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Du fährst die Dreiundsiebziger. An den normalen Tagen nimmst du den Achter, der steht meistens hinten, außer freitags, da braucht Günther den für die Einundachtziger und du nimmst den Zweier. Der ist auch schneller, aber nicht gleich so heizen, die Dreiundsiebziger ist ja auch eher so ne Bollchentour, aktive Freizeitgestaltung. Bündeln musst du immer rückwärts, weil du ja beim Einladen noch mal umpackst, dann kommen die vorderen Pakete nach hinten. Vollpakete werden nicht gebündelt, manche bündeln die Spitze aber mit dem Lieferschein direkt drauf. Du musst warten, bis die MoPo da ist! Hajo dreht sonst ab. Pack am besten die Vollpakete vorher rein und die Spitze schmeißt du dir auf den Beifahrersitz. Jedenfalls die Bild-Spitze. Bei den Bonbonkunden spielst du Amerika, für die richtigen Kunden ist der Schlüsselbund da. Aber denk freitags an Günther! Die Schlüssel müssen dann in den Zweier, sonst fährst du ihm durch den halben Harz hinterher, bis er es merkt! So, ich muss los, das mit den Fotokunden erklärt dir Peter nachher, ist genauso einfach. Komm gut durch!
(Es war mein erster Tag. Ich wusste nicht, wer Günther war. Den Rest habe ich auch nicht verstanden).
(Es war mein erster Tag. Ich wusste nicht, wer Günther war. Den Rest habe ich auch nicht verstanden).
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nnier | 11. September 2008 | Topic 'umor & more
Doch, meistens lese ich die Sachen von Max Goldt gerne, und fast immer gefallen mir die Gemeinschaftswerke von Katz & Goldt, und da sah ich hier die Ankündigung ihres neuen Buchs, Titel: Wellness rettet den Bindestrich, und las folgende schöne Inhaltsangabe:
Dies wollte ich nur gesagt haben.
Perspektiven ermöglichen. Zukunft interessant machen. Sowohl Akzente als auch Aspekte verdeutlichen. Technik gut finden, aber vollwertig essen. Echte Feinde beim Namen nennen und wirklich bekämpfen (soweit es geht). Mc Donalds, Coca Cola, Axel-Springer-Verlag. Nicht so tun, als ob der Feind im Bioladen sitzt.Und ich sah dieses schöne Video (den Ton muss man natürlich einschalten):
Im Fundus der Vergangenheit zwar blättern, aber nicht wühlen. Design vielleicht doch eher verstecken als die Funktion.
Pflanzen und Tiere der nächsten Umgebung unterscheiden können. Auf den Kapitalismus einen wesentlich strengeren Blick werfen als auf dessen gescheiterte Gegenentwürfe. Gibt es etwas uncooleres als Jugendproduktdesign aus Japan? Katz & Goldt stellen die lebhaftesten Fragen.
Dies wollte ich nur gesagt haben.
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nnier | 11. September 2008 | Topic Klar jewesn
Ich weiß jetzt endlich, was ich beruflich machen will: Ich gründe eine Universität. In London, das geht ganz einfach (man braucht nur einen Briefkasten) und es kommt so schnell keiner hin! Dann korreliere ich einfach irgendwelche Dinge mit irgendwelchen anderen Dingen und versorge die Medien mit den Ergebnissen. Die brauchen so was jeden Tag! Die kaufen dir das immer wieder ab!
Tatsächlich haben unter anderem die "Bild"-Zeitung, "Focus", SPIEGEL ONLINE, der "Stern", die "Frankfurter Allgemeine", die "Zeit","Men's Health" und "P.M." diverse Erkenntnisse des Instituts verbreitet. Etwa dass zwei Drittel der CDU/CSU-Wähler Frauen mit großer Oberweite bevorzugten oder dass Radfahren schlau mache.Och menno! Da war jemand schneller! Hm. Oder doch ins Innenministerium? Oh Gott, nein! Ich lese gerade, da muss man mit Angestellten der Ölindustrie schlafen! Das mit der "Kultur des Drogenmissbrauchs und der Promiskuität" in dem Ministerium klang ja ganz gut. Aber das müssen die einem doch sagen, Ölindustrie, ich meine, man hat ja ein Gewissen!
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Ich las eben einen eigentlich gar nicht uninteressanten Artikel und wurde dabei so oft durch Rechtschreib- und Grammatikfehler irritiert und vom eigentlichen Thema abgelenkt, dass ich ernsthaft die Lust verloren habe, mich mit dem Inhalt zu befassen.
Was die Kommasetzung angeht, so bin ich inzwischen selbst einigermaßen verunsichert (die vielen "Kann"-Regelungen werde ich jetzt auch nicht nachschlagen); aber muss man gleich auf alle Satzzeichen verzichten? Und zusammengesetzte Wörter gnadenlos auseinanderreißen:
Noch einmal das störende Leerzeichen:
Nun mal kurz zum Konjunktiv. "Als habe der Mann Stimmen gehört", so weit gehe ich mit, aber: "die sonst keiner gehört habe"!? Behauptet wer? Es geht doch gerade darum, dass sie niemand gehört hat!
Satzzeichen brauchen wir nicht, das habe ich verstanden, schreiben wir halt Internetdeutsch. Aber wer sind die dritten Personen, die Verständnis fürs Menschliche haben?
Und wieder mal mein obligatorischer Hinweis: Ich habe nicht nach Fehlern gesucht. Ich werde nicht nach Fehlern suchen. Ich mache selbst Fehler. Und ich erwarte, dass in Zeitungen, auch wenn sie in elektronischer Form vorliegen, bestimmte Standards eingehalten werden.
Was die Kommasetzung angeht, so bin ich inzwischen selbst einigermaßen verunsichert (die vielen "Kann"-Regelungen werde ich jetzt auch nicht nachschlagen); aber muss man gleich auf alle Satzzeichen verzichten? Und zusammengesetzte Wörter gnadenlos auseinanderreißen:
... etwas von frühen Science Fiction Filmen.
In meiner Jugend gab es hier noch keine Autobahn Herr Wachtmeister sagt der Geisterfahrer ...
Noch einmal das störende Leerzeichen:
... dann stellt sich doch nicht nur jedem Agatha Christie Leser die Frage ...
Nun mal kurz zum Konjunktiv. "Als habe der Mann Stimmen gehört", so weit gehe ich mit, aber: "die sonst keiner gehört habe"!? Behauptet wer? Es geht doch gerade darum, dass sie niemand gehört hat!
... von Selbstachtung wurde geflüstert und von der „Wahrnehmung“ des armen Beck, was klang als habe der Mann Stimmen gehört, die sonst keiner gehört habe.
Satzzeichen brauchen wir nicht, das habe ich verstanden, schreiben wir halt Internetdeutsch. Aber wer sind die dritten Personen, die Verständnis fürs Menschliche haben?
Fehlte nur noch der Hinweis Herr Beckmann, sie haben doch Verständnis fürs Menschliche.
Und wieder mal mein obligatorischer Hinweis: Ich habe nicht nach Fehlern gesucht. Ich werde nicht nach Fehlern suchen. Ich mache selbst Fehler. Und ich erwarte, dass in Zeitungen, auch wenn sie in elektronischer Form vorliegen, bestimmte Standards eingehalten werden.
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Kein schönes Thema, aber wir sind hier ja unter uns; und, wie einer der vielen ehemaligen SPD-Vorsitzenden mal gesagt hat: "Wat mutt, dat mutt".
Eine spätsommerliche Fahrradtour durch den größten und zugleich kleinsten Stadtteil führt den Radler kilometerweise an Bewässerungsgräben entlang. Nicht nur Enten bahnen sich darauf ihren Weg durch die üppige Lemna minor L., welche die Wasseroberfläche komplett bedeckt, auch Schwanenfamilien schwimmen sozusagen mitten im Futter, welches sie pausenlos mit einem sehr eigenartigen, schmatzklappernden Geräusch verzehren.

Fährt man so kilometerweit längs, den Blick immer auf den Graben gerichtet, erblickt man plötzlich ein weiteres Tier, das ruhig und selbstgewiss, einige dicke Grashalme quer im Maul, die dichte Wasserlinsendecke durchschwimmt, sie dabei kurzzeitig auftrennt, ehe sie sich hinter ihm wieder schließt. Während man verwundert abbremst und sich gerade fragen will, wie und wo eigentlich Biber leben, taucht das Tier routiniert ab. Kurz darauf verlässt es den Graben auf der gegenüberliegenden Seite - und man ist entsetzt: eine so riesige, fette Ratte hat man doch kaum je gesehen.
Schaudernd setzt man seine Rundfahrt fort; die Gedanken bewegen sich fortan in ganz bestimmten Bahnen. So erinnert man sich an einen schönen Sommerabend, ein paar Wochen mag es her sein, als vor der Tür des Bioladens ein ganz besonders hässliches, offenbar derangiertes Nagetier seine tapsigen Tänze aufführte. Der Laden liegt an der zentralen, stark frequentierten Kreuzung des Stadtteils; gegenüber befindet sich eine Bushaltestelle. Hier stieg ich nun aus und bemerkte das Tier, das offensichtlich Einlass begehrte (jedoch: der Laden hatte bereits geschlossen). In einem Pulk von zwanzig, dreißig Leuten überquerte ich die Straße und ging somit direkt auf den Bioladen zu, wovon sich die Ratte allerdings ebenso unbeeindruckt zeigte wie zuvor von den direkt an ihr vorbeirasenden Autos. Einige meiner Mitpassanten gruselte es ganz offensichtlich; das Tier aber, so schien es, zeigte ganz demonstrativ keinerlei Scheu, sondern bewegte sich herausfordernd auf uns zu.
Die leichte Gänsehaut, die sich beim Gedanken an diese Szene einstellt, erinnert wiederum an den Bericht eines Freundes vor einigen Wochen. Er wohnt in einem Mietshaus und wurde unlängst von einer anderen Hausbewohnerin herausgeklingelt, da sie im Treppenhaus eine Ratte gesehen habe, die schnell unter einen dort stehenden Putzschrank gehuscht sei. Mein Freund nahm nun an, mit ein wenig Stochern und Rütteln werde das Tier leicht in die Flucht geschlagen. Nichts da: statt dessen musste er den Schrank auf die Seite legen. Spätestens jetzt, da kein dunkler Winkel mehr Zuflucht bot, rechnete er (gleichwohl vorsorglich mit einem Schrubber bewaffnet) fest mit einem schnellen Sprint der Ratte nach draußen; diese jedoch griff böse fauchend den Schrubber an und setzte ihre Attacken auch dann noch schreiend fort, als mein Bekannter sie Stufe für Stufe die Treppe hinunterbeförderte. (Noch beim Erzählen stellten sich ihm buchstäblich die Nackenhaare auf).
Ja, wir leben in der Stadt, und mein Nachbar, der gerne spätabends im Dunkeln mit dem Hund spazierengeht ("wenn du wüsstest, was da durch die Gegend huscht!"), desillusionierte mich schon vor Jahren mit den Worten: "Du kannst sie nicht wegkriegen. Du musst sie nur aus dem Haus halten!"
Trotzdem war ich einmal so unbedarft, im Erdgeschoss nachts die Balkontür offenzulassen. Nach einer Stunde wurde ich durch ein leises Trippeln und Rascheln geweckt. Ein solches Erlebnis wünsche ich nur ganz wenigen Leuten. Das muss eine ganze Monatsdosis Adrenalin freigesetzt haben und hat meine Wahrnehmung übrigens dauerhaft verändert: Statt Müll sehe ich überall nur noch Rattenfutter. Die Überbleibsel nach den Grillorgien im Grünen; die Hinterlassenschaften der Picknicker im Park; die in den Orkus gespülten Essensreste; die Nudeln auf dem Komposthaufen; die mit allerlei Köstlichkeiten gefüllten Biotonnen. Es ist ein Schlaraffenland für diesen miesen Kulturfolger.
(Literaturtipp: Terry Pratchett, The Amazing Maurice and his Educated Rodents, deutsch: Maurice der Kater)
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nnier | 08. September 2008 | Topic Klar jewesn
Man wird derzeit verschiedentlich aus guten Gründen aufgefordert, das Informationsangebot der ARD zu bestreiken, bis Programmdirektor Struve auf einen offenen Brief zum Thema antwortet. Das stellt mich persönlich vor ein Problem, da ich mir das Fernsehen ohnehin so gut wie abgewöhnt habe (und im Internet andere Seiten als die der ARD besuche). Aber es geht ja um den symbolischen Akt.Man hat sich an den ganzen Mist wahrscheinlich schon viel zu sehr gewöhnt. Gottschalk verteilt von je her in seiner Samstagabendsendung Gummibärchen und präsentiert Autos, Andrea Kiewel schleichwirbt für Diätprodukte, beim Sportjournalismus ist sowieso Hopfen und Malz verloren, da kann man sich sicherlich fragen, was jetzt die Aufregung soll.
Aber wenn man sieht, wie der Autovermieter in seinem Intranet stolz wie Luzie verkündet:
Wenn es um Platzierungen dieses Themas in den Medien geht, leistet die Unternehmenskommunikation Hilfestellung. Das neue Sendeformat "Die Job-Agenten" des SWR Fernsehens kam in diesem Zusammenhang wie gerufen für eine innovative Personalmarketingmaßnahme.dann kann einem doch wieder schlecht werden.
- Einmal Kaffee ohne Milch, bitte.
- Milch ist gerade aus. Ich kann Ihnen aber einen Kaffee ohne Zucker anbieten.
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- Eine Bratwurst.
- Gleich mitnehmen oder essen?
- Ja, äh ... essen!
- Gleich mitnehmen oder essen?
- Ja, äh ... essen!
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nnier | 05. September 2008 | Topic 'umor & more
Robert Gernhardt weilt nicht mehr unter uns - Hans Mentz aber lebt weiter und weist uns den Weg. Zwei diesmonatige Fundstücke aus der unverzichtbaren Humorkritik möchte ich kurz weitergeben.
Über ein Buch, das Anekdoten aus der Welt der amerikanischen Comedians versammelt:
Und über einen "Übersetzungsunfall", der Hans Wollschläger unterlaufen ist:
Über ein Buch, das Anekdoten aus der Welt der amerikanischen Comedians versammelt:
Viele Geschichten stammen aus den frühen Tagen der mittlerweile zu Ruhm Gekommenen, als sie noch für wenig Geld weite Reisen unternahmen, um dann auf der Bühne gnadenlos zu versagen: So etwa Don Adams, der spätere »Get Smart«-Hauptdarsteller, der in den Fünfzigern auf jeden Dollar angewiesen war und deshalb auch für eine Handvoll Dollar weit fuhr, nur um Mae West anzusagen.
Die wiederum bat Adams vor dem Gig zu sich und ließ ihn sein Material vortragen. Anschließend erklärte Wests Agent, Mae West liebe seine Gags, er sei phantastisch, der beste Comedian, den sie je gesehen habe. Aber sie habe einen kleinen Wunsch: Er möge doch bei seinen Witzen stets auf die letzten Zeilen verzichten. Adams, leicht geschockt, erklärte, das seien ja die Punchlines, auf die könne er nicht verzichten, sonst wären seine Witze keine Witze. Nein, beharrte der Agent, West meine, er müsse lernen, daß weniger mehr sei und seine Geschichten so lustig, daß er gut auf ihr Ende verzichten könne.
Adams hatte keine Wahl, trug Witze ohne Pointen vor und erntete tödliche Stille – nicht einmal Zwischen- oder Buhrufe, einfach nur absolutes Schweigen. Als er von der Bühne kam, teilte ihm Mae Wests Agent mit, West denke immer noch, er sei brillant und höchst komisch, aber bei ihr in der Umkleide sei er besser gewesen.
(Kompletter Artikel)
Und über einen "Übersetzungsunfall", der Hans Wollschläger unterlaufen ist:
»Warum aber findet er« – der Wörterbuchbenutzer – »bei ›Masturbation‹ nur das steife masturbation und onanism – und nicht auch das durchaus verbreitete, durch Volkswitzigkeit sogar dem Landesbischof erträglich gemachte fist-fucking? Zweifellos: hier hat das Über-Ich der Bearbeiter ungebeten mitgewirkt, und das hätte, so um 1977, nicht mehr sein müssen.«
Das Über-Ich der Wörterbuchbearbeiter konnte halt einfach besser Englisch als das Ich-Ich-Ich von Hans Wollschläger. Und der Landesbischof griff, jede Wette, zum Erträglichmachen nicht zur Volkswitzigkeit, sondern, wie jeder andere auch, zur Vaseline.
Da wäre man doch gern mal dabeigewesen, wenn es den großen Schriftsteller, Organisten, Übersetzer, Karl-May-Herausgeber etc. nach einer Handentspannung verlangt und er bei einer entsprechenden Dienstleisterin ein fist-fucking geordert hätte. Er hätte sich anschließend nicht nur über den gesalzenen Preis gewundert.
(Kompletter Artikel)
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