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Mir ist das auch irgendwann zuviel geworden. Die professionellen Fans mit ihren Verkleidungen, die Conventions, die immer neuen Serien und de
Ach, was soll das Gerede - am Donnerstag kommt zum ersten Mal seit Jahrzehnten ein Star Trek-Film ins Kino, auf den ich mich richtig freue!
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Ein Jahr danach war wieder Koninginnedag. Wieder wurde der VW-Bus gechartert und diesmal ein Freund mit der Ausssicht auf eine gar köstliche Speise ("Du kannst dir nicht vorstellen, wie gut das schmeckt!") dazu verleitet, mitzufahren.
Man hatte ja gelernt. Der gigantische, allen Menschen offenstehende Straßenverkauf wollte sinnvoll genutzt werden - hatte man doch im Vorjahr beobachtet, wie Heineken-Dosen vom Bürgersteig aus für moderate, doch durchaus margenträchtige Preise an die vorbeiströmenden Volksmassen verkauft wurden. Auf dem Weg zur Autobahn wurde deshalb beim Supermarkt LÖB angehalten und 5 * 24 = 120 Dosen Dortmunder Export für knapp 60.- DM erstanden.
In der Stadt mit dem Obelisken angekommmen, musste zunächst das Versprechen hinsichtlich der Köstlichkeit eingelöst werden. "Du hast es versprochen, also los jetzt!"
Im Supermarkt wurden mehrere Packungen Vla erstanden, die ernüchterten Blicke des Reisegefährten geflissentlich ignoriert ("Ist das Joghurt?") und mit den Tetrapacks im Arm der heimatliche VW-Bus angesteuert, in dem man zwei große Glasschalen aus dem Regal nahm und sie mit Dubbel-Vla (Schokolade-Vanille) befüllte. Die interessante Optik der zwei Farben aus einer Packung, die wie eine Frischmilchtüte geformt war, zwei Farben, welche im Zusammenspiel ein appetitanregendes Marmorkuchenmuster ergaben, kombiniert mit dem unwiderstehlichen Duft nach Pudding, sollten ihre Wirkung nicht verfehlen: seine Augen begannen erwartungsfroh zu leuchten. "Nun probier mal!", ermunterte ich ihn und lehnte mich routiniert zurück, um das Schauspiel zu beobachten.
Er nahm einen Esslöffel. Tränen traten in seine Augen, als er mich ansah und fragte: "Ist das ein Traum? Das kann doch nicht echt sein!" - "Doch, teurer Freund, auch wenn man es kaum glauben mag, dies ist real - Holländer haben das jeden Tag!"
Die folgende Orgie ist mir nur unvollständig in Erinnerung; leere Einliterpackungen Dubbel-Vla flogen in unregelmäßigen Abständen aus den Fenstern des Gefährts, und dass ob der genießerischen Laute nicht irgendwann die Sittenpolizei gerufen wurde, ist wohl nur der sprichwörtlichen Toleranz der Amsterdamer zu verdanken, die ja einiges gewohnt sind.
Unterdesssen dämmerte der Abend heran - ein Vermögen wollte verdient werden, da half alles nichts, also raus aus dem Schlaraffenland und ein freies Stück Bürgersteig gesucht. Wohin man die erste 24-er Palette Bierdosen plazierte, sich selbst bediente und auf Kundschaft wartete. Die dann auch in Form eines rheinländischen Pulks erschien: "Geil, Dortmunder! Was nehmt ihr denn für die Dose - ist ja billig! Gib mal fünf!", und so ging es weiter, eine Dose für mich, eine für dich, fünf für die Kunden, die, gerne unter Hinweis auf das "eklige Heineken", begeistert die deutsche Ware kauften.
Je später es wurde, desto aggressiver traten allerdings wieder einmal die jungen, in Orange gewandeten Einheimischen auf. Und als sie dann doch allzu zudringlich wurden und ihre Pöbeleien langsam physische Gestalt anzunehmen drohten, beschloss man, den Verkauf nun einzustellen. Den Einkaufspreis hatte man ja längst wieder raus und als verbleibenden Gewinn noch knapp zwei Paletten Bier - man konnte also zufrieden sein, sich am nächsten Tag die Stadt noch ein wenig ansehen und ein paar Liter Vla verdrücken, bevor es zurück nach Deutschland ging.
"Hier ist das ungefähr gewesen, letztes Jahr, als ich ohne Benzin liegenblieb", sagte ich gerade, da mir das Autobahnstück so bekannt vorkam, als das Auto plötzlich langsamer wurde, der Druck aufs Gaspedal nichts mehr bewirkte und ich routiniert auf die Standspur rollte. Ein Blick auf die Tankanzeige verriet, dass das diesmal nicht das Problem war - was nun? Zwei junge Männer ohne jede Ahnung von Autos öffneten die Motorraumklappe am Heck, zuckten die Schultern und sahen sich gegenseitig reichlich ratlos an, als ein Autotransporter vor ihnen hielt.
"Was habt ihr denn", fragte der Fahrer, untersuchte den Motor und stellte fest: Der Sowieso-Kontakt ist gebrochen. Pech, da kann man nichts reparieren. Müssst ihr euch wohl in die Werkstatt schleppen lassen!
Während er zu seinem LKW zurücklief, nahm ein amorpher Gedankenklumpen in meinem Kopf ganz langsam Gestalt an: Der Mann kennt sich mit Autos aus. Wir haben einen VW-Bus. Der Mann hat einen Autotransporter. Auf dem Transporter ist ein Auto. Was ist das denn für ein Auto. Das ist ein alter VW-Käfer. Da war doch was mit den Motoren. Das sind doch irgendwie die gleichen. Oder?
"Haaaalt!", rief ich, winkte mit beiden Armen, lief zum Führerhaus und unterbreitete dem Fahrer meine wilde Theorie. Er sah mich an: "Na klar! Ist doch ganz einfach!", baute das Teil aus dem Käfer aus und in den VW-Bus ein, während wir fassungslos über unser Glück danebenstanden und dann zur Kontrolle den Motor starteten. Alles funktionierte! "Ich muss dann weiter!", rief der Mann. "Moment!", riefen wir und fragten, was er denn als Bezahlung wolle. "Ach, lasst mal", grinste der gute Mensch, "ihr habt doch auch nichts!", doch da hatte er sich getäuscht.
Mit einer Palette Dortmunder Export auf dem Beifahrersitz fuhr er schließlich seiner Wege. Das Bier war allerdings ungekühlt. Denn der kleine Kühlschrank im VW-Bus war randvoll mit Dubbel-Vla.
Man hatte ja gelernt. Der gigantische, allen Menschen offenstehende Straßenverkauf wollte sinnvoll genutzt werden - hatte man doch im Vorjahr beobachtet, wie Heineken-Dosen vom Bürgersteig aus für moderate, doch durchaus margenträchtige Preise an die vorbeiströmenden Volksmassen verkauft wurden. Auf dem Weg zur Autobahn wurde deshalb beim Supermarkt LÖB angehalten und 5 * 24 = 120 Dosen Dortmunder Export für knapp 60.- DM erstanden.
In der Stadt mit dem Obelisken angekommmen, musste zunächst das Versprechen hinsichtlich der Köstlichkeit eingelöst werden. "Du hast es versprochen, also los jetzt!"
Im Supermarkt wurden mehrere Packungen Vla erstanden, die ernüchterten Blicke des Reisegefährten geflissentlich ignoriert ("Ist das Joghurt?") und mit den Tetrapacks im Arm der heimatliche VW-Bus angesteuert, in dem man zwei große Glasschalen aus dem Regal nahm und sie mit Dubbel-Vla (Schokolade-Vanille) befüllte. Die interessante Optik der zwei Farben aus einer Packung, die wie eine Frischmilchtüte geformt war, zwei Farben, welche im Zusammenspiel ein appetitanregendes Marmorkuchenmuster ergaben, kombiniert mit dem unwiderstehlichen Duft nach Pudding, sollten ihre Wirkung nicht verfehlen: seine Augen begannen erwartungsfroh zu leuchten. "Nun probier mal!", ermunterte ich ihn und lehnte mich routiniert zurück, um das Schauspiel zu beobachten.
Er nahm einen Esslöffel. Tränen traten in seine Augen, als er mich ansah und fragte: "Ist das ein Traum? Das kann doch nicht echt sein!" - "Doch, teurer Freund, auch wenn man es kaum glauben mag, dies ist real - Holländer haben das jeden Tag!"
Die folgende Orgie ist mir nur unvollständig in Erinnerung; leere Einliterpackungen Dubbel-Vla flogen in unregelmäßigen Abständen aus den Fenstern des Gefährts, und dass ob der genießerischen Laute nicht irgendwann die Sittenpolizei gerufen wurde, ist wohl nur der sprichwörtlichen Toleranz der Amsterdamer zu verdanken, die ja einiges gewohnt sind.
Unterdesssen dämmerte der Abend heran - ein Vermögen wollte verdient werden, da half alles nichts, also raus aus dem Schlaraffenland und ein freies Stück Bürgersteig gesucht. Wohin man die erste 24-er Palette Bierdosen plazierte, sich selbst bediente und auf Kundschaft wartete. Die dann auch in Form eines rheinländischen Pulks erschien: "Geil, Dortmunder! Was nehmt ihr denn für die Dose - ist ja billig! Gib mal fünf!", und so ging es weiter, eine Dose für mich, eine für dich, fünf für die Kunden, die, gerne unter Hinweis auf das "eklige Heineken", begeistert die deutsche Ware kauften.
Je später es wurde, desto aggressiver traten allerdings wieder einmal die jungen, in Orange gewandeten Einheimischen auf. Und als sie dann doch allzu zudringlich wurden und ihre Pöbeleien langsam physische Gestalt anzunehmen drohten, beschloss man, den Verkauf nun einzustellen. Den Einkaufspreis hatte man ja längst wieder raus und als verbleibenden Gewinn noch knapp zwei Paletten Bier - man konnte also zufrieden sein, sich am nächsten Tag die Stadt noch ein wenig ansehen und ein paar Liter Vla verdrücken, bevor es zurück nach Deutschland ging.
"Hier ist das ungefähr gewesen, letztes Jahr, als ich ohne Benzin liegenblieb", sagte ich gerade, da mir das Autobahnstück so bekannt vorkam, als das Auto plötzlich langsamer wurde, der Druck aufs Gaspedal nichts mehr bewirkte und ich routiniert auf die Standspur rollte. Ein Blick auf die Tankanzeige verriet, dass das diesmal nicht das Problem war - was nun? Zwei junge Männer ohne jede Ahnung von Autos öffneten die Motorraumklappe am Heck, zuckten die Schultern und sahen sich gegenseitig reichlich ratlos an, als ein Autotransporter vor ihnen hielt.
"Was habt ihr denn", fragte der Fahrer, untersuchte den Motor und stellte fest: Der Sowieso-Kontakt ist gebrochen. Pech, da kann man nichts reparieren. Müssst ihr euch wohl in die Werkstatt schleppen lassen!
Während er zu seinem LKW zurücklief, nahm ein amorpher Gedankenklumpen in meinem Kopf ganz langsam Gestalt an: Der Mann kennt sich mit Autos aus. Wir haben einen VW-Bus. Der Mann hat einen Autotransporter. Auf dem Transporter ist ein Auto. Was ist das denn für ein Auto. Das ist ein alter VW-Käfer. Da war doch was mit den Motoren. Das sind doch irgendwie die gleichen. Oder?
"Haaaalt!", rief ich, winkte mit beiden Armen, lief zum Führerhaus und unterbreitete dem Fahrer meine wilde Theorie. Er sah mich an: "Na klar! Ist doch ganz einfach!", baute das Teil aus dem Käfer aus und in den VW-Bus ein, während wir fassungslos über unser Glück danebenstanden und dann zur Kontrolle den Motor starteten. Alles funktionierte! "Ich muss dann weiter!", rief der Mann. "Moment!", riefen wir und fragten, was er denn als Bezahlung wolle. "Ach, lasst mal", grinste der gute Mensch, "ihr habt doch auch nichts!", doch da hatte er sich getäuscht.
Mit einer Palette Dortmunder Export auf dem Beifahrersitz fuhr er schließlich seiner Wege. Das Bier war allerdings ungekühlt. Denn der kleine Kühlschrank im VW-Bus war randvoll mit Dubbel-Vla.
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Ja, bitte? Ich habe jetzt eigentlich keine Sprechz- ach! Sie sind's! Immer rein in die gute Stube, he he. Womit kann ich denn dienen?
Ich wollte noch mal mit Ihnen über das Lied sprechen.
Sie meinen ... über Riding to Vanity Fair?
Ja. Das ist einfach ein ganz, ganz tolles Lied.
Wem sagen Sie das - wem sagen Sie das! Ich bekenne freimütig, es freut mich sehr, in Ihnen, äh, eine Studentin zu erkennen, die, ohne Ihren Komilitonen jetzt zu nahe, aber man sieht manchmal auf den ersten Blick, wer sozusagen auch übers dumpfe Auswendiglernen hinaus, nicht wahr!
Ich habe dieses Lied pausenlos im Kopf. Die Streicher sind ja wohl die geschmackvollsten, die man seit langem gehört hat!
Sie haben voll-kom-men recht! Wenn ich dagegen an die 70er zurückdenke, an die Wings-Zeit - da muss man schon ganz offen sagen, da wäre er besser beraten gewesen mit etwas weniger, nicht wahr, das ist durchaus keine Blasphemie, wirklich, auch wenn die Wahrheit manchmal wehtut.
Und der Gesang ist einfach wunderschön. Aber wissen Sie, was mir am allerbesten gefällt?
Stopp! Sagen Sie jetzt nichts! Ich weiß, was Sie sagen wollen: Das Glockenspiel!
Wie ... wie ... wie um Himmels Willen ...
Ja-ha! Das habe ich gespürt. Das habe ich gleich gespürt! Das ist eine Wellenlänge bei uns beiden Hübschen. Eine Idee des Produzenten, übrigens, das Glockenspiel! Eine scheinbar kleine und doch für das Endergebnis so wichtige Idee! Ein guter Produzent, das sollten Sie sich merken, spielt sich niemals in den Vordergrund, lässt den Musiker Musiker sein, steuert gleichwohl Vorschläge bei und scheut sich auch nicht, um einen weiteren Take zu bitten, wenn er glaubt, das mögliche Optimum noch nicht erreicht zu haben. Respekt vor großen Namen ist da vollkommen fehl am Platze. Ja. Hm. Das finde ich wirklich bemerkenswert, eine so begabte und interessierte ...
Ich habe mich gefragt ...
Ja? Frei heraus!
Es fällt mir nicht leicht ...
Nun, mir ist nichts Menschliches fremd - immer raus damit!
Ob Sie evtl. die Noten für das Glockenspiel?
Hm ... hm ... da muss ich überlegen. Es ist gut möglich, dass ich die irgendwo schon mal. Doch - ja! Besuchen Sie mich doch heute abend ganz zwanglos, ich besitze neben einer beeindruckenden Sammlung signierter Vinylsingles, die Sie gerne einmal anschauen dürfen, nämlich auch eine originalgetreue Replik des Glockenspiels, das bei eben dieser Aufnahme verwendet wurde, das spiele ich dann, und ein normales - das ist aber auch nicht schlecht! - und das dürfen Sie dann spielen. Na - wie hört sich das an?
Wirklich? Ich bin sprachlos! Nie hätte ich gedacht, dass ich einmal mit Ihnen ...
Darauf dürfen Sie sich auch ruhig etwas einbilden, he he! Bevor Sie nun gehen, vielleicht auch so als Einstimmung auf heute abend, möchte ich nun Ihnen als erstem und, dessen bin ich sicher, einzigem Menschen jemals und überhaupt eine ganz besondere Aufnahme vorspielen. Das geht jetzt alles ein bisschen schnell, ich will Sie auch nicht überfordern, aber wenn zwei Seelen so exakt im Gleichtakt, nicht war, oder im Gleichklang, so etwas geschieht nur einmal im Leben.
Wie recht Sie haben! Nun kann ich's kaum noch erwarten.
Folgendes: Ich bin selbst ambitionierter Hobbymusiker, wissen Sie, und auch wenn ich meine Grenzen kenne, so leiste ich mir gelegentlich eine Woche in einem professionellen Studio. Andere machen eine Kreuzfahrt, nicht wahr, und ich sage mir, ich investiere lieber in etwas Bleibendes. Und nun - raten Sie mal, welches Lied ich letzten Sommer drei Wochen lang eingespielt -
Nein! Das kann jetzt nicht sein! Sie haben Riding to Vanity Fair, Sie? Das übersteigt meine kühnsten -
Mo-ment! Das ist noch nicht alles. Denn welches Instrument habe ich wohl ... ?
Das ... das kann nicht sein! Das ist zuviel! Ach! Nun verstehe ich! Sie treiben Spott mit mir! Sie führen mich an der Nase herum! Ach! Ach! Und ich glaubte, in Ihnen einen -
Gemach! Gemach! Es ist mir nur allzu verständlich, dass Sie dieses denken. Doch bitte, bitte glauben Sie mir: Auch ich hätte, bis Sie durch meine Tür traten, ein solch unwahrscheinliches Zusammentreffen zweier füreinander bestimmter Seelen nicht für möglich gehalten! Nun - um Ihre verständlichen Zweifel zu zerstreuen, ist es wohl am besten, wenn ich fortan schweige und die Musik für sich sprechen lasse. Wenn Sie dann immer noch gehen wollen, gehen Sie - ich werde Sie nicht aufhalten! Seufz.
Seufz. Dies ist ein schicksalhafter Moment.
Ich schalte nun ein: Klick! riding_to_outtake (mp3, 348 KB)
Ich wollte noch mal mit Ihnen über das Lied sprechen.
Sie meinen ... über Riding to Vanity Fair?
Ja. Das ist einfach ein ganz, ganz tolles Lied.
Wem sagen Sie das - wem sagen Sie das! Ich bekenne freimütig, es freut mich sehr, in Ihnen, äh, eine Studentin zu erkennen, die, ohne Ihren Komilitonen jetzt zu nahe, aber man sieht manchmal auf den ersten Blick, wer sozusagen auch übers dumpfe Auswendiglernen hinaus, nicht wahr!
Ich habe dieses Lied pausenlos im Kopf. Die Streicher sind ja wohl die geschmackvollsten, die man seit langem gehört hat!
Sie haben voll-kom-men recht! Wenn ich dagegen an die 70er zurückdenke, an die Wings-Zeit - da muss man schon ganz offen sagen, da wäre er besser beraten gewesen mit etwas weniger, nicht wahr, das ist durchaus keine Blasphemie, wirklich, auch wenn die Wahrheit manchmal wehtut.
Und der Gesang ist einfach wunderschön. Aber wissen Sie, was mir am allerbesten gefällt?
Stopp! Sagen Sie jetzt nichts! Ich weiß, was Sie sagen wollen: Das Glockenspiel!
Wie ... wie ... wie um Himmels Willen ...
Ja-ha! Das habe ich gespürt. Das habe ich gleich gespürt! Das ist eine Wellenlänge bei uns beiden Hübschen. Eine Idee des Produzenten, übrigens, das Glockenspiel! Eine scheinbar kleine und doch für das Endergebnis so wichtige Idee! Ein guter Produzent, das sollten Sie sich merken, spielt sich niemals in den Vordergrund, lässt den Musiker Musiker sein, steuert gleichwohl Vorschläge bei und scheut sich auch nicht, um einen weiteren Take zu bitten, wenn er glaubt, das mögliche Optimum noch nicht erreicht zu haben. Respekt vor großen Namen ist da vollkommen fehl am Platze. Ja. Hm. Das finde ich wirklich bemerkenswert, eine so begabte und interessierte ...
Ich habe mich gefragt ...
Ja? Frei heraus!
Es fällt mir nicht leicht ...
Nun, mir ist nichts Menschliches fremd - immer raus damit!
Ob Sie evtl. die Noten für das Glockenspiel?
Hm ... hm ... da muss ich überlegen. Es ist gut möglich, dass ich die irgendwo schon mal. Doch - ja! Besuchen Sie mich doch heute abend ganz zwanglos, ich besitze neben einer beeindruckenden Sammlung signierter Vinylsingles, die Sie gerne einmal anschauen dürfen, nämlich auch eine originalgetreue Replik des Glockenspiels, das bei eben dieser Aufnahme verwendet wurde, das spiele ich dann, und ein normales - das ist aber auch nicht schlecht! - und das dürfen Sie dann spielen. Na - wie hört sich das an?
Wirklich? Ich bin sprachlos! Nie hätte ich gedacht, dass ich einmal mit Ihnen ...
Darauf dürfen Sie sich auch ruhig etwas einbilden, he he! Bevor Sie nun gehen, vielleicht auch so als Einstimmung auf heute abend, möchte ich nun Ihnen als erstem und, dessen bin ich sicher, einzigem Menschen jemals und überhaupt eine ganz besondere Aufnahme vorspielen. Das geht jetzt alles ein bisschen schnell, ich will Sie auch nicht überfordern, aber wenn zwei Seelen so exakt im Gleichtakt, nicht war, oder im Gleichklang, so etwas geschieht nur einmal im Leben.
Wie recht Sie haben! Nun kann ich's kaum noch erwarten.
Folgendes: Ich bin selbst ambitionierter Hobbymusiker, wissen Sie, und auch wenn ich meine Grenzen kenne, so leiste ich mir gelegentlich eine Woche in einem professionellen Studio. Andere machen eine Kreuzfahrt, nicht wahr, und ich sage mir, ich investiere lieber in etwas Bleibendes. Und nun - raten Sie mal, welches Lied ich letzten Sommer drei Wochen lang eingespielt -
Nein! Das kann jetzt nicht sein! Sie haben Riding to Vanity Fair, Sie? Das übersteigt meine kühnsten -
Mo-ment! Das ist noch nicht alles. Denn welches Instrument habe ich wohl ... ?
Das ... das kann nicht sein! Das ist zuviel! Ach! Nun verstehe ich! Sie treiben Spott mit mir! Sie führen mich an der Nase herum! Ach! Ach! Und ich glaubte, in Ihnen einen -
Gemach! Gemach! Es ist mir nur allzu verständlich, dass Sie dieses denken. Doch bitte, bitte glauben Sie mir: Auch ich hätte, bis Sie durch meine Tür traten, ein solch unwahrscheinliches Zusammentreffen zweier füreinander bestimmter Seelen nicht für möglich gehalten! Nun - um Ihre verständlichen Zweifel zu zerstreuen, ist es wohl am besten, wenn ich fortan schweige und die Musik für sich sprechen lasse. Wenn Sie dann immer noch gehen wollen, gehen Sie - ich werde Sie nicht aufhalten! Seufz.
Seufz. Dies ist ein schicksalhafter Moment.
Ich schalte nun ein: Klick! riding_to_outtake (mp3, 348 KB)
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Hallo? Sie - ja, Sie! Halloooo! Ich kann Sie so schlecht erreichen.
Ach - Sie hören seit zwei Tagen A Certain Softness! Verstehe ich. Verstehe ich voll und ganz. Und wissen Sie - das ist jetzt sogar praktisch, denn das ist ja die Nummer 8 auf der CD, und ich würde Ihre geschätzte Aufmerksamkeit jetzt gerne einmal auf die Nr. 9 lenken.
Denn eigentlich ist das Album ja eines der getragenen, ernsteren Töne. Und wenn Sie ein paar Minuten entbehren können, soll das Ihr Schaden nicht sein. Aber machen wir's uns doch erst mal bequem: Klick!
Mit Sicherheit ist Ihnen auch schon oft aufgefallen, auf welch unnachahmliche Weise Paul McCartney das Wort "was" ausspricht. Das ist ja nicht so, wie wir's in der Schule lernen, und ich fange hier garantiert nicht mit Lautschrift an. Aber dem englischen "w", das ja eher wie ein deutsches "u" ausgesprochen wird, folgt eben weder ein "a"- noch ein "o"-Laut. Sondern fast so etwas wie ein "u". Also kein richtiges "u", aber es ist fast näher am "u" als am "a". Sie verstehen schon.
Nicht? Ich sehe schon, das wird nicht einfach. Wie kann ich Ihnen denn diesen Sachverhalt verständlich machen. Versuchen wir's vielleicht mal mit einem Beispiel. Sprechen Sie bitte einmal folgendes aus:
Once there was a way
Noch einmal:
Once there was a way
Und nun achten Sie genau darauf, wie sich das Wort "was" anhört:
Once there was a way
Nun folgen Sie bitte diesem Link und halten Sie Ihre Emotionen im Zaum - ich weiß, wie schwer das ist - aber achten Sie ausnahmsweise einmal genau auf den Klang der Worte, auf die Aussprache des Wörtchens "was":
Once there was a way
Sie haben's gemerkt - gleich mehrfach! Und das ist kein Zufall, wie wir sehen werden. Gehen wir doch mal vom Ende der Beatles - Moment, ich hab' da was im Auge, es geht gleich wieder - gehen wir mal ganz zurück an den Anfang.
Sagen Sie nun bitte:
She was just seventeen
Noch einmal:
She was just seventeen
Und nun hören Sie genau hin:
She was just seventeen
Jetzt haben Sie's, gell? Oder wollen wir ganz sicher gehen - gut, selbes Lied, die Vorübung kennen Sie nun ja bereits:
And the way she looked
Was way beyond compare
Ja, genau, noch einmal:
And the way she looked
Was way beyond compare
Und nun obacht:
And the way she looked
Was way beyond compare
Ich denke, nun sollte auch Ihnen ganz da hinten - ja, Sie! Oh, habe ich Sie beim Schlafen gestört! - klargeworden sein, worum es hier geht. Nein, ich gönne Ihnen Ihren Schlaf! Wenn Sie's nur bequem haben da hinten. Und Ihre Komilitonen stören Sie hoffentlich nicht! Ich rede jetzt auch ganz leise weiter. Oder soll ich lieber ganz aufhören? Hören Sie, mir macht das nichts aus, ich muss das hier nicht machen! Ich kann auch zu Hause - ach, nun plötzlich doch? Sicher? Gut, dann mache ich mal weiter, wenn Sie einverstanden sind. Oder ist hier sonst noch jemand, der lieber etwas anderes - nein?
So. Wir sprachen worüber? Hat irgend jemand die letzte halbe Stun- ja, Sie?
Äh, dass einer von den Beatles eine besondere Aussprache hat?
Oh! Ich bin begeistert. Ich bin wirklich begeistert über diese knappe und doch hochpräzise Zusammenfassung meiner Ausführungen des bisherigen Seminars. Bravo. Bravo! Besondere Aussprache! Kann der das "th" nicht, oder was? Einer von den Beatles! Welcher denn, hm?
Äh, George?
George! Wie heißt er denn noch so, der George, hm?
Äh, George Lennon?
Bravo! Bra-vo! Ich hoffe, Ihre Eltern wissen, was Ihr Nachwuchs da so fabriziert. Die gehen ja sicher gerne morgens um vier in die Geflügelzuchtanlage! Die inhalieren ja gerne den Teer von zehntausend Zigaretten auf der Baustelle im Hochsommer, über dem frischen Asphalt! Die opfern sich ja gerne für ihre Kinder auf, damit aus denen mal was wird, statt ihren eigenen Lebensabend zu genießen und endlich mal etwas kürzer zu treten! Papa, ich brauche Geld! Papa, du zahlst doch gerne! Wieviel darf's denn sein? Reichen 500? Ach, der Pizzabringdienst ist immer so teuer? Und unter 180 Euro gibt's keine vernünftige Jeans, ja? Klar, ich schränke mich doch gerne ein! Ich trinke doch gerne den zweiten Aufguss vom Muckefuck! Hauptsache, du kannst mittags im Café sitzen und Latte Macchiato schlürfen! Nach dem Sektfrühstück!!
Na ja. Was geht es mich an!? Übermorgen ist Klausur, bis dahin rate ich Ihnen dringend, sich noch ein paar Grundlagen - ja, aber sicher! Das sind ab-so-lu-te Grundkenntnisse. Das ist nicht Grundstudium, das ist Grundschule! Sie sollten ernsthaft noch mal überlegen, ob Sie hier richtig sind. Mit dem Vordiplom wird dann auch ausgesiebt. Wer das hier nicht ernst nimmt, sollte sich den Frust lieber ersparen. Ist nur mein Rat.
So, die Zeit verrinnt. Ich tue jetzt einfach mal so, als hätte jemand zugehört. Wer weiß, vielleicht verbirgt sich ja so jemand in Ihren Reihen und überrascht mich dann mit einer lesbaren Klausur!? Man hat ja schon die unmöglchisten Dinge gehört!
Paul McCartney, 2005, Riding to Vanity Fair. Schreiben Sie das ruhig mit!
Man hat ja in der frühen Beatleologie, und durchaus begründet, einen Gegensatz zwischen Lennon und McCartney konstruiert, und zwar nicht nur was die Musik angeht, sondern auch die Texte betreffend. Kurz gesagt: Lennon als derjenige, der sich entblößt, von sich spricht, von seinen persönlichen Gefühlen spricht, ich nenne da mal stichwortartig Help! als frühes Beispiel, achten Sie mal auf Text, "insecure", "independence", "self assured" in einem Popsong, und zwar 1965!, oder später dann I'm so tired und in den 1970ern sowieso mit Mother etc., das wissen Sie, bzw. das sollten Sie wissen; und dagegen McCartney, der kleine, durchstrukturierte Geschichten mit ausgedachten Figuren erzählt, nehmen wir Penny Lane oder Maxwell's Silver Hammer, und der auch bei "gefühligeren" Liedern, nehmen wir Yesterday oder The Long and Winding Road, sehr im Ungefähren bleibt. Aber darüber gibt's massig Literatur, Sie müssten die kennen, bei Semesterbeginn haben Sie alle die Literaturliste erhalten.
Nun wird McCartney sicher nicht auf seine alten Tage noch eine Urschreitherapie anfangen und die Verletzungen seiner Kindheit (Sie wissen, auch seine Mutter starb früh) explizit in seine Texte einbringen. Aber man kann schon sagen, dass die gerade skizzierte Dichotomie doch eine allzu schematische wäre.
Nehmen wir den Text mal her:
Ich wollte noch was fragen.
Äh, ja? Bitte!
Sie meinen das zweite "was", oder?
Äh ... ja, genau!
Also nicht das in "There was a time", sondern in "When every day was young", oder?
Ja! Genau! Das ist ja auch noch auf so unnachahmliche Weise verschliffen, "was young", ist Ihnen das aufgefallen?
Ja, das ist gar kein "s"-Laut mehr, mehr so ein weiches "sch" oder wie im Französischen "j" z.B. in dem Wort "je".
Ja, wie bei "je t'aime", he he. Sagen Sie - haben Sie heute abend schon was vor?
Ach - Sie hören seit zwei Tagen A Certain Softness! Verstehe ich. Verstehe ich voll und ganz. Und wissen Sie - das ist jetzt sogar praktisch, denn das ist ja die Nummer 8 auf der CD, und ich würde Ihre geschätzte Aufmerksamkeit jetzt gerne einmal auf die Nr. 9 lenken.
Denn eigentlich ist das Album ja eines der getragenen, ernsteren Töne. Und wenn Sie ein paar Minuten entbehren können, soll das Ihr Schaden nicht sein. Aber machen wir's uns doch erst mal bequem: Klick!
Mit Sicherheit ist Ihnen auch schon oft aufgefallen, auf welch unnachahmliche Weise Paul McCartney das Wort "was" ausspricht. Das ist ja nicht so, wie wir's in der Schule lernen, und ich fange hier garantiert nicht mit Lautschrift an. Aber dem englischen "w", das ja eher wie ein deutsches "u" ausgesprochen wird, folgt eben weder ein "a"- noch ein "o"-Laut. Sondern fast so etwas wie ein "u". Also kein richtiges "u", aber es ist fast näher am "u" als am "a". Sie verstehen schon.
Nicht? Ich sehe schon, das wird nicht einfach. Wie kann ich Ihnen denn diesen Sachverhalt verständlich machen. Versuchen wir's vielleicht mal mit einem Beispiel. Sprechen Sie bitte einmal folgendes aus:
Once there was a way
Noch einmal:
Once there was a way
Und nun achten Sie genau darauf, wie sich das Wort "was" anhört:
Once there was a way
Nun folgen Sie bitte diesem Link und halten Sie Ihre Emotionen im Zaum - ich weiß, wie schwer das ist - aber achten Sie ausnahmsweise einmal genau auf den Klang der Worte, auf die Aussprache des Wörtchens "was":
Once there was a way
Sie haben's gemerkt - gleich mehrfach! Und das ist kein Zufall, wie wir sehen werden. Gehen wir doch mal vom Ende der Beatles - Moment, ich hab' da was im Auge, es geht gleich wieder - gehen wir mal ganz zurück an den Anfang.
Sagen Sie nun bitte:
She was just seventeen
Noch einmal:
She was just seventeen
Und nun hören Sie genau hin:
She was just seventeen
Jetzt haben Sie's, gell? Oder wollen wir ganz sicher gehen - gut, selbes Lied, die Vorübung kennen Sie nun ja bereits:
And the way she looked
Was way beyond compare
Ja, genau, noch einmal:
And the way she looked
Was way beyond compare
Und nun obacht:
And the way she looked
Was way beyond compare
Ich denke, nun sollte auch Ihnen ganz da hinten - ja, Sie! Oh, habe ich Sie beim Schlafen gestört! - klargeworden sein, worum es hier geht. Nein, ich gönne Ihnen Ihren Schlaf! Wenn Sie's nur bequem haben da hinten. Und Ihre Komilitonen stören Sie hoffentlich nicht! Ich rede jetzt auch ganz leise weiter. Oder soll ich lieber ganz aufhören? Hören Sie, mir macht das nichts aus, ich muss das hier nicht machen! Ich kann auch zu Hause - ach, nun plötzlich doch? Sicher? Gut, dann mache ich mal weiter, wenn Sie einverstanden sind. Oder ist hier sonst noch jemand, der lieber etwas anderes - nein?
So. Wir sprachen worüber? Hat irgend jemand die letzte halbe Stun- ja, Sie?
Äh, dass einer von den Beatles eine besondere Aussprache hat?
Oh! Ich bin begeistert. Ich bin wirklich begeistert über diese knappe und doch hochpräzise Zusammenfassung meiner Ausführungen des bisherigen Seminars. Bravo. Bravo! Besondere Aussprache! Kann der das "th" nicht, oder was? Einer von den Beatles! Welcher denn, hm?
Äh, George?
George! Wie heißt er denn noch so, der George, hm?
Äh, George Lennon?
Bravo! Bra-vo! Ich hoffe, Ihre Eltern wissen, was Ihr Nachwuchs da so fabriziert. Die gehen ja sicher gerne morgens um vier in die Geflügelzuchtanlage! Die inhalieren ja gerne den Teer von zehntausend Zigaretten auf der Baustelle im Hochsommer, über dem frischen Asphalt! Die opfern sich ja gerne für ihre Kinder auf, damit aus denen mal was wird, statt ihren eigenen Lebensabend zu genießen und endlich mal etwas kürzer zu treten! Papa, ich brauche Geld! Papa, du zahlst doch gerne! Wieviel darf's denn sein? Reichen 500? Ach, der Pizzabringdienst ist immer so teuer? Und unter 180 Euro gibt's keine vernünftige Jeans, ja? Klar, ich schränke mich doch gerne ein! Ich trinke doch gerne den zweiten Aufguss vom Muckefuck! Hauptsache, du kannst mittags im Café sitzen und Latte Macchiato schlürfen! Nach dem Sektfrühstück!!
Na ja. Was geht es mich an!? Übermorgen ist Klausur, bis dahin rate ich Ihnen dringend, sich noch ein paar Grundlagen - ja, aber sicher! Das sind ab-so-lu-te Grundkenntnisse. Das ist nicht Grundstudium, das ist Grundschule! Sie sollten ernsthaft noch mal überlegen, ob Sie hier richtig sind. Mit dem Vordiplom wird dann auch ausgesiebt. Wer das hier nicht ernst nimmt, sollte sich den Frust lieber ersparen. Ist nur mein Rat.
So, die Zeit verrinnt. Ich tue jetzt einfach mal so, als hätte jemand zugehört. Wer weiß, vielleicht verbirgt sich ja so jemand in Ihren Reihen und überrascht mich dann mit einer lesbaren Klausur!? Man hat ja schon die unmöglchisten Dinge gehört!
Paul McCartney, 2005, Riding to Vanity Fair. Schreiben Sie das ruhig mit!
Paul McCartney - Bass guitar, electric guitar, acoustic guitar, glockenspiel, Wurlitzer electric piano, vocalsEr spielt also wieder den Großteil der Instrumente selbst, gut, die Streicher hat er jetzt nicht auch noch, nicht wahr, und das Schlagzeug, muss ich allerdings sagen, das klingt eigentlich so, als hätte er's selbst gespielt, das ist ja sehr zurückhaltend. Aber darum geht's heute weniger.
The Los Angeles Music Players - Strings
David Campbell - String arrangement
James Gadson - Drums
Man hat ja in der frühen Beatleologie, und durchaus begründet, einen Gegensatz zwischen Lennon und McCartney konstruiert, und zwar nicht nur was die Musik angeht, sondern auch die Texte betreffend. Kurz gesagt: Lennon als derjenige, der sich entblößt, von sich spricht, von seinen persönlichen Gefühlen spricht, ich nenne da mal stichwortartig Help! als frühes Beispiel, achten Sie mal auf Text, "insecure", "independence", "self assured" in einem Popsong, und zwar 1965!, oder später dann I'm so tired und in den 1970ern sowieso mit Mother etc., das wissen Sie, bzw. das sollten Sie wissen; und dagegen McCartney, der kleine, durchstrukturierte Geschichten mit ausgedachten Figuren erzählt, nehmen wir Penny Lane oder Maxwell's Silver Hammer, und der auch bei "gefühligeren" Liedern, nehmen wir Yesterday oder The Long and Winding Road, sehr im Ungefähren bleibt. Aber darüber gibt's massig Literatur, Sie müssten die kennen, bei Semesterbeginn haben Sie alle die Literaturliste erhalten.
Nun wird McCartney sicher nicht auf seine alten Tage noch eine Urschreitherapie anfangen und die Verletzungen seiner Kindheit (Sie wissen, auch seine Mutter starb früh) explizit in seine Texte einbringen. Aber man kann schon sagen, dass die gerade skizzierte Dichotomie doch eine allzu schematische wäre.
Nehmen wir den Text mal her:
I bit my tongue"I" und "you", er spricht also von sich - natürlich ist es sein lyrisches Ich - und kündigt an:
I never talked too much
I tried to be so strong
I did my best
I used the gentle touch
I've done it for so long
You put me down
But I can laugh it off
And act like nothing's wrong
But why pretend
I think I've heard enough
Of your familiar song
I tell you what I'm going to doNachdenken über sich, sich selbst, in der Tat nicht unbedingt typisch für McCartneys Texte. Als Hausaufgabe, nein, aber zur Klausurvorbereitung wäre es nicht dumm, ich sag das jetzt mal so deutlich, sich den Text genauer anzusehen, hören Sie sich das Lied an, und, ich will Ihnen ja nicht alles vorkauen, es gibt da eine Strophe, die Sie besonders interessieren sollte. Wer am Anfang aufgepasst hat, wird jetzt bereits aufmerken. Hören Sie bei 3:00 mal genauer hin.
I'll try to take my mind off you
And now that you don't need my help
I'll use the time to think about myself
There was a timeSo, Sie haben's mal wieder hinter sich, genießen Sie das schöne Wetter, und man könnte jetzt noch viel über die Korrespondenz zwischen der gedeckten, dunklen Stimmung der Musik und dem Text erzählen, das überlasse ich dann mal Ihnen, in der Klausur! Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit und so weiter und so weiter bla bla bla als würde irgendjemand zuhören - huch! Sie sitzen ja noch hier, ganz alleine, nun gehen Sie schon!
When every day was young
The sun would always shine
We sang along
When all the songs were sung
Believing every line
Ich wollte noch was fragen.
Äh, ja? Bitte!
Sie meinen das zweite "was", oder?
Äh ... ja, genau!
Also nicht das in "There was a time", sondern in "When every day was young", oder?
Ja! Genau! Das ist ja auch noch auf so unnachahmliche Weise verschliffen, "was young", ist Ihnen das aufgefallen?
Ja, das ist gar kein "s"-Laut mehr, mehr so ein weiches "sch" oder wie im Französischen "j" z.B. in dem Wort "je".
Ja, wie bei "je t'aime", he he. Sagen Sie - haben Sie heute abend schon was vor?
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Ich erinnere mich an eine Folge von Manni, der Libero, in der eine übereifrige Mutter die Trikots und Hosen der ehrgeizigen Jungfußballer nicht nur gewaschen, sondern auch akkurat gebügelt hat.
Das aufstrebende Team kommt vor Scham fast um, als es mit Bügelfalten in den Sporthosen auf den Platz tritt und dort vom Gegner verhöhnt wird.
Ich musste daran denken, als man am vergangenen Wochenende vom Auswärtsspiel nicht nurein 0:8 eine ehrenvolle Niederlage, sondern auch einen Berg gebrauchter Fußballkleidung nach Hause brachte.
Dass ich die bügeln würde, musste niemand befürchten. Ich verbrachte allerdings eine unruhige Nacht, bis ich aus einem Traum hochschreckte, in dem der Persilmann und Clementine mich hämisch angrinsten: "Du hast weiße Trikots mit violetten Hosen und ebensolchen Stutzen in die Trommel geschoben - müssen wir mehr sagen?"
Von Schreckensvisionen gepeinigt wälzte ich mich für den Rest der Nacht hin und her und eilte, kaum dass der Morgen graute, in den Keller, um zaghaft das Bullauge zu öffnen und durch die vorgehaltenen Hande einen Blick auf die Bescherung ...
Man muss auch mal Glück haben. Morgen ist das nächste Spiel. (Jetzt nur nicht die Sachen hier vergessen!)
Das aufstrebende Team kommt vor Scham fast um, als es mit Bügelfalten in den Sporthosen auf den Platz tritt und dort vom Gegner verhöhnt wird.
Ich musste daran denken, als man am vergangenen Wochenende vom Auswärtsspiel nicht nur
Dass ich die bügeln würde, musste niemand befürchten. Ich verbrachte allerdings eine unruhige Nacht, bis ich aus einem Traum hochschreckte, in dem der Persilmann und Clementine mich hämisch angrinsten: "Du hast weiße Trikots mit violetten Hosen und ebensolchen Stutzen in die Trommel geschoben - müssen wir mehr sagen?"
Von Schreckensvisionen gepeinigt wälzte ich mich für den Rest der Nacht hin und her und eilte, kaum dass der Morgen graute, in den Keller, um zaghaft das Bullauge zu öffnen und durch die vorgehaltenen Hande einen Blick auf die Bescherung ...
Man muss auch mal Glück haben. Morgen ist das nächste Spiel. (Jetzt nur nicht die Sachen hier vergessen!)
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Waschverfahren, bei dem 80 bis 100 fertige Jeans zusammen mit rauhen Steinen in großen Waschtrommeln behandelt werden.Es gab diese Zeit. Sie war nicht lang, aber es gab sie. Ich trug stonewashed.
Einige Jahre davor, die Streifenhosen - das habe ich mich nicht getraut. Lieber unauffällig bleiben mit den ewigblauen Röhrenjeans! Und noch früher, die Jeans mit den weißen Nähten (gesteigert: mit extra aufgesetzten, schmalen, weißen Stoffstreifen auf den Nähten), die sind an mir noch vorbeigegangen. Ein Mitschüler trug die Sachen seines älteren Bruders auf. Ich hätte nicht mit ihm tauschen mögen, denn weiße Nähte oder gar weiße Stoffstreifen, die extra aufgesetzt sind, die konnte man nur in einem schmalen Zeitkorridor tragen. Zwei Jahre später waren sie ein Stigma. (Gibt es das schon als Modelabel? Stigma? Ich kriege da gerade eine Idee!)
Ich bin mir nicht sicher, ob es damals schon so schlimm war mit der Ausgrenzung durch Kleidung. Aber das Thema existierte. Auch bei uns, an der oh-so-sozialen Gesamtschule, war es extrem wichtig, sich "richtig" zu kleiden, und damit meine ich nicht nur die korrekte Friedensbewegungsausstattung mit Jutetasche, besticktem Kittel und Ökoschuhen, und auch nicht die Abgrenzungskleidung, mit der man kundtut, Teil einer Jugendbewegung zu sein (damals i.W. Punk, Popper). Sondern ich spreche von den ganz normalen Kindern, die selbstverständlich sehr genau registrierten, wer wieviele Streifen auf dem Turnschuh, wer das rechte Fähnlein an der Gesäßtasche der Jeans hatte oder eben nicht hatte. Und neben den Marken spielten natürlich auch Modezyklen eine große Rolle, plötzlich gab's knallbunte Bundfaltenhosen (traute ich mich nicht), hohe Basketballschuhe mit einem Stern (durfte ich haben), und irgendwann dann plötzlich die unregelmäßig gebleichten stonewashed-Jeans, die ich damals wirklich cool fand und kaufte.
Ich ergänzte meine Garderobe durch eine Jeansjacke, die ebenfalls stonewashed war. Und somit übrigens auf eine Weise behandelt, die bei außerirdischen Beobachtern wieder einmal das Äquivalent eines Runzelns auf ihrem Äquivalent einer Stirn hervorgerufen haben dürfte: Die komischen Primaten da, erzählen sich dann Andorianer und Zylonen beim Drink, die färben Stoffe, stellen daraus Kleidung her - und legen die Kleidung dann in ätzenden Kloreiniger! Da können sie sie ja gleich sandstrahlen, ha ha!
Oper ist eine Gelegenheit, den Smoking auszuführen. Und Marius ist die Gelegenheit, die Stonewashed-Kombi auszuführen. Ich war nie ein Fan, aber schon damals wurde man schräg angesehen, wenn man bei den ersten Takten von Mit Pfefferminz bin ich dein Prinz auf Feten nicht in Begeisterung ausbrach. Und wenn dann Westernhagen und Nina Hagen und Roger Chapman (glaube ich) und Rory Gallagher (kannte ich schon damals nicht) die kleine Universitätsstadt beehrten, im Jahnstadion auftraten, dann dachte man schon darüber nach, mal hinzugehen. Auch ohne Geld. Denn, überlegte man weiter, jetzt mal ernsthaft: Geld bezahlen? Tsss! Wir wissen doch, wie's geht!
Tatsächlich war es in all den Jahren kein Problem gewesen, die Heimspiele des 1. SC Göttingen 05 auch ohne gültige Eintrittskarte zu besuchen. Das Stadion war überdimensioniert, ein paar hundert Zuschauer verloren sich darin, es gab einen weitläufigen Zaun, dies- und jenseits an vielen Stellen von Bäumen gut blickgeschützt, so dass man mit Räuberleiter und einem beherzten Sprung unbehelligt das Stadioninnere erreichen und sich dann diskret unter die Zuschauer mischen konnte.
Außerdem wollten wir das Konzert erst gegen Ende besuchen, wenn es schon längst dunkel wäre - was also sollte das Problem sein!
Das Problem waren die vielen Security-Mitarbeiter, die alle hundert Meter postiert waren, das Problem waren die aggressiv bellenden Hunde, die sie mit sich führten, und das Problem waren die sehr hellen Scheinwerfer, die man am Zaun montiert hatte. Wir spazierten also äußerst unauffällig (Hände in den Taschen! Pfeifen! In die Luft gucken!) ums Stadion, schätzten die Lage als kritisch, doch nicht ausweglos ein und guckten uns schließlich eine Stelle aus, an der wir es trotzdem wagen wollten. Hier gab es besonders viele Bäume, dichtes Unterholz, und auf der anderen Seite, im Innern des Stadions, ging es ein gutes Stück zwischen dichten Büschen bergauf. Das sollte zu schaffen sein!
"Nimm mich mit / zeige mir den Weheg", sang Westernhagen gerade, als wir uns ein Herz fassten, den Zaun überwanden, wütende Schreie eines außen (puh!) entlangpatrouillierenden Sicherheitsdienstlers und Hundegebell hörten, wie von Sinnen durch den dichten Bewuchs rannten, uns den Hügel hinaufkämpften, durch die Büsche schlugen, die nassen Zweige ins Gesicht bekamen, fast oben waren, ständig wieder nasse Zweige zur Seite bogen und endlich Menschen sahen. Viele Menschen. Sie standen, obgleich das Konzertgeschehen hinter ihnen stattfand, uns zugewandt und sahen direkt in unsere zerschundenen, nassglänzenden Gesichter.
Hatte ich eigentlich erwähnt, dass es ein richtig trockener Sommer war? Ich frage nur. Also der nassen Zweige wegen. Richtig nass waren die! Und es hatte seit Tagen nicht geregnet!
Die Menschen sahen uns an. Sie grinsten blöd. Sehr blöd. Ausschließlich Männer, übrigens.
Wir starrten uns an, sahen auf unsere nassen Hände, suchten verzweifelt, aber erfolglos rauhe Steine und eine große Waschtrommel. Dann liefen wir ins Publikum und lauschten Marius.
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