Mumien, Analphabeten, Diebe.
Du hast's gut, du hast dein Leben noch vor dir.
Hausbücher
nnier | 02. Januar 2009 | Topic Gelesn
Ich weiß manchmal selbst nicht, was ich mit den ganzen Beatlesbüchern will. Es steht ja nichts Neues drin.

Eines allerdings, Anthology, hab' ich bisher immer liegenlassen. Das lag auch an dem Preis von 130.- DM, hinzu kam aber, dass ich dem ganzen Anthology-Projekt sehr zwiespältig gegenüberstand. Ich hab' mir das im Fernsehen damals angeschaut und danach nicht wieder. Es liegt eine Computerhaftigkeit darüber, die mich stört. Und dieser Marketinggeruch.

Dann wiederum haut das Lied Free as a bird, das im Zuge des Megaprojekts Mitte der 90er unter großem Marketinggetöse veröffentlicht wurde, bei mir natürlich genau in die Kerbe. Ich weiß noch, wie ich es in Gegenwart einer Bekannten zum ersten Mal hörte, mit der ich noch mühsam Konversation trieb, bis sie endlich ging und ich allein sein konnte. Jemand spottete damals über die Beatlefans, die weinen, wenn ein neues Lied erscheint. Na und.

Ich war enttäuscht vom dünnen Gesang Lennons (die Originalaufnahme, also seine Demo-Cassette aus den 70ern, kannte ich schon von irgendwelchen Bootlegs, hatte mir aber erhofft, dass die moderne Technik mehr würde herausholen können), die Produktion (Jeff Lynne!) störte mich, aber dann:
Whatever happened to / The life that we once knew
Natürlich bekam McCartney, wie damals üblich, auf die Nase für diesen sentimentalen Mist, nur hatte eben Lennon die Zeilen geschrieben und McCartney sie lediglich neu eingesungen. Und das ist die Stelle, für die ich das Lied liebe. Und übrigens auch das Video dazu. Es ist voll durchkalkuliert, und die Kalkulation geht auf, sie rührt mich wirklich an, diese computergenerierte Nostalgie - da, ist das nicht die Pretty nurse selling poppies from a tray? Dort - A crowd of people (stood and stared)?

Der Rest der drei Anthology-Doppel-CDs war für mich nur vorübergehend von Interesse, archäologisch könnte man's nennen, ich höre sie tatsächlich fast nie. Damals haben die Marketingstrategen ja auch einen großen Fehler gemacht: Eine "Greatest Hits"-CD hätte es sein müssen und für die Fans eine umfassende Archivbox. So gab es auf beiden Seiten Enttäuschungen: Bei den Fans, weil doch noch zu viel fehlte (unter anderem ein durchgängiges Konzept), und bei den anderen Käufern, weil sie mit rauschenden Mono-Aufnahmen aus der Frühzeit oder (meist zu Recht) verworfenen Versionen bekannter Stücke nichts anfangen konnten.

In der TV-Dokumentation gab es ein paar interessante Momente, was mir im Gedächtnis blieb, waren aber vor allem die beklemmenden: Ein überraschend abgebrüht und cool auftretender George Harrison, den man so gar nicht mit seinem indisch-erleuchteten Image zusammenbringen konnte, ein Paul McCartney, der sich wie in den vermaledeiten Let-it-be-Sessions abmüht, die Stimmung zu verbessern, und eine insgesamt reichlich angespannte Atmosphäre zwischen den drei Exbeatles bei den (wenigen) gemeinsamen Aufnahmen.

Nach der langen Zeit wird das Anthology-Buch nun endlich verbilligt angeboten. Ich hab's gekauft, ich hab's obendrein zu Weihnachten bekommen, es sind schöne Bilder darin. Ich stelle es zu den anderen.



Gekauft habe ich auch zwei wunderschöne Bücher aus dem Diogenes-Verlag. Eins davon kenne ich seit Kindertagen: Das große Liederbuch, aufs Schönste und Sinnlichste illustriert von Tomi Ungerer. Das andere, Das große Märchenbuch, illustriert von Tatjana Hauptmann.



Ich habe mir das ja schon gedacht, ich weiß, wie viel Spaß es machen kann, ein schön gebundenes Buch in den Händen zu halten, ich weiß, wie schön sich hochwertiges Papier anfühlen kann, wie man sich über einen großzügigen Satzspiegel freuen kann, und doch staune ich selbst, welche Begeisterung diese Bücher wecken. Ich hab' die papiernen Schutzumschläge jedenfalls gleich mit Folie überzogen. Denn das ist klar: Diese Bücher werden nicht herumstehen.

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jean stubenzweig, Sonntag, 4. Januar 2009, 08:30
«Ich hab' die papiernen Schutzumschläge jedenfalls gleich mit Folie überzogen. Denn das ist klar: Diese Bücher werden nicht herumstehen.» – Da befinde ich mich immer irgendwie im Zwiespalt: Sicher, wunderschöne Bücher wie diese möchten bewahrt sein, andererseits es sich in mir sträubt, ihnen nicht die Patina angedeihen zu lassen, die ihnen gebührt. Aber immerhin gibt's heutzutage Folie. Früher wurde die Jungfräulichkeit eines jeden Buches mittels Packpapier aufrecht erhalten. Ich selbst mußte das (aus den erwähnten Gründen) nicht tun, aber bei anderen habe ich das gesehen. Schrecklich fand ich das.

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nnier, Sonntag, 4. Januar 2009, 12:21
Ja, diesen Zwiespalt kenne ich. Ich tu' das auch eher selten, bei den beiden Hausbüchern bildeten sich allerdings schon innerhalb weniger Tage die ersten Risse an kritischen Stellen - und genug Patina durch Kinderhände, die kurz zuvor im Weihnachtsgebäck gewühlt hatten. Mit der durchsichtigen Folie habe ich nun einen erträglichen Zustand konserviert. Denn es ist schon bedauerlich, dass die schönen Schutzumschläge aus sehr reißfähigem, unbeschichteten Papier sonst binnen Wochen komplett auseinanderfallen würden.

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