Mumien, Analphabeten, Diebe.
Du hast's gut, du hast dein Leben noch vor dir.
Dienstag, 27. Juli 2010
Unk-unk
nnier | 27. Juli 2010 | Topic Gelesn
Vorsicht: Unscharfes Bild!*



Als Jugendlicher las ich mal die Blechtrommel, die fand ich nicht schlecht, und später Das Treffen in Telgte, das mir damals auch ganz gut gefiel - und auch wenn Günter Grass inzwischen zum Watschenmann geworden ist und dazu einiges beigetragen hat, stellte ich mir im Urlaub mal ein Buch ins Regal, bei dessen Titel ich immer und automatisch den inneren Reich-Ranicki sprechen höre: Unkenrrrruffe!

Das Buch hatte in einer Kiste ("Zum Mitnehmen") gelegen, ich hatte zugegriffen und, so dachte ich, wenn man zwei Wochen lang viel freie Zeit vor sich hat, könnte es zumindest nicht schaden, ein paar Alternativen zum lokalen Angebot dabeizuhaben und evtl. den dicken Foster-Wallace weiterzulesen oder eben, warum nicht, mal ganz unvoreingenommen auszuprobieren, ob mir ein später Grass vielleicht trotzdem zusagt - auch wenn der innere Krakeler dann immer gleich mit "missrrratten!" ankommt. Offen gestanden musste ich auch eben erst nachschauen, ob die Bücherzerreißerei auf dem Spiegel nun mit der Unke oder dem Weiten Feld zu tun hatte, mein lieber Günter Grass, tja, man bekommt dann doch immer wieder Lust, in das Idiom dieses Kritikers zu verfallen, Schä-rift-schätellerrr thind alle Schä-weine, aber diethen Unthinn errsparre ich unth.

Das Problem war dann, dass ich die ganze Zeit so viel anderes tun konnte, z.B. die Tür ansehen,



die, wie man erkennen kann, zwischenzeitlich mal ersetzt worden sein muss und somit zwar noch in die alten Angeln gepasst hat, jedoch offensichtlich um einige Zentimeter schmaler als ihre Vorgängerin ist, die vermutlich nicht einmal genormt war, wodurch sich der wirklich findige Hausherr veranlasst sah, den ursprünglichen Rahmen auf das entsprechende Maß zu verkleinern, indem er ganz einfach eine unauffällige Leiste eingesetzt hat, die zugleich auch der Aufnahme der Schlossfalle dient, wenn die Tür geschlossen wird, und dennoch ist das geschmiedete Gegenstück des alten, sicherlich außenliegenden Kastenschlosses erhalten geblieben und sieht ganz natürlich aus. Solche Dinge finde ich ganz großartig!

Ich konnte auch auf dem Bett liegen und die Decke ansehen,



für manchen mag es eine gewöhnliche Holzdecke sein, für mich ein wunderschöner Anblick, dem ich bedauerlicherweise durch die abenteuerliche Kamerahaltung viel zu viel Dynamik verpasst habe, denn eigentlich laufen die Linien rechtwinklig zum Betrachter und parallel zueinander, wobei die dennoch nie Langeweile aufkommt, da der Künstler ganz bewussst keine genormten Standardbauteile verwendet, sondern auf Elemente unterschiedlicher Breite zurückgegriffen hat, die dem Ensemble gerade das rechte Maß an Ungleichförmigkeit verleihen, so dass man immer wieder etwas zum Schauen hat und sich auch nach Tagen nicht langweilt.

Übertroffen wird dies nur noch durch die Bodendielen,



die wunderschön grobschlächtig und breit sind und dabei selbstredend ohne Nut-und-Feder- oder sonstige Verbindung auskommen, so dass man täglich aufs Neue bewundernd hinunterschauen und sie manchmal auch ganz vorsichtig berühren möchte.

War all dies nach einigen Stunden erledigt, ging es nach draußen, das muss ich ein anderes Mal erzählen, aber machen Sie sich auf was gefasst, so schönes Holz haben Sie wahrscheinlich noch nie gesehen, na gut! Aber nur eins!,



das ist vom Balkon und ich durfte barfuß darüberlaufen! Und Sie verstehen nun wohl, warum ich dann doch überhaupt nicht zum Lesen gekommen bin.

--
* Mit zitternden Händen aufgenommen am Tage des Abschieds**
** Das ist ganz allein meine Sache, wann ich mit dem Rumgeheule wieder aufhöre

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