Mumien, Analphabeten, Diebe.
Du hast's gut, du hast dein Leben noch vor dir.
Dienstag, 29. März 2016
Osterzwiebel
nnier | 29. März 2016 | Topic Ja nee
Mütze aufsetzen, Zwiebelscheibe erhitzen, in ein Tuch einschlagen, unter den Mützenrand aufs Ohr klemmen: Reine Routine, Wärme und ätherische Öle tun gut, und man riecht sehr appetitanregend.

E-Mail, die älteren haben das noch kennengelernt, ist eine Kommunikationsform mit äußerst angenehmen Eigenschaften. Natürlich: Spam, Smileys, Sexkontake, und ich musste als Programmierneuling einmal herzhaft lachen, als ich verstand, wie einfach man Absender fälschen oder tausende von Mails in Sekunden versenden kann. Anständig verwendet aber, und an anderes dachten die Entwickler des Protokolls nun mal nicht, hat das Format etwas Wunderbares: Blitzschnell ist die E-Mail beim Empfänger, und dieser liest sie irgendwann.

Irgendwann. Vielleicht sofort. Vielleicht morgen. Vielleicht antwortet er sofort. Vielleicht in einer Woche. Merkt ihr schon dieses wohlig entspannte Gefühl?

Ich weiß nicht, ob du meine Mail schon gelesen hast. Du weißt nicht, ob ich noch nicht antworten will oder kann. Was für ein zauberhafter, freier Zustand! Macht euch das mal klar, ihr WhatsApp-Sklaven!

Diese Hektik: Hin! Her! Hin! Her! Sie schreibt gerade! Sie ist online! Sie hat die Nachricht gelesen! Hin! Her! Hat sie schon geantwortet? Schreib mal! Frag mal! Schick mal ein Bild! Schick mal den Link! Hin! Her! Guck, was der schreibt! Leite mal weiter! Schreib in die Gruppe! Hin! Her! Wer hat geschrieben! Du musst noch antworten! Hin! Her! Es ist ein Graus.

SMS, die älteren haben es noch kennengelernt, war ein angenehmes Kommunikationsformat: Kostete 9 Cent, wurde erfreulich selten verwendet, und ich weiß nicht, ob du sie schon gelesen hast, und du weißt nicht, ob ich noch nicht antworten will oder kann. Ich sage nur: SMS und E-Mail, anständig verwendet, sind die elektronischen Kommunikationsmittel meiner Wahl.

Mir ist erst neulich wieder eingefallen, dass ich früher natürlich E-Mail-Clients auf dem Rechner hatte: Eudora, Pegasus, Outlook Express - mit denen schrieb man Mails und rief sie ab, und irgendwann dann nicht mehr, denn es gab inzwischen Web-Mail-Dienste, für die ein Browser reichte. Die Mails blieben also als bequemes Archiv auf dem Server liegen, und an das Ärgernis der Werbung außenrum gewöhnte ich mich irgendwie, ist ja Internet.

Nervig bei meinem Anbieter, nennen wir ihn mal wäbb.de, waren allerdings von Anfang an die dummdreisten Versuche, mich zum Klick auf einen Button zu bewegen, mit dem ich ein "Geschenk" von z.B. einem Monat Umsonstmitgliedschaft im "Club" angenommen hätte, die sich dann ganz kleingedruckt in ein kostenpflichtiges Abo verwandelt. Jeder Trick, von kontraintuitiver Färbung und ungewöhnlicher Platzierung bis zur irreführenden Beschriftung wurde da versucht, und ich kann nur erahnen, wie viele hundert Male ich verärgert den unscheinbaren "Nein, lieber nicht"-Link gesucht und angeklickt habe, so dass das ungute Gefühl, hier bei Neppers, Schleppers, Bauernfängers unterwegs zu sein, immer wieder neu hervorgerufen wurde: Erschreckt jetzt nicht, aber manchmal habe ich wirklich gedacht, denen geht's am Ende nur ums Geld.

Man braucht aber doch erst einen in die Fresse, und den bekam Töchterlein: Papa, ich soll da irgendwie 25 Euro bezahlen und noch so Mahngebühren, sonst wird mein Postfach gesperrt!

Etwas Recherche machte das Ausmaß deutlich, und da steht man plötzlich mit einem angeblich vor drei Monaten geschlossenen Vertrag, der frühestens nach einem Jahr kündbar ist und bis dahin über 100.- Euro kosten soll. Sie steht da weit weg von Zuhause und soll genau den Kanal abgeklemmt kriegen, über den sie mit der Austauschorganisation in Kontakt ist und mit der Fluggesellschaft und dem Mobilfunkanbieter - es sei denn, sie zahlt für etwas, das sie nicht will und nicht braucht.

Ich konnte das klären, es hat mich einen Tag Internetrechereche und ein Telefonat gekostet, zum Glück ist sie minderjährig, da sind sie zurückgezuckt: Auffällig ist, so steht es in vielen Erfahrungsberichten, dass sie sich speziell auf gerade volljährig Gewordene stürzen, und das passt zu ihrem bei der Registrierung nicht ganz zutreffend angegebenen Geburtsdatum.

Sie glaubt übrigens nicht, dass sie den Knopf überhaupt gedrückt hat: Aber kann man's beweisen? Und wenn es das nächste Mal mit 18 passiert? Oder bei mir? Oder wenn es einem gerade nicht gut geht und man keine Kraft und keinen Kopf für solche Auseinandersetzungen hat?

Darauf möchte ich es nicht anlegen, und deshalb meine Frage in die Runde: Gibt es empfehlenswerte E-Mail-Anbieter? (Nein, ich möchte keinen eigenen E-Mail-Server aufsetzen). Stabil, zuverlässig, weitgehend werbefrei, mit genügend Speicher? Ein paar Anregungen könnte ich dazu gut gebrauchen.

So, nun habe mich genug über diesen Mist geärgert, zum Glück ist das erst mal erledigt und ich muss auch dringend meine Zwiebel erneuern - oh, war das gerade das SMS-Geräusch?

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