Mumien, Analphabeten, Diebe.
Du hast's gut, du hast dein Leben noch vor dir.
mehr meines mich
nnier | 26. Oktober 2012 | Topic Sprak
Da in Bochum über die Frage wann der nächste Bundesvorstand gewählt werden soll, ist es notwendig mit offenen Karten zu spielen. [Q]
Was sich für manch einen lesen mag wie ein achtlos dahingeworfener Verbalbrocken, offenbart seine Schönheit bei genauerer Betrachtung der inneren Struktur:

Da in Bochum
/über die Frage
/wann der nächste
/Bundesvorstand gewählt werden
/soll ist es
/notwendig mit offenen
/Karten zu spielen

Da die Verfasserin so souverän mit Umlautpünktchen (man beachte die Schreibung des Dokumentennamens im verlinkten pdf!), ist es notwendig, mit offenen Ohren zu lauschen:

Da in Bobo
/ über Fafa
/ wanne nänä
/ Buvo wäh wäh
/ solle isse
/ note offe
/ Karte spiele


Ich stehe auf sowas. Man nennt es: Latente Sinnstruktur. Ihr langweiligen Spießer!

So, und um gleich noch dem naheliegenden Vorwurf zu begegnen, das gehe in dieser dehumanisierten Bürokratensprache aber völlig unter: Schaut doch einfach mal genau hin!
Dass jedoch jeden Tag mehr die Anpassung meines Denkens und Handelns an eine alte Politikervorstellung notwendig zu werden scheint, die ich ablehne und nicht bereit bin zu vollziehen, ist ein Umstand, dem ich mich nicht länger aussetzen möchte. [Q]
Das ist nichts anderes als ein fulminantes Protestgedicht:

ablehne alte
/ an Anpasung aussetzen
/ bereit bin, dass dem Denkens
/ die die ein eine
/ Handelns ich ich ist
/ jeden jedoch länger
/ mehr meines mich
/ möchte nicht nicht
/ notwendig Politikervorstellung scheint
/ Tag Umstand und und
/ vollziehen werden
/ zu zu


Morgen gehe ich "Klick mich" kaufen, hoffentlich haben die noch ein Exemplar da.

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hora sexta, Freitag, 26. Oktober 2012, 19:06
"Arbeit gestalten" wollen, das kann nicht gutgehen.

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nnier, Samstag, 27. Oktober 2012, 21:10
Eine "alte Politikervorstellung" (wohl eher: Eine überholte bzw. überkommene Vorstellung von einem Politiker bzw. einer Politikerin) meinerseits besteht jedenfalls darin, dass diese in eben jener leblosen Bürokratensprache solche aufgeblasenen Allgemeinplätze von sich geben. Immer schön von oben herab ("widme ich meine Zeit"), und dann diese hilflos verhedderten Konstruktionen, nominalisierte Verben anstelle von Ich-Aussagen: Da wird die Anpassung des Denkens und Handelns an eine Vorstellung von etwas notwendig bzw. scheint es zu werden, das alles zusammen ist ein Umstand, dem, ächz. Womit nichts gegen komplexen Satzbau an sich gesagt sein soll. Hier aber ist es reiner Popanz, da wird mehr verborgen als ausgedrückt.

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hora sexta, Samstag, 27. Oktober 2012, 22:32
Sehr unangenehm ist die Vorstellung, dass die ganze rumpelige Kompliziertheit genau abbildet, wie so ein Politiker, hm, arbeitet (um nicht zu sagen: "funktioniert"). Kein taktisches Schauspiel, sondern die blanke Natur.

Heute eine Stunde länger schlafen! Ich muss das jetzt gleich genießen.

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nnier, Sonntag, 28. Oktober 2012, 17:05
Es ist ja nun mal die Krux, dass Politik sich mit Sachverhalten befassen muss, die sich nur sehr allgemein und damit eben auch abstrakt ausdrücken lassen. Zwar werden bei passender Gelegenheit gerne schwäbische Hausfrau, Facharbeiter und Krankenschwester hervorgekramt, um irgendwas zu illustrieren. Oder man simuliert Bodenständigkeit, indem man in den heimischen Dialekt verfällt.

Grundsätzlich aber müssen sie (ähnlich wie die Justiz) die Dinge natürlich so allgemein verhandeln, dass es schnell blutarm und lebensfern wirkt. Das halte ich Politikern immer zugute, wenn sie von blöden "Jetzt-mal-ehrlich"-Moderatoren angehalten werden, dem traurigen Herrn X aus dem Einspielfilm zu sagen, wie sie ihm in seiner ganz konkreten Lebenssituation zu helfen gedenken. Ich wünschte mir da manchmal den Mut, dass so jemand sagt: Was weiß denn ich, wie der Herr X. einen neuen Job finden soll! Das ist gar nicht meine Aufgabe, und ich will auch nicht so tun, als könnte ich es!

Leider lässt sich vernebelnde Schwurbelsprache so schwer davon unterscheiden. Man gewöhnt sich als Sprecher anscheinend schnell daran, vielleicht um sich zu schützen, um eben gerade nicht Stellung beziehen zu müssen, um sich hinter Zwängen und Konzepten und Konstrukten so sehr zu verbergen, dass man als Person nicht mehr erkennbar wird. Das da oben ist für mich so ein Beispiel. Wer erwartet angeblich von ihr, ihr Denken woran anzupassen, welchem Bild genau zu entsprechen, und was wäre daran das Problem? Das sind nur die ersten Fragen, die mir zum zentralen Satz einfallen.

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kid37, Freitag, 26. Oktober 2012, 20:36
Ich übe ja seit neuestem das Auf High Heels aus einem besetzten Haus-Laufen, scheint das doch ein betont lässiges Vergnügen für junge Politikvorstellungen zu sein. Falls das dadaistische werk schon ausverkauft sein sollte, hier die Inhaltsangabe.

(Bevor Sturmscheißer kommen: oben fehlt ein umgeht, hantiert, jongliert, wirbelt, pirouettiert, iphoniert oder ähnliches.)

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monnemer, Samstag, 27. Oktober 2012, 16:32
"Um 'stille Stübel schleicht des Monds
barbarisches Gefunkel -
im Gäßchen tief im Osten wohnt,
die Schramm mit ihrer Kunkel.

Die spinnt und spinnt. Was spinnt die wohl?
Die spinnt und spintisieret..."


dreht seit der Lektüre hier jetzt seine Runden in meinem Kopf, Sie Galgenbruder!

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