Mumien, Analphabeten, Diebe.
Du hast's gut, du hast dein Leben noch vor dir.
71@71:#34
nnier | 11. März 2015 | Topic Musiq
- "Songs of joy instead of burn, baby, burn", na, wie schmeckt dir der Pädagogenpop? "Help them to learn", nimm das!, und irgendwas mit Kindern, und Frieden ist besser als Krieg!

- Na ja, äh

Du willst noch mehr? Da hast du! "I light a candle to our love / In love our problems disappear." Und jetzt Kinderchöre, na, wie gefällt dir das? Oder muss ich erst den bunten Pullover rausholen?

- Gnade, Herr! Gnade! Ich werde nie wieder sagen, dass die 80er die "geilste Dekade" waren! Das habe ich nur diesem einen Radiosender nachgeplappert, ehrlich!



Damals hatte ja gerade erst unsere Nicole mit "Ein bisschen Frieden" den Grand Prix de la Chanson d'Eurovision gewonnen, und schon beim Finale, als sie den Song noch einmal darbot und ihn ganz spontan in verschiedenen Sprachen sang, müssen Paul vor dem Fernseher die ersten Ideen gekommen sein, ich meine: "Just like a flower when winter begins / Just like a candle blown out in the wind", Linda, gib mal Bleistift!, "A little loving, a little giving, to build a dream for the world we live in": Was hältst du von "All round the world / Little children being born to the world", du, da mach ich was draus!

Ich war damals noch klein und wurde in diesen Jahren von einem inneren Nagen befallen, das bis heute nicht gänzlich nachgelassen hat. Irgendwas in dieser ganzen Friedenssoße schmeckte falsch, da war zu viel "Piep-piep-piep-wir-ham-uns-alle-lieb" drin, das war banalstes Saccharin, leere Kalorien und eindeutig regressiv im Abgang.

Tierschutz, Kinderschutz, wir können uns alle wunderbar drauf einigen, und dieser ekelhafte Sound der Selbstgerechten ("Jeder hat das Recht auf einen bescheuerten Post – zumindest, wenn er versteht, was er falsch gemacht hat. [...] Er sagt, er verstehe inzwischen selbst nicht mehr, was daran witzig sei. Er sagt, ihm sei durch die Diskussion bewusst geworden, dass es einen 'blinden Fleck' bei ihm gebe. Er sagt, er wolle daran arbeiten. Und er hat um Entschuldigung gebeten"): Schauprozesse, Selbstkritik, Stalin sophisticated, vielleicht sollte man einen Song draus machen.

I light a candle to our love, jetzt bin ich vom Thema abgekommen. Mir war das damals ein wenig zu viel des "Guten", erst Ebenholz und Elfenbein, dann die Friedenspfeifen, all das in familientauglicher George-Martin-Produktion: Selten hat die Helter-Skelter-Gitarre dröhnender geschwiegen. Und man versteht die Vorbehalte gegen den 80er-Paul umso besser, je mehr man sich in diese Zeit zurückversetzt.

Blöd nur, dass da echte Könnner am Werk waren: Es ist halt auch ein toll komponiertes, durchaus komplexes Stück Popmusik, und man ignoriere mal die Frisur und die schlechte VHS-Qualität: An diesen Reglern herumzudrehen, muss die reine Freude sein, z.B. hier oder ein paar Sekunden später, wenn die Tablas einsetzen. Und auch wenn ich kein Freund dieser massiven Unisono-Hintergrundchöre mehr werde ("What do you say / Do you saaay / ..."), habe ich mit diesem Stück längst meinen, ähm, Frieden.

Was das Recht auf einen bescheuerten Post angeht, bin ich mir da nicht so sicher.

Platz 34: Pipes of Peace (1983)

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venice_wolf, Mittwoch, 11. März 2015, 16:56
peace
love
freedom
alm

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kid37, Samstag, 14. März 2015, 12:45
Hm. Die Mailadresse hier ist kapott, daher auf diesem Weg. Kurzer Hinweis auf die Beatles-Reihe bei Servus, akutell "Die Beatles in Obertauern" (50 Jahre "Help"):

http://www.servustv.com/de/Medien/Servus-Reportage49

(Dortselbst auch zwei McCartney-Konzerte. Suchfunktion.)

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nnier, Montag, 16. März 2015, 10:00
Das ist ja nett. Danke für den Programmtipp, ich habe schon mal ein Viertelstündchen hineingeschaut! Man sieht bei dem ganzen (unterhaltsamen) Skizirkus ja auch, in welchen Sackgassen die Band eben nicht gelandet ist. Und dass sie kurz darauf Rubber Soul aufnehmen, kann man gleich gar nicht begreifen.

(Die Mailadresse tut wieder. Offenbar muss man sich da alle paar Jahre mal einloggen, sonst rostet was fest. Danke auch für diesen Hinweis!)

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reuter, Dienstag, 17. März 2015, 20:43
Da hab ich mir dann auch ein bisschen was von angeguckt, das ist ja lustig. Und sehr rührend zum Teil. Die Skihaserln. Und dann die alten Doubles und Zeitzeugen, wenn sie von den Momenten erzählen, als sie ganz nah dran waren. Und die ehemalige Miss Austria, die auf Pauls Flirts nicht eingegangen ist, da er doch eine Freundin hatte. Und ihr Freund auch hin und wieder vorbeikam. Da zehren die alle auf ewig von. Hach.

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reuter, Sonntag, 15. März 2015, 16:32
Hm, das ist ja so gar nicht mein Fall. Kitsch und Pathos. Und wenn man dann noch das Weihnachtsverbrüderungimerstenweltkrieg-Video sieht, gibt es einem den Rest.

irgendwie war er in der Zeit durcheinander.

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nnier, Montag, 16. März 2015, 10:21
Was soll ich sagen, Sie haben ja recht. Ich wüsste auch gerne, ob all diese Verzierungen - wie z.B. das mehrschichtige Pa-pa-dam und der gegenläufige Hintergrundgesang (Linda?) ganz zum Schluss - aus dem Hause McCartney oder von George Martin stammen. Was man Paul immer vorgeworfen hat, den Hang zum Gefälligen, auch Glatten, Harmlosen, ist auf der ganzen LP nachzuvollziehen, die ja aus aufpolierten Resten der auch schon aalglatten Tug of War besteht - und an der er schon bei Veröffentlichung jedes Interesse verloren hatte, da er sich mit aller Kraft in das Filmdesaster Give My Regards To Broad Street stürzen musste.

Komischerweise ist das schon der dritte Song aus diesem ungeliebten Album, den ich hier auf meiner Liste habe. Und auch komisch, dass sowas mal ein Nummer-Eins-Hit sein konnte, denn das ist ja nicht nur Kitsch und Pathos, das ist ja auch ein nicht ganz unkomplexes Stück Musik mit einer Einleitung, ein paar Instrumentalpassagen und Stimmungswechseln. Wobei ich mich eines frage: Wäre das Lied ohne die ganze Deko besser - oder verdeckt sie doch nur seine Schwächen?

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reuter, Dienstag, 17. März 2015, 20:37
Ich weiß es ehrlich nicht, ich bin nicht gut darin, das auseinander zu klamüsern. Sie wissen schon, ich so als Frau, ähm, geh da ganz intuitiv und unanalytisch ran und spüre so, ähm, die Seele raus, das Gesamtkunstwerk. Was ich mag an dem Lied ist seine Stimme, aber nur solange ich Lindas wegdenken kann. Und wenn ich das Kriegsvideo anschaue, mag ich auch seine Stimme nicht mehr. Total unlogisch, ich weiß. "Nicht ganz unkomplex": bestimmt haben Sie recht, aber das ist mir als Kategorie ganz egal. Es trieft einfach von allen Seiten.

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nnier, Mittwoch, 18. März 2015, 14:13
Vollkommen einverstanden, und meist höre ich Musik auch gänzlich unanalytisch. Mir fehlt dazu übrigens jedes Fachwissen und Vokabular. Was ich durchaus bedaure - denn manchmal würde ich schon gerne sagen können, da, diese äolische Kadenz, wie bei Bach! Oder: Der Dur-Moll-Wechsel über dem synkopierten dritten Achtel ist typisch für die Werke dieser Phase, vgl. Songs X, Y und Z.

Dann wieder versuche ich doch mit meinen limitierten Mitteln herauszufinden, was es denn ist, das einen Song für mich besonders macht. Also etwas mehr als "finde ich schön". Bei diesem Stück hier sind es z.B. die melodiösen Instrumentalpassagen, ich weiß gar nicht, welche Instrumente das genau sind, die bei etwa 1:35 einsetzen, nachdem der Kinderchor die "Pipes of Peeea-eeeea-eeea-eeeace" besungen hat.

"Logik ist der Anfang aller Weisheit. Nicht ihr Ende." (Spock). Die hat da auch nichts zu suchen, und ich verstehe schon, wie einem auch ein Video ein Lied versauen kann: Schließlich sind wir ganzheitlich empfindende Menschen, und wenn, wie mal jemand sagte, Herr Schmidt Hunger hat, dann hat der ganze Herr Schmidt Hunger. Und nicht sein Magen.

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