Mumien, Analphabeten, Diebe.
Du hast's gut, du hast dein Leben noch vor dir.
Dienstag, 9. März 2010
Engramme, dauernd!
nnier | 09. März 2010 | Topic In echt
Lächelnd musste ich heute an einen Sommertag im Jahre 1985 zurückdenken. In meinem Jugendzimmer stand dieser Schrank, er war, wie es sich für Jugendzimmer gehörte, aus recht hellem Nadelholz und bestand aus insgesamt sechs Einzelteilen. Fangen wir mal unten links an: Zwei Holztüren, dahinter Einlegeböden, Breite: 1 m.

Rechts daneben ein schmales Schubladenelement, Breite: 40 cm, Anzahl der Schubladen: 4. Den Abschluss der unteren Reihe bildete wiederum ein Holztürenelement wie zu Beginn beschrieben. Die Tiefe dieser unteren Elemente betrug meiner Schätzung nach 50 cm, und auf jedes dieser sagenwirmal gut hüfthohen Schrankteile war ein sagenwirmal 35 cm tiefer Oberschrank gesetzt, der die Höhe des Schranks ungefähr verdoppelte. Fangen wir wieder links an, obere Reihe:

Ein Oberschrank mit Holztüren wie unten. Folgend eine schmale Einheit ohne Tür oder Schubladen! Hier gab es lediglich Einlegeböden, so dass man dieses Element mit Fug als eine Art Regal bezeichnen könnte. Hier wurden die geschlossenen Fronten einmal aufgebrochen, so dass das Ensemble insgesamt weniger massiv wirkte. Diesem Gedanken folgte dann auch der ganz rechte Oberschrank, der zwar wiederum zwei Türen besaß, diese allerdings waren verglast und eigneten sich hervorragend, um eine Streichholz­schachtel­sammlung mit so Hunden drauf zu präsentieren.

Übrigens saßen die Oberschränke nicht plump und stumpf auf den unteren auf, sondern die Rück- und Seitenwände der unteren waren gut und gerne 10 cm nach oben verlängert. Was jetzt kommt, wissen Sie: Die Rück- und Seitenwände der Oberschränke waren gleichermaßen nach unten verlängert. Aufeinandergestellt ergab sich dadurch nicht nur eine größere Schrankhöhe, sondern auch noch eine hervorragende Ablagefläche über die gesamte Breite und Tiefe der Unterschränke (die ja ca. 15 cm tiefer als die Oberschränke waren). Und natürlich überlegen Sie bereits, ob das nicht ein wenig "hart" ausgesehen haben müsse, so ein rechtwinkliger Vorsprung, ich kann Sie da allerdings beruhigen: Dem wurde Rechnung getragen, indem der bereits beschriebene Überstand der Unterschränke im 45-Grad-Winkel auf die geringere Tiefe der Oberschränke zurückgeführt wurde, so dass sich insgesamt ein harmonisches Bild ergab.

Ich hatte einige Jahre zuvor in der Schweiz das schokoladenhaltige Getränk Ovomaltine kennen- und schätzen gelernt. Zwar unterstellte man mir noch lange, ich sei lediglich auf die dort relativ präsente, für schweizerische Verhältnisse womöglich geradezu aufdringliche Werbung angesprungen, die ganz wesentlich aus leichtfertigen Fitnessversprechen bestand. Ich aber weiß noch heute, wie ich erstmals in einem Café neben dem fantastischen Rübenkuchen auch ein Glas Ovomaltine bestellte, da es keinen Kakao gab, und von dem malzig-herben Bei- und Nachgeschmack wirklich hingerissen war.

Eines Sommertags, die Schweiz war längst Geschichte, gerade wollte ich ein bestimmtes Asterix-Heft aus meinem Schrank holen, die Hefte waren in dem linken Unterschrank mit den zwei Türen, gelüstete es mich heftig nach dem genannten Getränk. Ich nahm den größten Humpen, den ich in der Küche finden konnte, goss einen knappen Liter Milch hinein und dosierte vorschriftsmäßig etwa 1/2 Dose Ovomaltine. Die Dosierungsangaben auf schokoladenhaltigen Getränkepulvern mögen oft arg übertrieben sein, was jedoch Ovomaltine angeht, kann ich nur sagen: Halten Sie sich daran. Ich weiß, es tut weh, das Zeug ist teuer, man will dann wenigstens an der Menge sparen - aber, so mein Rat, dann lieber selten und dafür richtig.

Glücklich lief ich mit dem gefüllten Trinkgefäß zurück und freute mich auf ein gemütliches Lesestündchen, dazu fehlte nur noch das Heft mit diesem Gallier, einen Moment, stell das Glas doch kurz hier auf den Boden und hol es aus dem Schrank -

Boden! Verstehen Sie?

Wo waren noch mal meine Asterix-Hefte?

Der Radius der Schranktür reichte problemlos aus, um das Glas frontal zu erwischen. Kostbare Ovomaltine ergoss sich über meinen Jugendzimmerboden. Die nächste Stunde verbrachte ich damit, den Putzeimer mit Wasser zu befüllen, verzweifelt mit dem Wischlappen über den Teppich zu rubbeln, das Wasser wegzubringen und frisches zu holen.

Als ich der Ansicht war, alles Menschenmögliche getan zu haben, hockte ich mich erschöpft auf den Boden. Mein Getränk fiel mir ein, das ich nicht hatte genießen können, und die Milch war nun alle - aber das Comic-Heft, das konnte ich nun doch noch lesen, meinte ich und öffnete die Schranktür. Davor stand der Eimer.

All dies fiel mir heute, nach so vielen Jahren, plötzlich wieder ein. Komisch manchmal - vielleicht war es, weil ich beim Fensterputzen den vollen Eimer mit dem saudreckigen Wasser von der Fensterbank gestoßen habe, über Sofa, Gardinen, Stereoanlage und so weiter.

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