Der Kolumnist hatte wohl pünktlich begonnen, war bereits am Vorlesen und der große Saal: Brechend voll. Hin- und hergerissen folgte Herr Durchschnitt nun dem Dargebotenen: "Sandte mir eine Leserin" und "Schickte mir ein Herr aus W.", "Fand ich im Internet" und "Berichtete ein Reisender", das könnte ebenso eine glatte Unverschämtheit sein wie die ausgedehnte Wiedergabe von falsch übersetzten Speisekarten im Jahr 2013. Charmant zu schwätzen allerdings, musste Herr Gewöhnlich einräumen, verstand der Mann auf der Bühne dann doch, und die Kunst, aus wenig viel zu machen, sowie die schiere handwerkliche Routine!, ließen ihn nicht unbeeindruckt: Kunst kommt von Können, nech.
Schlafi Schlafi, machte Herr Alltag, und Schaffi Schaffi, und wieder Schlafi, dann brachte er den Müll raus. Muss ja! Und Wäschi Wäschi. Dann wieder: Zahli Zahli. Und Schaffi Schaffi! Am liebsten aber: Schlafi Schlafi. Manchmal: Trinki Trinki. Damit Schlafi Schlafi! Damit wieder Schaffi Schaffi: Muss ja. Der kapitalistische Produktionsprozess reproduziert also durch seinen eigenen Vorgang die Scheidung zwischen Arbeitskraft und Arbeitsbedingungen.
Herr Unauffällig wird trotzdem alt. Kaum drei Tage später, heute hauen wir auf die Pauke, was kost' die Welt: Geht er ins Kino! Mit seinem exzentrischen Musikgeschmack (P. Collins) setzt er sich ohnehin von der Masse ab. Einmal im Bekenntnisfieber aber bricht es aus ihm heraus: Ich war ja mal ein ganz großer Fan von Star Trek! Ja: Man sieht es mir nicht an, das weiß ich wohl, aber den bieder-schnauzbärtigen VW-Arbeiter sehen nur die Oberflächlichen unter euch. Wenn ihr wüsstet! Meinen GTI habe ich tiefergelegt, den Unterboden blau beleuchtet, beim Mittelalterrollenspiel bin ich immer der Schamane, und im Vulkanierkostüm auf der FedCon gehe ich endgültig aus mir heraus. Ihr wollt noch mehr? Here's to you: Auf der Erotikmesse "Venus" habe ich mich mal mit Gina Wild fotografieren lassen! Eat this, Motherfuckers.
Wahnsinn, Atze! Irre, Kalle! Echt krass, Manni! Was für ein einzigartiger Typ du bist! Lässt dich nicht verbiegen! Immer freakig bleiben! Born to be wild. Punx not dead. Free Willy.
Herr Steuerzahl, eben noch heftig gestikulierend, lässt die Arme hängen und starrt ins Leere. Ist nicht mehr wie früher. Ist nicht mehr dasselbe. Wäre Werder abgestiegen, dann hätte ich gesagt: Hoppla, ist doch glatt Werder abgestiegen. Und das wär's!
Na, sowas, Herr Untertan: Kein Interesse mehr? Und wenn wir Ihnen den neuen Star Trek in 3D zeigen!? Wäre das nichts? Ist das nichts? Kommen Sie: Mit den alten Figuren! Bloß in zeitgemäß!
Mit Stirnfalte sehen wir ihn da sitzen, den Herrn Koofmich, die alberne Brille auf der Nase, im Multiplex, da ist es bunt, da sind Effekte, da ist Action, da gibt es professionelle Ware: Das ist einwandfreie Unterhaltung, da kriegt man was geboten fürs Geld, das ist der athletische Fußball von heute, so einen langsamen Film kannst du heute nicht mehr machen, der hat ja eine halbe Minute, um den Ball anzunehmen! Früher, da brauchten sie einen ganzen Film fürs Sterben und gleich noch einen für die Wiederauferstehung. Heute wird beides in fünf Minuten abgehandelt, und es wird alles immer heller und heißer.
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Es sind Metallsammler darunter und Leute mit dickem Mercedes, und als ich heute den Weg zum großen Elektromarkt antrat, schrak meine Begleitung zusammen: Was trägt der denn da? Einen einbalsamierten Hund!?
Bei unserer Rückkehr roch es nach Straßenschlacht. Eine Mülltonne qualmte intensiv, so eine große, metallene Gewerbemülltonne mit vier Rädern und gewölbtem Deckel. Spiritus- und Benzinaroma durchströmte das Viertel.
Auf dem Tisch vor der Kneipe lag ein Kadaver. Kein Hund, sondern ein Ferkel, in dessen Schwarte Rechtecke geschnitten waren. Aus der Mülltonne ragten zwei menschliche Beine.
Hat der seine Grillkohle weggeschmissen oder was, sagte ich, was macht der denn, das verkokelt doch alles. Aus dem Fenster sah ich, wie der Mensch immer und immer wieder mit dem Oberkörper bis zur Hüfte in der Tonne verschwand. Das Schwein war nicht mehr zu sehen.
Grillt der da in der Mülltonne oder was, sagte ich, ohne zu ahnen, wie recht ich hatte: Denn plötzlich bemerkte ich den an der Stirnseite der Mülltonne außen angeflanschten Elektromotor. Zwischen Motor und Mülltonnenaußenwand befand sich ein dreispeichiges Metallrad, womöglich ein altes Lenkrad, das sich fast unmerklich drehte.
Mein Wunschberuf war Erfinder. Ich schraubte für mein Leben gerne Dinge auseinander und träumte von der großen Zufallserfindung, die ich aus einer alten Schreibmaschine, einer kaputten Stehlampe und anderen Sperrmüllfunden erschaffen würde.
Briefträger waren mal Postbeamte mit hoheitlichem Auftreten. Damals fuhr ich staunend in die großen Städte zu den Riesengeschäften voller Technik, zwanzig Meter CD-Player! Ich war der ideale Kunde, technikbegeistert, musikliebend, und immer brauchte ich ein Kabel oder nahm die Leercassetten in Zehnerpacks mit. Sie haben mich längst verloren.
Schon am Eingang schrecken sie mich ab, da ist alles voller Telefone und Computer, bzw. voller kleiner Computer in Telefonformat und großer Computer in Tablettformat. Ich sollte nach etwas gucken für jemanden, aber ich schaffte es nicht, da war alles voller Menschen, die pausenlos auf den kleinen und großen Dingern herumwischten und fragten: Kann ich damit auch einen Screenshot machen, und läuft darauf WhatsApp. Und sonst habe ich immer noch die Runde durch den Laden gemacht, diesmal aber musste ich ganz schnell wieder weg.
Nein, ich habe da nichts für dich gefunden, tut mir leid, und siehst du die Tonne da drüben, achte mal auf das Rad mit den drei Speichen. Doch, sieh genau hin, das dreht sich ganz langsam, und rate mal warum! Das muss der Mann gebastelt haben, der hier immer Metall sammelt, der grillt da. Weiß nicht, ob ich das in einer Mülltonne machen würde. Aber toll, wenn man sowas kann.
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Hit Nummer 5: It's My Life (Talk Talk)
Kann es etwas Schöneres geben, denkt man zwischendurch. Dieses Lied ist sogar in einer Kaugummi-Neuaufnahme erträglich, zumindest in den Strophen, wenn Frau Stephani mit doppeltem Boden singt, während der Refrain dann doch zu All-American daherkommt.
Die späteren, elegischen Instrumentalausflüge von Talk Talk werden von vielen hoch gepriesen; für meine Begriffe hatten sie mit Such a Shame und dem hier besprochenen Lied, zwei ganz wunderbaren Poptiteln, ihren Zenit erreicht. Und Mark Hollis ist der Coolste von allen. ("Er sieht aus wie ein katholischer Sozialarbeiter und guckt in Kamera, als ob er nicht bis 3 zählen könnte.")
Hit Nummer 4: Talking In Your Sleep (The Romantics)
Ich höre Sie schon: Ganz nett, aber so weit oben!? Dieses vergessene Lied hat seinen Platz in meinem Herzen allerdings sicher. Ein minderer Hit von minderer Originalität, und vielleicht liegt es nur daran, dass ich damals den englischen Text so gut verstanden habe wie sonst kaum einen: Kein Slang, kein Genuschel, keine komplexe Grammatik, sondern ganz einfach
I hear
The secrets that you keep
When you're talking in your sleep
Musikalisch keine Offenbarung, aber frisch und fröhlich. Und: Ich bin wieder 13!
Hit Nummer 3: I Don't Care Anymore (Phil Collins)
Ja, ja, ja. Ja. Ja-haa! Jau. Jep. Ja.
Sie alle haben natürlich total recht mit Ihrem Hass. Sie dürfen ihn dehumanisieren und zum Antichristen der Popmusik stilisieren, denn er griff nach der Weltherrschaft und war omnipräsent und flog mit der Concorde von London nach Philadelphia. Er schrieb Puffmusik und schlimme Balladen und entweihte St. Clapton und den Heiligen David Crosby, er war ein Egozentriker und hatte lichtes Haar.
Wollen wir trotzdem mal kurz versuchen, die Ereignisse danach auszublenden? Dann steht da ein grummeliger Typ mit unvorteilhafter Stirnlocke, schaut skeptisch in die Kamera und singt mit wenig schmeichelnder Stimme zu unbequemer Melodie. Die prominenten Drums, die einfachen Moog-Synthesizer-Harmonien, die elektrischen Gitarrensprengsel, das alles ist vollkommen typisch für den frühen Solo-Collins. Und zu diesem Lied, zu Beginn verhalten und nur langsam dynamisch ansteigend, bis der Befreiungschlag kommt, passt die allmählich bis zum Schreien gesteigerte Stimme einfach perfekt.
Ihn hat der Erfolg versaut, denn das harmlose Cover-Liedchen You Can't Hurry Love vom selben Album wurde zum Riesenhit, da kapierte er, wo es langgeht, und je länger die 80er dauerten, umso schwerer fiel es mir, ihn noch irgendwie zu verteidigen.
An den linkischen Sonderling aber denke ich gerne zurück.
Hit Nummer 2: Urgent (Foreigner)
Später hatten sie die Balladenformel raus, das langweilte mich, und generell mag ich diese hohen, gepressten Hardrock-Stimmen überhaupt nicht. Völlig untypisch für mich also, dass ich gleich zwei Nummern von dieser Band schon damals mochte und immer noch sehr gerne höre: Genausogut wie diese hier hätte ich nämlich auch Jukebox Hero nennen können. Aber ganz knapp machte Urgent das Rennen. Die Echo-Gitarren am Anfang läuten die Festspiele ein, dann dieser schleppend gehaltene, immer gleiche E-Gitarren-Grundton, die erst mühsam zurückgehaltene und schließlich, klar, irgendwann explodierende Stimme von Lou Gramm. Wenn der hohl heulende Synthesizerton über dem Wort "Urgent" nach unten fällt, wenn sich irgendwann alles in einem Saxophonsolostrudel bündelt, dann aber doch wieder zur ruhigen Anfangsstimmung zurückfindet, dann muss ich gestehen, dass dieses obwohl eher aus der Hardrock-Ecke stammende und somit für mich wenig typische, äh, also geiles Lied irgendwie.
Hit Nummer 1: Don't You Want Me (The Human League)
Und was haben wir denn hier: Kein spannungsgeladenes Dynamikgepose und kein Psychodrama, keine weltbewegende Sangestimme und keine aufregenden Akkorde. Sondern eine fröhliche Allerweltsmelodie, ein naives Liedchen, das mit den paar schnellen, kaum hörbaren Synthesizertönchen am Anfang schon meine Vorfreude anstachelt und dann direkt drauflosgeht. Die 8-Bit-Computerspielmusik hätten sie 30 Jahre früher auf der Ziehharmonika gespielt, sich im Wald auf der Lichtung versammelt und neben der Picknickdecke dazu getanzt. Melodie ist eben doch Trumpf.
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Platz 20: Living On Video (Trans X)
Ein ziemlich beknacktes Lied, das Kinder heute wahrscheinlich in fünf Minuten auf dem Smartphone zusammenklicken können. Den Hintergrund-Synth begriff sogar ich: Einfach denselben Ton im Abstand einer Oktave immer im Wechsel spielen und dabei ein wenig mit der Hand auf dem Keyboard hin- und herwandern. Den Rest hätte ich mit Einfingersuchsystem auf die Dauer wohl auch hinbekommen. Aber was soll's: Ein paar Soundeffekte, Vocoder, die gelangweilt-hypnotische Frauenstimme, das gefiel mir, und "Trans X" war nichts als ein komischer Bandname.
Platz 19: Modern Love (David Bowie)
Klingt auf Anhieb wie geradeausgerocke Dutzendware. Aber mir gefielen (und gefallen) die einleitenden verhallt-abgestoppten Gitarrensaiten, bevor das Schlagzeug einsetzt, und dann steigert sich alles bis zum Finale. Der geheimnisvolle Bowie mal ganz straight, mir gefällt's.
Platz 18: Love On Your Side (Thompson Twins)
Die Zwillinge waren Drillinge mit einem damals durchaus speziellen Sound. Das harmlose Liedchen vergesse ich oft und freue mich, wenn es mir dann wieder einfällt.
Platz 17: No Tengo Dinero (Righeira)
Das andere kennt ja jeder. Und bei Lichte betrachtet ist auch das hier der gleiche Song, aber noch besser. Interessant auch, dass es einen so unverkennbaren Italo-Disco-Sound überhaupt gab. Normalerweise durfte dann so ein Oberweitenteenie singen, hier waren's mal zwei Verrückte.
Platz 16: Love Is a Stranger (Eurythmics)
Bevor diese Band mich zu nerven begann, gab es eine kurze, tolle Zeit. Natürlich ist Sweet Dreams viel besser. Alleine schon, dass man bei "Who am I to disagree" die Silbe "m" betonen kann! Damals aber war ich von dem seltsam nervösen Rhythmus dieses ersten Liedes, das ich von ihnen kannte, fasziniert. Und die komischen Brumm- oder Stöhnlaute drehen den Song ganz leicht ins Demente. Wie schade, dass die dann plötzlich "richtige" Musiker sein wollten: Mundharmonika, Soul, pff. Wärt ihr mal beim Synth geblieben! Erst das späte und kurze Comeback mit I Saved the World Today konnte mich ein wenig versöhnen.
Platz 15: Relax (Frankie Goes To Hollywood)
Niermand hat die Absicht, eine originelle Liste zu präsentieren. Das Lied gehört einfach zu den zentralen Musikeindrücken der früheren 80er. High-Energy-Bass, dazu die volle Produzentendröhnung von Trevor Horn: Für kurze Zeit dachte man, jetzt könne nichts mehr kommen.
Platz 14: Our House (Madness)
Muss auch mit rein. Zu erwähnen mal wieder der Bass, wie er am Anfang, nach den ganz tiefen Klaviertönen, das Startsignal gibt wie ein anfahrendes Motorrad. Hilft mir heute noch beim Abwaschen.
Platz 13: Get The Balance Right (Depeche Mode)
Kaum eine "große" Band ist mir so egal wie diese: Die ganzen Wichtigkeitsgesten, das Heroingetue, das Stadionpathos gehen komplett an mir vorbei. Schon mit People are People haben sie mich verloren. Davor war ein kurzer Moment, in der sie mir als geheimnisvolle Tüftler erschienen, ich kannte zwar kaum etwas, aber dieses Lied mit den kleinen Rhythmustricks weckte vorübergehend mein Interesse.
Platz 12: Hymn (Ultravox)
Es gibt heute noch Momente, in denen ich dies für einen tollen Song halte. Dabei sind es vielleicht doch eher Sound- und Produktionstricks, die das Interesse wachhalten. Das ganze Arrangement ist perfekt, es wird gekonnt Spannung ab- und zugegeben, und bei allem Plastik: Dieses feuerwehrsirenenhafte Keyboardsolo freut mich immer wieder.
Platz 11: Mama (Genesis)
Dieser Themenkomplex wartet noch auf eingehendere Bearbeitung. Aber hier natürlich in Reinkultur zu finden: Langer Spannungsaufbau gepaart mit etwas Creepiness, dann explodieren die Drums, und vollkommen egal, dass man sich später für immer dran überhörte (und ich diesen Song sozusagen auch nur noch "historisch" anhören kann): Es ist schon verdammt clever gemacht.
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Verstaubte, halbfertige Beiträge: Vielleicht kann man damit noch was anfangen? Es fügt sich immerhin mit einer Kneipenschuld. Das Knacken - ach, das sind nur meine Fingergelenke.
Das Top-Ten-Format, rabla, [hier noch was von der Hitparade International einfügen, HR3, Donnerstags, Werner Reinke etc. etc.] [@nnier: unbedingt diese abgenudelten Versatzstücke vermeiden, Cassettenrecorder, Aufnahmetaste, das will keiner mehr hören], die Kneipenaufgabe lautete also:
Deine Top-Ten-Hits 1980-1985
Und da geht es schon los: Wenn ich nun in der Zeit am liebsten Beethovens Fünfte gehört habe? Oder Spiel nicht mit den Schmuddelkindern von Franz-Josef Degenhardt? Nein: Es muss schon aus dieser Zeit stammen. Und es muss eine gewisse popkulturelle Relevanz haben. Also nicht zwangsläufig ein Nummer-Eins-Hit, aber auch nicht die obskure B-Seite dieser walisischen Punkband.
International: Ich lasse die Neue Deutsche Welle weg, trotz Trio. Und am Ende: Es heißt deine Top Ten, also nehme ich meine Top Ten, und zwar aus der damaligen Sicht: Ganz egal, dass ich von heute aus Billie Jean und Every Breath You Take für tadellose Musikstücke halte, sie waren damals nicht wichtig für mich. Deshalb auch kein Heart of Glass, deshalb kein Fade to Grey: Die habe ich im nachhinein in mein Referenzsystem gefügt, sie waren zu früh für mich, da kann ein Jahr von entscheidender Bedeutung sein. Das eine Lied hat man mit dem Fußball unterm Arm aus der Schuldisco dröhnen hören und erst später richtig eingeordnet. Das andere war als Neuvorstellung in der Vorwoche gespielt worden,
Hit Nummer zehn: Wot (Captain Sensible)
Dieses Lied klingt für mich heute harmlos und wenig originell - damals war ich vom Presslufthammer getroffen. Und es ist immerhin ein Kriterium für meine Top-Ten-Auswahl, wenn ich damals eine ganze Cassette dafür verwendet habe, ein und dasselbe Stück immer und immer wieder darauf aufzunehmen: Wot war so ein Fall. Mein Freund besaß die langweilig aufgeblähte Maxisingle, damit füllte ich eine Seite. Die Singleversion aus dem Radio kam auf die andere. Und dann müssen es Monate gewesen sein: Schreckliche Monate für den Rest meiner Familie, denn ich nahm die Cassette sogar mit ins Auto.
OK: Soundeffekte wie am Anfang des Liedes waren damals noch nicht so verbreitet, die Funk-Gitarre setzt dann schön knackig ein, des Captains Stimme ist markant, das Giggeln der Damen im Hintergrund ("Say captain / say what / whoo!") vergnüglich, das ist alles schön und gut - gebracht hat es für mich aber der Bass: So etwas kannte ich noch nicht, so ein durchgängig hingegroovtes Fundament, funkiger Antreiber für den ganzen Song.
Hit Nummer neun: Too Shy (Kajagoogoo)
Eines der Lieder, die man als Junge nur heimlich gutfinden konnte: Das war nun eindeutige Mädchenmusik, und dazu der peinliche Bravo-Limahl. Also fand ich heimlich gut: Den flächigen Synthesizer am Anfang, das elektronische Schlagzeug, dann schon wieder: Den Bass! Eine schöne Dynamik, finde ich heute noch, da ist der harmlose Gesang nicht weiter wichtig und auch der doo-doo-doo-Part gegen Ende erträglich.
Hit Nummer acht: What Is Love? (Howard Jones)
Nicht ganz so schlimm wie bei Kajagoogoo, trotzdem ein ähnlicher Fall: Nichts, was man seinen Freunden auf die Nase gebunden hätte. "AC/DC ist voll cool, Mann, TNT! Hoi! Hoi! Hoi!" - "Ja. Und wie findest du What Is Love von Howard Jones?"
Viele der damals großen, heute vergessenen 80er-Helden hat man auf Anhieb parat: Paul Young. Duran Duran. Sogar die Thompson Twins. Aber dass Howard Jones auch einer war, wer weiß das noch? Dünne Synthie-Musik insgesamt mit eher schwachen Melodien, man denke nur an No One Is to Blame oder Things Can Only Get Better. Das hier aber kann ich noch heute gelten lassen: Ein Mann, ein Keyboard, ein Studio, ein weichgespülter Hit vom Reißbrett. Völlig überproduziert, na klar. Und nicht lange darauf nervten diese eingebauten Sounds von Yamaha DX7 und Co. nur noch. (Wie allerdings hier schon der lahme Keyboard-Bass.)
Hit Nummer sieben: Self Control (Laura Branigan)
Man kennt die Formel inzwischen: Spannung aufbauen mit Synthie und gebremsten Drums, dann legt die E-Gitarre los. Hier aber nicht schlecht, und wie ja jeder weiß, war es relativ einfach, aus dem Radio eine ganze Cassette mit diesem Lied zu füllen: Zeitgleich war auch die Version von Raff in den Charts. Ansonsten nicht weiter aufregend: Die Begleitung auf dem Synthesizer hätte sogar ich hinbekommen.
Hit Nummer sechs: Love Is A Battlefield (Pat Benatar)
Oha: Schon die zweite Frau auf dieser Liste! Und man muss sagen, dass die sogar halbwegs singen konnte. Das ist mir damals gar nicht so aufgefallen. Denn wichtiger waren für mich die bekannten Zutaten: Spannungsaufbau, Synthesizer, effektvolle Drums, dazu ein schöner Trick - ein paar Textzeilen in unterkühltem Sprechgesang vorweg, die dann nach dem emotionalen whoawoawhoa noch mal wesentlich energischer vorgetragen werden, fertig ist der Song für den jungen nnier.
Vielleicht hat das alles was zu bedeuten: Immerhin entdeckte ich wenig später den allseits verhassten Progressive Rock und vor allem die Gruppe, deren Name nicht genannt werden darf. Da bekam ich Spannungsbögen, Synthesizer und räumliche Drum-Gewitter bis zum Exzess.
Ist es die Lebensphase? Mit aufbauender Spannung hat man ja in einem gewissen Alter usw. usw.; darüber denken wir jetzt mal in Ruhe nach. Und über den zweiten Teil dieser Liste.
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Er hat nicht nur unser vollstes Vertrauen, er hat unser Super-Vertrauen.
(Karl-Heinz Rummenigge)
Leben heißt sterben lernen.Endlose Wochen im Griff des Gilb: Soll man aufgeben? Sich gewöhnen? Verzweifelt aufbegehren? Sich weiter schonen? Mal richtig reinhauen? Noch mehr Kamillentee trinken? Oder doch lieber Bier?
(Rocko Schamoni)
Einen Monat mag es her sein, da besuchte ich drei Herren. Es war brechend voll, viele junge Menschen waren da und wild entschlossen, sich zu amüsieren. Sie kannten die 80er sehr gut, aus diesem Film, und schrien begeistert an den richtigen Stellen: Oh-oh-oheho!
Später kam einer der Stars zu uns ins Raucherabteil. Freundlich bescheiden saß er am anderen Tisch und bewahrte Haltung, während er blond umschwirrt und umzwitschert wurde. Gegen gegen die intensiven Östrogenwolken hatte der dichte Qualm dabei keine Chance.
Das war nur so halbgut, einigten wir uns, das geht mal durch als Gag, dann muss aber vorbei sein, und hoffentlich werden die damit nicht so erfolgreich. Es ist nämlich so: Lustige Technopartyhengste gibt es genug. Ich aber will griesgrämig und verhärmt im Publikum sitzen. Tanzende und jubelnde junge Menschen stören da nur.
Ein paar Tage darauf sah ich einen jungen Mann im Supermarkt einkaufen. FRAKTUS stand auf seiner Mütze, und mir wurde klar: Die Gefahr besteht, dass wegen Menschen wie diesem jetzt nur noch Bumsmusik von denen kommt: Metafiktional und doppelironisch, aber doch Bumsmusik. Auf dem Heimweg summte ich traurig das tröstende Lied.
Ich gilbte weiter, ließ die diesjährige Strunkerlesung vorbeiziehen, es hatte einfach keinen Sinn. Hast du guten Sex gehabt?, bloß weil diese Wangenröte nicht weichen will. Latentes Schwitzen, latentes Räuspern, ich träumte mir einen U-förmigen Verlauf statt dieser ewigen Dürre.
Der umschwärmte Rocko trat wieder auf, alleine hatte ich ihn noch nie gesehen und wagte die erste abendliche Unternehmung seit damals. Er kann lustigen Quatsch machen und schön vorlesen. Ganz unerwartet gut aber gefielen mir die Musikstücke: Fast schon liedermacherhaft, zu zweit mit akustischen Gitarren, ernst und melancholisch. Das teilte ich nachher auch dem Radiomann mit, der mir beim Rausgehen das Mikrophon hinhielt. "Aha, auch mal jemand, der die Lieder gut fand", sagte er.
Hat es dir auch so gut gefallen, fragte ich anderntags die Kollegin, die ich im Publikum bemerkt hatte. Das war nur so halbgut, meinte sie, der hat lustige Sachen vorgelesen, aber das Gesinge, das war langweilig.
Geschmackssache. Für mich die Grundierung, die den albernen Quatsch der drei Herren erst kulturell wertvoll und tröstlich macht, Resonanzboden bietet, Fallhöhe schafft. Deshalb schließe ich mich des charmanten Rockos letzten Worten des Abends an: Fuck Fraktus.
Und Fuck the Gilb.
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'Matensa'latoma
'Tensala'tomaten
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To'matensa'latoma
'Tensala'tomaten
'Salato'matensal'at
Gra
'Natapfel'saftgrana
'Tapfelsaft'granatap
'Felsaftgra'natapfel'saft
Gra'natapfel'saftgrana
'Tapfelsaft'granatap
'Felsaftgra'natapfel'saft
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Hier langen sie wirklich zu, da kostet schon der Parkplatz mehr als eine Ferienwohnung, und man kann nur raten, in welche der Schlangen man sich stellen muss, um irgendwann ahnungslos stammelnd vor der genervten Kassiererin zu stehen, neben deren Fenster endlich ein winziges und kaum entzifferbares Zettelchen unterschiedlichste Preise listet (wofür aber gelten die?) und die schließlich unter Augenverdrehen den nicht geringen Eintritt entgegennimmt, dabei in wirklich abfälligem Ton immerhin noch mitteilend, dass man zunächst zwei Stunden warten, dann aber unbedingt und pünktlich an diesem und jenem Eingang sein muss.


Trotzdem bin ich froh, dass ich das gesehen habe, wenn auch nach der elend feuchtkalten Wartezeit im Laufschritt und deshalb geradezu schmerzhaft oberflächlich.

Und das Bad muss noch warten. Aber ein Anfang ist gemacht.

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Vorweg: Ich habe eine schöne Woche gehabt. Trotzdem bin ich irritiert. Das geht damit los, dass ich für ein Taschengeld anreisen konnte. Das geht damit weiter, dass der Mietwagen knapp seine Kosten decken mag. Und es hört nicht damit auf, dass die Ferienwohnung hinterhergeschmissen war.
Klar: Vorsaison. Klar: Lockangebot. Klar: Mischkalkulation. Vielleicht auch: Glück gehabt. Aber wie kann so etwas auf die Dauer funktionieren?
Spanien ist in der Krise, die Arbeitslosigkeit enorm, da müssen sie vielleicht billig vermieten - aber woher kommen diese geleckten, nagelneuen Siedlungen überall? Es wirkt wie in der ehemaligen DDR, als willkürlich Geld irgendwohingeschüttet wurde, die neugepflasterten Dorfplätze und komischen Marmorbrunnen plötzlich. En Andalucía: Kaum mal eine leere Plastiktüte am Straßenrand, selten mal ein verfallendes Haus, klar eingegrenzt die alten Hotelburgsünden. Statt dessen alle 20 Meter ein öffentlicher Mülleimer, Edelstahlduschen am täglich gesäuberten Strand. Und eine Disney-Siedlung nach der anderen.
Jaah, das ist da unten an der Küste, das ist wegen der Touristen, aber fahr doch mal ins Landesinnere. Gut! Dann nehmen wir mal diese abgelegene Gebirgsstrecke, vor der im Reiseführer gewarnt wird, weil sie so schlecht sein soll.
Jedoch! Jede Straße, jede Autobahn sieht nagelneu aus, da rumpelt nichts, da ist nur satter, dunkler Asphalt, man hört kaum sein Reifengeräusch, da sind überall schnurgerade und makellose Leitplanken: Tonnen von Stahl, der doch so teuer geworden sein soll. Alles sieht aus wie frisch gebaut, und ich frage mich, ob die EU hier kürzlich ein paar Infrastrukturmilliarden abgeworfen hat. Wenn ja: Muss es diese Strecke sein, auf dass die Touristen noch komfortabler vom Strand ins malerische Bergdorf fahren können?
Ach, deshalb ist der Flug so billig. Ach, und wart lieber mal die Schlussrechnung vom Mietwagen ab. Und der Vermieter wird schon wissen, was er tut: Besser als Leerstand, oder?

Wisst ihr was: Mir hat es da gefallen, die Landschaft beeindruckend, die weißen Dörfer schön, der Kaffee in den Bars grandios, aber es bringt mich ins Grübeln, sind das Angst- oder Sumpfblüten, und wenn es irgendwann richtig kracht, wundert mich das nicht.
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Geschlagenheit
Schwitzewallungen
Kübelkeit
Frostulsionen
Hustenwurf
Ausfluenza
Zuckbeschwerden
Intubationszeit
Bader-Meinhof-Wanne
Blutdruckmesse
Mutti Vitamin
Ritalin C
Frisch erpresst
Zwei Arztermin und viel Betruhe
Pimpfausweis
Kropfweh
Erkältungsbart
Heißausbruch
Zylonentee
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Sonn-Tag? Ich habe Kopf-Schmerzen. Film-Riß!
War wieder ein dufte internationaler Frauen-Tag gewesen.
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Erinnern Sie sich noch? Jeder wollte dabeisein, und das aus gutem Grund: Die erste Partei in gleich drei Geschmacksrichtungen, und dann auch noch per Smartphone bedienbar - da war Bionade plötzlich sooo Nullerjahre ...
Ein aparter Tip: Er nippte Atari
Natürlich Apple: Ab dem iPhone 4s war die Parteimitgliedschaft kostenlos vorinstalliert. "Musikkauf oder Revolution: Wir stehen für die beste Benutzererfahrung", verkündete der große Vorsitzende Jobs. Tragisch: Eine nie dagewesene Lawine aus Like-Bekundungen riss ihn viel zu früh aus dem Leben.
#sad #menno
Papi: Irre Tante! Petra ein Pirat!
Jetzt gab es kein Halten mehr: Die attraktiven, jungen Menschen aus den Werbeagenturen vermarkteten sich selbst so gut wie ihre Partei. "Es tut mir leid für die anderen, aber wir werden auf Jahre hinaus unschlagbar sein", twitterte ein Pirat nach der Wahl in diesem einen Bundesland.
#provinz #machtergreifung
Papa nitrierte: Parteirat Pein!
Wer trägt die schönste Nerdbrille? Ist Orange eine Farbe? Darf man heute noch von "Farben" sprechen, und müssen wir es dann nicht erst recht vermeiden? Liquid Democracy kann ja sooo anstrengend sein!
#puh #uff #mannmannmann
Patin parierte, trat in Papiere
Das Buch zum Film zur Partei: Klick mich - jetzt erst recht! erschütterte den deutschen E-Book-Markt und schockte brave Parteigenossen mit unverhüllten Post-Privacy-Schnappschüssen aus Vorstand, Werbeagentur und Tennietagebuch.
#wirgerieteninsvoegeln
Paarte ein Trip / Rippen, Ei, Tatar?
Sooo 2012: Was bleibt von den Piraten?
Faktencheck: Umsatzsteigerung Käptn Iglo (12%)
Geplant: ADHS - die Show (mit Lauer & Ponader, Pro 7)
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Ich hatte ja nie Latein, und als Kind las ich viel. In einer Krimisammlung gab es eine Geschichte namens Habemus Papam, die ich nicht verstand, und immer dachte ich, da ginge es um jemanden, der so heißt. Nepomuk, Balthasar - warum soll da jemand nicht Habemus heißen, dachte ich, und Papam, das war fast wie papan im Stern mit seinen ewiggleichen Pümpelwitzen, oder war's Tetsche.
Lass dich feiern!, schrieb mir neulich jemand eher unerwartet, da gibt es ja diese praktische Geburtstagsfunktion, und er habe übrigens mit dem Dings zusammen eine Online-Agentur gegründet, und falls ihr mal Bedarf habt.
Das ist so eine Sache, die mir immer noch fremd ist, dieses pausenlose Netzwerken, und dass nichts mehr ohne Markt gedacht werden kann. Denn das ist ja erst mal nett, sich von einem nicht so engen Exkollegen nach Jahren plötzlich feiern zu lassen, vielleicht hat der sich damals nur nie getraut, aber dann doch dieser Zweifel, ob es ohne die Agentur, und wenn man sich die Agentur anschaut: Alles Netzwerke von früher, und mit eigener Farcebook-Seite und allem, da kann man draufklicken, da lassen sie sich um die Wette einen Schnoppi stehen, können seriös und aber auch lustig, mal Retro-Sportjacke, mal Businesslook, und dann: *Like!* Der Hammer-Schnoppi! Du bist der Geilste!, schreibt einer, der vielleicht auch gerne in der Agentur mitmachen würde, sich aber vielleicht auch einfach freut, man kann das einfach so schlecht erkennen.
Die leben das einfach selber total, schwärmte damals auch die andere, die bei diesem Business-Netzwerk angefangen hat, total toll, man geht dann zusammen mittagessen, da kann man prima Beziehungen verdinglichen, und, hey, @Vatikan: Ihr seid die Geilsten!, all the Best @Benedikt16, und @Habemus: Ganz großer Fan!
Und wenn ihr mal Bedarf habt.
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Wahrscheinlich renne ich offene Türen ein, und alle lächeln müde und sagen: Ja, das ist doch altbekannt, dass der Wolf Haas so tolle Sachen schreibt. Und da gibt es auf jeden Fall jemanden, der mir schon vor Jahren gesagt hat: Die Brenner-Romane solltest du mal lesen, das wäre genau dein Ding.
Oder er hat in den Kamillentee hineingeschaut und seine Beobachtungen gemacht. Wie es nach jedem Schluck ein bisschen weniger Tee geworden ist, und wenn die Magdalena ihm nachgeschenkt hat, war die Tasse wieder voll, sehr interessant.Ja Scheiße! Ich lese immer mal wieder ein Buch, das ist dann ein gutes Buch oder ein nicht so gutes Buch, aber nur selten im Leben kommt es vor, dass man dasitzt mit seinem Buch und denkt: Jetzt nicht so schnell lesen, damit es länger dauert, spar es dir auf, so wie früher mit den Süßigkeiten: Lieber langsam dran lutschen, dann hast du länger was davon.
Und dann will man mit diesem seligen Lächeln einschlafen, und schwupp!, hört das Kapitel wieder so toll auf, dass man doch wenigstens noch das nächste lesen muss. Und schon wieder ist ein Buch durchgelesen, zum Heulen, da muss dann erst mal ein anderes her, irgendwas Normales, damit man sich nicht so sehr an diese euphorischen Zustände gewöhnt, die Schwelle wieder senken, und vor allem: Nicht so schnell alles weglesen, das muss noch lange reichen, es ist nicht mehr viel übrig, dann aber irgendwann: Jippieh, den nächsten Brenner!, und nun sehen Sie das Elend da oben.
Er hat einen Schluck Kamillentee genommen, da war eine Stelle in der Tasse, wo man gesagt hat, jetzt ist sie noch knapp mehr als halb voll, und dann hat man einen Schluck gemacht, und dann hat man gesagt: Jetzt ist sie weniger als halb voll. Wenn man dann ganz wenig nachgeschenkt hat, war sie wieder mehr als halb voll. Und da gibt es immer die großen Theoretiker, die den Optimismus in die Welt hinaustrompeten, dass jeder normale Mensch einen Gehörschaden kriegt, und die wollen, dass man nicht zugibt, die Flasche ist halb leer. Sie wollen, dass man sagt, halb voll. Dabei gibt es halb gar nicht, das hat der Brenner ja gerade in tagelangen Tests mit seiner Kamillenteetasse herausgefunden.Ohne Witz: Ich habe gestern den fünften Brenner-Roman gelesen, Wie die Tiere, und ich habe begeisterte Selbstgespräche geführt und mich wohlig unter meiner Decke geräkelt, so schön hat sich das angefühlt, das Lesen, ich hätte Kerzen anzünden können für dieses Buch, und dann hat es auf so eine gigantisch gute Weise geendet, dass ich es mit verschleiertem Blick in den Schuber zurückgesteckt habe, und ich nahm mir vor: Jetzt freust du dich noch ein bisschen über dieses tolle Buch, dann aber wird geschlafen.
Und vielleicht erinnern Sie sich auch noch, wie das mit den Süßigkeiten manchmal war, das hielt man einfach nicht aus, die so langsam zu lutschen, dann zerbiss man die Bonbons und schluckte das ganze Brausepulver auf einmal, damit es endlich weg ist, und ich nahm den sechsten Band heraus und las gleich weiter.
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