Mumien, Analphabeten, Diebe.
Du hast's gut, du hast dein Leben noch vor dir.
Donnerstag, 19. März 2015
Und sonst
nnier | 19. März 2015 | Topic Brainphuq
- Wir haben uns ja eine Weile nicht gesehen, es ist in diesem Jahr der erste Termin, wenn ich das richtig erinnere

- Ist ja auch ein Scheißjahr bis jetzt, und "Erinnern" wird nicht transitiv benutzt

- Mögen Sie das ein wenig erläutern

- Na das ist so eine typische und blödsinnige Übernahme aus dem Englischen, "To remember something", aber im Deutschen ist es nun mal reflexiv und heißt "Sich an etwas erinnern", und ich verstehe einfach nicht, wieso man ohne Sinn und Zweck plötzlich diese Managersprache sprechen soll. So wie "In 2015", wenn ich das schon höre

- Das habe ich jetzt aber nicht gesagt, oder

- Sie? Nee, nee, und ich will da auch nicht drauf rumreiten, darum geht's ja gar nicht, geht mir nur auf die Nerven. Sind aber auch alles längst geführte Debatten, ich komm mir schon vor wie so ein Rumpelstilzchen

- Worum geht es dann, Sie sagten "Scheißjahr"

- Ach, das kotzt mich einfach an, ich schleppe mich seit Weihnachten irgendwie durch, habe immer so ein latentes Krankheitsgefühl, bin auch schon wieder krankgeschrieben seit letzter Woche, hab's kaum zum Arzt geschafft. Würde am liebsten noch wochenlang auf dem Bett liegen. Kann mir gar nicht vorstellen, wieder zur Arbeit zu gehen, da krieg ich Schweißausbrüche. Gestern bin ich mal einkaufen gegangen die paar Meter, danach war ich total im Arsch

- Ist das die Grippe, die geht ja momentan rum, ich krieg es überall mit

- Das wär total schön, wenn das die Grippe wäre! Dann würde ich endlich mal Fieber haben und zwei Wochen rumschwitzen und dann wär's wieder vorbei! Nicht immer dieses Halbgare, dieses leichte Halskratzen, diese nicht wirklich schlimmen Kopfschmerzen, diese Schlappheit: Manchmal reicht schon die Treppe hoch und ich bin durch

- Und körperlich ist alles abgeklärt beim Arzt

- Na die hören einen ab und schauen einem in den Hals und sagen, komisch, dann müssen Sie sich weiter ausruhen und viel trinken

- Und so Blutbild und so

- Kommt erst noch, aber ich kenn das schon, da kommt eh nix bei raus. Mir geht das dermaßen auf den Sack, ich frag mich echt, ob die Welt immer anstrengender wird oder ob ich alt werde und abbaue

- Was strengt sie an in der Welt?

- Ach

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Mittwoch, 11. März 2015
71@71:#34
nnier | 11. März 2015 | Topic Musiq
- "Songs of joy instead of burn, baby, burn", na, wie schmeckt dir der Pädagogenpop? "Help them to learn", nimm das!, und irgendwas mit Kindern, und Frieden ist besser als Krieg!

- Na ja, äh

Du willst noch mehr? Da hast du! "I light a candle to our love / In love our problems disappear." Und jetzt Kinderchöre, na, wie gefällt dir das? Oder muss ich erst den bunten Pullover rausholen?

- Gnade, Herr! Gnade! Ich werde nie wieder sagen, dass die 80er die "geilste Dekade" waren! Das habe ich nur diesem einen Radiosender nachgeplappert, ehrlich!



Damals hatte ja gerade erst unsere Nicole mit "Ein bisschen Frieden" den Grand Prix de la Chanson d'Eurovision gewonnen, und schon beim Finale, als sie den Song noch einmal darbot und ihn ganz spontan in verschiedenen Sprachen sang, müssen Paul vor dem Fernseher die ersten Ideen gekommen sein, ich meine: "Just like a flower when winter begins / Just like a candle blown out in the wind", Linda, gib mal Bleistift!, "A little loving, a little giving, to build a dream for the world we live in": Was hältst du von "All round the world / Little children being born to the world", du, da mach ich was draus!

Ich war damals noch klein und wurde in diesen Jahren von einem inneren Nagen befallen, das bis heute nicht gänzlich nachgelassen hat. Irgendwas in dieser ganzen Friedenssoße schmeckte falsch, da war zu viel "Piep-piep-piep-wir-ham-uns-alle-lieb" drin, das war banalstes Saccharin, leere Kalorien und eindeutig regressiv im Abgang.

Tierschutz, Kinderschutz, wir können uns alle wunderbar drauf einigen, und dieser ekelhafte Sound der Selbstgerechten ("Jeder hat das Recht auf einen bescheuerten Post – zumindest, wenn er versteht, was er falsch gemacht hat. [...] Er sagt, er verstehe inzwischen selbst nicht mehr, was daran witzig sei. Er sagt, ihm sei durch die Diskussion bewusst geworden, dass es einen 'blinden Fleck' bei ihm gebe. Er sagt, er wolle daran arbeiten. Und er hat um Entschuldigung gebeten"): Schauprozesse, Selbstkritik, Stalin sophisticated, vielleicht sollte man einen Song draus machen.

I light a candle to our love, jetzt bin ich vom Thema abgekommen. Mir war das damals ein wenig zu viel des "Guten", erst Ebenholz und Elfenbein, dann die Friedenspfeifen, all das in familientauglicher George-Martin-Produktion: Selten hat die Helter-Skelter-Gitarre dröhnender geschwiegen. Und man versteht die Vorbehalte gegen den 80er-Paul umso besser, je mehr man sich in diese Zeit zurückversetzt.

Blöd nur, dass da echte Könnner am Werk waren: Es ist halt auch ein toll komponiertes, durchaus komplexes Stück Popmusik, und man ignoriere mal die Frisur und die schlechte VHS-Qualität: An diesen Reglern herumzudrehen, muss die reine Freude sein, z.B. hier oder ein paar Sekunden später, wenn die Tablas einsetzen. Und auch wenn ich kein Freund dieser massiven Unisono-Hintergrundchöre mehr werde ("What do you say / Do you saaay / ..."), habe ich mit diesem Stück längst meinen, ähm, Frieden.

Was das Recht auf einen bescheuerten Post angeht, bin ich mir da nicht so sicher.

Platz 34: Pipes of Peace (1983)

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Mittwoch, 25. Februar 2015
71@71:#35
nnier | 25. Februar 2015 | Topic Musiq
Well the Ukraine girls really knock me out.



Könnten nicht einfach Singwettbewerbe stattfinden, fragt das innere Friedenskind in mir und weiß gar nicht, ob so etwas in der Ukraine momentan möglich wäre. So ein nettes Geburtstagsständchen zum 71.! Gerade mal anderthalb Jahre ist das her, und seither sitze ich ja auch an dieser kleinen Serie hier.

Dieses Lied klingt natürlich so alt, wie es ist, nämlich von 1973. Ich muss dabei immer an Filme mit dem jungen Dustin Hoffman denken, auch wenn das Mrs. Robinson und Simon&Garfunkel waren. Aber die Erinnerung wird unscharf, die Farben verwaschen, what's the use of worrying, und dieses Lied begeistert nicht nur die Russen auf dem Roten Platz, sondern auch jede Menge freundlicher Ukrainer, die sich da was wirklich Tolles ausgedacht haben:



Hinreißend, oder? Ho! Hey-ho!

Platz 35: Mrs. Vandebilt (1973)

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Dienstag, 10. Februar 2015
71@71:#36
nnier | 10. Februar 2015 | Topic Musiq


Zu Hause im Plattenschrank stand eine Scheibe von Tom Jones, und einmal, an Silvester, sangen die Erwachsenen laut Delilah und jemand zerschmiss ein Glas Rotwein, darüber erschrak ich. Es war für mich schon als Kind eine merkwürdig zeit- und ortlose Musik, ähnlich manchen Stücken von Neil Diamond: Man spürte nicht, woher das kam, es hätte beinahe neu, aber auch schon Jahrzehnte alt sein können. Das war kein Rock, das war aber auch nicht James Last. Hätte ich damals schon einen Begriff von Las Vegas gehabt, wäre mir viel Grübelei erspart geblieben.

I saw the flickering shadows of love on her blind, dieser dramatische Beginn, spannungsgeladenes Bassdammdammdamm, dann plötzliches Schmachten und Kieksen im Refrain - und vor allem die banale Trompete, why, why, why, Delilah, trölölölölölölölölö - was für eine seltsame Mischung aus Opernpathos und Trinklied.

[Zwischentext Tiger, Witzfigur, Schlüpferschmeißen, Sex Bomb, Art of Noise - kennt eh jeder auswendig]

Ach mensch, das ist ja gar nicht Tom Jones da oben! Der wollte vor ein paar Jahren auch mal so eine wertige Altersplatte aufzunehmen, die Zutaten sind ja seit Johnny Cash bekannt: Spartanische Instrumentierung, aufs Wesentliche reduziertes Arrangement, edelreife Altersstimme. Vorgestellt wurde die Scheibe in einer Radiosendung, und ich war nicht übermäßig beeindruckt, zumal ich ständig Angst vor einem lauten und tigerhaften "Yeah!" hatte, dieser Bariton kann einem ja wirklich auf den Zahn gehen.

Bis diese Melodie erklang, denn es ist ein schöner Song, den Paul McCartney da zu einem bereits vergessenenen Familienfilm auftragskomponiert hat: Getragen, gemächlich und so delikat, dass sie sich ganz unmerklich ins Ohr setzt - und dableibt.

"Mir fehlt da noch ein Intro", soll der Filmregisseur gesagt haben, na dann schreiben wir halt eins, ist doch nix dabei. Mit diesen paar feinen Klaviernoten sammelt er mich schon ein, und dann kommt die große Produktion mit Streichorchester: Reichlich aufgetragen, aber er kann's, der Franz. Oder, kurz gesagt: Yet another overlooked late McCartney song.

Platz 36: I Want To Come Home (2009)

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Donnerstag, 5. Februar 2015
Speke you English?
nnier | 05. Februar 2015 | Topic In echt
They are proud of their way of speaking, so do not ask them to speak in English if you do not understand. [Q]



Schenkt Herr Matschkopf seiner Tochter ne kleine Reise zu Weihnachten. Sagt er: Fliegen wir in den Zeugnisferien mal nach Liverpool, kannst du noch mal Englisch sprechen, bevor du für ein Jahr nach Nordamerika gehst. (Muss er schlucken, kriegt er gleich Phantomschmerzen.) Will er den Flug einchecken, geht das stundenlang nicht, kriegt er die Krise und ist eh noch total schlapp. Merkt er, dass er den falschen Monat gebucht hat. Bucht er teuer um. Fliegen se nach Manchester, müssen se nach Liverpool, hat er n Bus gebucht, gibt er dem Fahrer das Ticket. Komm se in Liverpool an, gehn se zum Hotel und machen irgendwann ne Beatles-Bustour. Müssen se lachen, weil Georges Zwei-Zimmer-Haus in der winzigen Straße so klein aussieht, in dem die Harrisons zu sechst gelebt haben. Freut er sich wieder so, als sie an Paul McCartneys altem Haus sind. Gehn se einkaufen und ins Schnellrestaurant, sprechen die Leute immer so n heftigen Akzent. Und obwohl se das vorher gewusst haben, wundern se sich dauernd, wie schwer man das versteht. Sagen se dauernd Pardon und Sorry, I didn't get that. Müssen se zurück nach Manchester, sucht er das Ticket raus, gehn se zu dem Fernbus. Stehn se in der Schlange, gibt er der Frau das Ticket, sagt se mit ihrem starken Akzent: Sorry, sir, this is not a valid ticket for this bus. This is a ticket for a ... Magical Mystery Tour!? Muss er lachen, weil se ja zum Flughafen müssen und ihm einfällt, wie er das Ticket für beide Richtungen auf dem Hinweg beim Fahrer abgegeben hat.

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Montag, 26. Januar 2015
Unplugged
nnier | 26. Januar 2015 | Topic Ja nee
Irgendwie muss ich ins neue Jahr gekommen sein, dann saß ich an meinem Arbeitsplatz und konnte plötzlich nicht mehr denken. Ein Glas Wasser wäre nett, versuchte ich zu krächzen, bloß dass ich alleine im Büro saß und die im Flur dachten, der schläft halt ne Runde. Man bettete mich auf den Boden und fuhr mich nach Hause. Ich muss schlafen, sprach ich zu mir und schritt noch in der Jacke zur Tat.



Das war vor ein paar Tagen. Seither habe ich die Wand eingehend studiert, fühle mich von dieser Tätigkeit geradezu erfüllt und habe sie auch noch nicht abgeschlossen, das wurde mir hinreichend klar, als ich sie heute unterbrechen musste. Der Ärztin sollte ich kräftig die Hand drücken ("Fester!" - "Trau mich nicht" - "Los" - "OK, auf Ihre Verantwortung" - "Wie, mehr geht nicht?"), dann die Backen aufblasen, Stirn runzeln, blöd grinsen, Augen rollen, fast wie auf der Arbeit war das, und ich soll mal richtig abschalten.

Stecker raus, Zitronentee ans Bett! Zinksargnagel und letzter Pfennig liegen ohnehin bereit. Irgendwann, wenn keiner guckt, baue ich daraus eine Notbatterie und höre heimlich Musik.

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Donnerstag, 8. Januar 2015
Vive
nnier | 08. Januar 2015 | Topic 'umor & more
Sie vertreten eine todernste, einzige ewige Wahrheit, und der Witz [...] bedroht diese Wahrheit. Religion (und so manch andere Weltanschauung) ist Wahnsinn im Kleide der Rationalität, Satire und Komik Rationalität im Kleide des Wahnsinns. Das eine muß das andere mißverstehen. Deshalb werden Vertreter des heiligen Ernstes der Komik stets mit Zorn begegnen. Und es ist ihr gutes Recht. Solange sie dies mit denselben Waffen wie Satiriker tun: mit Wort und Bild. Und nicht mit Maschinenpistolen.

[Tim Wolff: Es lebe der Witz!]

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Sonntag, 4. Januar 2015
Nicht jede Klassenfahrt
nnier | 04. Januar 2015 | Topic Gelesn
Es gibt sehr schöne Passagen, in denen wir tief eintauchen können in's MV [Märkische Viertel; nnier] und die seltsame Schule und die späten 70er, frühen 80er... aber manches bleibt sehr kalauerhaft, zerdehnt, bemüht. Manche Teile wirken auf eine Art geschrieben, daß sie vorlesetechnisch gut von Fil performt werden könnten - beim Selberlesen macht das auch nicht soviel Spaß.
[Eine Am*zon-Rezension, nicht von mir]

Ich schreib jetzt nicht jede Klassenfahrt, die ich gemacht habe.
[Fil im Deutschlandfunk-Interview bei ca. 2:40]



Das ist dann schon schade, wenn ein Lesezeichen beiliegt und man schaut sich das an und freut sich über diesen typischen Fil-Humor: "Spielen Sie nicht mit mir, ich liebe Vampirlyrik!", das alles ist ganz toll, und so oft sagt man im Leben ja nicht: Super Lesezeichen schon mal!

Ich habe da oben geschrieben: "Nicht von mir", denn das könnte fast von mir sein. Ich bekam Die ulkigsten Kommmix fon Phil in der originalen Packpapierausgabe von einem Westberliner Freund geschenkt und bin seitdem Fanboy. Ewig später, als er die komische Inselstadt endlich mal verließ, war ich vor Freude ganz außer mir über die ersten Auftritte, denen ich beiwohnen durfte: Eine solche Humordichte auf allen Ebenen, ständig unterlaufene und übertroffene Erwartungen, Meta ohne Besserwisserattitüde, Selbstverarschung ohne Anbiederei, fröhliches Dilettieren bei großer Genauigkeit im Detail, das kannte ich aus seinen Comics und war völlig baff, dass das auf der Bühne auch möglich ist. Da könnte man 25 Fun-Freitage kondensieren und würde nicht ansatzweise so intensiv an den Synapsen gekitzelt.



Ich hätte über die Lande fahren und seinen Namen noch viel vehementer preisen mögen als mit solchen zarten Andeutungen, bloß dass dann diese alte Eifersucht zum Tragen kommt, man will den für sich alleine haben, auch wenn das schon mit den Beatles nicht geklappt hat. Die ganze Nummer: Der soll bloß nicht zu erfolgreich werden, am Ende finden ihn die Honks plötzlich auch toll und tragen Baseballkäppis, auf denen Schiggenfaggä steht, und so sitzt man missgünstig in der Falle, will immer erzählen, wie toll der ist, und ihn gleichzeitig in Zellophan wickeln, damit er bloß nie bei 7 Tage, 7 Köpfe eingeladen wird.

Schon der Umzug von der winzigen in die normalgroße Veranstaltungsstätte lässt einen da argwöhnen, missmutig starrt man auf die anderen Besucher und würde ihnen am liebsten ein Bein stellen, hier, kuck mal, Fil, ich bewahre dich davor, kommerziell zu werden!



Und man hat den ganzen Mist schon oft erlebt, wie Leute mit den falschen Sachen erfolgreich sind, ob das Penislesungen sind oder Fraktus-Konzerte, bei denen plötzlich die Massen johlen und tanzen, dabei will man doch bei solch seltener Gelegenheit von zerfurchten Grüblern und angsteinflößend Wahnsinnigen mit schwerer Kost versorgt werden, um den Alltag bis zum nächsten Mal durchzustehen: Mein Dasein wird durch Juwelen wie die Welt des Jürgen Dose bereichert, für die Massenversorgung ist die Humorindustrie mit ihrer genormten Häppchenproduktion zuständig, also geht doch bitte alle bei Bully Herbig ablachen und latscht nicht über die Trüffeln.

Dann noch die unglaublich langweilige Tastache, dass früher alles besser war: So schwer es mir fällt, das auszusprechen, aber auch meine Helden können das Niveau nicht immer halten, da lese ich gutwillig jedes neue Buch von Heinz Strunk und denke, ja, hm, ehrenwerter Versuch, aber am liebsten würde ich noch mal das Programm Mit Hass gekocht oder etwas Vergleichbares sehen.

Und damit zurück zu Fil, denn auch seine letzten Shows konnte ich ohne dunkle Flecken im Schritt verlassen und musste auch nicht mehr bei jedem neuen Didi&Stulle meine Umwelt tagelang mit debilem Grinsen und schlecht imitiertem Berliner Dialekt penetrieren, so wie das bei Höhepunkten wie Didis Höllenabenteuer einfach nicht zu vermeiden war.

Es ist vollkommen ungerecht, da erwartet man immer mehr und mehr ausgerechnet von den Leuten, die einem schon so viel gegeben haben, die sollen doch bitteschön auf eigene Kosten durchs Land reisen und vor kleinem (aber erlesenem!) Publikum Verluste erspielen, während irgendwelche Flachköpfe die Haribo-Millionen abgreifen.



Pullern im Stehn. Die Geschichte meiner Jugend ist nun nicht im Selbstverlag und nicht bei Reprodukt, sondern bei Rowohlt erschienen und zum Teil ganz interessant (genauer gesagt habe ich das Buch in einer durchwachten Nacht am Stück weggelesen). Für die nun anstehende Promotour wünsche ich ihm nicht nur weniger holprige Interviews als solche, sondern auch anständige Verkäufe, die hat er sich verdient. Vom eigentlichen Fil kommt für mich in der verdichteten Form, sei es im Comic oder auf der Bühne, deutlich mehr herüber als in den gesammelten Jugendschwänken, denn auch wenn ab und zu eine ernste Grundierung durchscheint, stehen die meisten Episoden für wenig mehr als für sich selbst. Etwas mehr Punk bzw. Entschlossenheit, dem Leser mal einen reinzuwürgen oder ansatzlos ins Absurde zu driften, hätte ich dem Buch gewünscht, in dem freundlich vor sich hingeplaudert wird und einmontierte Science-Fiction-Fantasien eher unmotiviert auftauchen (und abbrechen).

Man kann vielleicht kaum vermeiden, so ein Rowohlt-Publikum beim Schreiben immer mitzudenken. Fils Geschichte hätte ich deshalb lieber in einem Packpapierfanzine gelesen.

Trotzdem, Leute: Das Lesezeichen ist 1A!

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