Wenn ich ein Konzert besuche, das mir wichtig ist, überkommt mich beim Betreten der Halle ein unvergleichliches Gefühl. Es ist nicht nur Vorfreude; es ist das Wissen, dass etwas Wunderschönes bevorsteht. Ist es ein Konzert von Paul McCartney, kommt dazu der Unglaube, dass das jetzt tatsächlich passiert. Besonders beim letzten Mal ging es mir durch und durch, nach viel zu langer Pause. Ich freue mich, während ich in der Schlange warte, aber es ist der Moment, in dem ich in die Halle komme und die Bühne sehe, der mich wirklich überwältigt.
Genau so einen Moment gibt es zu Beginn des neuen Albums, gleich im ersten Lied As You Lie There, das mit einem ungewöhnlichen Akkord und ein paar Takten Sprechgesang beginnt:
I used to walk past your house
Every night, I'd look up at your window
The light was on
I saw your silhouette on the blind
Do you think of me?
Do I ever cross your mind?
Diese Zeilen sind das Warten in der Schlange, draußen vor der Halle, die Vorahnung; dann wiederholt er die letzte Zeile dieser Einleitung, "Do I ever cross your mind?", und diesmal singt er sie: Das ist der Moment, in dem ich die Halle betrete.
Das Album ist vor ein paar Monaten erschienen, und ich brauche immer eine Weile, bis ich mich äußern kann. Das wird hier auch keine Plattenkritik, dazu sind andere berufener. Was ich inzwischen aber sagen kann: Es ist für mich eins seiner besten Alben überhaupt. Zu den vielen Highlights zählen für mich neben dem erwähnten Opener das geradezu schmerzhaft nostalgische, nahezu gehauchte Days We Left Behind, das trippige Never Know und der unerwartete, gleich dreifache Höhepunkt am Schluss: First Star of the Night entsteht aus zwei simplen Tönen auf der akustischen Gitarre dermaßen unwiderstehlich, dass man sich in den behaglichen Zeilen "And I know my little world/Is still alright" für immer einrichten möchte; Salesman Saint erzählt in überhaupt nicht pappiger Weise vom Leben der elterlichen Kriegsgeneration – "Hot tea and cigarettes" ohne jedes anbiedernde "Wir hatten ja nüscht", die Trompete zu Beginn eine kleine Verbeugung vor Pauls Vater (der ihm als erstes Instrument eine schenkte), die rhythmisch versetzte Big Band am Schluss ebenso nostalgisch wie unkitschig: Kaum jemand bekommt das so hin wie McCartney. Und schließlich Momma Gets By als wehmütige Ballade, das kann er nun mal, wunderschön gesungen und von Klavier und Orchester begleitet. (Es wird übrigens viel zu wenig darauf eingegangen, dass Paul auch auf diesem Album wieder fast alle Instrumente selbst spielt, und dass das vollkommen natürlich und organisch klingt.)
Mit diesem großartigen Schlussakkord endet das Album – eigentlich, denn nun, wenige Monate später, erscheint eine erweiterte Ausgabe mit drei neuen Liedern (und einem eher redundanten zusätzlichen Mix des Duetts mit Ringo, das OK ist, aber in die Kategorie Dad Rock einsortiert werden darf). Mir hat weder dieses Vorgehen gefallen, das vermutlich Fans dazu bringen soll, das Album gleich noch einmal zu kaufen (das Gefühl kenne ich, habe es aber zum Glück hinter mir), noch die Aussicht, den dramaturgisch perfekten Aufbau zu verwässern, indem nach dem bezwingenden Ende ein paar Lieder angefügt werden, die es in der ersten Runde nicht geschafft haben.
Und das ist meine einzige Kritik: Alle drei neuen Lieder gefallen mir, eines sogar sehr – aber sie passen nur klanglich, nicht thematisch und nicht vom Spannungsbogen her auf das Album, das dadurch auch zu lang wird. Für sich betrachtet, als kleine Liedersammlung (gab es nicht mal das schöne Konzept der EP?), ist es das, was ich sehr gerne alle paar Monate von McCartney hätte. Genau wie ein Konzert, es wird wirklich Zeit.
Bis dahin tröste ich mich mit dem hinreißenden City Fox, ganz ähnlich dem oben erwähnten First Star of the Night entwickelt es sich aus zwei gezupften akustischen Gitarrentönen, und ich kann mich an so vielen Details erfreuen: Alles ist purer McCartney, der leise geklopfte Takt, die im rechten Moment einsetzende Orgel, das Spinett, die kleinen Gitarrenläufe an genau den richtigen Stellen – ich höre es tagein, tagaus und kann mir gar nicht vorstellen, dass es dieses Lied vor kurzem noch nicht gab, denn auf kuriose Weise ist es mir vollkommen vertraut.
Wirft man noch einen Blick auf die Lyrics, staunt man, wie er zu einem schwierigen Thema wie "Lady Luck underneath the streetlight" ohne jeden unpassenden Exploitation- oder "Oh, là là!"-Unterton die nächste kleine, feine Miniatur abliefert. Lady Luck, Lady Madonna, er hat ein Händchen für solche Frauenfiguren und entwirft mit wenigen Federstrichen eine nächtliche Szenerie, die nicht idyllisch ist wie bei Penny Lane, aber kaum weniger beeindruckend.
Genau so einen Moment gibt es zu Beginn des neuen Albums, gleich im ersten Lied As You Lie There, das mit einem ungewöhnlichen Akkord und ein paar Takten Sprechgesang beginnt:
I used to walk past your house
Every night, I'd look up at your window
The light was on
I saw your silhouette on the blind
Do you think of me?
Do I ever cross your mind?
Diese Zeilen sind das Warten in der Schlange, draußen vor der Halle, die Vorahnung; dann wiederholt er die letzte Zeile dieser Einleitung, "Do I ever cross your mind?", und diesmal singt er sie: Das ist der Moment, in dem ich die Halle betrete.
Das Album ist vor ein paar Monaten erschienen, und ich brauche immer eine Weile, bis ich mich äußern kann. Das wird hier auch keine Plattenkritik, dazu sind andere berufener. Was ich inzwischen aber sagen kann: Es ist für mich eins seiner besten Alben überhaupt. Zu den vielen Highlights zählen für mich neben dem erwähnten Opener das geradezu schmerzhaft nostalgische, nahezu gehauchte Days We Left Behind, das trippige Never Know und der unerwartete, gleich dreifache Höhepunkt am Schluss: First Star of the Night entsteht aus zwei simplen Tönen auf der akustischen Gitarre dermaßen unwiderstehlich, dass man sich in den behaglichen Zeilen "And I know my little world/Is still alright" für immer einrichten möchte; Salesman Saint erzählt in überhaupt nicht pappiger Weise vom Leben der elterlichen Kriegsgeneration – "Hot tea and cigarettes" ohne jedes anbiedernde "Wir hatten ja nüscht", die Trompete zu Beginn eine kleine Verbeugung vor Pauls Vater (der ihm als erstes Instrument eine schenkte), die rhythmisch versetzte Big Band am Schluss ebenso nostalgisch wie unkitschig: Kaum jemand bekommt das so hin wie McCartney. Und schließlich Momma Gets By als wehmütige Ballade, das kann er nun mal, wunderschön gesungen und von Klavier und Orchester begleitet. (Es wird übrigens viel zu wenig darauf eingegangen, dass Paul auch auf diesem Album wieder fast alle Instrumente selbst spielt, und dass das vollkommen natürlich und organisch klingt.)
Mit diesem großartigen Schlussakkord endet das Album – eigentlich, denn nun, wenige Monate später, erscheint eine erweiterte Ausgabe mit drei neuen Liedern (und einem eher redundanten zusätzlichen Mix des Duetts mit Ringo, das OK ist, aber in die Kategorie Dad Rock einsortiert werden darf). Mir hat weder dieses Vorgehen gefallen, das vermutlich Fans dazu bringen soll, das Album gleich noch einmal zu kaufen (das Gefühl kenne ich, habe es aber zum Glück hinter mir), noch die Aussicht, den dramaturgisch perfekten Aufbau zu verwässern, indem nach dem bezwingenden Ende ein paar Lieder angefügt werden, die es in der ersten Runde nicht geschafft haben.
Und das ist meine einzige Kritik: Alle drei neuen Lieder gefallen mir, eines sogar sehr – aber sie passen nur klanglich, nicht thematisch und nicht vom Spannungsbogen her auf das Album, das dadurch auch zu lang wird. Für sich betrachtet, als kleine Liedersammlung (gab es nicht mal das schöne Konzept der EP?), ist es das, was ich sehr gerne alle paar Monate von McCartney hätte. Genau wie ein Konzert, es wird wirklich Zeit.
Bis dahin tröste ich mich mit dem hinreißenden City Fox, ganz ähnlich dem oben erwähnten First Star of the Night entwickelt es sich aus zwei gezupften akustischen Gitarrentönen, und ich kann mich an so vielen Details erfreuen: Alles ist purer McCartney, der leise geklopfte Takt, die im rechten Moment einsetzende Orgel, das Spinett, die kleinen Gitarrenläufe an genau den richtigen Stellen – ich höre es tagein, tagaus und kann mir gar nicht vorstellen, dass es dieses Lied vor kurzem noch nicht gab, denn auf kuriose Weise ist es mir vollkommen vertraut.
Wirft man noch einen Blick auf die Lyrics, staunt man, wie er zu einem schwierigen Thema wie "Lady Luck underneath the streetlight" ohne jeden unpassenden Exploitation- oder "Oh, là là!"-Unterton die nächste kleine, feine Miniatur abliefert. Lady Luck, Lady Madonna, er hat ein Händchen für solche Frauenfiguren und entwirft mit wenigen Federstrichen eine nächtliche Szenerie, die nicht idyllisch ist wie bei Penny Lane, aber kaum weniger beeindruckend.
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