Mumien, Analphabeten, Diebe.
Du hast's gut, du hast dein Leben noch vor dir.
Call me Kindskopf
nnier | 21. Januar 2009 | Topic 'umor & more
Wenn Sie heute früh jemanden gesehen haben, der mit sich selbst gesprochen und dabei dümmlich gegrinst hat, zwischendurch in lautes Lachen ausgebrochen ist, dann muss ich das gewesen sein, während ich gerade über einen Grundpfeiler meines bisherigen Lebens nachdachte; nennen wir ihn "verzögerten Humor". So war es in der Schule ein populärer Spaß, jemandem die Federmappe wegzunehmen und sie auf den Boden oder sonstwohin zu legen.

Für mich stellte sich der eigentliche Genuss aber nur dann ein, wenn folgendes Szenario gegeben war: Der Besitzer der Federmappe ist für einen Augenblick unachtsam; man nimmt sie und legt sie auf den Spalt zwischen zwei Tischen; wenn er dann nach der Federmappe greifen will, zieht man ein wenig am Tisch, so dass sie abstürzt. Das ist noch viel komischer, wenn derjenige schon weiß, was kommt, und trotzdem noch versucht, schneller zu sein. Der verzweifelte Gesichtsausdruck, die kurz aufkeimende Hoffnung, schnell genug zu sein, der Griff ins Leere - ein Spiel, über das ich zuverlässig lachen konnte und mit dem ich auch bei den Lehrkräften stets für ein fröhliches Schmunzeln sorgen konnte, auch wenn ich zum dreihundertsten Mal fünf Minuten lang wiehernd über diesen Spitzenwitz gelacht habe.

Jahre vorher, auf dem Brauereifest, sah ich mal einen kurzen Super-8-Film mit Tom & Jerry. In meiner Erinnerung passierte folgendes: Tom verfolgt Jerry auf einem Hausdach, rutscht ab und krallt sich an der Dachrinne fest. Er baumelt über dem Abgrund, Jerry kommt ganz gemütlich an, Tom steht die Angst ins Gesicht geschrieben, Jerry zückt lächelnd eine lange Holzlatte und schlägt damit Tom auf die Pfoten.

Ich hatte schon einige Zeichentrickfilme gesehen, aber was jetzt kam, hat mich verändert. Tom schrie nicht etwa los, sondern lief nur rot an, unterdrückte das Schreien, seine Pfoten blähten sich sehr dick auf, dann öffneten sich Überdruckventile, Dampf entwich, die Pfoten sahen wieder normal aus, der Gesichtsausdruck entspannte sich. Und dann schrie er los und sauste wie eine Rakete zum Himmel.

Es kann sehr gut sein, dass die Szene nicht ganz genau so zu finden ist, sondern dass sich in der Erinnerung manches verdichtet und verändert hat - zumindest habe ich sie so nie wieder gesehen. An diesem Tag jedenfalls wurde mein Leben bereichert. Und ich habe mich geistig seither nicht weiterentwickelt.

Denn dieser verzögerte Humor ist seit diesem Tage fest einprogrammiert - als ganz simples Reiz-Reaktions-Schema. Ich muss lachen, wenn jemand über eine Klippe läuft, in der Luft weiterrennt, es dann bemerkt, erschrickt und dann erst abstürzt. Ich muss lachen, wenn jemand wegrennt und sein Schatten läuft ihm hinterher. Da ist es natürlich klar, dass ich irgendwann mit Tex Avery bekannt werden musste: So sah ich im Fernsehen eine Geschichte, in der ein gutmütiger, großer Hund von einem Bären gegen sehr gute Bezahlung angestellt wird, um dessen Winterschlaf zu bewachen. Der cholerische, geräuschempfindliche Bär schreit den Hund an: "Wenn ich nur ein einziges Geräusch höre und davon aufwache, dann SUCHE ICH MIR EINEN ANDEREN HUND! GUTE NACHT!" - ein fieser, kleiner Hund neidet dem großen seinen guten Job und versucht, ihn durch böse Tricks zur Lärmerzeugung zu verleiten, auf dass er vom leichtschlafenden Bären gefeuert werde, indem er z.B. den Türgriff mit einem Bunsenbrenner zum Glühen bringt, der große sich daran die Pfoten verbrennt und natürlich nicht schreien darf. Er muss erst ganz weit weglaufen und kann dann endlich vor Schmerz losbrüllen. Diesen Witz gibt es dann in jeder denkbaren Variante - z.B. entkorkt der arme Hund beim nächsten Mal eine leere Milchflasche, schreit lautlos hinein, stöpselt die Flasche zu, bringt sie auf einen Berg, öffnet sie dort und erst jetzt kommt der laute Schrei heraus. Diesen Film habe ich leider nie wieder gesehen, bin mir aber relativ sicher, dass er von Tex Avery sein muss, denn das hier und das hier ist durchaus vergleichbar.

Eine noch frühere Variante dieses Scherzes fällt mir just in diesem Moment ein (ich schreibe live): Ein uralter Film mit Laurel & Hardy. Einmal muss Stan in einem feinen Haushalt putzen, der Eimer mit der Seifenlauge fällt um, alles läuft in eine Orgel. Nun setzt sich Stan an das Instrument, spielt, aber man hört nichts. Statt dessen steigen Seifenblasen auf. Und wenn eine platzt, hört man einen Orgelton.

Hi hi.

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jean stubenzweig, Mittwoch, 21. Januar 2009, 12:59
Da lache ich unbedingt und gerne mit, manchmal mich kringelig, besonders beim klassischen Zeichentrick. Aber ich bin ohnehin ein Kinderfilmundfernsehgucker, über den einige den Kopf schütteln. Das ist das schöne daran, älter sein zu dürfen: Man muß sich nicht mehr erklären.

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