Mumien, Analphabeten, Diebe.
Du hast's gut, du hast dein Leben noch vor dir.
Mittwoch, 21. Oktober 2009
Tiefim Wehö-stöhehen
nnier | 21. Oktober 2009 | Topic In echt
Good morning, ladies and gentlemen, and velcome on board intercity five fifteen from Hamburg to München wia Osnabrück, Münster, Clone. Ve haff included very many Umlaut cities in our route for your pleasure. Tipp of ze day: Clone is "Köln" in German, so zere is Umlaut in zat city name as vell, just in case you vere vondering. Ladies and gentlemen, our next stop is hrrrweer, you haff access to a Regionalbahn to frrrurrr on platfrrm frrriir.

Tüdelüdelüdelüdelü.

CARSTENSEN. JA! MOIN! UND SELBST! ICH BIN AKTUELL GERADE IM ZUG, TELEFONIERE AKTUELL GERADE AUS DEM ZUG RAUS HERAUS. JA, GENAU. JA, PRIMA. GEHT KLAR! JA! TSCHÖ!

Kaffee, jemand hier vielleicht? Besteht der Wunsch nach Kaffee oder einem Croissant vielleicht hier?

Ringeldiring.

Ja. Bin im Zug. Hören Sie, suchen Sie bitte gleich mal den Rahmenplan raus. T8 und P11. Sehen Sie, was ich sehe? Ja, da müssen wir drüber sprechen. Ich kläre das.

Gnapf. Ich bin auf dem Weg nach Bonn. Ich möchte da ein gemeinsames Verständnis sicherstellen. Ich habe da eine Region, die sagt mir gestern noch, einskommadrei Millionen reichen nicht, wir wollen einskommafünf, und heute schreiben sie siebenhunderttausend Euro. Das macht die Region selber, ja? Ja, das wollte ich sicherstellen. Ja, danke.

Ich bin heute in Bonn unterwegs. Da geht es um die Rahmenpläne. Und bei T8 und P11 schreiben dieselben Herren, die uns gestern einskommadrei gesagt haben, jetzt siebenhundert hin. Ja! Die machen das selber! Nicht, dass die uns nachher erzählen, das hat der Zentralist gemacht. T8 und P11. Da stimmt die große Summe, aber die Einzelposten haben sich total verschoben, da müssen wir mal, da sind auch Inplausibilitäten. Ja.

Starten Sie den Tag doch mit einem Frühstück! Im Bordrestaurant. If you are travelling first class, you can hrrr crrrrfeee on zrrrrr, we be glrrr to assrrr yrrrr.

Schnödelödelö.

Schreib doch einfach mal den Wunschzettel für Geburtstag und Weihnachten. Schreib einfach alles auf. Wunschzettel heißt ja per se noch nicht, dass das automatisch alles erfüllt wird. Ich bin hier in NRW, wir fahren über Hagen, Wuppertal. Das technische Problem von gestern ist gelöst, mit dem Mainboard, da kannst du spielen, das war plug and play. Morgen triffst du dich ja mit Christian, mal sehen, na ja.

Kaffee, vielleicht, jemand, hier? Kaffee? Nicht?

Meine Damunherrn, innä Kürzä erreichenä wirä Wuppertalä Haubahnof, dort habenä Sie Anschlussä annä irgendwelche Züge. Our nextop Wuppertal, sentravellindeutschebahn, good bye.

YO MAN! HEY! YO! MAN! HEY! HEY! YO! MAN! HEY! HEY! MAN! YO! MAN! OOOOOOH! YEAH! MAN! YO! YO!

Waslos, Mann. Ja, fahre ich. Du willst doch nicht das schwarze Zeug. Doch, kann ich mitbringen. Ja, bringe ich mit. Das schwarze Zeug, ja. Ja, bringe ich mit. Ja, mache ich. Ja, bis dann.

Mmmmmmeine Damunherrn, innä Kürzäreischen wirä Solingenä Haupof, Sie habenanschlussan Regionalbahn und so, wiedersehn, nextop Solingen, sentrravindeutschebahngoodbye.

*

Draußen: Wunderschöner Sonnenaufgang.

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Sonntag, 18. Oktober 2009
Mein Leben in Bildern
nnier | 18. Oktober 2009 | Topic Klar jewesn


"Who the fuck is SPD?", 2009, Privatbesitz





"Außer Libuda", 2009, Privatbesitz

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Freitag, 16. Oktober 2009
Harte Schale
nnier | 16. Oktober 2009 | Topic In echt
Einmal wunderten sich meine Eltern, warum ich zur Klassenfahrt unbedingt den edlen Hartschalenkoffer mitnehmen wollte, dieses schwere und unhandliche Ding, mit dem man zwar, so hatte ich es in der Fernsehwerbung gesehen, waghalsig alpine Hänge hinunterrodeln konnte, den sie aber trotzdem mit deutlich genervtem Gesichtsausdruck unterm Weihnachtsbaum in Empfang genommen, dann auch prompt in den Eisenbahnkeller gestellt und selbstverständlich nie benutzt hatten.

Damals waren diese Hartschalenkoffer noch etwas Neues, man war an Koffer aus Leder, Pappe oder auch Stoff gewöhnt, und wonach benennen denn Sie ihre Kellerräume? Sagen Sie etwa: Der hinten rechts? Das halte ich für unpraktikabel und auch, offen gesagt, etwas lieblos. Dann kommt doch nur wieder einer nach zehn Minuten hoch und schnauft und sagt, die habe ich aber nicht gefunden, die Schraubkappe, ich habe sogar hinter der Gefriertruhe gesucht, und du sagst dann so: Gefriertruhe, Gefriertruhe, ich höre immer: Gefriertruhe, Meister, ich sagte hinten rechts, und hinten rechts ist keine Gefriertruhe, und dann geht's wieder darum, von wo aus gesehen hinten und von wo aus gesehen rechts, wenn der bloß die Schraubkappe holen soll. Eisenbahnkeller, das ist ein reeller Name - historisch übrigens so entstanden, ich kürze das jetzt mal ab, dass da mal die elektrische Eisenbahn drin stand, und auch diejenigen, die das selbst nicht mehr miterlebt haben, lernen schnell, dass das der Eisenbahnkeller ist.

Da gibt es die unterschiedlichsten Systeme, wie auch bei der Großelternbenamsung, da differenzieren ja manche auch in "Oma Anne" und "Oma Lisa", andere sprechen von "Oma Günzburg" und "Oma Paderborn", da will ich auch nichts vorschreiben, das muss man schon dem freien Markt überlassen, lasst tausend Blumen blühen, sag ich immer, und ich kannte z.B. mal jemanden, der eine "Kleine Oma", eine "Mittlere Oma" und eine "Große Oma" hatte, das funktionierte ganz toll, "Ich war am Wochenende bei Mittlere Oma", da muss auch jeder ein Stück weit selbst entscheiden, wie er das handhaben will.

Der schwere, dunkle Kunststoffkoffer mit dem prestigeträchtigen Markennamen und den Initialen meines Vaters, die den meinen immerhin zum Teil glichen, sollte es also sein, in den ich meinen schlabbrigen, hellblauen Schlafanzug und die weißen Tennissocken, die buntgemusterten Unterhosen und die zwei Jeans sowie den Ringelpulli packen wollte, als es für eine Woche an die Ostsee ging, Hauszelte, und tiefenpsychologisch betrachtet hatte das darin seine Ursache, dass bei einer vorangegangenen Klassenfahrt der schwitzende, fluchende Busfahrer die Gepäckmengen nicht im Laderaum des Busses hatte unterbringen können, während Lehrer mit hochgezogenen Brauen kluge Tipps zur besseren Raumausnutzung gaben und auf die fortgeschrittene Zeit verwiesen, bis er als einen der letzten Koffer meinen, einen dunkelgrünen aus stabilem Stoff mit schickem Schottenkaro, ins Gepäckabteil zu zwängen versuchte, mich dann böse ansah und verächtlich fragte, ob meine Familie sich eigentlich keine "vernünftigen Koffer leisten" könne.

Ein Jahr lang hatte ich die Szene erfolgreich "verdrängt", wie wir Psychologen heute sagen, bis ich etwa eine Woche vor der neuerlichen Abfahrt die Anfrage stellte, ob ich denn den Hartschalenkoffer nehmen dürfe. Und da zeigte sich die Erwachsenenwelt dann wieder mal von ihrer vollkommen irrationalen Seite: Obwohl ich starke Argumente vorzutragen hatte ("Einfach so", "Weil ich da Lust zu habe", "Ich finde den irgendwie gut"), und obwohl der Koffer daraufhin, ungeliebt und -benutzt, noch für weitere 20 Jahre den Eisenbahnkeller vollstand, erzählte man mir etwas von "unpraktisch" und "zu schwer", nötigte mir statt dessen einen alten Lederkoffer auf und verhalf mir so zu einer durchwachten Nacht, in der ich mir stets aufs neue vorstellen musste, wie der Busfahrer schon beim Einfahren auf den Schulparkplatz zielsicher in meine Richtung schaut, auf mich zugeht, die Hände in die Hüften stemmt und vor allen Leuten bestimmt: "Wenn du dir keinen besseren Koffer leisten kannst, darfst du nicht mitkommen."

A propos "kommen", kommt Ihnen das Wort "Benamsung" nicht auch total bescheuert vor? [Diesen Satz mit Otto-Waalkes-Stimme vortragen]

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Donnerstag, 15. Oktober 2009
Das ist offener Cityismus, Herr Löw!
nnier | 15. Oktober 2009 | Topic Sprak
(Andererseits kann der Mann mit dem Seidenschal, der in Frauenzeitschriften auch gerne "Yogi" genannt wird, nichts für die zufällige Verteilung von Satzzeichen beim Spiegel.)
Piotr Trochowski spiele gegen Finnland nicht, nur weil er Hamburger sei, erklärte Joachim Löw einen Tag vor der Partie.
Ich hebe schwächlich die Hand zum Gruße, verehrte Leserschaft, und wünsche einen schönen Herbst.

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Dienstag, 13. Oktober 2009
Es ist wohl die Jahreszeit
nnier | 13. Oktober 2009 | Topic Musiq


Ich bin ja ziemlich einfach gestrickt, und wenn ich mir jahrelang ein Lied aufgespart habe, obwohl es im Internet ja immer alles überall gibt, und ich höre das dann zum ersten Mal, und ich bin dann ganz ergriffen und höre es gleich noch sechs-, siebenmal, und ich bin dann ganz fassungslos, dass es so etwas nicht mal aufs Album geschafft hat, sondern gerade mal auf die B-Seite einer ohnehin komplett unbeachteten Single, und mal wieder darüber nachdenke, dass es gerade bei seinen Solowerken eben nicht die Hits sind, die mir besonders viel bedeuten, sondern solche kleinen Nebenprodukte, und dass mich die gealterte Stimme noch mal ganz besonders berührt, und wenn mich der Herbst dann so richtig erwischen will,
We were lying down in the shade
I remember the love we made
We were lying down on the bed
I remember the tears we shared

We were laughing too, we were sad
I remember the fun we had
We were crying loud with the pain
We will never be here again
dann suche ich einfach gleich noch ein Lied raus, das ich mir aufgespart habe und das es gerade mal auf die B-Seite einer ohnehin komplett unbeachteten Single geschafft hat, und dann ist das so ein hingerotztes und eigentlich gar nicht originelles Lied, wahrscheinlich an einem Vormittag geschrieben und am Abend eingespielt, wozu braucht man eigentlich andere Musiker, spielt er eben alles alleine, die Akkorde sind ja eh klar, und die Rockgitarre weiß genau, was sie zu tun hat, und mit etwas Kopfstimme "oohoo - oohoo, oohoo - oohoo" dem Klavier gefolgt (ab 2:18), danke!, dann weiß ich, dass ich morgen fröhlich und beschwingt wieder aufstehen kann.
There once was a time when I thought if I had a house, I'd be happy
There once was a time when I thought if I had a car, I'd be made

One by one I achieved my ambitions
But it didn't feel like I wanted to feel
It didn't feel like I wanted it to feel
I didn't feel like I wanted to feel

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