Mumien, Analphabeten, Diebe.
Du hast's gut, du hast dein Leben noch vor dir.
Mittwoch, 29. Oktober 2008
Totes Hirn
nnier | 29. Oktober 2008 | Topic Klar jewesn
Heute hatte ich's ja schon kurz von der taz, nach der Online- habe ich ausnahmsweise aber auch noch die papierne Ausgabe gelesen, gründlich gelesen, denn ich war mal wieder da, wo ich, um eine knappe Stunde zu überbrücken, Industrieapfelkuchen esse und Papierzeitungen lese, gründlich lese, und las also mit einigem Vergnügen in einer "KOLUMNE VON JOSEF WINKLER" unter anderem folgende Zeilen:
Ich wandte mich an die Supermarktfachkraft, die [...] auf meine Frage "Haben Sie auch Blutorangen?" mit einem halbwegs barschen "Haben wir WAS?" antwortete (Noch besser hätte ich gefunden, wenn sie gebellt hätte: "ICH stelle hier die Fragen!" [...] Zum Beispiel werden immer noch Krimis gedreht!, in denen der Kommissar irgendwann sagt: "ICH stelle hier die Fragen!" Wie vorletzten Sonntag im "Tatort" mit Klaus Behrendt. Mich würde interessieren, was sich ein Kommissarsdarsteller denkt, wenn ihm ein Drehbuchautor im Jahr 2008 den Satz "ICH stelle hier die Fragen!" in den Mund legt) [...] Ich kann nicht sagen, dass mich Uschi Glas oft in Staunen versetzt hätte, aber dies eine Mal doch. Als sie nämlich beim Vorbeizappen in einer Talkshow über ihre Kindheit sprach und meinte, es sei ja nicht leicht gewesen für sie, in den 50ern in der bayerischen Provinz, "evangelisch und als Neger". Wie gesagt: Ich staunte. Mir war einfach bis dahin nicht bewusst, dass Uschi Glas ein Neger ist. Mir ist es in der Tat immer noch nicht so recht bewusst. Es will, wie man so sagt, nicht in meinen Kopf rein, dass Uschi Glas ein Neger sein soll.
Und so was Lustiges, gut Geschriebenes steht in einer Zeitung, die es anscheinend auch lustig findet, ihrem großen Nachbarn in Berlin nachzueifern:
was fehlt ...
...einer toten Oma die frische Luft
Ihre Nächstenliebe wurde einer 83-jährigen Rentnerin zum Verhängnis: Einen stillen Tod fand sie in ihrem eigenen Bettkasten ohne Aussicht auf einen würdevollen Abschied. [...]
Da könnte ich den Apfelkuchen auch gleich wieder auskotzen. Was für ein Arschloch denkt sich so eine Überschrift aus? Oder gehen die taz-Redakteure nachts im Hinterhof von Kai Diekmanns Schmuddelpostille containern?

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I'm warning you with peace and love
nnier | 29. Oktober 2008 | Topic Klar jewesn
Es gibt eine Simpsons-Episode, in der Ringo Starr Jahrzehnte nach der Beatlemania in seinem herrschaftlichen Anwesen sitzt. Sein Tagwerk besteht darin, fleißig die Fanpost aus den 60er Jahren zu beantworten. Meiner Erinnerung nach ist es für ihn in dieser Folge eine Frage der Ehre, keinen Brief unbeantwortet zu lassen, und wenn es noch so lange dauert.

Als Zeichentrickfigur sagt sich das so einfach; wenn man in der letzten Zeit überhaupt mal was vom echten Ringo gehört hat, dann vermutlich, dass ihm der Kopf abgeschlagen wurde oder dass er künftig nicht mehr auf Autogrammpost antworten will. Letzteres brachte er wirklich charmant in einem Filmchen auf seiner Homepage zum Ausdruck:



("Anyway, peace'n'love, peace'n'love!") Die Liverpooler regen sich auf, die Fans sind sauer, und da geht dann auch das übliche Gekloppe los ("er war der untalentierteste Beatle ... kann froh sein, dass er mitmachen durfte ...") und zugleich werden die üblichen Besitzansprüche erhoben ("er lebt ja von den Fans ... er sollte dankbar sein ..."). Wen's interessiert, der lese nur mal unter dem oben eingebundenen Video und dessen vielen Kopien bei youtube nach, was die Leutchen da so von sich geben; da reißt nämlich, wie so oft, wenn der Bär mal nicht tanzen will, die dünne Hülle des begeisterten Fans auf und eine gierige Fratze kommt zum Vorschein, die ihre Ansprüche auf eine so unverschämte Weise artikuliert, dass Ringos etwas harsch daherkommende Botschaft im nachhinein umso berechtigter wirkt. Und überhaupt ist mir das gar nicht so unsympathisch. Forscht man mal nach, dann erfährt man, dass er bisher äußerst zuverlässig Autogrammkarten verschickt bzw. eingeschickte Objekte (wie Bücher etc.) signiert hat, und dass sich einige Einsender für besonders clever hielten, die das Zeug in großen Massen erst an ihn geschickt und dann teuer über ebay verkauft haben. Und macht so was hier Spaß? Jeden Tag?



"Ebay, here it comes! ... I don't wanna see any of you guys gonna come back!" Nun hat er sich mal im falschen Moment selbst gefilmt und das gleich auf seine Website gestellt. Tja.

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Warum nicht?
nnier | 29. Oktober 2008 | Topic Klar jewesn
[Konstantin] Wecker ist insofern eine solitäre Figur in der populären Kunst, weil kaum ein anderer die Unvereinbarkeit der Ziele von 1968 so auf den Punkt gebracht hat wie er: das soziale und sozialistische Weltverbessern und einen maßlosen, kapitalistischen Individualismus. [...]
Vor dem Weinen rettet nur noch der Gedanke an die Geschichte, in der Wecker ein Groupie mit ins Hotelzimmer nahm, bekam, was er wollte, Rührei für sich und sie bestellte - und am Ende auch ihr Rührei komplett aufaß. Stimmt die Geschichte? Er könne sich nicht mehr erinnern, hatte Wecker im Hotel gesagt. Und fidel so was hinterhergebrummt wie: Aber warum sollte es nicht so gewesen sein?
(Peter Unfried in der taz über einen, den ich nur höchst oberflächlich kenne.)

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