Mumien, Analphabeten, Diebe.
Du hast's gut, du hast dein Leben noch vor dir.
Mittwoch, 7. Dezember 2011
Careful with that glass, Eugene
nnier | 07. Dezember 2011 | Topic In echt
I don't drink water. Fish fuck in it.
(W. C. Fields)
Schwester! Soll ich Flöhe in' Bauch kriegen?
(Schiffskoch Heinrich zu Schwester Agatha, "Timm Thaler")
In meiner Grundschulklasse gab es einen Jungen ägyptischer Herkunft. Beim Hausmeister konnte man in der Pause Getränke kaufen, die seltsamerweise "eine" Kakao hießen, im Winter konnte man "eine warme" oder "eine kalte" Kakao verlangen, das hatte ich schnell gelernt, "eine Vanille" trank ich ab und zu auch, das ließ ich mir als Ellipse gerne gefallen, bloß mit der Geschmacksrichtung "Banane" hatte ich meine Probleme: "Eine Banane", das sagten die alle so, mir wollte das nicht über die Lippen kommen, und eines Tages, denn ich wollte die auch gerne mal trinken, brachte ich genügend Mut auf, "eine Bananenmilch" kaufen zu wollen. Man sah mich abschätzig an, die Gespräche verstummten, der Hausmeister griff betont langsam hinter sich und sagte gedehnt: "Hier, bitte. Eine B-a-n-a-n-e-n-m-i-l-c-h."

Zu Hause berichtete ich, dass man den Viertelliter frische Vollmilch in der Schule für 25 Pfennig kaufen konnte, mithin also günstiger als in der Literpackung bein Konsum, und so praktisch in diesen kleinen Portionen, doch mein Vorschlag, ich könne ja die Milch immer dort kaufen und mit nach Hause bringen, wurde trotzdem abgelehnt: Die ist subventioniert und für die Schulkinder gedacht. "Eine Banane" mochte ich schon deshalb so ungern bestellen, da ich befürchtete, dass man mir eine gelbe Südfrucht in die Hand drücken würde, dann wäre ich ins Stottern gekommen und hätte so tun müssen, als wäre es genau das gewesen, was ich hatte haben wollen, und so blieb es in der Grundschulzeit bei einer einzigen Bananenmilch. Obst gab es übrigens tatsächlich manchmal zu kaufen, was die beschriebene Gefahr durchaus realistisch erscheinen ließ, Äpfel zumeist. Einmal, im Herbst, standen große Kisten mit nicht immer ansehnlichen, aber sehr aromatischen Äpfeln da, die man sich einfach nehmen konnte. Ein Bürger hatte diese Äpfel den Schulen gespendet, mir schmeckten sie ganz wunderbar, es war nur schwierig, das zuzugeben inmitten von Kindern, die laut "Ihhhh!" riefen, weil diese Äpfel wie Äpfel aussahen, die mal an einem Baum gehangen hatten, manche leicht schrumplig oder mit einer kleinen Stelle. Zwei Tage lang wurden diese Äpfel auf dem Schulhof durch die Gegend geschossen und geworfen, ich musste mir dann vorstellen, dass der Bürger am Schulhof vorbeispazieren würde und sich das ansehen musste.

"Magst du eigentlich Wasser?", fragte mich in einer Pause mein ägyptischer Mitschüler, "ich trinke nie mehr Wasser!", und bevor ich fragen konnte, fuhr er fort: "Wir haben doch gelernt, dass aus Pisse Wasser wird." Tatsächlich hatten wir etwas über Klärwerke und den Wasserkreislauf gelernt, das ihn tief beeindruckt haben musste, denn mit großem Ernst sah er mich an und sprach: "Wenn aus Pisse Wasser wird, dann ist Wasser Pisse." Er nahm einen Schluck von seiner kalten Kakao, deutete mit dem Finger auf mich, und sein Blick wurde noch eindringlicher.

Pyramiden, Pharaonen, Sphinx und Alexandria: Bleiben Sie mir weg mit Ihren ägyptischen Assoziationen von der Stange. Mein Leben lang nämlich schießen diese eindrucksvollen Worte durch meinen Kopf, ein Satz, den ich nie vergessen werde: "Und wenn du Wasser trinkst, dann trinkst du Pisse!"

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