die Leute und verwechseln den Kiffkater dann noch mit Felix oder Garfield. Dann bereut man wieder, den bereits 1972 an einem Eispickel Verstorbenen überhaupt erwähnt zu haben. Es sind ja ganz lustige Geschichtchen; aber doch so ziemlich gar nichts gegen das, was der Mann eigentlich kann.

Was natürlich schon durchkommt in den Fritz-Geschichten, die ja einige Jahre vor Crumbs Durchbruch mit den Underground-Comics (Zap 1 erschien 1968) entstanden sind, ist seine große Ambivalenz. Fritz ist eben nicht nur der lustige Hippie-Kiffer, sondern auch ein ausgemachtes Arschloch, es gibt da z.B. eine reichlich verstörende Szene, in der er sich auf einer Party an einer Vergewaltigung beteiligt. So etwas hätte es bei den Freak Brothers nicht gegeben. Und als dann Jahre später Ralph Bakshi seinen wirklich nicht guten Fritz-the-Cat-Film fabrizierte, fand Crumb das Resultat so schrecklich, dass er seinen Namen aus den Credits entfernen ließ und den Kater in einem letzten Comic als unsympathischen, vom Erfolg korrumpierten Filmstar zeigte, der dann eben zum Schluss von der Straußendame um die Ecke gebracht wird.



Nicht unsympathisch, so etwas, schließlich hätte Fritz, wie Robert Gernhardt einst schrieb, dem Künstler "bei entsprechender Pflege den Lebensabend vergoldet".

Statt dessen schlug sich Crumb in den 70ern ausgebrannt und pleite mit den amerikanischen Steuerbehörden herum und bot sogar einmal seine gesamte Habe zum Preis von 30 000 Dollar zum Verkauf (so hoch waren zu dem Zeitpunkt seine Schulden). Denn obwohl seine Comics wie Mr. Natural, Zap usw. hunderttausendfach nachgedruckt und einzelne Zeichnungen (speziell Keep on Truckin') auf alle möglichen Produkte aufgedruckt worden waren, hatte Crumb sich um Finanzen und Urheberrechte nie gekümmert.

Es ist deshalb nicht hoch genug einzuschätzen, dass er sich nicht spätestens nach dieser Erfahrung aufs Absichern und Geldscheffeln verlegt hat. Ein paar lustige "Fritz"-Geschichtchen hier, der typische Lizenzramsch da, so hätte sich's bequem auskommen lassen. Statt dessen produziert Crumb in den 80ern seine künstlerisch stärksten, kommerziell aber zunächst wenig erfolgreichen Werke. Man kann es einfach nicht fassen, wenn man einen Stapel Weirdo in die Hand nimmt oder die entsprechenden Jahre aus der sowieso unverzichtbaren Reihe Complete Crumb Comics durchblättert. Das ist nicht nur zeichnerisch vom Allerfeinsten. Es ist die Hinwendung zum Autobiografischen, Introspektiven (wie z.B. My Troubles With Women), die sein Werk auf eine völlig neue Ebene hebt. Mal davon abgesehen, dass er auch noch Passagen aus der Psychopathia Sexualis aufs Allerschönste zeichnerisch umsetzt, sich mit Schriftsteller- (The Religious Experience of Philip K. Dick) und Musikerbiografien (Jelly Roll Morton's Voodoo Curse) beschäftigt und überhaupt noch ganz viele großartige Comics zeichnet.

Genau in dieser Zeit lernte ich übrigens Crumbs Sachen erst kennen, denn ich bestellte mir beim Zweitausendeins-Versand das schön gemachte Buch Endzeit-Comics, in dem viele der genannten Werke aus der ersten Hälfte der 80er versammelt sind.

Obwohl er auf diesem hohen Niveau weitermachte, dauerte es noch viele Jahre, bis ihm ab 1994/95 (als der Film Crumb in die Kinos kam) wieder mehr Aufmerksamkeit zuteil wurde.



Inzwischen war er schon aus Amerika nach Südfrankreich gezogen, wo er heute noch lebt. Und auch wenn die öffentliche Aufmerksamkeit seit dem Film wieder gesunken ist, die Preise für seine Originale sind es nicht. Sie haben schwindelnde Höhen erreicht, Crumb wird als Künstler geschätzt, Museen stellen seine Werke aus.

Derzeit arbeitet er an einer Umsetzung des ersten Buchs des Alten Testaments (R. Crumb's Book of Genesis), auf die ich sehr gespannt bin.

Und auch wenn ich in den letzten Jahren seltener ins Regal greife, auch wenn die verrückten Sammeljahre, in denen ich auch noch die schwedische Ausgabe von X und die seltene Erstauflage von Y kaufen "musste", zum Glück hinter mir liegen: Crumb ist und bleibt für mich ein Riese. Morgen wird er 65 Jahre alt.

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