Mumien, Analphabeten, Diebe.
Du hast's gut, du hast dein Leben noch vor dir.
Vum Stich
nnier | 17. März 2016 | Topic Gulp
Kommze vonne Schicht. Schmeißt du die CD mit dem 70er-Jahre-ProgRock an, bringst du die Wäsche runter, schaltest die Waschmaschine an, hängst die trockenen Sachen ab, räumst die Spülmaschine aus, räumst die Spülmaschine ein, schälst du Kartoffeln, reibst du Käse, machst du einen Auflauf, legst Wäsche zusammen, machst eine Flasche Wein auf.

Immer das Gleiche, jahrein, tagaus, nur diesen letzten Teil hatte ich vor kurzem noch nicht im Programm. Heute also einen Schluck Familienwurzel, und ich sprach vor einigen Jahren mit einem Winzer aus dem Ort: Das konntest du doch alles nicht trinken, sagte der, bis vor 10, 15 Jahren war das nur grausam, aber jetzt, jetzt tut sich was.

Ich habe trotzdem keine schlechten Erinnerungen an die bitzelige Schorle zum Mittagessen vor 30 oder 35 Jahren, Weißwein, trocken, mit Mineralwasser aus der gläsernen Mehrwegflasche. Den Blick über den Fluss zu den Sandsteinfelsen mit den Weinhängen fand ich immer schön.

Einmal halfen wir bei der Lese, da habe ich erst gelernt, wie klein die Trauben sind, und zwischendurch gab's ein Brötchen mit einer kalten Scheibe Leberkäse. Probiert habe ich den Wein schon lange nicht mehr, außer neulich so einem Glas bitzeliger Weißweinschorle zum Mittagessen. Jetzt also einen Rotwein vom Mainviereck, und ich zweifle ja, denn ich suche den schweren Keulenschlag, da muss doch die Sonne richtig drinstecken, gnadenlos draufbrennen und alles Überflüssige wegdunsten. Und dieser hier sieht schon so hell aus im Glas und hat gerade mal (hö!) 12,5% Allehol!

Riecht aber gar nicht so unintensiv, und ich habe ja keine Ahnung, aber ich behaupte: Der war mal in einem Fass, kommt holzfruchtig und leicht waldbrandig herangeweht, keineswegs leichtgewichtig. Schon mal gut.

Unbedingt atmen lassen! Der ungeduldige Erstschluck enttäuscht sonst. Wohltemperiert und wenn er in Ruhe vor sich hin oxidieren durfte, gewinnt er schnell hinzu, seine Säure entfaltet sich angenehm im Rachen und die holzigen Bitterstoffe bilden eine angenehme Kante in der Struktur. Das schmeichelt der Zunge, ohne süßlich oder gefällig zu sein, und läuft gut rein.

Am Ende wünschte ich mir trotzdem einen kleinen Widerhaken: Das ist elegant und fein und schön und gut, aber auch sehr konsensfähig, und es mag Einbildung sein, aber fehlt da vielleicht auch ein Volumenprozent Allehol!?



Stich Spätburgunder von 2013, 12,5%, Preis unbekannt. Guter Wein mit Holz- und Rauchnoten, angenehmer Säure und sehr ausgewogenem Charakter. Nichts zu meckern, mein Glück muss ich aber wohl weiter südlich suchen.

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hora sexta, Donnerstag, 17. März 2016, 20:57
Der Wein, der zur Jeanswäsche passt. Sehr schön! Und der Tisch auch. Oder ist das der Fußboden?

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nnier, Samstag, 19. März 2016, 21:20
Das ist der Tisch. Ich mag ihn auch sehr. Eiche: Man könnte drauf tanzen, zum 70er-Jahre-Progrock.

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vdgg, Freitag, 18. März 2016, 07:28
Ihre Weinbeschreibungen sinf immer verflixt auf den Punkt getroffen. Und dazu Jeans waschen und ProgRock. Kenn ich als letzte Arbeit im Garten (klar ohne Waschmaschine)
in Radio lief Alan Banks nicht computer gesteuertes persönlich ausgewältes Programm - paar Schubkarren voller frischer Kräuter mussten gebündelt werden. Es riecht gut, man ist eingehüllt in ein Meer von Kräuterduft.
Und dazu ein Wein als Tagesabschluss, der diese Melange von holzfruchtig und all dem hat der kurz gesagt keinen Brand in der Kehle erzeugt auch wenns mal bisserl waldbrandig schmecken sollte.

Jetzt hab ich nach "es birnt" wieder ein Wort mehr im Sprachschatzkistlein
Am besten wie Könige trinken aus Amethystbechern ( amethyein heisst :nicht betrunken)
Lets go - der Weg führt auch mal nach Süden

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nnier, Samstag, 19. März 2016, 21:24
Schubkarren voller Kräuter, untermalt von analogem Radio. Ein Traum!

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