Ich fühle mich 20 Jahre jünger - da veranstalten plötzlich Leute eine Bloglesung, und Frau Kaltmamsell wirft ein Stöckchen! Ich springe gerne:
1. Welches war dein erstes Stofftier und was verbindest du damit?
Ein Teddybär von Steiff, vermutlich dieses Modell. Arme und Beine waren beweglich, und er brummte, wenn man ihn umdrehte. Ich mochte ihn sehr und er spendete zuverlässig Trost, auch später, als ich mich dafür eigentlich viel zu alt fühlte.
2. Wie stelltest du dir als Kind dein Erwachsenenleben vor?
Ich würde Astronaut werden und mit einem Raumschiff wie der Enterprise durchs All fliegen, als Captain eine kühne und total nette Mannschaft anführen und mir jeden Morgen überlegen, welchen erdähnlichen Planeten wir heute mal entdecken sollten.
3. Warst du ein eher leises oder eher lautes Kind?
Leise - ich las früh und gerne, zog mich auf Kindergeburtstagen auch mal mit einem Buch in die Ecke zurück, während die anderen herumtobten. Allerdings erinnere ich mich zugleich an wildes Herumrennen und Rufen auf dem Grundschulhof, wo ich komischerweise irgendwann eine Anführerrolle einnahm, und an meine ebenso lautstarke Begeisterung, wenn wir nachmittags draußen "Enterprise" oder Cowboysachen spielten.
4. Gab es etwas in deiner Kindheit, das du heute sehnsüchtig vermisst?
Das intensive Erleben und die Begeisterung für so viele Dinge: Mein bester Freund holte mich morgens ab, schon der gemeinsame Schulweg war aufregend, auf dem Zaun balancieren, und was der Tag wohl bringen würde? Wie ich mich über Süßigkeiten vom Kiosk freute, das neue Mickymausheft, was man aus Lego für tolle Phaser bauen konnte, beim Sperrmüll den zehnten Lautsprecher aus einem kaputten Fernseher ausbauen und zu Hause mit Klingeldraht an den Cassettenrecorder anschließen. Ich habe furchtbar gerne gebastelt, kaputte Elektrogeräte auseinandergenommen und mir vorgestellt, aus den Teilen eine großartige, neue Erfindung zusammenzubauen.
5. Welches Verhältnis hattest du als Kind zu Musik?
Mein Verhältnis war immer passiv (ich beherrsche kein Instrument, kann keine Noten lesen, fühle mich vollkommen unfähig) und zugleich äußerst intensiv. Bestimmte Melodien berührten mich so sehr, dass ich errötete und mir fast die Tränen kamen. Es gab ein Spulentonbandgerät mit aufgenommener Musik, vor dem ich stundenlang selbstvergessen sitzen konnte. Zu diesen ganz frühen musikalischen Erinnerungen gehören "Ruby Tuesday" von den Stones, "Meilenweit" von Martin Mann und "Capri, c’est fini" von Hervé Villard. Dann saßen wir in einem Urlaub im Restaurant, aus den Lautsprechern kam "Hey Jude", und ich war vom Donnerschlag gerührt.
1. Welches war dein erstes Stofftier und was verbindest du damit?
Ein Teddybär von Steiff, vermutlich dieses Modell. Arme und Beine waren beweglich, und er brummte, wenn man ihn umdrehte. Ich mochte ihn sehr und er spendete zuverlässig Trost, auch später, als ich mich dafür eigentlich viel zu alt fühlte.
2. Wie stelltest du dir als Kind dein Erwachsenenleben vor?
Ich würde Astronaut werden und mit einem Raumschiff wie der Enterprise durchs All fliegen, als Captain eine kühne und total nette Mannschaft anführen und mir jeden Morgen überlegen, welchen erdähnlichen Planeten wir heute mal entdecken sollten.
3. Warst du ein eher leises oder eher lautes Kind?
Leise - ich las früh und gerne, zog mich auf Kindergeburtstagen auch mal mit einem Buch in die Ecke zurück, während die anderen herumtobten. Allerdings erinnere ich mich zugleich an wildes Herumrennen und Rufen auf dem Grundschulhof, wo ich komischerweise irgendwann eine Anführerrolle einnahm, und an meine ebenso lautstarke Begeisterung, wenn wir nachmittags draußen "Enterprise" oder Cowboysachen spielten.
4. Gab es etwas in deiner Kindheit, das du heute sehnsüchtig vermisst?
Das intensive Erleben und die Begeisterung für so viele Dinge: Mein bester Freund holte mich morgens ab, schon der gemeinsame Schulweg war aufregend, auf dem Zaun balancieren, und was der Tag wohl bringen würde? Wie ich mich über Süßigkeiten vom Kiosk freute, das neue Mickymausheft, was man aus Lego für tolle Phaser bauen konnte, beim Sperrmüll den zehnten Lautsprecher aus einem kaputten Fernseher ausbauen und zu Hause mit Klingeldraht an den Cassettenrecorder anschließen. Ich habe furchtbar gerne gebastelt, kaputte Elektrogeräte auseinandergenommen und mir vorgestellt, aus den Teilen eine großartige, neue Erfindung zusammenzubauen.
5. Welches Verhältnis hattest du als Kind zu Musik?
Mein Verhältnis war immer passiv (ich beherrsche kein Instrument, kann keine Noten lesen, fühle mich vollkommen unfähig) und zugleich äußerst intensiv. Bestimmte Melodien berührten mich so sehr, dass ich errötete und mir fast die Tränen kamen. Es gab ein Spulentonbandgerät mit aufgenommener Musik, vor dem ich stundenlang selbstvergessen sitzen konnte. Zu diesen ganz frühen musikalischen Erinnerungen gehören "Ruby Tuesday" von den Stones, "Meilenweit" von Martin Mann und "Capri, c’est fini" von Hervé Villard. Dann saßen wir in einem Urlaub im Restaurant, aus den Lautsprechern kam "Hey Jude", und ich war vom Donnerschlag gerührt.
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In diesen langen Wochen fernab des Weltgeschehens haben wir uns auf meinem Bett gemeinsam eingerichtet. Mehrmals pro Nacht muss ich meine Bettgenoss*innen neu sortieren, das geschieht aber ohne viele Worte und immer einvernehmlich. Am nächsten Morgen werde ich informiert, wieviel und wie laut ich geschnarcht habe.
"Nutzen Sie Ihren Partner, Ihre Partnerin oder eine App", hatte die KI vorgeschlagen, nachdem ich sie zum Thema befragte, und das kann ja nur rhetorisch gemeint sein: Schließlich bietet das Doppelbett mit der riesigen Decke, den vier Kissen und zwei Wärmflaschen (die dritte finde ich nicht) nun wirklich keinen Platz für eine weitere Person; eine Person zumal, die mich womöglich bald ins Nebenzimmer schickt, weil ich – angeblich! – schnarche. Oder die sich beschwert, nur weil ich mir ganz normal gegen 2:00h ein paar Käsebrote hole, wenn schon keine Frikadellen da sind; und der Teller braucht auch seinen Platz.
Am Ende gibt es noch Probleme mit der Auswahl der nächtlichen Lektüre, ich habe es schon im Ohr: Du immer mit deinem Kafka, kannst du nicht Kopfhörer nehmen, das Kapitel hattest du vorhin schon usw.; ja, danke!, ich bin nun mal eingeschlafen!, sorry!, soll ich nach der Lücke einfach weiterhören, nur weil du schon dreimal gehört hast, wie Frieda sich im Schulgebäude für K. aufopfert und er sie vernachlässigt – das möchte ich schon detailliert erfahren!
Meine Schnarch-App hingegen beschwert sich nicht, sondern erkennt – und respektiert! – , wenn ich den Raum verlasse oder das nächste Kapitel vom Hörbuch abspiele, sie filtert das einfach heraus, daran können sich manche Leute ein Beispiel nehmen. Und übrigens, wo wir gerade drüber reden: Wenn ich die App starte, steht da unmissverständlich Schlafen Sie allein!
Weniger sicher bin ich bei der Frage, wie sich Kunst und Leben gegenseitig beeinflussen. Stelle ich eine winzige, rein formale Änderungsanfrage bei den Stadtwerken, werden alle meine Verträge beendet; kündige ich eine von zwei Versicherungen, wird die andere umso teurer. Ich traue mich kaum noch, mich an irgendeine Institution zu wenden, sonst belehrt mich bestimmt jemand, dass ich ohne gräfliche Erlaubnis gar nicht hier schlafen dürfe – und mir fehlt die entsprechende Bescheinigung!
Wenn es vormittags Sturm klingelt und ich mit wirrem Haar und erschrockenem Blick im Bademantel die Tür öffne, steht da ein Gendarm, nennt meinen Namen und fragt, ob es sich dabei um meine Person handele. Gewiss, Herr, sage ich, und umgehend fordert er mich auf, mein Auto wegzuparken, da selbiges im absoluten Halteverbot stehe und man es andernfalls gleich abschleppen lasse. "Äh, wie, äh, hier? Äh, ja, klar! Sofort, Chef, unverzüglich!", antwortete K., und während er sich mühsam seines Bademantels entledigte und in eine Jogginghose sprang, dachte er fieberhaft nach.
Schließlich erinnerte er sich, dass er wahrhaftig am Vorabend sein Fahrzeug neben einem mobilen Schild abgestellt hatte, auf dem ein Halteverbot verkündet wurde, unter dem jedoch ein Zusatzschild mit der Inschrift "16.10." hing, und dass er ebendieses Zusatzschild nicht nur eingehend studiert, sondern darüber sogar mit seiner Tochter gesprochen hatte, die das Schild ebenfalls wahrgenommen und nach dessen Bedeutung gefragt hatte, so dass K. schließlich bewusst und voller Überzeugung genau dort parkte, denn der 16. Oktober war der vergangene Freitag und also längst vorüber, weshalb an der Rechtmäßigkeit seines Parkens keinerlei Zweifel bestehen konnten.

Als er nun eilig die Wohnung verließ und sich dem Schild näherte, las er: 16.10.-20.10.; und während er, hektisch rangierend, zwischen den hoch aufragenden und viel zu eng stehenden Baufahrzeugen auszuparken versuchte, glaubte K., in den Augen der Bauarbeiter, die ihn, erwartungsvoll auf ihre Schaufeln gestützt, bei seinem mühevollen Tun beobachteten, einen Ausdruck kecken Schuldbewusstseins zu erkennen, man hätte ihn wohl auch Sündenstolz nennen können.
"Nutzen Sie Ihren Partner, Ihre Partnerin oder eine App", hatte die KI vorgeschlagen, nachdem ich sie zum Thema befragte, und das kann ja nur rhetorisch gemeint sein: Schließlich bietet das Doppelbett mit der riesigen Decke, den vier Kissen und zwei Wärmflaschen (die dritte finde ich nicht) nun wirklich keinen Platz für eine weitere Person; eine Person zumal, die mich womöglich bald ins Nebenzimmer schickt, weil ich – angeblich! – schnarche. Oder die sich beschwert, nur weil ich mir ganz normal gegen 2:00h ein paar Käsebrote hole, wenn schon keine Frikadellen da sind; und der Teller braucht auch seinen Platz.
Am Ende gibt es noch Probleme mit der Auswahl der nächtlichen Lektüre, ich habe es schon im Ohr: Du immer mit deinem Kafka, kannst du nicht Kopfhörer nehmen, das Kapitel hattest du vorhin schon usw.; ja, danke!, ich bin nun mal eingeschlafen!, sorry!, soll ich nach der Lücke einfach weiterhören, nur weil du schon dreimal gehört hast, wie Frieda sich im Schulgebäude für K. aufopfert und er sie vernachlässigt – das möchte ich schon detailliert erfahren!
Meine Schnarch-App hingegen beschwert sich nicht, sondern erkennt – und respektiert! – , wenn ich den Raum verlasse oder das nächste Kapitel vom Hörbuch abspiele, sie filtert das einfach heraus, daran können sich manche Leute ein Beispiel nehmen. Und übrigens, wo wir gerade drüber reden: Wenn ich die App starte, steht da unmissverständlich Schlafen Sie allein!
Weniger sicher bin ich bei der Frage, wie sich Kunst und Leben gegenseitig beeinflussen. Stelle ich eine winzige, rein formale Änderungsanfrage bei den Stadtwerken, werden alle meine Verträge beendet; kündige ich eine von zwei Versicherungen, wird die andere umso teurer. Ich traue mich kaum noch, mich an irgendeine Institution zu wenden, sonst belehrt mich bestimmt jemand, dass ich ohne gräfliche Erlaubnis gar nicht hier schlafen dürfe – und mir fehlt die entsprechende Bescheinigung!
Wenn es vormittags Sturm klingelt und ich mit wirrem Haar und erschrockenem Blick im Bademantel die Tür öffne, steht da ein Gendarm, nennt meinen Namen und fragt, ob es sich dabei um meine Person handele. Gewiss, Herr, sage ich, und umgehend fordert er mich auf, mein Auto wegzuparken, da selbiges im absoluten Halteverbot stehe und man es andernfalls gleich abschleppen lasse. "Äh, wie, äh, hier? Äh, ja, klar! Sofort, Chef, unverzüglich!", antwortete K., und während er sich mühsam seines Bademantels entledigte und in eine Jogginghose sprang, dachte er fieberhaft nach.
Schließlich erinnerte er sich, dass er wahrhaftig am Vorabend sein Fahrzeug neben einem mobilen Schild abgestellt hatte, auf dem ein Halteverbot verkündet wurde, unter dem jedoch ein Zusatzschild mit der Inschrift "16.10." hing, und dass er ebendieses Zusatzschild nicht nur eingehend studiert, sondern darüber sogar mit seiner Tochter gesprochen hatte, die das Schild ebenfalls wahrgenommen und nach dessen Bedeutung gefragt hatte, so dass K. schließlich bewusst und voller Überzeugung genau dort parkte, denn der 16. Oktober war der vergangene Freitag und also längst vorüber, weshalb an der Rechtmäßigkeit seines Parkens keinerlei Zweifel bestehen konnten.

Als er nun eilig die Wohnung verließ und sich dem Schild näherte, las er: 16.10.-20.10.; und während er, hektisch rangierend, zwischen den hoch aufragenden und viel zu eng stehenden Baufahrzeugen auszuparken versuchte, glaubte K., in den Augen der Bauarbeiter, die ihn, erwartungsvoll auf ihre Schaufeln gestützt, bei seinem mühevollen Tun beobachteten, einen Ausdruck kecken Schuldbewusstseins zu erkennen, man hätte ihn wohl auch Sündenstolz nennen können.
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Ich liege hier ja nur noch so rum, da ist es gut, wenn ich mal aktiviert werde. Gestern abend schaute ich nebenbei auf mein Girokonto, aber da war nur noch ein riesiges Loch: Der lokale Gaswasserstromanbieter hatte meine finanzielle Infrastruktur weggebombt.
Nun hat das eine lustige Vorgeschichte, denn ich hatte vor ein paar Wochen eine harmlose Mail geschrieben mit der Bitte, die Verträge, ursprünglich auf zwei Personen ausgestellt, auf mich allein umzuschreiben, mehr so aus ästhetischen Gründen.
Ansatzlos bekam ich "Auszugsbescheinigungen" und Schlussabrechnungen zugeschickt, ein Anruf ergab: Muss so, geht nicht anders, kriegen Sie dann alles neu. Kam auch alles neu, aber nicht mit den alten Tarifen, sondern in teurer Grundversorgung. Anruf: Hä, warum haben die Kollegen das so umständlich gemacht, die hätten doch bloß den einen Namen rausnehmen müssen, dann wäre alles so weitergelaufen. Aber jetzt ist alles gekündigt und abgerechnet, zurück geht das leider nicht, und die alten Tarife gibt es nicht mehr, wir suchen Ihnen aber was Schönes raus.
Ich fand in mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, akzeptierte die neuen Tarife, erteilte die Einzugsermächtigung und hörte nichts mehr, bis ich gestern mein Konto in Scherben vorfand. "So kann man Kunden erschrecken, he he", freute sich der Kundendienstler, nachdem er mühsam und umständlich meinen bisherigen Verbrauch (alte Kundennummer, Moment!, unser System zickt hier!) ermittelt hatte. "Das ändern wir, ist ja monatlich mehr als sonst im halben Jahr!"
Klar, den neuen Abschlagplan könne er mir gerne brieflich zusenden, keine Sorge, ist jetzt korrigiert. Die erste Abbuchung sei allerdings nicht rückgängig zu machen. Ist OK, sagte ich, ist OK, das sollte nur lieber nicht noch mal, auf Dauer wird das finanziell sonst ein bisschen anstrengend. "Da schätze ich mal, dass Sie bei der ersten Jahresabrechnung eine Rückzahlung bekommen", freute er sich für mich, und das sind doch Aussichten, gerade in diesen Zeiten, vielleicht auch für Sie eine Idee?
Nun hat das eine lustige Vorgeschichte, denn ich hatte vor ein paar Wochen eine harmlose Mail geschrieben mit der Bitte, die Verträge, ursprünglich auf zwei Personen ausgestellt, auf mich allein umzuschreiben, mehr so aus ästhetischen Gründen.
Ansatzlos bekam ich "Auszugsbescheinigungen" und Schlussabrechnungen zugeschickt, ein Anruf ergab: Muss so, geht nicht anders, kriegen Sie dann alles neu. Kam auch alles neu, aber nicht mit den alten Tarifen, sondern in teurer Grundversorgung. Anruf: Hä, warum haben die Kollegen das so umständlich gemacht, die hätten doch bloß den einen Namen rausnehmen müssen, dann wäre alles so weitergelaufen. Aber jetzt ist alles gekündigt und abgerechnet, zurück geht das leider nicht, und die alten Tarife gibt es nicht mehr, wir suchen Ihnen aber was Schönes raus.
Ich fand in mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, akzeptierte die neuen Tarife, erteilte die Einzugsermächtigung und hörte nichts mehr, bis ich gestern mein Konto in Scherben vorfand. "So kann man Kunden erschrecken, he he", freute sich der Kundendienstler, nachdem er mühsam und umständlich meinen bisherigen Verbrauch (alte Kundennummer, Moment!, unser System zickt hier!) ermittelt hatte. "Das ändern wir, ist ja monatlich mehr als sonst im halben Jahr!"
Klar, den neuen Abschlagplan könne er mir gerne brieflich zusenden, keine Sorge, ist jetzt korrigiert. Die erste Abbuchung sei allerdings nicht rückgängig zu machen. Ist OK, sagte ich, ist OK, das sollte nur lieber nicht noch mal, auf Dauer wird das finanziell sonst ein bisschen anstrengend. "Da schätze ich mal, dass Sie bei der ersten Jahresabrechnung eine Rückzahlung bekommen", freute er sich für mich, und das sind doch Aussichten, gerade in diesen Zeiten, vielleicht auch für Sie eine Idee?
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Ihr habt ja alle in der Coronazeit angefangen, eigenes Brot zu backen und von eurem Sauerteig zu erzählen. Bei mir ist es umgekehrt, ich habe vor ein paar Monaten mit dem Brotbacken angefangen und jetzt habe ich Corona.
Diesen Moment nutze ich, um mein aktuelles Vorgehen festzuhalten, nicht zuletzt als Notiz für mich selbst, denn wen interessieren schon die Brotgeschichten anderer Leute? Echt jetzt mal! Ich backe ohne Rezept nach Gefühl drauflos, es hat sich ungefähr so herausgemendelt:
Sauerteig (i.d.R. Roggenvollkorn): Ich bewahre 1-2 Esslöffel als sogenanntes Anstellgut im Kühlschrank auf, er hält locker eine Woche durch. Zum Aktivieren gehe ich zweistufig vor: Etwa 100g Wasser und 100g Mehl zu dem Anstellgut geben und verrühren. Wenn der Sauerteig nach einigen Stunden schön hochgeht und blubbert, das Ganze wiederholen. Im Ergebnis stehen ca. 400g aktiver Sauerteig. Neues Anstellgut abnehmen und in den Kühlschrank.
Brotteig: Den Sauerteig in die Knetschüssel, dazu knapp 700g Mehl in beliebiger Zusammensetzung, z.B. Roggenvollkorn (je mehr davon, umso kompakter und bioladenmäßiger wird es) oder Dinkel zwischen 630 und Vollkorn, meist eine Mischung aus allem. Optional einen kleinen Teil durch dubioses Zeug aus dem Vorrat ersetzen, das weg muss (was soll ich mit Kichererbsenmehl? Rein damit, wir lassen nichts umkommen!)
Gute 20g Salz und ein paar Brotgewürze (Kümmel, Kreuzkümmel, Anis, Fenchel) hinein und vorsichtig auf niedriger Stufe loskneten, dabei langsam Wasser zugeben, bloß nicht zuviel, bis eine schöne und eher feste Konsistenz entsteht und sich der Teig nach ein paar Minuten gut vom Schüsselrand löst.
Teigruhe 1: In eine geölte Schüssel geben und mit feuchtem Tuch abdecken, dann über Nacht (oder länger) in den Kühlschrank. Das Volumen muss sich deutlich vergrößern.
Teigruhe 2: Direkt im Römertopf, in dem dann auch gebacken wird – dazu auf den Boden ein Stück Backpapier legen und die Wände mit Öl bepinseln. Den Teig auf bemehlter Fläche zu einem Laib formen und in den Römertopf setzen. (Bei versehentlich zu weichem Teig direkt aus der Schüssel in den Römertopf schaben.) Abgedeckt eine gute Stunde gehen lassen, dabei zugleich den Römertopf wässern.
Backen: Laib oben einschneiden (entfällt bei sehr weichem Teig). Römertopf mit Deckel in den kalten Ofen, auf 250° hochheizen; wenn diese erreicht sind, 15 min backen. Auf 210° reduzieren und weitere 15 min backen. Den Deckel abnehmen und das Brot vorsichtig aus dem Römertopf auf das Gitter gleiten lassen. Noch mal ca. 15 min backen, bis der Bräunungsgrad stimmt und das Brot beim Klopfen hohl klingt.
Offenbar verwende ich ungewöhnlich viel Sauerteig, es sind 20-25% bezogen auf die gesamte Mehlmenge, jedoch hilft das bei hohem Roggenanteil, hält das Brot besonders lange frisch, und zudem mag ich den Sauerteiggeschmack – er war mir noch nie zu stark, auch bei reinen Dinkelbroten.
Mein letztes Brot ist nun gründlich misslungen, weil ich von dem beschriebenen Vorgehen abgewichen bin und gleich zwei Dinge ausprobiert habe: Ich habe ein sogenanntes Kochstück verwendet, das ist eine vorab hergestellte, puddingartige Masse aus (in diesem Fall Dinkel-) Mehl und Wasser, die das Brot weicher und noch haltbarer machen soll. Und ich habe die Autolyse probiert, also zuerst Mehl und Wasser grob vermischt und eine halbe Stunde stehen lassen, auch das soll die Teigstruktur verbessern. Insgesamt war dadurch aber viel zu viel Wasser im Teig und das Brot blieb flach.
Meine nächsten Versuche werden also: a) Nur das Kochstück verwenden und ansonsten vorgehen wie oben beschrieben und b) Fermentolyse probieren, d.h. Sauerteig, Mehl und Kochstück vermischen, nach Bedarf vorsichtig Wasser zugeben, eine halbe Stunde abwarten – erst dann Salz, Gewürze und ggf. noch etwas Wasser hineinkneten. Davon werde ich hier (mindestens an mich selbst) berichten.
Diesen Moment nutze ich, um mein aktuelles Vorgehen festzuhalten, nicht zuletzt als Notiz für mich selbst, denn wen interessieren schon die Brotgeschichten anderer Leute? Echt jetzt mal! Ich backe ohne Rezept nach Gefühl drauflos, es hat sich ungefähr so herausgemendelt:
Sauerteig (i.d.R. Roggenvollkorn): Ich bewahre 1-2 Esslöffel als sogenanntes Anstellgut im Kühlschrank auf, er hält locker eine Woche durch. Zum Aktivieren gehe ich zweistufig vor: Etwa 100g Wasser und 100g Mehl zu dem Anstellgut geben und verrühren. Wenn der Sauerteig nach einigen Stunden schön hochgeht und blubbert, das Ganze wiederholen. Im Ergebnis stehen ca. 400g aktiver Sauerteig. Neues Anstellgut abnehmen und in den Kühlschrank.
Brotteig: Den Sauerteig in die Knetschüssel, dazu knapp 700g Mehl in beliebiger Zusammensetzung, z.B. Roggenvollkorn (je mehr davon, umso kompakter und bioladenmäßiger wird es) oder Dinkel zwischen 630 und Vollkorn, meist eine Mischung aus allem. Optional einen kleinen Teil durch dubioses Zeug aus dem Vorrat ersetzen, das weg muss (was soll ich mit Kichererbsenmehl? Rein damit, wir lassen nichts umkommen!)
Gute 20g Salz und ein paar Brotgewürze (Kümmel, Kreuzkümmel, Anis, Fenchel) hinein und vorsichtig auf niedriger Stufe loskneten, dabei langsam Wasser zugeben, bloß nicht zuviel, bis eine schöne und eher feste Konsistenz entsteht und sich der Teig nach ein paar Minuten gut vom Schüsselrand löst.
Teigruhe 1: In eine geölte Schüssel geben und mit feuchtem Tuch abdecken, dann über Nacht (oder länger) in den Kühlschrank. Das Volumen muss sich deutlich vergrößern.
Teigruhe 2: Direkt im Römertopf, in dem dann auch gebacken wird – dazu auf den Boden ein Stück Backpapier legen und die Wände mit Öl bepinseln. Den Teig auf bemehlter Fläche zu einem Laib formen und in den Römertopf setzen. (Bei versehentlich zu weichem Teig direkt aus der Schüssel in den Römertopf schaben.) Abgedeckt eine gute Stunde gehen lassen, dabei zugleich den Römertopf wässern.
Backen: Laib oben einschneiden (entfällt bei sehr weichem Teig). Römertopf mit Deckel in den kalten Ofen, auf 250° hochheizen; wenn diese erreicht sind, 15 min backen. Auf 210° reduzieren und weitere 15 min backen. Den Deckel abnehmen und das Brot vorsichtig aus dem Römertopf auf das Gitter gleiten lassen. Noch mal ca. 15 min backen, bis der Bräunungsgrad stimmt und das Brot beim Klopfen hohl klingt.
Offenbar verwende ich ungewöhnlich viel Sauerteig, es sind 20-25% bezogen auf die gesamte Mehlmenge, jedoch hilft das bei hohem Roggenanteil, hält das Brot besonders lange frisch, und zudem mag ich den Sauerteiggeschmack – er war mir noch nie zu stark, auch bei reinen Dinkelbroten.
Mein letztes Brot ist nun gründlich misslungen, weil ich von dem beschriebenen Vorgehen abgewichen bin und gleich zwei Dinge ausprobiert habe: Ich habe ein sogenanntes Kochstück verwendet, das ist eine vorab hergestellte, puddingartige Masse aus (in diesem Fall Dinkel-) Mehl und Wasser, die das Brot weicher und noch haltbarer machen soll. Und ich habe die Autolyse probiert, also zuerst Mehl und Wasser grob vermischt und eine halbe Stunde stehen lassen, auch das soll die Teigstruktur verbessern. Insgesamt war dadurch aber viel zu viel Wasser im Teig und das Brot blieb flach.
Meine nächsten Versuche werden also: a) Nur das Kochstück verwenden und ansonsten vorgehen wie oben beschrieben und b) Fermentolyse probieren, d.h. Sauerteig, Mehl und Kochstück vermischen, nach Bedarf vorsichtig Wasser zugeben, eine halbe Stunde abwarten – erst dann Salz, Gewürze und ggf. noch etwas Wasser hineinkneten. Davon werde ich hier (mindestens an mich selbst) berichten.
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Mein erster Anlauf scheiterte grandios: Die neue Bildschirmbrille nagelte mir jedes Pixel so gleißend und hyperrealistisch auf die Netzhaut, dass ich stark getönte Gläser gebraucht hätte. Zugleich nahm der Bildschirm selbst, eigentlich modern rechteckig, fröhlich gerundete und ansprechend asymmetrische Retro-Formen an. Für das schicke Gestell bekam ich Komplimente; die Brille verlor ich lieber zügig.
Parallel hatte ich mir eine Gleitsichtbrille aufschwatzen lassen, die mich subjektiv einen halben Meter wachsen und bei jedem Schritt bedenklich wanken ließ, so dass ich mich permanent festhalten musste und die ersten Wege nur auf zwei Personen gestützt zurücklegen konnte. Noch heute wird mir unwohl, wenn ich das Ding gelegentlich aufsetze, um mit morgentrüben Augen etwas zu entziffern, denn immerhin das ermöglicht diese Brille, wenn ich in einem ganz bestimmten Winkel hindurchschaue.
Aber mehr auch nicht - ein paar Versuche, sie beim Spazierengehen zu tragen, verleideten mir ebendiese Spaziergänge gründlich. Statt zu entspannen, strengte mich meine Seerunde plötzlich an, auf dem Fahrrad verunsicherte mich die verzerrte Sicht extrem, und "können Sie auch beim Autofahren tragen" wollte ich meiner Umwelt erst recht nicht antun.
Das ist nun viele Jahre her, so dass ich die finanziellen Folgen eines solchen Brillendoppelschlags inzwischen überwinden konnte, zudem komme ich ohne Sehhilfe insgesamt noch gut zurecht - doch aufgemuntert durch mein liebes Kind, das sich selbst eine neue Brille besorgen wollte, betrat ich vor einigen Wochen beim gemeinsamen Heimatbesuch mehrere Geschäfte, um "mal zu gucken".
Verblüffend nun, dass ich ausgerechnet beim verpönten Marktführer nicht nur Gestelle fand, die mir zusagten, sondern auf über die Maßen freundliche, geduldige und zugewandte Art beraten wurde. Ein kostenpflichtiges Augen-Screening fragte ich selbst an und weiß nun, dass mein Augeninnendruck in Ordnung ist und wo meine Blinden Flecken sind. (Wirklich faszinierend, die eigene Augenrückwand!)
Freue mich also auf zwei neue Brillen, eine zum Lesen, eine für die Ferne, und die könnte ich mir bequem in eine hiesige Filiale liefern lassen - aber das wäre nicht richtig, das will ich bei genau der kompetenten und sympathischen Augenoptikerin zu Ende bringen, die sich so viel Zeit genommen und mir keinen teuren Unsinn aufgedrängt hat. Fast hätte ich sie ins Café nebenan eingeladen.
Parallel hatte ich mir eine Gleitsichtbrille aufschwatzen lassen, die mich subjektiv einen halben Meter wachsen und bei jedem Schritt bedenklich wanken ließ, so dass ich mich permanent festhalten musste und die ersten Wege nur auf zwei Personen gestützt zurücklegen konnte. Noch heute wird mir unwohl, wenn ich das Ding gelegentlich aufsetze, um mit morgentrüben Augen etwas zu entziffern, denn immerhin das ermöglicht diese Brille, wenn ich in einem ganz bestimmten Winkel hindurchschaue.
Aber mehr auch nicht - ein paar Versuche, sie beim Spazierengehen zu tragen, verleideten mir ebendiese Spaziergänge gründlich. Statt zu entspannen, strengte mich meine Seerunde plötzlich an, auf dem Fahrrad verunsicherte mich die verzerrte Sicht extrem, und "können Sie auch beim Autofahren tragen" wollte ich meiner Umwelt erst recht nicht antun.
Das ist nun viele Jahre her, so dass ich die finanziellen Folgen eines solchen Brillendoppelschlags inzwischen überwinden konnte, zudem komme ich ohne Sehhilfe insgesamt noch gut zurecht - doch aufgemuntert durch mein liebes Kind, das sich selbst eine neue Brille besorgen wollte, betrat ich vor einigen Wochen beim gemeinsamen Heimatbesuch mehrere Geschäfte, um "mal zu gucken".
Verblüffend nun, dass ich ausgerechnet beim verpönten Marktführer nicht nur Gestelle fand, die mir zusagten, sondern auf über die Maßen freundliche, geduldige und zugewandte Art beraten wurde. Ein kostenpflichtiges Augen-Screening fragte ich selbst an und weiß nun, dass mein Augeninnendruck in Ordnung ist und wo meine Blinden Flecken sind. (Wirklich faszinierend, die eigene Augenrückwand!)
Freue mich also auf zwei neue Brillen, eine zum Lesen, eine für die Ferne, und die könnte ich mir bequem in eine hiesige Filiale liefern lassen - aber das wäre nicht richtig, das will ich bei genau der kompetenten und sympathischen Augenoptikerin zu Ende bringen, die sich so viel Zeit genommen und mir keinen teuren Unsinn aufgedrängt hat. Fast hätte ich sie ins Café nebenan eingeladen.
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Legen wir in diese verwaiste Schreibstube mal einen Notizblock: Denn ich mag keine Loseblattsamlung, aber auch kein Heft oder Büchlein mit unsystematisch aufgeschriebenen oder eingeklebten Rezepten.

Ich buk in diesem Jahr drei Sorten Plätzchen, zwei davon mehrmals, alle vegan:
1) Stollenkonfekt auf dieser Basis. Zuerst ein offensichtlicher Misserfolg: Laut Rezept 13 min bei 180° Umluft backen und rausnehmen, bevor es sich bräunt, auch wenn es sich noch zu weich anfühlt. Ha ha: Innendrin war roher Teig! Ich habe zweimal nachgebacken, sie wurden dadurch dunkel und fest und ich war enttäuscht.
Aber dann! Sie schmeckten unerwartet gut, hatten mit Stollen wenig zu tun, aber einen feinen, würzigen und nicht zu süßen Geschmack sowie eine eher feste, fast lebkuchenhafte Konsistenz. Beim Würzen habe ich über den genannten Teelöffel Christstollengewürz hinaus mutig zugegeben: Kleingeschnittenen Ingwer; Kardamom; Zimt; Anis; Muskat. Außerdem nicht nur Bittermandelöl, sondern reichlich Amaretto.
Beim zweiten Anlauf habe ich sie direkt knappe 20 min gebacken, das scheint zu passen - wenn man nicht auf die Idee kommt, dass es irgendwie um Christstollen geht.
NB: Der abgesiebte Orangensaft, in dem Zitronat usw. eingeweicht wurden, ist eine Geschmacksbombe. Aufbewahren und mit kaltem Sprudelwasser aufgießen! Oder irgendwelche Drinks damit ausprobieren.
Kurzfassung Rezept: 50 g Walnüsse, 100 g Orangeat, 100 g Zitronat, 100 g Rosinen über Nacht in Orangensaft einweichen. 500 g Mehl, 150 g Zucker, 100 g gemahlene Mandeln, 1 TL Christstollengewürz, 1 Pk. Trockenhefe, 1 Pk. Vanillezucker vermischen und 50 ml Pflanzenöl, 200 g pflanzliche Butter, 1/2 TL Bittermandelaroma, 150 ml pflanzliche Milch zugeben. [Nach Belieben mehr Gewürze, Ingwer, Amaretto]. 30 Minuten an warmem Ort gehen lassen, 2-3 cm dick ausrollen, in Stücke schneiden und bei 180 °C Umluft ca. 18-20 min backen.
2) Husarenkrapfen nach diesem Grundrezept. Als Marmeladen: Glühwein-Kirsch-Konfitüre, Himbeere. (Es gibt einen Glaubenskampf: Marmelade mitbacken oder nachträglich einfüllen? Mitbacken war super - kein Überlaufen, keine Gummikonsistenz.) Ich habe die Mengen verdreifacht und die Kugeln, aus denen man die einzelnen Krapfen fertigt, zu groß gerollt. Die Krapfen waren riesig und bekamen ein paar Dehnungsrisse. Nächstes Mal lieber kleiner (flachgedrückt ca. wie eine Euromünze). Auf der anderen Seite machten die großen Exemplare mächtig Eindruck.
Kurzfassung Rezept: 150 g Mehl, 50 g Zucker, 40 g gemahlene Haselnüsse, 1 P. Vanillezucker mischen, 125 g vegane Butter einarbeiten und zu einem Teig verkneten. Zu einer Rolle formen und mindestens 1 Stunde kühlen. In ca. 1 cm dicke Scheiben schneiden, flach drücken, Mulden formen und mit Marmelade füllen. Bei 180 °C ca. 12–15 Minuten backen.
3) Schön einfach und super angekommen: Mandelkekse nach diesem Rezept. Beim ersten Mal mit dreifacher Menge eine sehr dicke Rolle produziert, die beim Schneiden plattgedrückt wurde, so dass riesige, längliche Scheiben draus wurden. Diese nach dem Abkühlen an einer Seite in geschmolzene Bitterschokolade mit Kokosfett getaucht (auf 100 g Schokolade ca. 10 g Kokosfett - nicht mehr, sonst wird's zu weich) und auf Backpapier gelegt.
Beim zweiten Mal die Menge vervierfacht, das war für die Küchenmaschine fast zuviel. Dünner gerollt, so dass das Ergebnis normaler dimensioniert war - vielleicht waren die großen Dinger am Ende besser, sahen in ihren Zellophantüten jedenfalls beeindruckender aus. Außerdem beim zweiten Anlauf Bittermandelöl und Amaretto reingegossen, das gibt etwas mehr Aroma - ob's besser ist, kann ich nicht mehr sagen.
Kurzfassung Rezept: 150 g vegane Margarine, 100 g braunen Zucker, 1 Prise Salz, 200 g Mehl, 100 g gehackte Mandeln zu einem Teig verkneten, zu einer Rolle formen und 30 min kalt stellen. In 0,5–1 cm dicke Scheiben schneiden und bei 200 °C Umluft ca. 10 min backen.

Ich buk in diesem Jahr drei Sorten Plätzchen, zwei davon mehrmals, alle vegan:
1) Stollenkonfekt auf dieser Basis. Zuerst ein offensichtlicher Misserfolg: Laut Rezept 13 min bei 180° Umluft backen und rausnehmen, bevor es sich bräunt, auch wenn es sich noch zu weich anfühlt. Ha ha: Innendrin war roher Teig! Ich habe zweimal nachgebacken, sie wurden dadurch dunkel und fest und ich war enttäuscht.
Aber dann! Sie schmeckten unerwartet gut, hatten mit Stollen wenig zu tun, aber einen feinen, würzigen und nicht zu süßen Geschmack sowie eine eher feste, fast lebkuchenhafte Konsistenz. Beim Würzen habe ich über den genannten Teelöffel Christstollengewürz hinaus mutig zugegeben: Kleingeschnittenen Ingwer; Kardamom; Zimt; Anis; Muskat. Außerdem nicht nur Bittermandelöl, sondern reichlich Amaretto.
Beim zweiten Anlauf habe ich sie direkt knappe 20 min gebacken, das scheint zu passen - wenn man nicht auf die Idee kommt, dass es irgendwie um Christstollen geht.
NB: Der abgesiebte Orangensaft, in dem Zitronat usw. eingeweicht wurden, ist eine Geschmacksbombe. Aufbewahren und mit kaltem Sprudelwasser aufgießen! Oder irgendwelche Drinks damit ausprobieren.
Kurzfassung Rezept: 50 g Walnüsse, 100 g Orangeat, 100 g Zitronat, 100 g Rosinen über Nacht in Orangensaft einweichen. 500 g Mehl, 150 g Zucker, 100 g gemahlene Mandeln, 1 TL Christstollengewürz, 1 Pk. Trockenhefe, 1 Pk. Vanillezucker vermischen und 50 ml Pflanzenöl, 200 g pflanzliche Butter, 1/2 TL Bittermandelaroma, 150 ml pflanzliche Milch zugeben. [Nach Belieben mehr Gewürze, Ingwer, Amaretto]. 30 Minuten an warmem Ort gehen lassen, 2-3 cm dick ausrollen, in Stücke schneiden und bei 180 °C Umluft ca. 18-20 min backen.
2) Husarenkrapfen nach diesem Grundrezept. Als Marmeladen: Glühwein-Kirsch-Konfitüre, Himbeere. (Es gibt einen Glaubenskampf: Marmelade mitbacken oder nachträglich einfüllen? Mitbacken war super - kein Überlaufen, keine Gummikonsistenz.) Ich habe die Mengen verdreifacht und die Kugeln, aus denen man die einzelnen Krapfen fertigt, zu groß gerollt. Die Krapfen waren riesig und bekamen ein paar Dehnungsrisse. Nächstes Mal lieber kleiner (flachgedrückt ca. wie eine Euromünze). Auf der anderen Seite machten die großen Exemplare mächtig Eindruck.
Kurzfassung Rezept: 150 g Mehl, 50 g Zucker, 40 g gemahlene Haselnüsse, 1 P. Vanillezucker mischen, 125 g vegane Butter einarbeiten und zu einem Teig verkneten. Zu einer Rolle formen und mindestens 1 Stunde kühlen. In ca. 1 cm dicke Scheiben schneiden, flach drücken, Mulden formen und mit Marmelade füllen. Bei 180 °C ca. 12–15 Minuten backen.
3) Schön einfach und super angekommen: Mandelkekse nach diesem Rezept. Beim ersten Mal mit dreifacher Menge eine sehr dicke Rolle produziert, die beim Schneiden plattgedrückt wurde, so dass riesige, längliche Scheiben draus wurden. Diese nach dem Abkühlen an einer Seite in geschmolzene Bitterschokolade mit Kokosfett getaucht (auf 100 g Schokolade ca. 10 g Kokosfett - nicht mehr, sonst wird's zu weich) und auf Backpapier gelegt.
Beim zweiten Mal die Menge vervierfacht, das war für die Küchenmaschine fast zuviel. Dünner gerollt, so dass das Ergebnis normaler dimensioniert war - vielleicht waren die großen Dinger am Ende besser, sahen in ihren Zellophantüten jedenfalls beeindruckender aus. Außerdem beim zweiten Anlauf Bittermandelöl und Amaretto reingegossen, das gibt etwas mehr Aroma - ob's besser ist, kann ich nicht mehr sagen.
Kurzfassung Rezept: 150 g vegane Margarine, 100 g braunen Zucker, 1 Prise Salz, 200 g Mehl, 100 g gehackte Mandeln zu einem Teig verkneten, zu einer Rolle formen und 30 min kalt stellen. In 0,5–1 cm dicke Scheiben schneiden und bei 200 °C Umluft ca. 10 min backen.
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Gerne denke ich an das Jahr zwischen Zivildienst und Studium zurück. Also dem ersten, bald wieder abgebrochenen Studium; dann kam ja noch dieses andere und dann das dritte, aber darum soll es heute nicht gehen - lediglich eine gewisse Plan- und Ideenlosigkeit mag dadurch als Hintergrund angedeutet sein, vor dem diese Geschichte, oder ist es mein ganzes Leben, spielt.
Lange hatte ich geglaubt, wenn man diese ewige Schulzeit hinter sich gebracht hätte, käme man endlich wieder zurückin den davorliegenden, quasi natürlichen Zustand: Morgens aufstehen und mal schauen, was der Tag so bringt. "Geglaubt" im Sinne von darüber nachgedacht natürlich nicht - die Frage hatte sich mir einfach nie gestellt; es war aber eine zugleich unscharfe und völlig eindeutige Vorstellung, dass die dreizehn Jahre eine enervierend lange, am Ende aber doch vorübergehende Unterbrechung einer eigentlichen, natürlichen Daseinsform bedeuteten.
Also wunderte ich mich, als die anderen irgendwas von "Maler" oder "Rechtsanwältin" erzählten. Die Lehrerin hatte gefragt, was wir denn nach der Schule so machen wollten, und ich antwortete völlig entgeistert: Na, gar nichts!
Es folgte ein Vortrag mit seltsamen Begrifflichkeiten wie "jemandem auf der Tasche liegen" etc., und mir wurde klar, dass dem Thema auf Dauer nicht auszuweichen wäre; jedoch bildete sich auch in den kommenden Jahren keinerlei Vorstellung heraus, und ich konnte froh sein, dass ich nach dem Abitur erst mal 20 Monate Zivildienst ableisten durfte.
Während ehemalige Mitschülerinnen ihr Vordiplom ablegten, fasste ich eines Tages den Entschluss, eine Karriere als Fahrer überladener Kleintransporter zu beginnen. Der in Finanznöten steckende Subunternehmer eines sogenannten Pressegrossisten war dafür genau die richtige Adresse. Ich wurde gründlich eingearbeitet und saß zehn Minuten später als Fahranfänger am Steuer eines weißen Ford Transit L2H2.
Oder, nein, erst musste ja gebündelt und geladen werden, und das war nicht ganz trivial: Man bekam eine lange, gedruckte Gesamtliste der zu verteilenden Presseerzeugnisse (u.a. 9572 BILD, 683 kicker, 5 taz, 2 Hamburger Morgenpost) sowie gut 50 Lieferscheine, einen für jedes der Geschäfte, die beliefert wurden, also: EDEKA in Städtchen X - 212 BILD, 8 kicker, 1 Jagd&Hund; Bäckerei Müller in Dorf Y - 18 BILD, 4 kicker.
Nun musste man die Gesamtmengen der einzelnen Titel zu seinem Ladeplatz schaffen - dafür gab es Schiebewagen - und die Lieferungen für die einzelnen Empfänger an der Bündelmaschine kommissionieren. Verkompliziert wurde dieses durch die Tatsache, dass zu Beginn noch nicht alle Titel angeliefert waren. Also bündelte man, was da war, schrieb mit einem Kuli groß die noch fehlenden Titel ("3 FAZ") auf den Lieferschein, packte das Paket in den Laderaum und legte sich die erst später eintreffenden Ergänzungen auf den Beifahrersitz. Beim Ausliefern dachte man hoffentlich daran, beides zusammenzuführen: Denn die Inhaber der kleinen Geschäfte in Harz und Eichsfeld konnten äußerst unangenehm werden, wenn etwas fehlte, und es gab beim Grossisten extra jemanden, der solche Nachlieferungen tagsüber erledigte - jedoch wurden die Kosten dafür dem jeweiligen Subunternehmer berechnet, der einem dann recht lautstark erzählte, was er davon hielt.
Weitere Feinheiten der Logistik erspare ich Ihnen. Irgendwann jedenfalls war der Transporter beladen, Mitternacht vorbei und Zeit zum Losfahren, aber: Die Mopo fehlte. Irgendwo gab es auch im Harz zwei oder drei Personen, die täglich die Hamburger Morgenpost kauften, und deswegen konnte man nicht losfahren, ehe diese angeliefert wurde. Sie war immer der letzte Titel.
Man stand rum, rauchte, half gehetzten Kollegen beim Laden oder beim Reparieren der Bündelmaschine - bis endlich Hajo von hinten rief: "Die Mopo ist da!", und, jedes einzelne Mal, Günther zurückrief: "Schön für die Mopo!"
Unterwegs (all das spielt weit vor Smartphone und Navi) hieß es ein komplexes Geflecht aus Wegen, Abkürzungen und Stichfahrten zu beherrschen, was für mich als geographisch herausgeforderte Person nicht ganz einfach war; man verwaltete zudem einen Gefängniswärterring mit zahlreichen Schlüsseln, um an bestimmte Ablageorte zu gelangen, und nie vergesse ich den Tag, als ich irgendwo merkte, dass ich den Ring nicht mehr dabeihatte: Wo war der letzte Laden mit Schlüssel, und wie komme ich da hin? Ich kannte die Strecke nur vorwärts und erinnerte mich nicht, wo ich zuletzt etwas aufgeschlossen hatte, so dass ich schweißgebadet und zähneklappernd von Dorf zu Dorf raste, es wurde schon hell, und vor Erleichterung kaum das Wasser halten konnte, als ich endlich an einem Hintereingang den vollständigen Ring hängen sah. (Oft genug hatte ich was von "zwanzigtausend Mark alleine für die Schließanlage bei Edeka" gehört.)
Meist gegen 4:00h erreichte ich eine Bäckerei in einem abgelegenen Eichsfelder Dorf. Hier arbeitete sich das inhabende Ehepaar kaputt - er knetete und buk, sie packte die Tüten mit den frühmorgens auszuliefernden Brötchen, und es ergaben sich knappe, freundliche Dialoge ("Wie ist es draußen?" - "Muss ja. Bei euch so?" - "Nix weiter"), während man mir einen Kaffee aus der Thermoskanne einschenkte. Und dann kam es zur Transaktion: Schweigend legte ich eine Handvoll BILD oder auch mal einzwei kicker zusätzlich auf den Tresen, stellte meinen Kaffeebecher ab und nahm eine Tüte frischer Brötchen entgegen. "Muss dann mal weiter" - "Sieh zu!", und auf dem Beifahrersitz lag die Tüte und duftete himmlisch. Ganz frische Brötchen, noch heiß aus dem Ofen, sollen ja nicht gesund sein, aber sie machten mich glücklich und halfen mir durch die letzten Stunden. Irgendwann morgens kam man zurück, lud die eingesammelten Remittenden aus und fuhr völlig erledigt nach Hause, um noch stundenlang aufgekratzt herumzulaufen und irgendwann bewusstlos einzuschlafen, kurz bevor der Wecker klingelte, denn um 17:30 musste man langsam duschen und in der Mensa am Wilhelmsplatz ein warmes Abendessen, quasi als Frühstück - also wenn ich darüber nachdenke: Vielleicht kommt daher immer mein Nachthunger!
Sie aber wollen viel eher wissen: Woher kamen denn die zusätzlichen Exemplare BILD und kicker für den Bäcker? Alles war doch genau abgezählt!? Und hier kommen die Spitze und das Zupfen ins Spiel.
In dieser Branche spricht man in Vollpaketen und Spitzen. Bei der BILD z.B. bestand ein Vollpaket aus 250 Exemplaren, jeweils in 50er-Einheiten geschichtet, und wenn ein Geschäft 537 BILD bekam, waren das zwei Vollpakete und eine "Spitze" aus 37 Zeitungen. Geprüft wurde meist nur die Spitze: Ah, zwei Vollpakete und 37 als Spitze - passt! Jedoch war es möglich, und ich möchte fast sagen: gängige Praxis, Vollpakete beim Packen zu öffnen, einzelne Exemplare herauszuzupfen und neu zu bündeln.
Mancher machte das für kleine Deals wie ich mit meinem Bäcker, andere taten es aus purem Spaß an der Freude: "Der Händler X geht mir so auf die Nerven mit seinen Reklamationen, der soll jeden Tag den ganzen Stapel zählen und sich eine einzelne BILD nachliefern lassen, harhar!"
Nebenbei lernte ich Autofahren und widersprach empört, als jemand nach einem Unfall behauptete: Das war sein vierter! Dabei war es erst der dritte, und bei dem Wetter ohne Schneeketten im Harz ja wohl auch kein Wunder! Und erst neulich hatte ich mich auf spiegelglatter Bahn um 360 Grad gedreht und war dennoch nicht in das Schaufenster gefahren, was völlig legitim gewesen wäre, sondern knapp davor zum Stehen gekommen! Also erzähl mal nichts von vierter Unfall, Freundchen!
Aber natürlich war mir das peinlich, zumal wir als eingeschworene Gemeinschaft zu unserem Subunternehmer hielten, der die Fahrzeuge leaste und inzwischen so hohe Schulden bei der Tankstelle hatte, dass er dort Umschläge mit Bargeld hinterlegen musste. "Das ist betriebswirtschaftlich unmöglich!", hörte ich eines Tages einen anderen Subunternehmer aus dem Grossistenbüro rufen, und ich fürchte, er hatte recht: Trotz der Hinzunahme von Apothekenbelieferungen (eine Geschichte für sich) und Fotoarbeiten war eines Tages Schluss, Insolvenz, und irgendein anderer armer Kerl übernahm die Touren.
Schlecht bezahlt war das, ungesund und gefährlich. Und so richtig Zukunft hatte es dann doch nicht. Aber komischerweise, wenn ich mich frage: Welche Arbeit hat dir eigentlich richtig Spaß gemacht, dann denke ich als erstes an diese Zeit. So - ich muss los. Die Mopo ist da!
Lange hatte ich geglaubt, wenn man diese ewige Schulzeit hinter sich gebracht hätte, käme man endlich wieder zurückin den davorliegenden, quasi natürlichen Zustand: Morgens aufstehen und mal schauen, was der Tag so bringt. "Geglaubt" im Sinne von darüber nachgedacht natürlich nicht - die Frage hatte sich mir einfach nie gestellt; es war aber eine zugleich unscharfe und völlig eindeutige Vorstellung, dass die dreizehn Jahre eine enervierend lange, am Ende aber doch vorübergehende Unterbrechung einer eigentlichen, natürlichen Daseinsform bedeuteten.
Also wunderte ich mich, als die anderen irgendwas von "Maler" oder "Rechtsanwältin" erzählten. Die Lehrerin hatte gefragt, was wir denn nach der Schule so machen wollten, und ich antwortete völlig entgeistert: Na, gar nichts!
Es folgte ein Vortrag mit seltsamen Begrifflichkeiten wie "jemandem auf der Tasche liegen" etc., und mir wurde klar, dass dem Thema auf Dauer nicht auszuweichen wäre; jedoch bildete sich auch in den kommenden Jahren keinerlei Vorstellung heraus, und ich konnte froh sein, dass ich nach dem Abitur erst mal 20 Monate Zivildienst ableisten durfte.
Während ehemalige Mitschülerinnen ihr Vordiplom ablegten, fasste ich eines Tages den Entschluss, eine Karriere als Fahrer überladener Kleintransporter zu beginnen. Der in Finanznöten steckende Subunternehmer eines sogenannten Pressegrossisten war dafür genau die richtige Adresse. Ich wurde gründlich eingearbeitet und saß zehn Minuten später als Fahranfänger am Steuer eines weißen Ford Transit L2H2.
Oder, nein, erst musste ja gebündelt und geladen werden, und das war nicht ganz trivial: Man bekam eine lange, gedruckte Gesamtliste der zu verteilenden Presseerzeugnisse (u.a. 9572 BILD, 683 kicker, 5 taz, 2 Hamburger Morgenpost) sowie gut 50 Lieferscheine, einen für jedes der Geschäfte, die beliefert wurden, also: EDEKA in Städtchen X - 212 BILD, 8 kicker, 1 Jagd&Hund; Bäckerei Müller in Dorf Y - 18 BILD, 4 kicker.
Nun musste man die Gesamtmengen der einzelnen Titel zu seinem Ladeplatz schaffen - dafür gab es Schiebewagen - und die Lieferungen für die einzelnen Empfänger an der Bündelmaschine kommissionieren. Verkompliziert wurde dieses durch die Tatsache, dass zu Beginn noch nicht alle Titel angeliefert waren. Also bündelte man, was da war, schrieb mit einem Kuli groß die noch fehlenden Titel ("3 FAZ") auf den Lieferschein, packte das Paket in den Laderaum und legte sich die erst später eintreffenden Ergänzungen auf den Beifahrersitz. Beim Ausliefern dachte man hoffentlich daran, beides zusammenzuführen: Denn die Inhaber der kleinen Geschäfte in Harz und Eichsfeld konnten äußerst unangenehm werden, wenn etwas fehlte, und es gab beim Grossisten extra jemanden, der solche Nachlieferungen tagsüber erledigte - jedoch wurden die Kosten dafür dem jeweiligen Subunternehmer berechnet, der einem dann recht lautstark erzählte, was er davon hielt.
Weitere Feinheiten der Logistik erspare ich Ihnen. Irgendwann jedenfalls war der Transporter beladen, Mitternacht vorbei und Zeit zum Losfahren, aber: Die Mopo fehlte. Irgendwo gab es auch im Harz zwei oder drei Personen, die täglich die Hamburger Morgenpost kauften, und deswegen konnte man nicht losfahren, ehe diese angeliefert wurde. Sie war immer der letzte Titel.
Man stand rum, rauchte, half gehetzten Kollegen beim Laden oder beim Reparieren der Bündelmaschine - bis endlich Hajo von hinten rief: "Die Mopo ist da!", und, jedes einzelne Mal, Günther zurückrief: "Schön für die Mopo!"
Unterwegs (all das spielt weit vor Smartphone und Navi) hieß es ein komplexes Geflecht aus Wegen, Abkürzungen und Stichfahrten zu beherrschen, was für mich als geographisch herausgeforderte Person nicht ganz einfach war; man verwaltete zudem einen Gefängniswärterring mit zahlreichen Schlüsseln, um an bestimmte Ablageorte zu gelangen, und nie vergesse ich den Tag, als ich irgendwo merkte, dass ich den Ring nicht mehr dabeihatte: Wo war der letzte Laden mit Schlüssel, und wie komme ich da hin? Ich kannte die Strecke nur vorwärts und erinnerte mich nicht, wo ich zuletzt etwas aufgeschlossen hatte, so dass ich schweißgebadet und zähneklappernd von Dorf zu Dorf raste, es wurde schon hell, und vor Erleichterung kaum das Wasser halten konnte, als ich endlich an einem Hintereingang den vollständigen Ring hängen sah. (Oft genug hatte ich was von "zwanzigtausend Mark alleine für die Schließanlage bei Edeka" gehört.)
Meist gegen 4:00h erreichte ich eine Bäckerei in einem abgelegenen Eichsfelder Dorf. Hier arbeitete sich das inhabende Ehepaar kaputt - er knetete und buk, sie packte die Tüten mit den frühmorgens auszuliefernden Brötchen, und es ergaben sich knappe, freundliche Dialoge ("Wie ist es draußen?" - "Muss ja. Bei euch so?" - "Nix weiter"), während man mir einen Kaffee aus der Thermoskanne einschenkte. Und dann kam es zur Transaktion: Schweigend legte ich eine Handvoll BILD oder auch mal einzwei kicker zusätzlich auf den Tresen, stellte meinen Kaffeebecher ab und nahm eine Tüte frischer Brötchen entgegen. "Muss dann mal weiter" - "Sieh zu!", und auf dem Beifahrersitz lag die Tüte und duftete himmlisch. Ganz frische Brötchen, noch heiß aus dem Ofen, sollen ja nicht gesund sein, aber sie machten mich glücklich und halfen mir durch die letzten Stunden. Irgendwann morgens kam man zurück, lud die eingesammelten Remittenden aus und fuhr völlig erledigt nach Hause, um noch stundenlang aufgekratzt herumzulaufen und irgendwann bewusstlos einzuschlafen, kurz bevor der Wecker klingelte, denn um 17:30 musste man langsam duschen und in der Mensa am Wilhelmsplatz ein warmes Abendessen, quasi als Frühstück - also wenn ich darüber nachdenke: Vielleicht kommt daher immer mein Nachthunger!
Sie aber wollen viel eher wissen: Woher kamen denn die zusätzlichen Exemplare BILD und kicker für den Bäcker? Alles war doch genau abgezählt!? Und hier kommen die Spitze und das Zupfen ins Spiel.
In dieser Branche spricht man in Vollpaketen und Spitzen. Bei der BILD z.B. bestand ein Vollpaket aus 250 Exemplaren, jeweils in 50er-Einheiten geschichtet, und wenn ein Geschäft 537 BILD bekam, waren das zwei Vollpakete und eine "Spitze" aus 37 Zeitungen. Geprüft wurde meist nur die Spitze: Ah, zwei Vollpakete und 37 als Spitze - passt! Jedoch war es möglich, und ich möchte fast sagen: gängige Praxis, Vollpakete beim Packen zu öffnen, einzelne Exemplare herauszuzupfen und neu zu bündeln.
Mancher machte das für kleine Deals wie ich mit meinem Bäcker, andere taten es aus purem Spaß an der Freude: "Der Händler X geht mir so auf die Nerven mit seinen Reklamationen, der soll jeden Tag den ganzen Stapel zählen und sich eine einzelne BILD nachliefern lassen, harhar!"
Nebenbei lernte ich Autofahren und widersprach empört, als jemand nach einem Unfall behauptete: Das war sein vierter! Dabei war es erst der dritte, und bei dem Wetter ohne Schneeketten im Harz ja wohl auch kein Wunder! Und erst neulich hatte ich mich auf spiegelglatter Bahn um 360 Grad gedreht und war dennoch nicht in das Schaufenster gefahren, was völlig legitim gewesen wäre, sondern knapp davor zum Stehen gekommen! Also erzähl mal nichts von vierter Unfall, Freundchen!
Aber natürlich war mir das peinlich, zumal wir als eingeschworene Gemeinschaft zu unserem Subunternehmer hielten, der die Fahrzeuge leaste und inzwischen so hohe Schulden bei der Tankstelle hatte, dass er dort Umschläge mit Bargeld hinterlegen musste. "Das ist betriebswirtschaftlich unmöglich!", hörte ich eines Tages einen anderen Subunternehmer aus dem Grossistenbüro rufen, und ich fürchte, er hatte recht: Trotz der Hinzunahme von Apothekenbelieferungen (eine Geschichte für sich) und Fotoarbeiten war eines Tages Schluss, Insolvenz, und irgendein anderer armer Kerl übernahm die Touren.
Schlecht bezahlt war das, ungesund und gefährlich. Und so richtig Zukunft hatte es dann doch nicht. Aber komischerweise, wenn ich mich frage: Welche Arbeit hat dir eigentlich richtig Spaß gemacht, dann denke ich als erstes an diese Zeit. So - ich muss los. Die Mopo ist da!
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Jemand hat einen Karton kleiner Cola- und Limonadenflaschen stehen lassen, und im Vorbeigehen murmele ich: Lechz!
So sagten wir in den 80ern, und dorthin spülen mich in der Folge meine Gedanken. Wir hatten ja nüscht, und zu Hause gab es mit Glück namenlose Orangenlimonade, aber ganz sicher keine Original Coca Cola oder Fanta. In der Schule stand ein Automat, aus dem man für 80 Pfg gekühlte Dosengetränke ziehen konnte, und das war nicht so billig, wie es von heute aus klingt: Immerhin zweieinhalb Tage Kakaogeld musste man dafür aufsparen und noch das schlechte Gewissen in Kauf nehmen, weil man sich nicht – die Milch macht’s! – den gesunden Morgen Kick [TM] geholt, sondern Imperialistenbrause aus umweltschädlicher Aludose konsumiert hat. So eine Dose Lift oder Sprite, fast auf den Gefrierpunkt gekühlt, Kondenswassertropfen auf der Oberfläche, aus dem Automaten zu ziehen – alleine die erinnerten Geräusche verursachen wohligsten Schauder, zunächst das mehrfach schluckende Geräusch des Münzeinwurfs, dann das kurze Surren nach dem Drücken des Auswahlknopfs, schließlich das laute RUMMS, mit dem die Dose in das Ausgabefach stürzte – rotköpfig verschwitzt nach einer Hochsommerpause Fußball auf dem Schulhof konnte es nichts Schöneres geben. Die Dose in der Hand neiderfüllte Blicke ertragen, sie (wie viel später Michael Douglas in Falling Down) an die erhitzte Stirn halten, schließlich die Lasche mit unnachahmlichem Zisch! abreißen (wir hatten ja nüscht, aber immerhin lose Laschen an den Dosen, die man ABREISSEN konnte, ja, abreißen!, nicht so passiv-aggressiv hineindrücken! Ich beneide die heutige Jugend keineswegs!), das Zeug gegen den fast unmittelbar einsetzenden Kälteschmerz und quasi ohne Schlucken im Strahl die Speiseröhre hinunterjagen, da gab es wenig Besseres, und natürlich hieß das Morgen Kick! Wer das nicht kennt, hat die 80er verpasst, so viel ist sicher: You learn English very quick / With a glass of Morgen Kick, das hatte ich sogar als Aufkleber. Der Barsch sitzt mit dem Aal im Schlick / Und schlürft an seinem Morgen Kick. Wohl gab es das! Oder erinnern Sie sich nicht mehr an den Internationalen-Milch-Tag [sic] am 31.5.1983? Milchland Niedersachsen? Komm rüber zur Milch? Ah, plötzlich klingelt’s - na sehen Sie!
Und schon denkt man an den Sommerabend auf dem krebsroten Kunststoffplatz an der Schule, zu zweit spielten wir auf dem Kleinfeld Fußball, und dauernd landete der Ball ganz hinten im Gebüsch. Sich durch das Gestrüpp zwängen, Beine und Arme völlig verschrammt, um die Pille wiederzuholen, steht außen am Gitterzaun plötzlich eine Palette mit 16 Dosen ORIGINAL COCA COLA FANTA SPRITE, notdürftig mit ein paar Zweigen getarnt. Unglaube. Schockstarre. Atem normalisieren, sich zurück durch das Gestrüpp kämpfen, betont unauffällig pfeifend auf den Freund zugehen und ihn mit hektischen Gesten hinter die Ecke der Sporthalle beordern. Das Unfassbare in Worte kleiden. Hitzige Debatten, emsiges Abwägen von Chancen und Risiken, dann betont unauffällig pfeifend zurück zum Platz schlendern und weiter Fußball spielen, nur nicht mehr ganz so konzentriert und von regelmäßigem, hektischem Umhergucken durchsetzt, bis endlich die Dämmerung hereinbricht. Und aber auch die Flutlichtlampen anspringen, welche alles heller ausleuchten denn je. Doch das Blut ist geleckt, die Entscheidung getroffen, die Kugel am Rollen, also mit Absicht den Ball noch mal zur Tarnung ins Gebüsch jagen und vor Aufregung zitternd zwei Sporttaschen mit je 8 Dosen ORIGINAL COCA COLA FANTA SPRITE beladen, diese an den Rand des Gebüschs schleppen, Fahrräder holen, die schweren Taschen auf die Gepäckträger packen und voll in die Pedale, ohne sich noch einmal umzusehen.
Zu Hause die Tasche unbemerkt ins Jugendzimmer schleusen, den Schrank öffnen, das unterste Fach ausleeren, die kostbaren Dosen ganz nach hinten schieben und alles wieder unauffällig davorstellen. Beim Abendessen an nichts anderes denken können, nachts von jugendlichen Gangs träumen, zwei Schulwochen lang auf dem Hin- und Rückweg unruhig hinter sich schauen. An einem Abend alleine zu Hause die Dosen hervorholen und auf dem neuen Esstisch einen Turm daraus bauen, der zusammenstürzt und sichelförmige Vertiefungen in die Platte haut. Die Dosen wieder verstecken. Eines nachts aufwachen und hektisch mit dem Austrinken beginnen, weil man es nicht mehr aushält. Mit stumpfen Zähnen und Sodbrennen aufwachen. Den Müll heimlich an der Bushaltestelle entsorgen.
Those were the days, my friend. Hoffentlich wird es bald dunkel. Heute abend schnappe ich mir den Karton mit den Flaschen.
So sagten wir in den 80ern, und dorthin spülen mich in der Folge meine Gedanken. Wir hatten ja nüscht, und zu Hause gab es mit Glück namenlose Orangenlimonade, aber ganz sicher keine Original Coca Cola oder Fanta. In der Schule stand ein Automat, aus dem man für 80 Pfg gekühlte Dosengetränke ziehen konnte, und das war nicht so billig, wie es von heute aus klingt: Immerhin zweieinhalb Tage Kakaogeld musste man dafür aufsparen und noch das schlechte Gewissen in Kauf nehmen, weil man sich nicht – die Milch macht’s! – den gesunden Morgen Kick [TM] geholt, sondern Imperialistenbrause aus umweltschädlicher Aludose konsumiert hat. So eine Dose Lift oder Sprite, fast auf den Gefrierpunkt gekühlt, Kondenswassertropfen auf der Oberfläche, aus dem Automaten zu ziehen – alleine die erinnerten Geräusche verursachen wohligsten Schauder, zunächst das mehrfach schluckende Geräusch des Münzeinwurfs, dann das kurze Surren nach dem Drücken des Auswahlknopfs, schließlich das laute RUMMS, mit dem die Dose in das Ausgabefach stürzte – rotköpfig verschwitzt nach einer Hochsommerpause Fußball auf dem Schulhof konnte es nichts Schöneres geben. Die Dose in der Hand neiderfüllte Blicke ertragen, sie (wie viel später Michael Douglas in Falling Down) an die erhitzte Stirn halten, schließlich die Lasche mit unnachahmlichem Zisch! abreißen (wir hatten ja nüscht, aber immerhin lose Laschen an den Dosen, die man ABREISSEN konnte, ja, abreißen!, nicht so passiv-aggressiv hineindrücken! Ich beneide die heutige Jugend keineswegs!), das Zeug gegen den fast unmittelbar einsetzenden Kälteschmerz und quasi ohne Schlucken im Strahl die Speiseröhre hinunterjagen, da gab es wenig Besseres, und natürlich hieß das Morgen Kick! Wer das nicht kennt, hat die 80er verpasst, so viel ist sicher: You learn English very quick / With a glass of Morgen Kick, das hatte ich sogar als Aufkleber. Der Barsch sitzt mit dem Aal im Schlick / Und schlürft an seinem Morgen Kick. Wohl gab es das! Oder erinnern Sie sich nicht mehr an den Internationalen-Milch-Tag [sic] am 31.5.1983? Milchland Niedersachsen? Komm rüber zur Milch? Ah, plötzlich klingelt’s - na sehen Sie!
Und schon denkt man an den Sommerabend auf dem krebsroten Kunststoffplatz an der Schule, zu zweit spielten wir auf dem Kleinfeld Fußball, und dauernd landete der Ball ganz hinten im Gebüsch. Sich durch das Gestrüpp zwängen, Beine und Arme völlig verschrammt, um die Pille wiederzuholen, steht außen am Gitterzaun plötzlich eine Palette mit 16 Dosen ORIGINAL COCA COLA FANTA SPRITE, notdürftig mit ein paar Zweigen getarnt. Unglaube. Schockstarre. Atem normalisieren, sich zurück durch das Gestrüpp kämpfen, betont unauffällig pfeifend auf den Freund zugehen und ihn mit hektischen Gesten hinter die Ecke der Sporthalle beordern. Das Unfassbare in Worte kleiden. Hitzige Debatten, emsiges Abwägen von Chancen und Risiken, dann betont unauffällig pfeifend zurück zum Platz schlendern und weiter Fußball spielen, nur nicht mehr ganz so konzentriert und von regelmäßigem, hektischem Umhergucken durchsetzt, bis endlich die Dämmerung hereinbricht. Und aber auch die Flutlichtlampen anspringen, welche alles heller ausleuchten denn je. Doch das Blut ist geleckt, die Entscheidung getroffen, die Kugel am Rollen, also mit Absicht den Ball noch mal zur Tarnung ins Gebüsch jagen und vor Aufregung zitternd zwei Sporttaschen mit je 8 Dosen ORIGINAL COCA COLA FANTA SPRITE beladen, diese an den Rand des Gebüschs schleppen, Fahrräder holen, die schweren Taschen auf die Gepäckträger packen und voll in die Pedale, ohne sich noch einmal umzusehen.
Zu Hause die Tasche unbemerkt ins Jugendzimmer schleusen, den Schrank öffnen, das unterste Fach ausleeren, die kostbaren Dosen ganz nach hinten schieben und alles wieder unauffällig davorstellen. Beim Abendessen an nichts anderes denken können, nachts von jugendlichen Gangs träumen, zwei Schulwochen lang auf dem Hin- und Rückweg unruhig hinter sich schauen. An einem Abend alleine zu Hause die Dosen hervorholen und auf dem neuen Esstisch einen Turm daraus bauen, der zusammenstürzt und sichelförmige Vertiefungen in die Platte haut. Die Dosen wieder verstecken. Eines nachts aufwachen und hektisch mit dem Austrinken beginnen, weil man es nicht mehr aushält. Mit stumpfen Zähnen und Sodbrennen aufwachen. Den Müll heimlich an der Bushaltestelle entsorgen.
Those were the days, my friend. Hoffentlich wird es bald dunkel. Heute abend schnappe ich mir den Karton mit den Flaschen.
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Recht erstaunt bin ich nach längerer Englandpause über die so gut funktionierenden öffentlichen Verkehrsmittel, zumindest in Manchester und London, und die bestechend einfache Art der Bezahlung: Man hält seine kontaktlose Bezahlkarte oder das entsprechende Mobilgerät zu Beginn und Ende jeder Fahrt an ein Lesefeld - und das ist es. Die Fahrpreise werden dann nach Bestpreisprinzip tageweise berechnet und abgebucht.
Etwas weniger angenehm ist die Tatsache, keinen Nachweis in der Tasche zu haben: Klar, dass auf meiner allerletzten Fahrt in Manchester kurz vor dem Bahnhof kontrolliert wurde - und das Gerät des Kontrolleurs bei meiner Karte rot aufleuchtete. Bei seinem Kollegen war es dann grün, ich durfte weiter, aber das ist kein gutes Gefühl. Wir haben ja alle unseren Kafka gelesen.
Auch in London funktioniert der Verbund zwischen U-Bahn, Overground und Bus völlig problemlos und scheint mir eher günstiger geworden zu sein; zumindest erinnere ich mich an recht teure Day Tickets, die ich früher oft genutzt habe, und kam gestern bei meiner Scotland-Yard-haften Anreise mit all den unterschiedlichen Verkehrsmitteln sehr günstig davon. Das U-Bahn-System hat ja schon immer gut funktioniert, inzwischen sind auch die von mir früher als chaotisch empfundenen Busse leicht zu benutzen, just tap in wenn du einsteigt, und es gibt klare Ansagen zu jeder Station und Displays, die einen sehr schnell aufmerksam machen, wenn man versehentlich in die Gegenrichtung fährt.
Selbst der Fernverkehr funktioniert, zumindest meine Fahrt zwischen den beiden großen Städten: Zu akzeptablem Preis mit reserviertem Platz, und dass sich der Zug um eine halbe Stunde verspätet, ist nicht der Rede wert.
Eher schon dies: Bereits im Zug wird sich mehrfach per Lautsprecher für die Inconvenience entschuldigt und auf die Möglichkeit der Compensation hingewiesen. Was mich dann wirklich verwunderte, war die E-Mail, die mich kurz darauf erreichte und darüber informierte, dass und wo und wie ich ein Anrecht auf eine Teilerstattung geltend machen könne. Erstaunlich!
Dann allerdings muss ich doch lachen: Man schreibt mir eine Mail zu meiner gebuchten Fahrt, die 37 minutes late gewesen sei, und dann muss ich ein Formular ausfüllen, in dem gefragt wird, um wieviel sich meine Reise verspätet habe. Ich muss mich vorher natürlich extra registrieren, separat von dem Account, den ich für die Buchung der Zugfahrt schon habe. Und ich muss einen Screenshot (!) des pdf- Dokuments hochladen, das mir als Ticket zugemailt wurde. Und Zahldaten für die Rückerstattung angeben. Das alles mit Captchas und E-Mail-Verification dauert lange und nervt, so dass mal wieder die Frage ist: Unfähigkeit oder Methode? Ich soll genau das mühsam ausfüllen und dokumentieren, was doch längst vorliegt und worüber ich gerade informiert wurde!?
Jetzt "bemüht" man sich, das "innerhalb von 20 Werktagen" zu bearbeiten, und es sind nicht die paar GBP, auf die ich gespannt bin. Aber das ist eine Randnotiz: Tatsächlich machen mir die Erfahrungen hier Hoffnung, dass ein funktionierender öffentlicher Personenverkehr auch dann aufgebaut werden kann, wenn er schon mal komplett kaputt war.
Etwas weniger angenehm ist die Tatsache, keinen Nachweis in der Tasche zu haben: Klar, dass auf meiner allerletzten Fahrt in Manchester kurz vor dem Bahnhof kontrolliert wurde - und das Gerät des Kontrolleurs bei meiner Karte rot aufleuchtete. Bei seinem Kollegen war es dann grün, ich durfte weiter, aber das ist kein gutes Gefühl. Wir haben ja alle unseren Kafka gelesen.
Auch in London funktioniert der Verbund zwischen U-Bahn, Overground und Bus völlig problemlos und scheint mir eher günstiger geworden zu sein; zumindest erinnere ich mich an recht teure Day Tickets, die ich früher oft genutzt habe, und kam gestern bei meiner Scotland-Yard-haften Anreise mit all den unterschiedlichen Verkehrsmitteln sehr günstig davon. Das U-Bahn-System hat ja schon immer gut funktioniert, inzwischen sind auch die von mir früher als chaotisch empfundenen Busse leicht zu benutzen, just tap in wenn du einsteigt, und es gibt klare Ansagen zu jeder Station und Displays, die einen sehr schnell aufmerksam machen, wenn man versehentlich in die Gegenrichtung fährt.
Selbst der Fernverkehr funktioniert, zumindest meine Fahrt zwischen den beiden großen Städten: Zu akzeptablem Preis mit reserviertem Platz, und dass sich der Zug um eine halbe Stunde verspätet, ist nicht der Rede wert.
Eher schon dies: Bereits im Zug wird sich mehrfach per Lautsprecher für die Inconvenience entschuldigt und auf die Möglichkeit der Compensation hingewiesen. Was mich dann wirklich verwunderte, war die E-Mail, die mich kurz darauf erreichte und darüber informierte, dass und wo und wie ich ein Anrecht auf eine Teilerstattung geltend machen könne. Erstaunlich!
Dann allerdings muss ich doch lachen: Man schreibt mir eine Mail zu meiner gebuchten Fahrt, die 37 minutes late gewesen sei, und dann muss ich ein Formular ausfüllen, in dem gefragt wird, um wieviel sich meine Reise verspätet habe. Ich muss mich vorher natürlich extra registrieren, separat von dem Account, den ich für die Buchung der Zugfahrt schon habe. Und ich muss einen Screenshot (!) des pdf- Dokuments hochladen, das mir als Ticket zugemailt wurde. Und Zahldaten für die Rückerstattung angeben. Das alles mit Captchas und E-Mail-Verification dauert lange und nervt, so dass mal wieder die Frage ist: Unfähigkeit oder Methode? Ich soll genau das mühsam ausfüllen und dokumentieren, was doch längst vorliegt und worüber ich gerade informiert wurde!?
Jetzt "bemüht" man sich, das "innerhalb von 20 Werktagen" zu bearbeiten, und es sind nicht die paar GBP, auf die ich gespannt bin. Aber das ist eine Randnotiz: Tatsächlich machen mir die Erfahrungen hier Hoffnung, dass ein funktionierender öffentlicher Personenverkehr auch dann aufgebaut werden kann, wenn er schon mal komplett kaputt war.
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Was mich zu Tode langweilen kann, sind Berichte von Leuten über irgendwelche Computerprobleme.
Ich z.B. habe seit Jahren einen Firmenlaptop, den ich zu Hause und am Arbeitsplatz nutze. Um nicht täglich Netzteil, Tastatur, Maus, Netzwerk, Monitor, Kamera, Headset und weitere Peripherie an- und abstöpseln zu müssen, verwende ich im Büro eine Dockingstation: Nicht so ein plumpes Ding wie früher, in das man den Laptop mechanisch eingerastet hat - nein, ein schlankes Kästlein liegt da, welches über ein einziges USB-C-Kabel den Laptop mit Strom versorgt und zugleich sämtliche Daten all dieser anderen Anschlüsse hin- und herschickt. Da habe ich anfangs schon gestaunt, ernsthaft: So ein schlankes Kabelchen mit solch einem winzigen Stecker schleust den gesamten Netzwerkverkehr durch, auch wenn große Dateien gestreamt werden, beschickt die zahlreichen Monitorpixel mit ihren Grafikdaten und überträgt in umgekehrter Richtung noch das eigene Kamerabild in eine Videokonferenz. Bemerkenswert! Und dass man höllisch aufpassen muss, damit sich dieser DÄMLICHE Stecker nicht auch nur einen Mikrometer in seiner Buchse bewegt und somit sämtliche Verbindungen unterbricht, z.B. weil man seine Kaffetasse vorsichtig am anderen Ende des Schreibtisches abstellt, oder ans Telefon geht, oder hustet, oder sich irgendwie im Stuhl bewegt, daran gewöhnt man sich.
Mich interessieren derlei Geschichten nicht die Bohne. Dieses Lamentieren, als hätte man das alles nicht schon tausendmal gehört! "Bei mir im Büro hat was nicht funktioniert! Und dann hat es der Support nicht hinbekommen!" Ja, Wahnsinn. Auf Partys unbedingt das Weite suchen, wenn jemand so anfängt. Mein Tipp.
Jahrein, jahraus tippe ich also zufrieden vor mich hin, wechsele zwischen den verschiedenen Programmen und Fenstern routiniert mit Alt+Tab, habe meine Taskleiste voll im Griff und nutze gerne den größeren Desktop auf dem flachen Bildschirm im Büro, komme aber auch mit dem geringeren Platzangebot zurecht, wenn ich das Gerät tatsächlich als Laptop nutze. Lediglich im Hinterkopf stellt sich manchmal die Frage, ob so ein zweiter Monitor nicht doch von Nutzen wäre, aber früher hatten wir sowas auch nicht.
Kaum sind ein paar Jahre vergangen und alle anderen Kollegen haben längst zwei oder drei Monitore, ordert man also auch einen zusätzlichen Bildschirm und gewöhnt sich so schnell daran, dass man sich nach wenigen Tagen fragt, wie man jemals mit nur einem Monitor arbeiten konnte, schau!, wie viel angenehmer ist es doch, diese Exceltabelle zu sehen, während du in dem anderen Programm arbeitest! Und das Copypasten ist so viel schöner, wenn du direkt vergleichen kannst und nicht noch mal hin- und zurückwechseln musst, weil du doch nie ganz sicher sein kannst, ob du den letzten oder den vorletzten Wert in der Zwischenablage hattest.
Aber da geht es auch schon los, ein Monitor geht aus und dann der andere, erst nur für Sekunden, dann auch mal Minuten, dann beide zugleich, dann ist wieder alles in Ordnung, dann passiert es öfter und länger und eines Tages stehst du lachend da, holst die anderen und zeigst ihnen das Geflacker: Uuuuund Obacht!, hier, diese Sekunde muss ich erwischen, um den Rechner wenigstens noch geordnet herunterzufahren.
Nur wenige Monate später, in denen du dein Nervenkostüm ruinierst, täglich eine halbe Stunde Arbeitszeit vergeudest, permanent unter deinem Schreibtisch herumkletterst und Kabel umsteckst, andere Dockingstationen ausprobierst, immer wieder alles stromlos machst, neu startest, Monitore tauschst und versuchst, auch nur irgendeine Logik zu finden, regelmäßigen Besuch vom technischen Support bekommst, der wiederum Kabel, Monitore und Dockingstationen über Kreuz tauscht, dabei am Ende nur noch etwas von "schlechtem Karma in diesen Räumen" murmelt, wird beschlossen, dass es Zeit für einen neuen Laptop ist: Der alte kann wohl auf Dauer doch nicht so viele Pixel gleichzeitig beschicken, oder ist es die Dockingstation, oder sind es die Monitore, weil drüben an dem anderen Platz ging es doch, oder?
Ich mag mein neues Gerät, es ist ein schöner und robuster Laptop, und wenn man ihn an die neue Dockingstation anschließt und ein wenig wartet, zeigt oft einer der Monitore irgendwann ein Bild, bzw. manchmal auch der zweite, nur dass dann das Bild vom ersten total unscharf wird, und der technische Support sich das nicht erklären kann, schlechtes Karma!, aber lass uns mal willkürlich alle Tasten an den Monitoren ein paarmal drücken und die beiden Monitorkabel vertauschen, guck mal, jetzt geht es, aber frag mich nicht warum.
Auf eine Art ist ja beruhigend, dass diese durchrationalisierte Welt ihre letzten Geheimnisse nicht preisgeben will, und ich bin durchaus hoffnungsvoll, nur dass dieser VERDAMMTE Stecker genauso wacklig in seiner Buchse steckt wie eh und je, ich meine, halloooo, vielleicht auch mal zuhören!? Hallooo!? Ich bin doch noch gar nicht bei der Stelle mit den Updates angekommen, weil Windows 11 hat, hallloooo? Jemand zu Hause? Ich erzähle sonst gerne noch mal von vorne!
Pff. Manche Leute. Da fällt mir ein, damals auf Klassenfahrt
Ich z.B. habe seit Jahren einen Firmenlaptop, den ich zu Hause und am Arbeitsplatz nutze. Um nicht täglich Netzteil, Tastatur, Maus, Netzwerk, Monitor, Kamera, Headset und weitere Peripherie an- und abstöpseln zu müssen, verwende ich im Büro eine Dockingstation: Nicht so ein plumpes Ding wie früher, in das man den Laptop mechanisch eingerastet hat - nein, ein schlankes Kästlein liegt da, welches über ein einziges USB-C-Kabel den Laptop mit Strom versorgt und zugleich sämtliche Daten all dieser anderen Anschlüsse hin- und herschickt. Da habe ich anfangs schon gestaunt, ernsthaft: So ein schlankes Kabelchen mit solch einem winzigen Stecker schleust den gesamten Netzwerkverkehr durch, auch wenn große Dateien gestreamt werden, beschickt die zahlreichen Monitorpixel mit ihren Grafikdaten und überträgt in umgekehrter Richtung noch das eigene Kamerabild in eine Videokonferenz. Bemerkenswert! Und dass man höllisch aufpassen muss, damit sich dieser DÄMLICHE Stecker nicht auch nur einen Mikrometer in seiner Buchse bewegt und somit sämtliche Verbindungen unterbricht, z.B. weil man seine Kaffetasse vorsichtig am anderen Ende des Schreibtisches abstellt, oder ans Telefon geht, oder hustet, oder sich irgendwie im Stuhl bewegt, daran gewöhnt man sich.
Mich interessieren derlei Geschichten nicht die Bohne. Dieses Lamentieren, als hätte man das alles nicht schon tausendmal gehört! "Bei mir im Büro hat was nicht funktioniert! Und dann hat es der Support nicht hinbekommen!" Ja, Wahnsinn. Auf Partys unbedingt das Weite suchen, wenn jemand so anfängt. Mein Tipp.
Jahrein, jahraus tippe ich also zufrieden vor mich hin, wechsele zwischen den verschiedenen Programmen und Fenstern routiniert mit Alt+Tab, habe meine Taskleiste voll im Griff und nutze gerne den größeren Desktop auf dem flachen Bildschirm im Büro, komme aber auch mit dem geringeren Platzangebot zurecht, wenn ich das Gerät tatsächlich als Laptop nutze. Lediglich im Hinterkopf stellt sich manchmal die Frage, ob so ein zweiter Monitor nicht doch von Nutzen wäre, aber früher hatten wir sowas auch nicht.
Kaum sind ein paar Jahre vergangen und alle anderen Kollegen haben längst zwei oder drei Monitore, ordert man also auch einen zusätzlichen Bildschirm und gewöhnt sich so schnell daran, dass man sich nach wenigen Tagen fragt, wie man jemals mit nur einem Monitor arbeiten konnte, schau!, wie viel angenehmer ist es doch, diese Exceltabelle zu sehen, während du in dem anderen Programm arbeitest! Und das Copypasten ist so viel schöner, wenn du direkt vergleichen kannst und nicht noch mal hin- und zurückwechseln musst, weil du doch nie ganz sicher sein kannst, ob du den letzten oder den vorletzten Wert in der Zwischenablage hattest.
Aber da geht es auch schon los, ein Monitor geht aus und dann der andere, erst nur für Sekunden, dann auch mal Minuten, dann beide zugleich, dann ist wieder alles in Ordnung, dann passiert es öfter und länger und eines Tages stehst du lachend da, holst die anderen und zeigst ihnen das Geflacker: Uuuuund Obacht!, hier, diese Sekunde muss ich erwischen, um den Rechner wenigstens noch geordnet herunterzufahren.
Nur wenige Monate später, in denen du dein Nervenkostüm ruinierst, täglich eine halbe Stunde Arbeitszeit vergeudest, permanent unter deinem Schreibtisch herumkletterst und Kabel umsteckst, andere Dockingstationen ausprobierst, immer wieder alles stromlos machst, neu startest, Monitore tauschst und versuchst, auch nur irgendeine Logik zu finden, regelmäßigen Besuch vom technischen Support bekommst, der wiederum Kabel, Monitore und Dockingstationen über Kreuz tauscht, dabei am Ende nur noch etwas von "schlechtem Karma in diesen Räumen" murmelt, wird beschlossen, dass es Zeit für einen neuen Laptop ist: Der alte kann wohl auf Dauer doch nicht so viele Pixel gleichzeitig beschicken, oder ist es die Dockingstation, oder sind es die Monitore, weil drüben an dem anderen Platz ging es doch, oder?
Ich mag mein neues Gerät, es ist ein schöner und robuster Laptop, und wenn man ihn an die neue Dockingstation anschließt und ein wenig wartet, zeigt oft einer der Monitore irgendwann ein Bild, bzw. manchmal auch der zweite, nur dass dann das Bild vom ersten total unscharf wird, und der technische Support sich das nicht erklären kann, schlechtes Karma!, aber lass uns mal willkürlich alle Tasten an den Monitoren ein paarmal drücken und die beiden Monitorkabel vertauschen, guck mal, jetzt geht es, aber frag mich nicht warum.
Auf eine Art ist ja beruhigend, dass diese durchrationalisierte Welt ihre letzten Geheimnisse nicht preisgeben will, und ich bin durchaus hoffnungsvoll, nur dass dieser VERDAMMTE Stecker genauso wacklig in seiner Buchse steckt wie eh und je, ich meine, halloooo, vielleicht auch mal zuhören!? Hallooo!? Ich bin doch noch gar nicht bei der Stelle mit den Updates angekommen, weil Windows 11 hat, hallloooo? Jemand zu Hause? Ich erzähle sonst gerne noch mal von vorne!
Pff. Manche Leute. Da fällt mir ein, damals auf Klassenfahrt
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