Mumien, Analphabeten, Diebe.
Du hast's gut, du hast dein Leben noch vor dir.
Stadt Land Fluss
nnier | 19. August 2010 | Topic Gelesn
Die Neger entspringt im Rothaargebirge, nicht weit entfernt von der Ruhr. Die beiden fließen nebeneinander; und irgendwann treffen sie sich. Die Ruhr ist kürzer und führt weniger Wasser. Man könnte also sagen: Sie mündet in die Neger, und die Neger fließt weiter durchs Negertal, dann durchs Negergebiet und nach über 200 Kilometern bei Duisburg-Negerort in den Rhein.

(Michael Allmaier: Immer mit der Ruhr, DIE ZEIT vom 12. August 2010, S. 55)
Wenn ich mir früher Landkarten ansah, auf denen Flüsse verzeichnet waren, sah ich mir fasziniert das Adergeflecht an, die feinen Verästelungen, vom Meer aus wurden die Flüsse ja immer dünner und verzweigter, bis sie schließlich irgendwo endeten, dann war das ganze Wasser verbraucht. Ich stellte mir auch immer vor, dass die Lunge beim Einatmen von der irgendwie hereinströmenden Luft aufgepumpt wird wie ein Ballon, aber, nein, eines Nachts, ich weiß es noch genau, wurde mir klar, dass die Lunge durch Muskelkraft auseinandergezogen wird, wodurch ein Unterdruck entsteht, der durch die hineinströmende Luft ausgeglichen wird.

Ich war übrigens auch der Ansicht, dass Flüssigkeiten, während feste Nahrung natürlich erst im Magen und dann im Darm landet, direkt in die Blase geleitet würden - jahrelang habe ich mich gefragt, nach welchen Kriterien diese Weichenstellung wohl erfolge, wenn es Apfelmus oder Erbsensuppe gab. Das erzähle ich nicht nur, um ungeduldige ADHSler abzuschütteln, bei denen es nicht zu mehr als 140 Zeichen reicht; ich erzähle es auch nicht, um kundzutun, dass ich inzwischen aber den kompletten Durchblick habe; es handelt sich hierbei vielmehr um die kindgerechte Illustration einer gewissen Erfahrung, die ich bezüglich meiner Selbst- und Weltbilder gelegentlich gemacht habe und vermutlich auch noch öfter machen werde. Dieser erläuternde Einschub dient übrigens auch der Vorbereitung einer später evtl. zu erbringenden Transferleistung.

Auf der Suche nach der Negerquelle habe er keinen Erfolg gehabt, schreibt der ZEIT-Autor, er habe bei der Recherche aber erfahren, dass es schon immer ein starkes Interesse an einer Verhauptflussung der Ruhr gegeben habe, die Neger habe schlicht keine Lobby gehabt, und so kommt es wohl, dass ihre Quelle von keinem Schild markiert wird und, so vermute ich, dass im Laufe der Geschichte einige Hunderttausend naheliegende Scherze weniger über die Grubenarbeiter und ihre geschwärzten Kumpelgesichter gemacht worden sind.

Man redet so leicht aneinander vorbei, das ist das Problem, manche schreiben dann extra noch einen Hinweis ("Hint: Es geht nicht um Ferienwohnungen.") und werden trotzdem nicht verstanden. Ruhrgebiet, Negergebiet, Datenschutz, Konzept der digitalen Öffentlichkeit, das alles ist ja manchmal komplizierter als man meint. Ich wundere mich deshalb, nur mal so als Beispiel, darüber, mit welcher Selbstverständlichkeit immer noch so getan wird, als sei Geschwindigkeit ein Wert an sich, schnellschnell, ich habe was begriffen und bin ganz vorne dabei, wo auch immer "vorne" ist.

Ruhrgebiet, Negergebiet, ich wolle, dass "Transparenz" und "Verknüpfbarkeit der Daten" weggehen oder "gar verboten" werden, so fasst jemand meinen letzten Beitrag auf, hm, vielleicht versuchen wir's mit einem Vergleich, es geht ja z.B. vielen Menschen auch weniger darum, die Spaltbarkeit von Atomkernen blöd zu finden, aber vielleicht haben sie eine Meinung dazu, ob und von wem und wie und in welchem Zusammenhang die sog. Atomkraft genutzt werden sollte. Hint: This is not about Atomkraftwerke.

Ruhrgebiet, Negergebiet, "Rummosern" nennt es der eine, Kritik der andere, "Optionen" der eine, Arschkriecherei der andere, das war schon immer so, das hat nicht zuletzt mit charakterlichen und kulturellen Unterschieden zu tun, und während der eine angeblich das "Recht auf Fotografie im öffentlichen Raum" durchsetzen will, tut er das aus anderer Sicht mit der Hilfe einer Stalker- und Stasitruppe. So weit, so normal.

Es gibt ein Interview mit Paul McCartney, in dem der Frager ihn zu Kürzestantworten im Zusammenhang mit einigen Beatlessongs hetzen will. Die Antwort, etwa: "You won't get three-sentence-answers from me", hat mich beeindruckt. Dann erzählte er, was er zu diesen Liedern erzählen wollte.

Ich werde ganz bestimmt kein "Konzept" verkünden, Herr mspro. Hinweise auf Waldspaziergänge sind allerdings durchaus ernstgemeint.

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jean stubenzweig, Donnerstag, 19. August 2010, 17:32
«Ich ging im Walde so für mich hin,
und nichts zu suchen, das war mein Sinn ...»

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donalphons, Donnerstag, 19. August 2010, 19:26
da wo die leben, gibt es keinen Wald. Nur hässliche Häuser, die keiner sehen will, und Briefkästen, die schon lange keine Gehaltsabrechnung mehr gesehen haben. Also probiert man es mit Extremhaltungen, um gesehen zu werden.

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kid37, Donnerstag, 19. August 2010, 20:10
Oh ja, raus in die Wälder, wie es die Transzendentalisten empfahlen: "Man thinking must not be subdued by the internet. Street-View is for the scholar’s idle times. When he can read God directly, the hour is too precious to be wasted in other men’s pictures of the world." (Ralph Waldo Emerson, American Scholar, hier aus dem Kopf zitiert)

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vert, Freitag, 20. August 2010, 00:56
"Da! Rassismus!'
;-)


atomlobby war auch mein erster gedanke.
na gut, vielleicht der zweite.


walden rauskramen. da steht auch was ueber das Internet drin, glaube ich.

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g., Freitag, 20. August 2010, 07:26
Ich fürchte, Michael Seemann hat sich in seiner Welt eingebunckert.

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dings, Freitag, 20. August 2010, 13:29
Es lacht und liebt sich besser ohne iPhone. Man muss die Prioritäten selber kennen.
So, hab jetzt wieder im Internet zu tun. Frohes Schaffen!

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