Morgen geh ich ins KaufhausIch war bestimmt zehn Jahre lang nicht mehr drin. Ohne Vorsatz; ich hatte es mir einfach abgewöhnt.
Und kauf mir einen Kamm
Einen schönen großen
So etwa hundert Gramm
(Die fröhlichen Insterburger)
Früher aber war es die zentrale Anlaufstelle. Als ich begann, mir die Umwelt jenseits der unmittelbaren Nachbarschaft zu erobern, insbesondere die Innenstadt kennenzulernen, war mir mein Freund A. ein kundiger Führer. Zwar hatte er mit der verbalen Vermittlung geographischer Zusammenhänge seine Schwierigkeiten; wenn er "immer geradeaus", "hinter" oder "auf der anderen Seite" sagte, war man auch nach mehrmaligen Nachfragen ("von wo aus gesehen?", "wie lange geradeaus?") nicht schlauer, da es ihm aus irgendwelchen Gründen nicht möglich war, sich in andere Menschen hineinzuversetzen. Zumindest, was solche Dinge betraf. Für ihn war seine Sicht die Welt, da gab es keinen Unterschied. Hörte man ihn beispielsweise das erste Mal von seinem Spanienurlaub erzählen und stellte eine harmlose Frage ("Kann man da am Strand auch Eis kaufen?"), dann konnte er vollkommen empört reagieren: "Nee! Da doch nicht! Wir wohnen doch in X, da gibt's doch kein Eis! Dazu muss man doch erst nach Y fahren!" und sah einen an wie jemanden, der seine Sinne nicht ganz beisammen hat.
War man jedoch mit ihm unterwegs, konnte man sicher sein, das gemeinsame Ziel schnell und oft unter Ausnutzung ungeahnter Abkürzungen (wie z.B. Durchquerung eines Ladens) zu erreichen. Und so kam es, dass ich eines Tages gemeinsam mit A. erstmalig auf eigene Faust "nach Karstadt" ging. Wir wollten Rolltreppe fahren und uns die Spielzeugabteilung ansehen.
Das Kaufhaus faszinierte mich. Die gut sichtbar angebrachten, stets offensiv und bedrohlich hin- und herschwenkenden Überwachungskameras, kreuzförmig im Viererverbund über Rolltreppen und Kleiderständern angebracht, oder das Lüftungsgitter vor dem Eingang, unter dem ein verdammt tiefer Abgrund gähnte und in den einmal der kleine Schlüssel meines Fahrradschlosses hineinfiel. Und die Rolltreppen selbst, denen ich stundenlang zusah, da ich nicht begreifen konnte, wie sie endlos weiterlaufen konnten. Irgendwann mussten diese Stufen doch einmal alle sein! Und wie gefährlich die scharfen Eisengitter blitzten, in denen sie am Ende verschwanden.
Man war ja gewarnt worden vor der Gefährlichkeit der bequemen Aufstieghilfe ("Am Ende einen großen Schritt machen! Auf die Schnürsenkel aufpassen! Und beim Handlauf aufpassen, dass die Finger nicht dazwischenkommen!"). Aber eines Tages erwischte es mich doch. Ich musste auf meine Mutter warten, die in irgendeiner Abteilung verschwunden war, und lehnte mit dem Hintern an dem Handlauf der aufsteigenden Rolltreppe. Das glatte Gummi wischte am Hosenboden entlang, ich dachte an nichts, bis ich plötzlich auf dem Handlauf saß und mich auf dem Weg nach oben befand. Das Gesäß über den Rolltreppenstufen, die Beine auf der anderen Seite, und die Decke, die mir die Oberschenkelknochen brechen würde, kam rapide näher. Zwar sprang ich schnell ab und tat, als sei nichts gewesen; doch kann ich seither keine Rolltreppe mehr benutzen, ohne an den klebrigen Kaugummifleck zu denken, der mich mitzog und in jene James-Bond-Situation brachte.
Mein Opa, der in einem sehr kleinen Ort aufgewachsen war und dort immer gelebt hatte, amüsierte sich damals sehr über mein ewiges "bei Karstadt", wenn er mich fragte, wo ich denn dieses gekauft hätte oder jenes besorgen wolle. Das war für ihn, der nichts anderes als spezialisierte Fachgeschäfte kannte, äußerst komisch. Eine Uhr, eine Hose, ein Malkasten - es war klar, wohin ich ging. Und auch in den ersten Jahren in meiner neuen Stadt war ich regelmäßiger Kaufhausgast.
Wodurch es sich geändert hat, ist mir heute noch nicht ganz klar. Manchmal fuhr ich in die großen Zentren außerhalb. Manchmal bestellte ich Dinge per Post. Aber es war, so meine ich, vor allem der Eindruck, dass man dort zuviel bezahle. Die tollen Angebote gab es dort nicht, sondern lediglich Grabbeltische mit minderwertiger Ware, daneben eine zufällige Auswahl von Markenartikeln, die man anderswo günstiger bekam.
Erst seit in den Medien über die Schwierigkeiten des Konzerns berichtet wurde, bin ich wieder hingegangen, zuerst aus reiner Neugier. Und seitdem wieder zum regelmäßigen Kunden geworden. Denn: Die Preise sind in Ordnung; die Auswahl ist gut; die Verkäufer insgesamt kompetent und freundlich (und: es gibt überhaupt welche). Und dann noch etwas: Man kann problemlos umtauschen! Was war das früher für ein inquisitorisches Verfahren ("Umtausch nur an der Sammelkasse! Was ist denn damit nicht in Ordnung! Das kann ich Ihnen so aber nicht umtauschen! Das war schon ausgepackt!"). Heute hingegen: Vorbildlich. Zum einen tauscht man in der jeweiligen Abteilung um. Zweitens gegen Bares oder Rückzahlung auf der EC-Karte. Drittens ohne Diskussionen. Und viertens: Im Notfall sogar ohne Bon, wie es mir gestern widerfuhr, ein Vorgang, der früher undenkbar war.
Bevor sie alle dichtmachen oder auch die letzten Flächen an einzelne Shops vermietet sind: Gehen Sie ruhig mal wieder hin. Suchen Sie das große Haus mit der imposanten Fassade. Laufen Sie durch die alten Abteilungen, nicht die Shop-in-Shops, nehmen Sie das Treppenhaus, in dem es noch nach 70ern riecht, sehen Sie sich die messingfarbenen Türgriffe an den schweren Metalltüren mit Glaseinsatz und die Linoleumböden noch einmal an. In ein paar Jahren gibt's das nicht mehr.
Link zu diesem Beitrag (9 Kommentare) | Kommentieren [?]
Ich kenne diese Welt nicht. In meiner Familie war es nicht üblich, im Sportverein zu sein. Zwar habe ich mal einen kläglichen Anlauf in der D1 gestartet, wurde dann in die C2 versetzt und habe nie ein Spiel mitgemacht, sondern überhaupt nur ein paar Wochen am Training teilgenommen. Dann, denn ich war damals durchaus fußballbegeistert, spielte ich lieber wieder mit meinen Freunden auf irgendeinem Rasen. Die Vereinsfußballjungs waren viel besser. Und ich fühlte mich fremd und fehl am Platz.
Das andere waren die Kleingärtner. Auch dazu gehörten wir nicht. Ich bekam aber mit, wie die Eltern meines Freundes A. in ihrem Kleingarten viel Zeit, noch mehr allerdings im Vereinshaus verbrachten. Peter Alexander sang im Hintergrund, man saß zusammen und trank Alkohol in bedenklicher Dosierung, die Mutter meines Freundes saß am Tresen und rauchte Zigarillos, umgeben von drei Männern, die ihr um die Wette Feuer reichten, während ihr Mann still danebensaß und noch mehr trank. Irgendeinen Grund zum Feiern gab's immer, Günni hatte Geburtstag oder Achim und Hanna Hochzeitstag.
Wenn wir als Kinder mal hinkamen, fühlte ich mich einerseits abgestoßen vom Lärmen der manchmal unzurechnungsfähigen, lallenden Menschen, von ihrem Krakeelen, ihrer betrunkenen Langsamkeit, ihrem aufdringlichen Gewitzel, und zugleich auf merkwürdige Weise fasziniert von dieser doch meist fröhlichen und anscheinend auch verlässlichen und nicht zuletzt egalitären Gemeinschaft. (Da fragt dich keiner / was du hast oder bist). Sie grillten zusammen, halfen einander in den Gärten oder führten Gemeinschaftsarbeiten durch (Vereinshaus renovieren).
Mit viel Verspätung lerne ich die Vereinswelt nun kennen. Als Begleiter. Nicht als Aktiver.
Oder doch als Aktiver. Man steht beim Hallenturnier hinter einem Tresen mit Kaffee, Kuchen, Brötchen, Würstchen und macht Kasse. Man trägt Tore zu Platz 4, sieh mal nach, ob der noch abgestreut werden muss.

Man sieht sich eine ehrenhafte Heimniederlage (0:5) an, der Wind pfeift eiskalt, die Mädchen bekommen beim Abstoß den Ball nicht aus dem eigenen Strafraum, man beklatscht gelungene Spielzüge und freut sich über die glücklich und abgekämpft glänzenden Gesichter. Hätte schlimmer kommen können. Dann baut man die Tore ab, die müssen zum Schlackeplatz, und irgendwann sitzt man in der Vereinsgaststätte und wärmt sich mit einem Kaffee.

Die Menschen sehen ganz sympathisch aus.
Link zu diesem Beitrag (2 Kommentare) | Kommentieren [?]
Sie sehen ja echt fertig aus mit ihrem Messer!Ich zerteilte gerade mit einem Brotmesser einen Apfel und zuckte ob dieser Unverblümtheit zusammen. Tatsächlich hatte ich mich etwas verhört. "Gefährlich" hatte sie gesagt, nicht "echt fertig". (Stimmte aber trotzdem.)
(Reinigungskraft in der Küche, ca. 2002)
Link zu diesem Beitrag (0 Kommentare) | Kommentieren [?]
And in the end
The love you take
Is equal to the love
You make
(The Beatles)

Link zu diesem Beitrag (3 Kommentare) | Kommentieren [?]
Ich liebte ein Mädchen in WannseeEnde der 80er, nach dem Abitur, zogen einige meiner Nächsten nach Berlin. Ich fuhr auch manchmal hin. Aber im Gegensatz zu ihnen blieb ich dann nicht, ausgerüstet mit kaum mehr als einer Zahnbürste, einfach da, sondern war immer nur auf Besuch und fand früher oder später meinen Weg zurück nach Westdeutschland.
Die konnt kein nackten Mann sehn
Ich liebte ein Mädchen in Wedding
Die wollte immer nur Petting
(Die Fröhlichen Insterburger)
Es waren Zeiten, in denen man noch viel von der gerade stattfindenden "Wende" merkte, in denen auf rußgeschwärzten Fassaden im Ostteil der Stadt plötzlich schreiende "McPaper"-Schilder auftauchten, die glänzenden Läden wie Fremdkörper in der heruntergekommenen Bausubstanz, daneben stand gerne auch mal "CDU" an eine Wand gesprüht und reichlich billiger Wohnraum überall zur Verfügung. Wenn man nicht gleich in einem besetzten Haus lebte. Einmal ging ich zum Frisör, 5.- DM kostete der Schnitt und sah dann auch so aus: Der bullige Schnippler wetzte seine angsteinflößenden Messer und schabte mir damit derart nachdrücklich über Nacken und Seiten, dass ich auf Nachfragen oder Diskussionen konsequent verzichtete. "Komische Frisur hast du", sagte mein Gastgeber später, nachdem ich mit einer Tüte
Mit einer solchen Frisur in besetzten Häusern zu verkehren, half nicht gerade dabei, dort wohlwollend aufgenommen zu werden, herrschte doch eine tiefgreifende Paranoia gegen "Zivis" und "Spitzel". (Obwohl, dachte ich immer, wenn ich doch ein solcher wäre, würde ich dann mit Fassonschnitt ...?) Aufgrund persönlicher Kontakte schließlich dennoch eingelassen, wurde man reichlich misstrauisch beäugt: Woher man denn käme, was man hier wolle, und es seien übrigens gerade "dreißig Wannen", also Mannschaftsfahrzeuge der Polizei, auf der Autobahn gesichtet worden, die Räumung stehe deshalb unmittelbar bevor. Man fand dann irgendwo einen Platz zum Schlafen, mit Glück auch behelfsmäßige sanitäre Anlagen und manchmal einen Kohleofen. Mehr Aufwand als in die Instandbesetzung schien aber in den Aufbau gewaltiger Verteidigungsanlagen gesteckt worden zu sein. Mit Schrecken sah ich z.B. einmal eine Tür, die oberhalb einer Treppe so hingelegt und verkeilt worden war, dass man sie durch Herausziehen einer Holzlatte senkrecht herunter- und den erwarteten Angreifern entgegenstürzen lassen konnte, samt der zahlreichen Ziegelsteine und rostigen Eisenträger, die man obendraufgestapelt hatte.
Die Bewohner konnten so das Treppenhaus natürlich selbst nicht nutzen; als Eingang wurde, wenn ich mich recht erinnere, ein Fenster im ersten Stock verwendet (die unteren waren verrammelt oder zugemauert worden). Man bekam eine Strickleiter oder so etwas heruntergelassen, wenn man das richtige Codewort wusste.
Auf weniger martialische Weise beeindruckten mich gigantische Fabriketagen, die leerstanden und die man ebenfalls besetzt oder günstig gemietet hatte. Auch wenn ich mich selbst nie zu einer solchen Lebensweise entscheiden habe, war ich hingerissen von dem vielen Platz und den tollen Möglichkeiten, sich einfach einen Claim abzustecken und diesen als Atelier, Spiel- oder Sportplatz zu gestalten. Und auch die ganz normalen Wohnungen, die Studenten in Zweier-WGs bewohnten, waren groß und schön - viele hatten Stuck an den sehr hohen Zimmerdecken.
Eine solche WG bewohnte ein lieber Freund, den ich einige Male besuchte. Ich wunderte mich immer, wie schnell man als Zugezogener anscheinend in Berlin heimisch werden konnte. Und das nicht nur, weil auch gestandene Hochdeutsche sofort "wa" und "dis" sagten und wie selbstverständlich von "36" und "61" sprachen, als gehöre die geographische und vor allem soziokulturelle Gliederung Kreuzbergs zum Weltwissen der Siebenjährigen. Sie schienen sich wohlzufühlen dort, wussten, wo man abends hingehen konnte, kannten viele Menschen und wirkten sehr großstädtisch.
Worauf läuft das hier denn wieder hinaus, höre ich Sie fragen. Dazu folgendes: Ich lasse mich nicht unter Druck setzen, und wenn ich Lust habe, dann flechte ich auch noch ein Kochrezept ein. Oder, stop: Ich hab's! Kennen Sie das, wenn man nachts plötzlich einen überwältigenden Hunger bekommt? Bei mir geht's in den letzten Jahren wieder, aber einige Zeit, samama von fuffzehn, sechzehn an bis vor fünf oder drei Jahren, war's echt schlimm. Da habe ich sogar mal einen Kameradendiebstahl begangen. Ich war mit einem Freund und Zivildienstkollegen auf einer Bildungsveranstaltung. Wir damals, wir mussten ja zwan-zig Monate! Und die wurden uns am Ende doch ziemlich lang. So freuten wir uns, als wir erfuhren, dass man das Anrecht auf einmal Bildung hatte, und meldeten uns irgendwofür an. Da waren auch so Punks zugegen, die am ersten Abend gleich laut und lustig Bier tranken. Und wir gingen gegen Mitternacht auf unser Zimmer, sprachen noch über dies und das, u.a. über die Punks, die "bestimmt noch feiern" und "morgen früh garantiert nicht pünktlich zum Seminar erscheinen" würden. Irgendwann, ich schlief tief und fest, hämmerte jemand gegen die Tür und rief: "Aufstehen! Ihr habt das Mittagessen verschlafen!", was mich erheblich nervte. Ich drehte mich um und murmelte: "Jene tumben Trunkenbolde haben nun Stund um Stunde dem Alkohol gefrönt, gehen schändlich spät ins Bett und finden gar billiges Vergnügen darin, uns, zwei rechtschaffen müde Gesellen, mit solch grotesk übertriebener Alberei zu tollschocken. 'Mittagessen verschlafen' - ich meine, hey!"
Andererseits, überlegte ich in den folgenden Minuten, gewisse Unregelmäßigkeiten in deiner circadianen Periodik sind nicht von der Hand zu weisen, wer weiß, vielleicht ist, obzwar gefühlt noch tiefste Nacht, es tatsächlich schon bald Zeit zum Frühstücken? Und ein reichliches Frühstück brauchst du unbedingt, denn schon um 8:30 beginnt das Seminar! Todmüde quälte ich mich also aus dem Bett und öffnete den Fensterladen. Die Sonne stand tief im Westen. Wir hatten das Mittagessen verschlafen.
Nun muss man wissen, dass mein Zimmer- und Zivildienstgenosse ein Mensch war, der Unmengen an Nahrung aufnehmen konnte. Und auch ich habe immer gut zugelangt, auch wenn man mir das nun wirklich nicht ansieht. Sagen sie immer alle. Einmal, da waren wir nach einer zweiwöchigen Pause zum ersten Mal wieder in der Nordmensa, das war die beste Mensa, die hatten da tolle Sachen! Und so Aktionen. Lachs- und Spargelwochen zum Beispiel. Und wir kamen nach dem zwei Wochen zur Kasse, wo die Kassiererin, ohne uns anzusehen, nur mit Blick auf unsere völlig überladenen Tabletts, sprach: "Ihr wart aber lange nicht da!"
Panisch zogen wir uns an, rannten in die Küche des Tagungshauses und müssen dort einen so jämmerlichen Eindruck vermittelt haben, dass die mütterlichen Instinkte der Küchenfrauen massiv angesprochen wurden und man uns mit Übriggebliebenem päppelte. Später erfuhren wir, dass es um 18:00 Abendessen gebe. Dies trieb mir den Schweiß auf die Stirn, und auch mein Kollege sah ganz blass aus. Wie sollte das denn gehen - von einem so frühen Abendessen bis zum nächsten Morgen? Wir beratschlagten kurz und gingen nach dem Abendessen erneut zu unseren Freundinnen in die Küche. Sie gestatteten uns lächelnd ("Jungs! Ts!"), noch einige Graubrotscheiben mit Scheibenkäse zu belegen und mit Teewurst zu beschmieren, auch ein paar Tomatenhälften waren noch da, so dass wir halbwegs beruhigt mit in Papierservietten eingeschlagener Notration das gemeinsame Zimmer betreten und unsere Vorräte verstauen konnten.
Ich schlief früh ein, wachte zu unbestimmter Zeit im Dunklen auf, befand mich alleine im Zimmer, verspürte Hunger und aß gierig meine Brote. Mein Kollege, so vermutete ich, musste mit den anderen noch irgendwo ein Trinkgelage halten. Das ich ihm auch von Herzen gönnte, ich hingegen war zu müde und wollte lieber einmal richtig ausschlafen. Leider nagte weiter der Hunger an mir. Und, ich mach's kurz, ich habe nicht an mich halten können, nahm nach einer halben Stunde des inneren Kampfes sein Paket und aß seine Brote. All dies fand nicht im Schützengraben oder Lazarett nach Monaten des Mangels statt, nicht in der Wüste oder auf dem beschwerlichen Weg zum Pol; nein, es reichte eine Nacht, um mich zu solchem moralisch verwerflichen und durch nichts zu rechtfertigenden Handeln zu verleiten.
Nachthunger war es auch, der mich beim Berlinbesuch in der Wohnung meines Gastgebers von tiefster Dunkelheit umgeben zum Kühlschrank taumeln ließ, ich tastete mich langsam und vorsichtig voran, was in fremden Wohnungen eine durchaus anspruchsvolle Tätigkeit ist, wollte ja auch niemanden wecken, fand in der Küche den auf dem Boden stehenden Kühlschrank, öffnete ihn mit klopfendem Herzen und sondierte gerade den Inhalt, als von der Tür aus, seitlich von mir, ein herzliches Lachen ertönte. "Du siehst aus!", rief der gute Mensch, und diesmal bezog er sich nicht auf meinen militärischen Haarschnitt. Nein, erklärte er unter Tränen, es sehe so komisch aus, wie ich da stünde, aus dem Kühlschrank schräg von unten angeleuchtet, mit wölfisch-hyänenhaftem Gesichtsausdruck.
Ach Mensch! Nun bin ich gar nicht dazu gekommen, von Didi & Stulle zu erzählen. Mach ich dann irgendwann mal.
Link zu diesem Beitrag (10 Kommentare) | Kommentieren [?]
- Gibt es etwas, das Sie uns zum Abschluss sagen wollen? Gehen Sie mit einer positiven Erinnerung an die Firma?
- Ich hatte hier super Kollegen.
- Äh. Und die Firma?
- Wie gesagt, auf die Kollegen lasse ich nichts kommen.
- Ich hatte hier super Kollegen.
- Äh. Und die Firma?
- Wie gesagt, auf die Kollegen lasse ich nichts kommen.
Link zu diesem Beitrag (1 Kommentar) | Kommentieren [?]
Gehen wir's an. In wenigen Tagen ist's ohnehin vorbei mit dem Gesöff aus der Melittamaschine, die letzten Coins wollen noch verbraucht, eventuelle Überbleibsel an an zukünftige Exkolleginnen vererbt werden oder ins Schatzkästlein der Erinnerung wandern.
Ersatzkaffee. Testen wir uns also in den folgenden Monaten durchs Angebot. Beginnen wollen wir mit einer Dose Biogran Landkaffee, einem Kaffeesurrogatextrakt, seit knapp 2 Jahren abgelaufen, so dass das eigentlich feinstaubige Pulver deutliche Zeichen der Verklumpung aufweist.
Wir geben 2 gehäufte Kaffeelöffel in eine Bechertasse, rühren gewissenhaft um und achten besonders darauf, dass die Klümpchen sich auflösen. Diese, davor sei schon vorab gewarnt, nehmen sonst eine lakritzartige Konsistenz an und setzen sich in jeden verfügbaren Zahnzwischenraum, um von dort aus unangenehme Zichorie-Aromen zu verströmen.
Das Getränk färbt sich erwartungsgemäß dunkelbraun bis schwarz, der Duft ist kräftig, auf der Oberfläche bildet sich eine Andeutung von Schaum.

Geschmacklich kann das Produkt durchaus punkten. Zwar hat es mit Kaffee nichts zu tun, doch durchaus kräftige Röstnoten zu bieten. Die Bitterstoffe kommen zu ihrem Recht, ärgerliche Süßungsmittel sind offenbar nicht enthalten, so dass davon auszugehen ist, dass sich das Produkt nicht in erster Linie an eine kindliche Zielgruppe richtet - ein Eindruck, der im übrigen auch durch die Gestaltung der Verpackung unterstrichen wird.
Auf einer Skala von 10 ("Oh mein Gott! Jetzt nicht aufhören!") bis 1 ("HUALP!") geben wir dem Biogran Landkaffee eine solide 4 ("Knäckebrot soll ja auch gesund sein").
Ersatzkaffee. Testen wir uns also in den folgenden Monaten durchs Angebot. Beginnen wollen wir mit einer Dose Biogran Landkaffee, einem Kaffeesurrogatextrakt, seit knapp 2 Jahren abgelaufen, so dass das eigentlich feinstaubige Pulver deutliche Zeichen der Verklumpung aufweist.
Wir geben 2 gehäufte Kaffeelöffel in eine Bechertasse, rühren gewissenhaft um und achten besonders darauf, dass die Klümpchen sich auflösen. Diese, davor sei schon vorab gewarnt, nehmen sonst eine lakritzartige Konsistenz an und setzen sich in jeden verfügbaren Zahnzwischenraum, um von dort aus unangenehme Zichorie-Aromen zu verströmen.
Das Getränk färbt sich erwartungsgemäß dunkelbraun bis schwarz, der Duft ist kräftig, auf der Oberfläche bildet sich eine Andeutung von Schaum.

Geschmacklich kann das Produkt durchaus punkten. Zwar hat es mit Kaffee nichts zu tun, doch durchaus kräftige Röstnoten zu bieten. Die Bitterstoffe kommen zu ihrem Recht, ärgerliche Süßungsmittel sind offenbar nicht enthalten, so dass davon auszugehen ist, dass sich das Produkt nicht in erster Linie an eine kindliche Zielgruppe richtet - ein Eindruck, der im übrigen auch durch die Gestaltung der Verpackung unterstrichen wird.
Auf einer Skala von 10 ("Oh mein Gott! Jetzt nicht aufhören!") bis 1 ("HUALP!") geben wir dem Biogran Landkaffee eine solide 4 ("Knäckebrot soll ja auch gesund sein").
Link zu diesem Beitrag (6 Kommentare) | Kommentieren [?]
Aus dem Fenster sah ich eben drei kleine Jungen auf der Straße herumtollen. Sie rasten begeistert mit ihren Rollern durch die Gegend und jagten sich. Dann verbargen sie sich hinter den parkenden Autos und riefen: "Deckung! Er hat eine Bombe! Amok! Amok!"
Link zu diesem Beitrag (3 Kommentare) | Kommentieren [?]
Ich stand mal an der Tankstelle, als ein sonnenbebrillter toller Hecht seinen aufgemotzten Turbo hinter mir extrem aufheulen ließ, mit quietschenden Reifen an mir vorbeiraste und dem ich, die Zapfpistole in der Hand, fassungslos hinterhersah.
Ich kannte einen, der musste abends stundenlang mit dem Auto um den Block fahren. Nur so, erklärte er, und nicht anders schlafe sein Kind irgendwann ein.
Auch die anderen Tankstellenkunden waren sehr erschrocken. Man sah sich stirnrunzelnd, kopfschüttelnd an, während der Wagen auf der Hauptstraße weiter beschleunigte.
Ich kannte einen, der ist von keinem Wecker aufgewacht. Vor wichtigen Terminen, wenn er unbedingt früh aufstehen musste, schloss er den Staubsauger an eine Zeitschaltuhr an. Das Geräusch habe ihn schon als Kind zuverlässig aus dem Bett gejagt, wenn die Mutter am Samstagmorgen durch sein Zimmer kam.
Man hörte dann einen ganz lauten Knall. Der Hecht war an der roten Ampel auf ein stehendes Auto gerast.
Ich kannte einen, der musste abends stundenlang mit dem Auto um den Block fahren. Nur so, erklärte er, und nicht anders schlafe sein Kind irgendwann ein.
Auch die anderen Tankstellenkunden waren sehr erschrocken. Man sah sich stirnrunzelnd, kopfschüttelnd an, während der Wagen auf der Hauptstraße weiter beschleunigte.
Ich kannte einen, der ist von keinem Wecker aufgewacht. Vor wichtigen Terminen, wenn er unbedingt früh aufstehen musste, schloss er den Staubsauger an eine Zeitschaltuhr an. Das Geräusch habe ihn schon als Kind zuverlässig aus dem Bett gejagt, wenn die Mutter am Samstagmorgen durch sein Zimmer kam.
Man hörte dann einen ganz lauten Knall. Der Hecht war an der roten Ampel auf ein stehendes Auto gerast.
Link zu diesem Beitrag (0 Kommentare) | Kommentieren [?]
Das brennt dir voll die Fresse weg, Alter!Ich bin mal wieder im Kino eingeschlafen. Das alles hat seine Wurzeln in jener Zeit, als ich nachts arbeitete und überladene Kleintransporter durch Harz und Eichsfeld jagte. Tagsüber schlief ich. Wenn ich gegen Abend erwacht war, geduscht und Kaffee getrunken hatte, fuhr ich in die Stadt, um in der Innenstadtmensa das warme Abendessen zu frühstücken. Dann begann der nächtliche Arbeitstag. Aber das erzähle ich ein andermal.
Das gibt'n Donnerschlag!Hatte ich mal frei und war zum Kino verabredet, geschah es in dieser Zeit fast sicher, dass ich während des Films einschlief. Mein Rhythmus war ein anderer. Ich genoss es geradezu, mich von der Dunkelheit umfangen zu lassen, die Sitze waren weich und bequem, und langsam verlor ich die Filmhandlung aus den geschlossenen Augen, hörte noch ein Weilchen zu und schlummerte ein. Manchmal legte ich mich dann quer zu den Sitzen auf den Boden. Doch, der Film habe mir gut gefallen. Nein, das hätte ich nicht mitbekommen, da hätte ich schon geschlafen. Doch, es sei ein schöner Abend gewesen, gerne wieder, versicherte ich regelmäßig und meinte es auch so.
Wir sind doch leise!Kino und Schlafen, eine Kopplung, die sich auch nach all den Jahren nicht so einfach lösen lässt. Bei David Lynchs Inland Empire bin ich am Ende weggenickt. Beim Baader Meinhof Komplex waren meine letzten Gedanken: "Oh nein ... jetzt kommt auch noch die ganze Landshut-Entführung ...", bevor ich entschlief. Und nun habe ich Watchmen gesehen. Die Vorlage ist einer der ganz wenigen Superheldencomics, mit denen ich etwas anfangen konnte. Und auch als Film hat's mir insgesamt gefallen. Dennoch musste ich mir die entscheidenden Zusammenhänge erzählen lassen, denn ich bin während des finalen Showdowns eingeschlafen.
Was willst du denn, komm mit nach draußen!Der Film ist allerdings auch sehr lang und hat eine Pause. Und wenn zwei Minderbemittelte im riesigen Saal sitzen, sich penetrant und laut unterhalten, auf freundliche Hinweise aggressiv reagieren und einem die erste Hälfte des Films doch halbwegs versauen, braucht man nur abzuwarten. Denn dann geht das Licht zur Pause an.
- Wie, ist der jetzt vorbei?Sie sind wirklich nicht wiedergekommen. Und so habe ich einen ziemlich guten Film mit entscheidenden Schwächen gesehen. Bis ich eingeschlafen bin.
- Komisches Ende!
Link zu diesem Beitrag (7 Kommentare) | Kommentieren [?]
... hier geht's zu den --> älteren Einträgen *
* Ausgereift und gut abgehangen, blättern Sie zurück!
* Ausgereift und gut abgehangen, blättern Sie zurück!