Mumien, Analphabeten, Diebe.
Du hast's gut, du hast dein Leben noch vor dir.
Montag, 14. Juni 2010
Hurst kam nur bis Huntlosen
nnier | 14. Juni 2010 | Topic In echt




Schiedsrichter haben's schwer, darüber herrscht hier weitgehende Einigkeit, und ich bin immer wieder gerührt, wie zivilisiert und unaufgeregt es bei den Mädchenfußballspielen zugeht. Schließlich stehen da auch in der Rolle des "Unparteiischen" oft junge und unerfahrene, z.T. auch unsichere Menschen auf dem Platz, die erst mal ihre Erfahrungen sammeln müssen. Und überhaupt bin ich, wie ich sicher schon mal anmerkte, äußerst angenehm überrascht davon, wie wenig verbissen die meisten Eltern sind, so dass man sich auch mit den Begleitern der gegnerischen Mannschaft entspannt unterhalten und unabhängig vom Spielergebnis immer freundlich auseinandergehen kann.



Fährt man beispielsweise mal wieder in die Pam aufs Land, wo ein Mädchenfußballturnier stattfindet, dann kann man entspannt lächelnd dabei zusehen, wie die jungen Spielerinnen 1:0 gewinnen, und dann gleich noch einmal 1:0. Auch beim folgenden 2:0 freut man sich natürlich mit, und wenn dann auch das letzte Gruppenspiel gewonnen wird (5:0), klopft man den Eltern der unterlegenen Mannschaft aufmunternd auf die Schultern und versichert sich gegenseitig, dass es ja nicht nur ums Gewinnen geht. Schönes Spiel, sagt man, und, Mensch, denkt man, wie haben die sich entwickelt, das sind ja richtige Pässe, die da gespielt werden, man möchte gar von Spielzügen reden! Die Tore sind da gar nicht so entscheidend. Vor dem Endspiel liegt jetzt nur noch das Halbfinale, Erster aus Gruppe B gegen Zweiten aus Gruppe A, man kennt das ja und ist zuversichtlich, auch vor diesem Spiel die Torhüterin gerade noch rechtzeitig irgendwo bei der Rutsche oder ganz da hinten bei der Schaukel auftreiben zu können, denn der Zeitplan ist rigide und wird, "Schiedsrichter! Anpfiff!", über Lautsprecher auch gnadenlos durchgetaktet.



Ja - die Schiedsrichter haben nicht unerheblichen Anteil am Zustandekommen und Gelingen eines solchen Turniers, das ist hier jedem klar, und ein wenig verständnislos erinnert man sich deshalb an Kampagnen wie jene aus den 80er Jahren: Sei fair zum 23. Mann! Ohne Schiri geht es nicht. Ist denn so etwas nicht selbstverständlich? Niemand ist ohne Fehl, und der Schüler, der das Halbfinale pfeift, ich meine: gut, er kann nicht alles sehen, und das Foul da eben hätte er aber pfeifen müssen! Mann! Die hat den Arm da schon wieder draußen, das gibt's doch nicht, sonst ist unsere doch durch und rennt alleine aufs Tor zu! Und statt dessen greifen jetzt die anderen an, oh, aufpassen, Lattenknaller! - Uff, zum Glück nur vor die Linie, he he, ich sag nur: Wembley, he he, WAAS? TOR? EY! SCHIRI! EY! SCHIRIII! DAS GIBT'S DOCH NICHT! EY! DER WAR NIE DRIN! DAS KANN DOCH NICHT WAHR SEIN! EY! DER BALL SPRINGT DOCH NACH VORNE WEG! EYYY! DAS WAR NIE EIN TOR! NIE! WAS IST DAS DENN! EY! ICH FASS ES NICHT! DAS KANNST DU DOCH NICHT MACHEN! DAS HAT JEDER GESEHEN! JEDER! EY! MANN! DAS KANN DOCH NICHT DEIN ERNST SEIN! EY! SCHIRIII!, und da diese Argumente erstens objektiv richtig waren und zwei-, doch, die anderen Eltern sollen still sein, die haben keine Ahnung, da diese Argu-, doch, die haben keine Ahnung, haben die! Keine! Und vorher die Fouls hat er auch schon nicht gepfiffen! Unsere ist da doch durch und macht das Tor, wenn eure nicht schon wieder den Arm raus- ach, wenn man keine Ahnung hat, sollte man lieber - bitte, gut, dann habe ich keine Ahnung, schon klar, wenn also diese Argumente erstens objektiv richtig waren und zweites den Schiedsrichter dazu bringen, seine Fehlentscheidung noch mal zu überdenken und das sogenannte in Anführungsstrichen Tor doch nicht zu geben, dann gewinnt man so ein Spiel schließlich hochverdient und steht im Finale. Die paar protestierenden Eltern ("Unmöglich ist das von euch! Unmöglich! Den Schiri so unter Druck zu setzen! Der hatte das Tor gegeben!") lächelt man fröhlich an, erklärt noch einmal, dass das aber ganz objektiv kein Tor war, geht kurz zum Auto und freut sich aufs Endspiel.



Kommt man dann zurück und die beiden Mannschaften stehen schon wieder auf dem Platz, dann ahnt man, dass etwas passiert sein muss. "Das Spiel wird wiederholt", wird einem triumphierend entgegengeschleudert, "wir haben uns bei der Turnierleitung beschwert!", und irgendwo ganz tief drinnen denkt man, dass das wohl auch richtig ist. Eine Tatsachenentscheidung darf nun mal nicht zurückgenommen werden. Und so war das ja auch nicht gedacht gewesen, man muss doch aber irgendwie seinen Unmut loswerden, und das war doch nun definitiv eine krasse Fehlentschei-, ja, natürlich, der war nie und nimmer drin! Der knallt an die Latte und landet vor der Torlinie, springt dann wieder zurück ins Feld, das ist doch schon physikalisch - JAAAAAH! JAAAAAAAAAH TOOOOOOOOOOOR! He, he. Dann gewinnen sie eben nochmal. He he. Damit auch alles seine Ordnung hat, he he. Ich hätte mich ja nicht beschwert bei der Turnierleitung, ich finde das irgendwie peinlich, aber gut, he he, dann gewinnen sie jetzt eben ganz regulär noch mal, he he, das Spiel ist gleich vorbei, und ganz ehrlich: eure haben auch nicht schlecht ge - HAU IHN WEG! HAU DEN BALL WEG! SCHIESS IHN EINFACH INS AUS! PASS AUF! NEIIIIIN! NEIIIIIIN!



Das Elfmeterschießen gewannen die anderen, und dann auch das Endspiel. Ich meine, ich gönne das denen, und man kann ja nicht immer gewinnen. Dritter Platz ist doch super! Und, hey, dass ihr überhaupt noch angetreten seid beim Spiel um den dritten Platz - nach dem Elfmeterschießen dachte ich ja, ihr steht nie wieder auf. Ist doch toll, dass ihr dann noch so gut gespielt habt. Ihr werdet immer besser. Man kann ja nicht immer gewinnen. Aber das war nie ein Tor, nie und nimmer!

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