Mumien, Analphabeten, Diebe.
Du hast's gut, du hast dein Leben noch vor dir.
Mittwoch, 16. Juni 2010
Hu! Ha! Olé! Olá!
nnier | 16. Juni 2010 | Topic Brainphuq
Saragossa
Saragossa
Dort wo der Sommer daheim ist.
(Rex Gildo: Saragossa, M: Siegel, T: Meinunger)
Machu Picchu
Machu Picchu
Dort wo das Schweigen daheim ist.
(Dschingis Khan: Machu Picchu, M: Siegel, T: Meinunger)
Man muss ja sagen, dass Nicoles Sieg 1982 beim Grand Prix de la Chanson Eurovision nicht von ungefähr kam. Denn dass Ralph Siegel eine

Gott, nicht wieder so ein Gelaber. Worum es hier eigentlich gehen soll, ist Fußball, aber den Umweg über Bernd Meinunger müssen wir schon noch nehmen, den Texter, der so textete wie Ralph Siegel komponierte, und wenn man jemals eine alte Schlagerplatte in den Händen hatte, ist die Chance sehr groß, dass man dort auf das Gespann M: Siegel, T: Meinunger gestoßen ist, deren Krea- wohl nicht immer mit ihrer Produktivität Schritt halten konnte.

Ich hatte in meiner näheren Verwandtschaft eine Person, die der Gruppe Dschingis Khan auch dann noch die Treue hielt, als die Glanzzeiten (Er zeugte sieben Kinder / In einer Nacht) längst passé waren, und die also auch die späteren Langspielplatten bis Mitte der 80er stets treu erwarb. Nur dadurch kommt es, dass ich heute manchmal morgens Menschen nerve, indem ich mit übernächtigter Stimme über dem Müsliteller "Captain, Captain Nemo! Captain, Captain Nemo!" skandiere oder auch mal durchs Haus laufe und Kinder erschrecke, indem ich unvermittelt und lauthals lossinge: "Zwanzigtausend Meilen, tief am Grund des Meeres, Nautilus so heißt sein Schiff! Meeresungeheuer, Tiefseeabenteuer, unten am Korallenriff!"

Das allerdings ist eine für Herrn Meinunger eher untypische Themenwahl, denn eigentlich musste es doch, hu!, ha!, um raufende, saufende Brüder in den Steppen, edle Wilde oder grausame Herrscher gehen.
Du bist ein Schuft, selbst wenn es aus ist mit dir, lügst du noch,
Du Feigling! Verräter! Du Feigling! Verräter!
Nenn uns die Frau, für die du das alles tust, zieht ihn hoch!
Zieht ihn hoch! Zieht ihn hoch! Zieht ihn hoch!
Du Feigling! Verräter! Du Feigling! Verräter!
(Dschingis Khan: Der Verräter, M: Siegel, T: Meinunger)
Rünstig sind sie alle, diese fremden Völker, das wusste schon Karl May aus eigener Erfahrung, und auch Bernd Meinunger ist offenbar weit herumgekommen in der Welt. Auch über, oh là là!, das Wesen der Liebe, ihre verschiedenen Facetten (Liebe als intersubjektive Anerkennung, als seelisch-geistiges Prinzip etc. pp, man kennt das ja) hat er sich intensiv Gedanken gemacht und kam zu dem Ergebnis, dass die Frauen eh überall gleich sind:
Und jedes Weib, das ihm gefiel, das nahm er sich in sein Zelt (Ha! Hu! Ha!)
Es hieß, die Frau, die ihn nicht liebte, gab es nicht auf der Welt (Ha! Hu! Ha!)
(Dschingis Khan: Dschingis Khan, M: Siegel, T: Meinunger)
Nun wusste ich zum Glück bescheid, und wer weiß, wie mein Leben sonst verlaufen wäre. Wussten Sie übrigens, dass auch Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit von Dschingis Khan, dem erfolgreichsten Alphamännchen der Geschichte, abstammen? Sie brauchen sich bloß mal Ihr Y-Chromosom anzusehen!

Rein phänomenologisch betrachtet blieb dennoch die Frage: Wenn sich zwei Herzen finden, woher kommt'n das eigentlich? Und diese gerade auch für einen Heranwachsenden wichtige Frage, um hier endlich mal den Bogen zur schönsten Nebensache der Welt zu bekommen, oh, ich bitte um Entschuldigung, diese Formulierung hätte ich niemals verwenden dürfen, ich meine: wir schreiben das Jahr 2010, da kann man doch nicht ankommen und sagen: "Die schönste Nebensache der Welt", jedenfalls wurde diese Frage damals von Karl-Heinz Rummenigge, Paul Breitner, Klaus Fischer, Horst Hrubesch et al. folgendermaßen beantwortet:
Es kommt vom Vino und vom Flamenco
Von den Canciones und von Amor.
(Michael Schanze und die deutsche Fußball-Nationalmannschaft: Olé España, M: Siegel, T: Meinunger)
Diesen großartigen Hit sang man damals auf den Schulhöfen, und wer zwar nie genug Geld für die Klassenfahrt hatte, aber dafür stets die teuren Nike-Schuhe trug, der besaß auch die unfassbar teure Cassette mit Michael Schanze und der deutschen Fußballnationalmannschaft (Gaststar: Lena Valaitis), die man dann mit den überall herumstehenden Cassettenrecordern anhörte, bis sich die Lieder so tief ins Hirn fraßen, dass man auch heute noch locker Kinder traumatisieren könnte, indem man sie mit Dingen wie "Ja, heut spielt Buda gegen Pest / Und wer verliert, der traut sich nicht mehr nach Haus" konfrontiert, oder indem man Geiseln nimmt und sich an der Gesellschaft dafür rächt, dass seit 28 Jahren folgender Schmonzens nicht aus dem Gedächtnis getilgt werden kann:
Kinder Kinder Kinder
Wir warn alle mal Kinder
Und ein Kind das braucht Liebe
Damals so wie heut
(Michael Schanze und die deutsche Fußball-Nationalmannschaft: Kinder Kinder Kinder, M: Siegel, T: Meinunger)
Es machte übrigens großen Eindruck auf uns Kinder, mit welchem Enthusiamus Felix Magath und Hans-Peter Briegel, Klaus Fischer und Karl-Heinz Förster, Uli Stielike und Eike Immel, Manni Kaltz und Jupp Derwall drauflosschmetterten:



Man merkte bei jeder Silbe, dass das nicht so eine blöde Kommerzgeschichte war, nicht irgendwie aufgesetzt und künstlich, sondern dass Musik da wirklich gelebt wurde und eine innere Begeisterung geradezu leuchtete, warten Sie, hier sieht man's eigentlich noch besser:



So konnte man junge Menschen nicht nur für den Fußball, sondern auch fürs gemeinsame Singen begeistern, und das war doch gerade in dieser Zeit und sollte man eigentlich auch heute, oder doch, oder nicht.

Man achte übrigens auf Felix Magath und Ronald Borchers. Sollte es irgendwann zu einer mysteriösen Mordserie an Ralph Siegel und Bernd Meinunger kommen, würde ich mir diese beiden Herren mal genauer ansehen. Ich will nichts gesagt haben.

(Aus der Serie: Stream-of-Consciousness-Blogging)

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