Mumien, Analphabeten, Diebe.
Du hast's gut, du hast dein Leben noch vor dir.
Montag, 12. Februar 2018
71@71:#07
nnier | 12. Februar 2018 | Topic Musiq


Ist doch nett! Und gut zu wissen, wenn man selber nicht mehr so kann, übernehmen die jungen Frauen. Mal mit Gitarre, mal mit Heuschnupfen, die finden schon ihren Zugang zu einem Lied, das ich erst gar nicht in meine Liste aufnehmen wollte: Zu offensichtliche Wahl, und zwischendurch dachte ich, dass die übetriebene Lobpreisung dem Lied nicht guttut.



Hilft nichts, es ist ein schönes Stück Ballade, von dem viele sagen, es hätte auch auf eines der letzten Beatles-Alben gepasst. Der Ansicht bin ich nun gar nicht und mag es mir weder perfekt produziert auf Abbey Road vorstellen noch als Stückwerk auf Let It Be mit einem desinteressierten John am Bass und einem schlecht gelaunten George, dessen Gitarrensolo Paul dann doch nicht gut genug ist.

Später hat er das Lied auskomponiert und ein paar trillernde Verzierungen am Piano eingebaut, es hat inzwischen einen richtigen Anfang und ein ebenso professionelles Ende. Schön und gut - mir aber gefällt auch hier am besten die Heimstudioatmosphäre des Originals: Ungeschickt eingeblendet, klingt es zeitweilig nach einem gut eingespielten Ensemble mit respektablem Klavier und feinen Gitarrensoli - auch wenn man weiß, dass Paul hier wieder mal Spur nach Spur alleine aufnimmt; und auch seine verschiedenen Gesangsstimmen weiß er einzusetzen, inklusive erprobter "Oh! Darling"-Power.

Am Ende etwas Orgel drüber, und bevor es auseinanderfällt, wird genau so ruppig ausgeblendet wie es am Anfang hineinging: Solche Melodien kommen einfach aus ihm raus, und wenn alle anderen das Lied auch toll finden, kann ich's nicht ändern.

Platz 7: Maybe I'm Amazed (1970)

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Sonntag, 21. Januar 2018
71@71:#08
nnier | 21. Januar 2018 | Topic Musiq


Das hier muss man durchhören. Es geht verhalten los mit Pauls Bass, doch die kurz darauf einsetzende, wunderbar verzerrte E-Gitarre macht gleich mal klar, dass hier gründlich verjüngt wird.

Auf den Adult-Contemporary-Pop der späten 80er und die verhalten akustische Mittneunziger Friends-and-Family-Scheibe Flaming Pie war ein tiefer, privater Einschnitt gefolgt, ein aufgelöster Fanclub und die Frage, ob es das nun tatsächlich gewesen ist.

Als unverhoffter Gruß aus der Trauerphase wies dann ein (tolles, aber weithin ignoriertes) Rock'n'Roll-Album weit zurück in die Vergangenheit, wie auch ein Auftritt im Cavern Club, unterstützt von gleichaltrigen Kollegen wie Dave Gilmour und Ian Paice. Und warum nicht, dachte man, soll dem denn immer noch dauernd etwas Neues einfallen? [Schuldigkeit getan usw., das muss man ja nicht alles extra ausformulieren.]

Als nicht lange darauf doch noch ein "richtiges" neues Album erschien, mit neuer Band, so jungen Garagenrockern anscheinend, war ich baff. Es verkaufte sich schlecht, Radio-Hits gab's ohnehin nicht mehr; und nicht alle Songs auf Driving Rain sind toll.

Na und - Experimente können danebengehen, sonst wären sie keine. Aber dass er immer noch experimentiert hat, mit fast 60 Jahren, das hat mich sehr gefreut, und so manches Lied von diesem Album weht mich frisch in den Tag, bläst die Gehörgänge frei und den Staub aus den Augenwinkeln.

Hört euch die E-Gitarre an, so würde ich gerne spielen können: Distortion ganz hoch regeln und voll rein in die Akkorde. Trotzdem läuft das Lied durch die Strophen erst mal vor sich hin, auch der erste Refrain ist nicht weiter aufregend und ganz geradeaus mit der bekannten, hohen, sauberen Stimme gesungen.

Dann steigert sich das langsam, und glaubt mir: Ich küsse den Boden, so gerne höre ich dabei zu, wie Paul nach und nach auch mit der Stimme auf Distortion geht. Wie sich die Intensität steigert, wie er als die eigene Begleitstimme immer mehr Gas gibt, bis am Ende ein heiseres Schreien bleibt, das ist für mich der Moment in seiner späten Karriere, der ihn noch mal als ganz großen Sänger zeigt. Danke, Gott, dass diese Stimmbänder so lange halten.

Platz 8: Lonely Road (2001)

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Montag, 8. Januar 2018
71@71:#09
nnier | 08. Januar 2018 | Topic Musiq
Das hier erinnert mich immer an Miles Davis. Der konnte alles, und seine größten Anhänger, so höre ich, verehren ihn besonders für diejenigen Stücke und Stellen, an denen er etwas gerade nicht tut. Man hört das Lied, man weiß: Es könnte jetzt eine hochkomplexe Figur kommen, eine wilde Verzierung, und dann spielt er den Ton ganz schlicht geradeaus. Also keine Ahnung, wer Miles Davis ist und was der so macht, aber das nimmt mich sehr für ihn ein.



Ich hab's schon ein paar mal angesprochen, ich habe eine Ader für die skizzenhaften, hingeworfenen, gerade nicht zu Ende komponierten, gerade nicht glatt- und kaputtproduzierten Stücke. Der Start klingt wie ein Artefakt von der mechanischen Aufnahmetaste des Cassettenrecorders, man beginnt mit verhalltem Klaviergeklimper, es folgen ein paar seltsame elektronische Töne mit Hintergrundgespräch aus dem Studio, es gibt einen Fehlstart, egal - weiter, drei, vier: Ram on, und dass da jemand die Ukulele eher liebt als beherrscht, macht mir den Song umso sympathischer. Die Nicht-Sängerin Linda M. darf ein paar Harmonien singen und tut das ganz wunderbar. Bisschen pfeifen noch und dann zügig ausblenden, hier gibt es ja keine Bridge oder einen Refrain oder so etwas, das ist einfach eine Songidee; und es gibt Tage, da denke ich, es gibt nichts Schöneres.

Platz 9: Ram On (1971)

Natürlich, Sie haben genau hingehört, so bei 1:30, da simuliert Paul für ein paar Sekunden eine Trompete: Wie beiläufig das ist!, und wie genau richtig das ist!, diese paar Sekunden. Oder spielt da dieser Miles Davis?

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Montag, 1. Januar 2018
Quo
nnier | 01. Januar 2018 | Topic Margaretha
Kaum schaue ich auf die Uhr, ist schon 2018. Sie alle sind hoffentlich gut herübergekommen!

Hier war richtig was los auf den Straßen, ich bin gegen Mitternacht glatt noch mal wachgeworden. Beim Neujahrsspaziergang fiel mir ein, wie ich früher manchmal gebloggt habe. Dann merkte ich, dass ich mein Passwort fürs Blog nicht mehr wusste.

2017 zusammengenommen, soviel habe ich in anderen Jahren pro Woche geschrieben, das ist mal klar. Schade eigentlich, dass man gerade die Sachen weglässt, die einem Freude gebracht haben. Aber ich war oft zu müde, bin es letzte Nacht ja auch gewesen. Schnell ist man aus der Übung, wie hast du das früher gemacht, dir ist manchmal richtig etwas eingefallen.

Gerne schlendere ich durchs Dorf und freue mich, dass nicht alle Hütten verlassen sind. Selten mache ich mich bemerkbar: Aber es wärmt mich ungemein, wie mancher unverdrossen weitermacht.

"Geschlossen" hänge ich nicht in die Tür, vielleicht schaut jemand zwischendurch auf einen Tee vorbei. Mal schauen, wie das hier so weitergeht.

Ein gutes neues Jahr allerseits!

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Freitag, 6. Oktober 2017
71@71:#10
nnier | 06. Oktober 2017 | Topic Musiq


Oo, schon Oktober, Zeit für den Herbstbeitrag. Und wir betreten die Top Ten dieser kleinen Serie!

[Grillenzirpen]

Ich bin inzwischen so alt wie Paul war, als ich ihn das erste Mal live sah.

[Zirp]

Ist es eigentlich zu fassen, dass er mit 28 Jahren den gesamten kosmischen Trip mit den Beatles bereits hinter sich hatte?

[Zirp]

Dass man dieses ganze lange Musikerleben seither als "Danach" denkt?

[Zirp]

Sein erstes Soloalbum, da war die Band noch nicht offiziell aufgelöst, trotzdem für mich "danach": Nach dem beispiellosen Höhenflug, so etwas muss man mental auch erst mal überstehen, acht Jahre mit hysterischen Fans, in denen sie ein Werk für die Ewigkeit geschaffen haben, setzt er sich in sein Heimstudio, schrammelt drauflos und macht eine Platte draus.

[Zirp]

Ungestüm, roh, voller Lebensfreude. Ich liebe diese Songs. Gerade jetzt im Herbst.

Platz 10: Oo You (1970)

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